Beethoven
5. November 2009
Ich freu’ mich auf eine kleine und feine Konzertveranstaltung am Samstagabend in Meppen. Vielleicht auch etwas für Sie? Um 20 Uhr spielt im Theater im Windthorst-Gymnasium das Beethoven-Quartett Bonn und nicht -wie vorgesehen- das staatliche Sinfonieorchester Istanbul. Die Theatergemeinde Meppen freut sich auch, schreibt sie in einer Presseerklärung, mit dem 2006 in der Geburtsstadt Beethovens gegründeten Quartett mehr als nur ein Ersatzensemble verpflichten zu können.
Die vier Musiker gründeten ihr Quartett unter Bezug auf eine große Vergangenheit, weshalb sie sich auch Beethoven-Quartett benannten. Beethoven gilt als die die geistige Mitte des Quartettspiels, der Kammermusik überhaupt. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts gab es ein unvergleichliches Beethoven-Quartett, das sich aus Moskauer Philharmonikern um den „Beethoven des 20. Jahrhunderts“ bildete, um Dmitri Schostakowitsch.
An ihn und sein Ensemble will das neue Beethoven-Quartett mit seiner Gründung erinnern. Das Quartett öffnet sich nicht nur der Moderne, sondern will auch anregen und animieren zu neuen musikalischen Experimenten und Denkfiguren. In Meppen wird es Joseph Haydns Streichquartett d-Moll op. 103 (Hob. III: 83), Ludwig van Beethovens Quartett für zwei Violinen, Viola und Violoncello (a-Moll) op.132 (1825) und Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett Nr.2 a-Moll op.13 aufführen. Das Quartett besteht aus den namhaften Musikern Jacek Klimkiewicz, Violine, Hideko Kobayashi, Viola, Angela Schwartz, Violoncello und mein alter Freund und Mitabiturient am Lingener Gymnasium Georgianum Laurentius Bonitz, Violine.
Lau Bonitz dürfte dem einen oder anderen noch als musikalischer Leiter des Europäischen Musikfestivals in Erinnerung sein, das 1992 in Lingen (Ems) stattfand. Weil es dem Vernehmen nach dem damaligen Oberstadtdirektor nicht preiswert genug war, ist es nicht neu aufgelegt worden. In Lingen ist es eben schon fast traditionell etwas schwieriger, mit klassischer Musik Gehör zu finden.
Eintrittskarten für das Meppener Konzert zum Preis von 17 € (Vergünstigungen für Schwerbehinderte, Jugendliche zahlen nur 5 €) gibt es in Meppen bei der Touristinformation (TIM), am Markt, und im Internet unter www.theatergemeinde-meppen.de.
Mehr:
Option
26. August 2009
Meldung aus dem Rathaus:
Vollsperrung der Klasingstraße
Die Stadt Lingen (Ems) teilt mit, dass für die Asphaltarbeiten in der Klasingstraße eine Vollsperrung von Mittwoch bis Samstag erforderlich wird. Für Radfahrer bleibt der neu angelegte Weg in Richtung Marktplatz befahrbar. Die direkt betroffenen Anlieger werden durch die Bau ausführende Firma Lüttmann über die Einzelheiten der Sperrungen unterrichtet. Für den Anliegerverkehr besteht die Möglichkeit, ihre Grundstücke über Henriette Flatow-Straße/Baccumer Straße/Am Wall-Nord zu erreichen.
Die Stadt Lingen (Ems) bittet um Verständnis für die unvermeidlichen Behinderungen.
Mit Verlaub: Ich habe für diese Sperrung kein Verständnis. Die Klasingtraße wird seit Anfang April umgebaut, zunächst die Kanalisation, seit Anfang Juni die Straße selbst. Die Klasingstraße hat die beeindruckende Länge von rund 170m. Die Frage: Warum müssen 170m Asphaltarbeiten 4 Tage dauern? Warum der simple Straßenumbau fünf Monate?
Wenn tagsüber 8 Stunden zwei bis drei Arbeiter anwesend sind, ist dies und die damit verbundene Belastung der Anwohner wie Verkehrsteilnehmer kein Wunder. Als ich die jüngste Klasingstraßensperrung-Meldung der Stadtverwaltung las, erinnerte ich mich, wie es auch anders geht. Jüngst war ich ein paar Tage in Finnland und erlebte dort, wie mit einem massiven Einsatz von Gerät und Arbeitern binnen einer Nacht (!) erst die eine Seite und dann binnen einer weiteren Nacht die zweite Fahrbahn einer 4-spurigen Hauptstadtbrücke abgefräst und neu asphaltiert wurde. Und die war ja auch nur 400 Meter lang…
Gestern nun diskutierte ich mit einem meiner Jungs: Warum werden Straßenbaumaßnahmen in Deutschland immer so zäh abgewickelt und dauern so unglaublich lange. Als wir darüber sprachen, standen wir in unserem Wagen vor der unverhofft wieder eingerichteten Doppel-Baustelle B 213 Ortsumgehung Löningen, die uns diesmal 30 Minuten Zeitverlust bescherte. Ich meinte, es sei ein Strukturproblem des öffentlichen Dienstes in Deutschland. Den betreffenden (handelnden möchte ich nicht sagen) öffentlich Beschäftigten ist es einfach gleichgültig, dass es auch schnell geht. Sie haben nichts davon. Also geht es langsam. Reichlich genervt von der ganzen Warterei und unter Hinweis auf die unsägliche aktuelle 14 km-B402-Baustelle bei Wettrup plus B 402-Sperrung in Meppen sowie die jahrelange A30-Imkopetenz, sprach ich wohl auch von „sch…-egal“ und erwähnte meine jüngsten ausländischen Erkenntnisse und dass ich wegen der Klasingstraße im Stadtrat nachfragen wolle, auch wenn man mich da wieder zuzuschwätzen versuchen und mit Ausreden überhäufen werde, weil der öffentliche Dienst einfach nichts falsch macht. „Da hast Du doch noch eine Option: Kannst nach Finnland auswandern und es von Vox übertragen lassen.“ war Juniors Antwort. Na, Kiistos!
Sofa
29. Mai 2009
Wie von mir angekündigt, gab es die erwartete Ratssitzung. Gestern hat der Lingener Stadtrat alles so abgesegnet, wie es die CDU mehrheitlich beschlossen hat. 29,5 Mio Euro für eine Emslandarena an der Hedon-Klinik plus Grundstück. Geradezu mit Inbrunst argumentierte unser lieber Oberbürgermeister, wie illegal die Nutzung der Emslandhallen am jetzigen Standort ist und wie schrecklich es ist, dass Udo Jürgens in Nordhorn auftreten muss, weil Lingen keine 2.500 Hallensitzplätze bieten könne. Und die ganze (!) CDU applaudierte – also auch die CDU-internen Gegner des Projekts- und dann war die SPD dafür, weil sonst Lingen genau so eine provinzielle Stadt „wie Haselünne oder Meppen“ werde, und auch die FDP erging sich in Elogen an die Adresse des so mutig handelnden Oberbürgermeisters Pott.
Es gab zwei Neinstimmen zu dem Projekt. Michael Fuest (Bündnis ‘90/Die Grünen) und, naja, Sie wissen schon. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass die ganze B214-Planung ein falscher Weg ist, der auf der Unwahrheit aufbaut, der Betrieb der Emslandhallen sei zu laut und damit „rechtswidrig“; deshalb sei ein Arena-Umbau nicht möglich.
Nebenbei: Schon die dazu auch gestern wieder von OB Heiner Pott und seinem Stadtbaurat Lisiecki verbreitete Lärm-These stimmt nicht, dass sich Lärm bei 3 dB Zunahme vom subjektiven Empfinden her verdoppele. Wikipedia weiß es besser: „Nach übereinstimmenden wissenschaftlichen Untersuchung wird eine Erhöhung um 10 dB als Verdopplung der Lautstärke empfunden.“
Dass es nicht um Veranstaltungslärm geht, ergibt sich bereits daraus, dass die neue Halle schalldicht erstellt wird. Es geht damit lediglich um den Lärm der an- und abreisenden Besucher. Es geht um 650 Parkplätze auf dem Kirmesplatz. Der notwendige Rest von 850 Stellplätzen steht dann an der Berufsakademie, der Halle I/II des ehem. Ausbesserungswerks, am Emslandstadion und in den Parkgaragen im Stadtzentrum ungenutzt bereit, wenn Abends Veranstaltungen stattfinden. Und mit polizeilicher Hilfe kann jeder Veranstaltungsverkehr vom Kirmesplatz binnen 20 Minuten abfließen.
Worum geht es also wirklich? Nun es geht erst einmal um die Unfähigkeit der Verwaltungsspitze, den denkbaren Einspruch des direkten Nachbarn und Kaufmanns Bernhard van Lengerich auszuräumen. Der hat nicht vergessen, welche Schwierigkeiten ihm die Stadt Lingen (Ems) in den 80er und 90er Jahren gemacht hat und wehrt sich jetzt. Zweitens muss aber mit dem Arena-Projekt in diesem Jahr begonnen werden, sonst stehen die 5 Mio Euro aus dem Konjunkturprogramm nicht zur Verfügung, das Geld ist futsch und die Vertreter der Stadt Lingen (Ems) haben sich richtig schön blamiert. Wegen van Lengerich ist dies nach Ansicht der Rathausspitze nicht möglich. Also muss irgendeine Alternative her. Deshalb ist übrigens inzwischen auch die FDP für Laxten, schließlich hat sich FDP-Mann Jens Beeck für die 5 Mio aus dem Konjunkturtopf engagiert.
Ein zweiter Kritikpunkt kommt hinzu:
Die Planungen gründeten sich bisher auf eine Machbarkeitsstudie der Fa Wenzel Consulting GmbH aus dem Mai 2008 „zur Ertüchtigung der Emslandhallen“ und deren Zahlen. Die Herren empfahlen seinerzeit eine Variante mit 5000 Sitzplätzen (Kürzel „Variante B – Ausbaustufe 3″) mit 5000 Sitzplätzen. Die Wenzel-Experten setzten dafür Kosten von 19 Mio Euro an. Bei der Arena in Laxten sind es für 3500 Sitzplätze inzwischen 25 Mio Euro plus 4,5 Mio Euro Steuern plus Grundstück. Das sind nicht mehr 3500 Euro pro Sitzplatz sondern 8500 Euro pro Sitzplatz. Ein wesentlicher Grund sind die enormen Aufwendungen für Parkplätze.
Hinzu kommen laufende Bewirtschaftungskosten von rund 1,1 Mio Euro pro Jahr, das sind 20 Euro pro Einwohner im Jahr; die Einnahmen aus dem Betrieb der Arena kann man dabei nicht gegenrechnen. Sie werden allemal für die Kreditkosten verbraucht. Zum Vergleich: Für ihre gesamte kommunale Kulturarbeit wendet die Stadt zurzeit rund 25 Euro pro Einwohner und Jahr auf. Zudem ist die Rechnung nicht ganz klar: Denn Wenzel-Consulting rechnete vor Jahresfrist mit Bewirtschaftungskostenvon 3,50 Euro pro Besucher und kalkulierte angesichts der Synergieeffekte in den Emslandhallen mit 300.000 Besuchern pro Jahr. OB Pott hat auf der Bürgerversammlung im Gauerbach von 50-60 Veranstaltungen pro Jahr in der 3500-Plätze-Emslandarena in Laxten gesprochen. Bei ehrlicher Betrachung dürften die Besucherzahlen also deutlich unter 300.000 pro Jahr liegen. Selbst bei voller Auslastung des Arenalein in Laxten käme man nämlich nicht auf 300.000 Besucher. 60 x 3500 sind nicht 300.000 . Rechnen Sie mal nach. Es geht nicht ganz auf … ![]()
Meine Schlussfolgerung: Das Konzept am falschen Platz ist schlicht zu teuer und nicht finanzierbar. Und wenn in der 150.000-Einwohner-Großstadt Osnabrück zeitgleich der Plan für eine Veranstaltungsarena scheitert, weil das Geld eben nicht reicht, sollte Lingen genau nachrechnen und nachdenken, bevor es wegen je 5 Mio Euro Zuschuss von Onkel Hermann aus Meppen und Onkel Christian aus Hannover ein finanzpolitisches Wagnis eingeht.
Mein Vorschlag bleibt die „Ertüchtigung der Emslandhallen“ am bisherigen Standort mit dem bisherigen Veranstaltungsmix und hin auf neue Veranstaltungsformen – so wie es die Experten von Wenzel Consulting erarbeitet haben und so wie es der Stadtrat am 3. Juli 2008 beschlossen hat. Allerdings muss dazu unser Heiner Pott auf’s Sofa von Nachbar Bernhard van Lengerich, Käffchen trinken und verhandeln, und das will oder kann er nicht.
Leute, sonst wird es zu teuer! Zu den dann drohenden Folgen habe ich im Internet jetzt schon dies gefunden:
Domain erwerben
Sie können die Domain emslandhallen-lingen.de kaufen!
…