Resistenz
11. Mai 2012
Vor knapp einem Jahr waren mehrere Frühgeborene (“Frühchen”) im Klinikum Bremen-Mitte an multiresistenten Keimen erkrankt, drei von ihnen starben. Im Februar wurden gefährliche Keime in der Frühgeborenen-Station in Stade festgestellt und jetzt im Ludmillenstift in Meppen. Der NDR berichtet:
“Auf der Frühchenstation eines Krankenhauses in Meppen sind multiresistente Keime gefunden worden. Heute starten die Untersuchungen des Landesgesundheitsamtes. Experten der Behörde sind vor Ort.
Insgesamt fünf Frühgeborene seien betroffen, teilte das Niedersächsische Sozialministerium am Donnerstag mit. Bei den Neugeborenen sei eine Variante des Darmbakteriums E. coli (Foto re.) entdeckt worden – sie seien aber nicht erkrankt, sagte ein Ministeriumssprecher. Seinen Angaben nach sind die Babys isoliert untergebracht, die betroffene Station wurde desinfiziert und ist mittlerweile für Neuaufnahmen gesperrt. Auch das Personal und alle übrigen Frühgeborenen seien untersucht worden, so der Sprecher.
Woher aber kommen die lebensbedrohenden Keime, woher können sie kommen und vor allem was muss man tun?
Schon seit 2004 praktiziert die Euregio-Klinik Nordhorn, was im Nachbarland noch länger Standard ist. Sie gehört einem grenzüberschreitenden Verbund von Krankenhäusern in Niedersachsen, den Niederlanden und Nordrhein-Westfalen an, in dem Krankenhauskeime systematisch bekämpft werden. Eine jetzt auch in der Hygieneverordnung verankerte Maßnahme: Patienten bestimmter Risikogruppen werden bei der Aufnahme systematisch auf multiresistente Keime untersucht. Alle Risikopatienten werden mittels eines Schleimhaut-Abstrichs untersucht.
Risikopatienten sind Menschen mit chronischen Wunden, solche, die in den vergangenen sechs Monaten mit Antibiotika behandelt wurden oder beruflich mit Tieren zu tun haben. Seit einiger Zeit werden Landwirte in Nordhorn grundsätzlich getestet. Die Hygieneverordnung des Landes schreibt jetzt allgemein vor, Menschen durchzutesten, die beispielsweise mit Mastgeflügel zu tun haben. Dort wird mit Antibiotika bisweilen nicht so umgegangen, wie es sein muss. Erst ga es die resistenten MRSA-Erreger als Begleiter der Schweinemast, aktuell sind die ESBL-Bakterien, u.a auch das Meppener e.coli, ein besonders großes Problem. Sie finden sich in den Produkten und Abfällen der Masseentierhaltung -nach einem Bericht der taz “in Broilerfleisch und Hühnerkacke” – wobei pflichtschuldigst das hannöversche Landwirtschaftsministerium einen Zusammenhang zwischen der hierzulande bedrohlich hohen Besatzdichte und der Antibiotika-Vergabe sowie durch sie gezüchteter Keimresistenzen ablehnt. Das sieht zwar die Tierärztekammer des Landes anders (“…abhängig von vielen Faktoren, natürlich auch von der Besatzdichte”). Sie war übrigens nicht zum 5. “Forum gesundheitlicher Verbraucherschutz” geladen, das Ende April in Hannover Landesgesundheitsamt, Ärztekammer, Landesamt für Verbraucherschutz und CDU-Agrarminister Gert Lindemann zusammenführte, um die wachsende Gefahr antibiotikaresistenter Erreger zu diskutieren (mehr..).
Man erkennt, dass die Nahrungsmittelerzeugung und resistente Keime miteinander zu tun haben. Damit sind wir wieder bei den Massentierställen, die sich wie ein stinkendes Gitter über die Region legen und sie in Risikohaftung nimmt. Zuerst Ihre Betreiber und deren Familien: Nutztierhalter sind ein Risiko in Krankenhäusern. Dies sagt eigentlich schon alles und unterstreicht die Erkenntnis, dass es mit dieser Art der Nahrungsmittelproduktion nicht weiter gehen darf.
Der mühsame Erkenntnisprozess, dass nicht alles entstehen darf, was man will, hat jetzt offenbar auch den emsländischen Agrarindustriellen U. für einen 83.600- Plätze-Hühnermaststall in Langen (Samtgemeinde Lengerich) erreicht. Die im Landkreis Emsland 2010 etwas veränderte Genehmigungspraxis bei Mastställen sollte nämlich wegen U.’s Klage gestern zum ersten Mal das Verwaltungsgericht Osnabrück beschäftigen. Ein Sprecher des Gerichts hatte dem anstehenden Verfahren daher eine “Pilotfunktion” zugesprochen. Der Landmann wollte nicht die Auflage akzeptieren, u.a. ein Keimschutzgutachten vorzulegen. Dann aber zog der Mann nach der mündlichen Verhandlung die Klage zurück. Offenbar hatte das Verwaltungsgericht ihm deutlich gesagt, dass er keine Chance habe, und da er wollte er wohl kein Präzedenzurteil riskieren.
Bernd Schlömer
29. April 2012
Bernd Schlömer kommt aus Meppen, genauer aus dem Meppener Stadtteil Bokeloh. In der Kreisstadt ist er 1971 geboren und aufgewachsen. 1990 machte er am Meppener Marianum sein Abitur. Anschließend ging es zum Grundwehrdienst zu den Panzergrenadieren in die Frieslandkaserne Varel; nach dem Grundwehrdienst studierte an der Universität Osnabrück Sozialwissenschaften und war mehrere Jahre in der studentischen Selbstverwaltung der Universität tätig, unter anderem als ASTA-Referent. Nach dem Diplom studierte Bernd Schlömer in Hamburg noch Kriminologie, schloss dieses Studium ebenfalls mit einem Diplom ab und sagt heute: „Ich wäre auch gerne Gefängnisdirektor geworden“. Nach seinem Studium arbeitete er im Bundesverteidigungsministerium, der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg und heute als Referent für Haushalts-, Organisations- und Verwaltungsangelegenheiten mit der Verantwortung für die Finanzen der Universitäten der Bundeswehr.
Seit 2009 ist er Mitglied der damals drei Jahre alten Piratenpartei (Mitgliedsnummer 2483). Seine Motive einzutreten: „Im Zentrum steht das freie Individuum. Das ist klassischer Liberalismus plus Staatsskeptizismus“. Vorbilder sind für ihn Liberale wie Gerhard Baum oder Burkhard Hirsch sowie Ex-Kanzler Helmut Schmidt (SPD). Für ihn bedeutsam sind solidarisches Handeln, Gemeinwohl sowie ein „bedingungsloses Einkommen, damit sich die Menschen entwickeln können“. Viele Politiker in anderen Parteien, verriet er im Gespräch der NWZ, empfindet er als „Würdenträger über den Wassern“. Er selbst möchte auch in der Parteispitze versuchen, „Ehrfurcht und Anstand zu bewahren“.
Stuttgart 21, Atomwende, die Rekommunalisierung von Versorgungsbetrieben und natürlich das neue digitale Zeitalter sind für den Mann aus Meppen-Bokeloh wichtige Beispiele einer anderen Politik. „Wir stehen an der Schwelle zu neuem Denken und Handeln“, sagt er. und fordert freien Zugang zu Bildung, Toleranz, Integration, eine zeitgemäße Familienpolitik und ein neues Urheberrecht.
Damit will Bernd Schlömer mit seinen Piraten 2013 die “stärkste liberale Partei” Deutschlands werden. “Ich werde mich dafür einsetzen, innovative sozial-liberale Ideen zu entwerfen, die den Anforderungen im Informationszeitalter zum Wohle der Bürger gerecht werde.” sagte “der überzeugte Katholik” zur MT. Den 80jährigen Vater in Meppen hat er längst überzeugt: „Er wählt jetzt auch die Piraten!“
Leider
28. April 2012
In den 1960er Jahren, als es den Landkreis Emsland noch nicht gab, entschloss sich unser Städtchen, dessen überzeugter Bürger ich bekanntlich bin, damit zu werben, der zentrale Mittelpunkt der Region zu sein. Ich meine mich zu erinnern, dass diese Verortung sogar auf dem Freistempelabdruck der Stadtverwaltung prangte. Wohl gemerkt, Lingen war nicht nur irgendein Mittelpunkt, es war tatsächlich der zentrale… tzzzz.
Da fand ich dann heute Abend eine quasi beglückende Fortsetzung. Bei meinen Recherchen über meinen morgigen Beitrag fiel mir nämlich dieser Tweed vor die Füße:
“Leider in der Mitte”! Schööööön.
FrühlingserwachenFrühlingserwachen
25. März 2012
(Hilfestellung Horridoh!)
14. Februar 2012
Facebook ist als größtes soziales Netzwerk mit mehr als 800 Millionen Menschen eine gewaltige Datensammelmaschine. Die Daten über Freundschaften, Vorlieben und Verbindungen der Nutzer machen das Netzwerk ja gerade aus. Klar ist aber auch: Mit diesen Daten verdient Facebook Geld und nutzt sie für Werbezwecke. So steht es ausdrücklich in den Facebook-Datenschutzrichtlinien. Allerdings: „Ohne deine Zustimmung geben wir keine deiner Informationen an Werbetreibende weiter“, versichert das Unternehmen.
Thilo Weichert, Schleswig Holsteins Datenschutzbeauftragter, sagte trotzdem schon im letzten Sommer, Firmen und Behörden in seinem Bundesland sollten „Gefällt mir“- Knöpfe von ihren Web- und Fanseiten bei Facebook löschen und seine Behörde leitete erste Verwaltungsverfahren gegen Firmen und Behörden seines Bundeslandes ein. Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte Joachim Wahlbrink unterstützt zwar die Auffassung seines Kieler Kollegen, will aber nicht an Behörden und Firmen appellieren, ihre Facebook-Aktivitäten einzustellen. Man habe “zu wenig Leute” für all die Institutionen und Kommunen. Zuletzt hat -na wer wohl? richtig!- Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) die Fahndung der Polizei über Facebook genehmigt. Trotz aller Bedenken. Ich nehme an mit Gesichtserkennungsprogramm. Dabei warnen die Datenschützer.
Der Landkreis Friesland mit dem Sitz in Jever hat sich vor einigen Monaten entschieden, seine Facebook-Fanpage zu deaktivieren. Auch mehrere Kommunen sind skeptisch geworden. Vor allem der (von mir auch schon einmal in Gebrauch genommene) „Gefällt-mir“-Button stört. Das Symbol mit dem gehobenen Daumen ist bereits vor Monaten von Bremens Internetauftritt verschwunden, als die Betreiber die Funktion kritisch sahen. „Dann werden immer, wenn man die Seite aufruft, egal ob man den Button anklickt oder nicht, die Daten in die USA übertragen“, sagte der Geschäftsführer der Bremen online services GmbH, Stephan Klein. Die Fanpage von Bremen soll aber bleiben. Ebenso die Seite des Landkreise Osnabrück. die Kreise Emsland und Grafschaft Bentheim präsentieren weitgehend leere Seiten, ebenso die Städte Nordhorn, Meppen und Papenburg. Und die “Regierungsorganisation” Lingen plappert derweil heftig auf facebook. Ich finde Wettermeldungen und gar ein altes Foto mit meinem Opa, der aber namentlich nicht erwähnt wird…, vielleicht weil er ja so hieß wie der unbotmäßige Enkel?
Doch wie lange gibt es noch die facebook.de-Släsch-Lingen? Denn der städtische Personalrat hat massive Bedenken angemeldet. OB Krone hat es trotzdem im Alleingang gemacht und damit womöglich die gesetzlichen Mitbestimmungsrechte seiner Mitarbeiter und ihrer Vertretung verletzt. Es wird eine Klage geben. Der Personalrat nimmt seine Rechte wahr. Gefällt mir.
Weil
28. November 2011
Knapp 65000 niedersächsische Sozialdemokraten haben gestern Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil zum SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen am 20. Januar 2013 gewählt. Bei einem Mitgliederentscheid am Sonntag entfielen 53,3 Prozent der abgegebenen Stimmen auf den 52-Jährigen. Sein Konkurrent, der noch amtierende SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies, kam auf 46,1 Prozent der Stimmen. Damit wird Weil zum Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU). McAllister hatte im Juni 2010 vom Landtag zum Nachfolger von Christian Wulff gewählt geworden war, als dieser Bundespräsident wurde.
Bis 16 Uhr konnten die SPD-Mitglieder gestern ihre Stimme in einem der 563 Wahllokale der Partei abzugeben. An der Abstimmung der niedersächsischen SPD beteiligten sich nur 39,6 Prozent der 65.000 Mitglieder der Landespartei. Beobachter hatten im Vorfeld eine noch geringere Wahlbeteiligung erwartet. Erwartungsgemäß gewannen Lies und Weil in ihren Regionen. Lies erhielt im Nordwesten Niedersachsens bis zu 84 Prozent der Stimmen. Weil fand vor allem im Bezirk Hannover viele Unterstützer und kam hier teilweise auf bis zu 75 Prozent.
Nicht ganz einfach ist es, die Stimmenzahl der beiden Kandidaten in unserer Region zu finden. In Meppen wurden die abgegebenen Stimmen aus den SPD Unterbezirken Osnabrück, Emsland, Grafschaft Bentheim, Cloppenburg, Vechta und der Stadt Osnabrück ausgezählt. Wahlberechtigt waren hier insgesamt mehr als 5800 SPD-Mitglieder. In der “Zählstelle Meppen” stimmten 1184 Genossen(61,1 %) für den landesweit unterlegenen Landidaten Olaf Lies, 747 Stimmen gab es für Gewinner Weil (38,5%), 8 Abstimmungsberechtigte enthielten sich. Zu erwähnen ist die sehr geringe Wahlbeteiligung in der Region von lediglich 32,9 %.
In Lingen wählten die Sozialdemokraten von 10 bis 16 Uhr im Falkenheim in der Ludwigstraße. Ein Lingener Ergebnis ist aber nicht bekannt; die lokalen Genossen verzichteten bis Mitternacht auf eine Information. Nur Altgenosse Hajo Wiedorn teilte auf seiner facebook-Seite mit, er wähle Stephan Weil. Dann lag er ja richtig.
Liebeserklärung
25. November 2011
Heute gefunden auf ZEIT-online (und gedacht an diesen Beitrag hier im Blog) Gerhard “Kromschröders ganz eigene humorvolle Liebeserklärung an [unsere] Region”. Mein Emsland.
“In den Treckerfurchen liegt die Wahrheit
Der Journalist Gerhard Kromschröder begann sein Berufsleben im Emsland. Nun hat er die Region wieder besucht und einen ironischen Bildband veröffentlicht.Es ist trostlos und wunderschön. Öde Heidelandschaften, stinkende Torfmoore, Grau in allen Schattierungen bis zum Horizont und dazu störrisch-stoische Ureinwohner. Es gibt wohl kaum eine Gegend in Norddeutschland, die den Besucher melancholischer stimmt als das Emsland.
Wer nicht zwischen Papenburg, Meppen und Lingen geboren wurde, wird hier selten heimisch werden. Vielleicht hat das Emsland deshalb keine Karriere als Touristen-Gegend gemacht? Nur ganz selten verguckt sich jemand in diesen Landstrich. Einer von ihnen ist der Journalist Gerhard Kromschröder.
In den sechziger Jahren begann der ehemalige Stern-Reporter seine Laufbahn bei der Ems-Zeitung. Wirklich warm wurden die Emsländer aber nie mit ihm. Kromschröder eckte an, stellte unangenehme Fragen nach den Moorlagern der Nazizeit. Seine Recherchen waren ein Skandal. Und trotzdem liebte er die Gegend, zog mit der Kamera durchs Moor, über Wiesen und Heidefelder. Er hielt die spröde Schönheit in Schwarz-Weiß fest. Die Bilder kann man im Buch Emsland Schwarz-Weiß anschauen. Ende der Sechziger verließ er…”
Expeditionen ins Emsland. Ein deutscher Bilderbogen.
Edition Temmen (204 Seiten, 24,90 Euro)
ISBN 978-3-8378-5020-8
9. November
9. November 2011
Gedenkfeiern
heute am 9. November
im Emsland zur Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 in
Lingen (Ems),
Lengerich,
Freren,
Haren,
Meppen,
Sögel,
Papenburg.
Noch ein Wort zu Sögel. Dort werden heute erstmals Stolpersteine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt, zunächst in der „Alte Poststraße“ zum Gedenken an die Familie Bertha Jacobs und im Anschluss daran in der Straße „Am Pohlkamp 10“ zum Gedenken an die Familie Gottfried Grünberg und daran anschließend in derselben Straße bei der Haus-Nr. 6 zum Gedenken an die Familie Isidor Grünberg. Im Anschluss daran, lese ich auf der Webseite der Gemeinde im Gegensatz zur NOZ, ist die Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Reichsprogromnacht am Denkmal in der Straße „Am Pohlkamp“ vorgesehen. Dazu sei die gesamte Bevölkerung ebenso wie zu der anschließenden Kaffeetafel im Heimathaus eingeladen. Leider findet sich auf der Internetseite der Gemeinde Sögel keine Uhrzeit. Die Lokalzeitung meldet allerdings, dass die Veranstaltung um 15 Uhr beginnt.
Ähnlich gedankenlos präsentieren sich leider auch die Internetseiten der Stadt Freren und Lengerich. Noch peinlicher: Andere emsländische Orte, in denen noch Spuren jüdischen Lebens zu finden sind, ignorieren diese und verzichten gleich ganz auf Gedenkveranstaltungen. Zu nennen sind Aschendorf, Haselünne, Herzlake und Lathen.
(Foto: Jüdischer Friedhof in Lingen (Ems) © Forum Juden – Christen, Altkreis Lingen eV)
Meppen
3. Oktober 2011
Heute habe ich mit reichlicher Verspätung ein Stück “emsländische” Literatur entdeckt. Den “Jugendroman” von Gerhard Henschel. Sein Inhalt:
Martin Schlosser, der Held des Kindheits- und Jugendromans, bricht als Dreizehnjähriger in der emsländischen Kleinstadt Meppen zu neuen Abenteuern auf, im leuchtenden Sommer 1975, und sie führen ihn tief hinab in die Gräuel der Pubertät und in den Kampf mit einer Welt, die einfach nicht begreifen will, dass er es gut mit ihr meint: Er möchte für Deutschland Tore schießen und in einer großen Liebe die Erfüllung all seiner Träume finden. Ist das zu viel verlangt? Am Anfang sieht es ganz so aus, und am Ende erst recht…
So führt der Klappentext von Gerhard Henschels “Jugendroman“ in das Buch ein.
Die FAZ rezensierte das vor einem Jahr. Die Internetseite Perlentaucher berichtete anschließend: “Für Freunde autobiografischer Großprojekte a la Walter Kempowski haben Rezensent Wolfgang Schneider : Den “Jugendroman” von Gerhard Henschel, in dem der Autor erneut seiner “archivalischen Obsession” nachgehe und sich an die Ödnis seiner Provinzjugend in den Siebzigern erinnere. Zwischen Klavierstunde und Gartenarbeit erwachen nun auch erste sexuelle Regungen bei dem pubertierenden Protagonisten und so amüsiert sich der Kritiker, wenn der Ich-Erzähler sein zur Konfirmation geschenktes Fremdwörterlexikon eifrig nach Worten wie “Penetration” oder “Pessar” durchsucht. Neben solch einfühlsamen “Wortfetischismen” gelinge dem Autor vor allem die “anekdotische Zuspitzung” der immer wieder in die Erzählung montierten Redensarten und Werbesprüche der Siebziger. So ganz könne der Roman dann aber doch nicht mit Kempowskis Weltkriegserinnerungen mithalten, meint der Rezensent; dazu seien die Siebziger schlichtweg zu “langweilig”.
Der 1962 geborene, in Hannover, Koblenz, Vallendar und eben in Meppen aufgewachsene Autor studierte Germanistik, Soziologie und Philosophie in Bielefeld, Berlin und Köln und lebt heute als freier Schriftsteller in Hamburg. Er veröffentlichte Satiren, Sachbücher und Romane, darunter “Kulturgeschichte der Missverständnisse” (mit Brigitte Kronauer und Eckhard Henscheid, 1998) und “Jahrhundert der Obszönität: Eine Bilanz “ (mit Eckhard Henscheid, 2000). Mehr…
1655
8. September 2011
und Sie sehen, wie man ein historisches Gebäude durch gezielt-angeflanschte Radweg-Hinweise effektiv verschönern kann. Das wirklich Deprimierende ist, dass die Arbeiter sich auch noch richtig Mühe gegeben haben, das (an dieser Stelle überflüssige) Radwegeschild zusammenzuschrauben. Und das Werk ist völlig missglückt. Denn merke: Ein Rosenstock und Bentheimer Sandstein haben unbedingt in den Hintergrund zu treten, wenn Emsländisch-Wegweisendes Richtung Freren, Gauerbach, Brögbern, Meppen und andernorts zu präsentieren ist..
Und um die Kritik abzurunden: Nicht weniger beeindruckt auf dem historisierenden “Burgstrasse”-Straßenschild die Beachtung der Rechtschreibregeln, nach der man das stimmlose s als doppeltes ss nach kurzem Selbstlaut (= Vokal) schreibt, aber ß nach langen Selbstlauten (= Vokalen). Sie verstehen? Strasse oder Straaaaaaaße?
Dann zieren auch noch ein Warnblinklicht mit Schalter nebst eine Verteilerdose die Hausfassade des Baudenkmals. Danke an die großartige Versicherung, die solches vom Eigentümer verlangt. Goldschmiedin Uschi, wem muss ich schreiben, um den Charakter dieses 356 Jahre alten, für Lingens “Stadtarchitektur so bedeutenden Haustyps” (Baldur Köster, in: Lingen – Architektur im Wandel, München 1988) zu bewahren?



