Weihnachtsrätsel

6. Dezember 2009

Zum Adventskalender hat es auch in diesem Jahr nicht gereicht. Der Arbeitsstress hält mich ebenso in Trab wie vom Blog etwas fern. Aber ich gönne meiner Leserschaft ein Weihnachtsrätsel. Lingen im Dezember 2009. Und meine Rätselfrage lautet:
Unsere neu gepflasterte Lookenstraße. Was fehlt hier?
Als ersten bis dritten Preis gibt es je eine Robertsblog-Tasse und die E-Mailadresse des Lingener Stadtbaurats, damit Sie es ihm schreiben und er es dann auch merkt. Also bitte eine E-Mail an meine Adresse. Einsendeschluss ist der 20.12.09, 12.00 Uhr.

Hajo

8. Oktober 2009

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Der freundliche Herr
auf den beiden Bildern des Lingener Andreasplatzes ist derselbe: Hans-Joachim („Hajo“) Wiedorn, Chef des sozialdemokratischen Fähnleins im Lingener Stadtrat wollte die fünf Platanen retten. Doch was ist die von der CDU-Mehrheit im Stadtrat beschlossene, seit heute aktuelle Realität. Na? Raten Sie doch mal!

Und vielleicht erinnern Sie sich auch an andere platanenmäßige Ereignisse, die in dieser Stadt  für gleichartige Furore gesorgt haben. Na? Raten Sie doch noch mal!

Zur Abrundung der Geschichte noch dies,
zur Historie jenes.

© Foto links: SPD Lingen, Foto rechts ebenso, jedenfalls zum menschlich wichtigsten Teil
Größere Ansicht:[linkes Bild] [rechtes Bild]

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10. August 2009

sivu_majoitusNach ein paar Tagen Urlaub bin ich nach Lingen zurück. War schon mal so. Die Säulen am Kreisverkehr Lindenstraße sind wassergefüllt und werden gerade, als ich vorbei fahre, von Katalanen umlagert, die den Schriftzug Salt bewundern. Ich frage mich, was ich denken würde, stellte man mir bei einem Besuch in der  katalanischen Partnerstadt Salt einen Kreisverkehr mit Schriftzug Lingen vor. Hier wird derlei offenbar als touristisch-partnerstädtisches Highlight empfunden, dessen etwas zwanghafte Gestaltung sich mir weiterhin nicht erschließt.
Unser Stadtbild hat mich also wieder: Die Drecktankstelle ein paar Meter weiter ist noch da, aber das behutsam in das Stadtbild eingepasste „Haus Johannigmann“ am Ende der Großen Straße ist weg und wird durch ein vierstöckiges „Heute-baut-man-eben-so“-Glashaus ersetzt. Ich ärgere mich, dass auch an dieser Innenstadtbaustelle keine Bodendenkmalpflege stattfindet. Das „Hotel zur Post“ in der Marienstraße verfällt trotz bindenden Vertrags mit dem Eigentümer  weiter vor sich hin. So ändern sich die Zeiten. Vor 20 Jahren ist man viel bewusster mit der Lokalgeschichte umgegangen. Selbst die CDU, für die es längst ausreicht, dass heute irgendwer „Geld in die Hand nimmt“ und alles ist gut.

413 E-Mails grüßen mich, als ich nächtens nicht mehr schlafen kann. Eben um 6.15 Uhr beginnt der Mann mit dem Rüttler in der Lookenstraße seine Tätigkeit, mit der auf diese Weise die Anwohner seit Wochen morgendlich frisch hochgerüttelt werden. „Die Baustelle muss ja auch fertig werden!“  - angeblich irgendwann vor Weihnachten. Mittendrin lese ich, dass der Marktplatz nicht umgepflastert wird, jedenfalls „nicht vor 2011″, weil man „Rücksicht auf das Kivelingsfest“ nehmen wolle. Die Marktanwohner müssen also auf das Aufgerütteltwerden noch etwas verzichten.

Mein Blick aus dem Fenster bestätigt, was ich schon weiß: Keine Birken und Kiefern mehr davor und kein blaues Wasser. Der Himmel ist arbeitstäglich grau. Also, der Urlaub 2009 ist vorbei und überhaupt:
Warum soll es mir anders gehen als Ihnen?

ratzekahl

21. Juni 2009

IMG_5694Und wieder kreischen die Sägen. Diesmal werden die Platanen in Lingen  am Andreasplatz  gefällt. Wieder setzt die CDU ebenso radikal wie unnötig Baumfällarbeiten durch. Auf der Internetseite der Stadt ist dazu zu lesen:

„22.06.2009
Ausbau der Lookenstraße beginnt

Nach der Neugestaltung der Großen Straße wird nun die Erneuerung der Fußgängerzone in der Lookenstraße fortgesetzt. Hier beginnen in dieser Woche die Bauarbeiten. Weil in der Lookenstraße ein neues Gebäude errichtet werden soll, wird der Ausbau der Straße in zwei große Abschnitte geteilt.

Der 1. Bauabschnitt umfasst den Bereich von der Marienstraße bis Lookenstraße Nr. 16 (ehem. Extra-Markt) und soll im September/Oktober 2009 fertiggestellt sein. Der 2. Bauabschnitt von der Lookenstraße 16 bis zum Konrad-Adenauer-Ring soll im April 2010 beginnen, nachdem das geplante neue Gebäude, das am Standort des ehemaligen Extra-Marktes entstehen soll, im Rohbau errichtet ist.

In dieser Woche beginnen die Arbeiten in der Lookenstraße zunächst im Abschnitt von der Marienstraße bis zum Andreasplatz. Um die unvermeidbaren Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, werden die Straßenseiten nacheinander ausgebaut. Alle Läden und Gebäude werden auch während der Bauarbeiten zugänglich sein. Dies gewährleistet die bauausführende Firma. Die Stadt Lingen sichert insgesamt eine zügige Bauabwicklung zu.

Weitere Informationen zum Aubau der Lookenstaße finden Sie auf unserer Internetseite in der Planen und Bauen.“IMG_5699
(und auch bei mir…)

Eine typische Lingener Pressemitteilung. Sie teilt nicht mit, dass auch die Platanen am Andreasplatz für den Ausbau beseitigt werden. Ratzekahl! Die CDU war zu keinem Kompromiss bereit. Nachdem die Stadtverwaltung bei einem Ortstermin keine pragmatischen sondern im wahrsten Sinne konstruierte Vorschläge unterbreitet hatte, setzte die Union am vergangenen Mittwoch mit ihrer Mehrheit den nächsten Kahlschlag durch. 6 dafür (ein CDU’ler war schon nach Hause) und 4 (SPD, FDP, Grüne) dagegen bzw. für einen Vorschlag von Ratsherr Jens Beeck, jedenfalls nicht alle Bäume am Andreasplatz zu fällen. Ich darf ja als „Einzelkämpfer“ nur mitberaten, aber nicht mitstimmen (§ 51 Abs. 4 NGO), habe aber zu Protokoll erklärt, dass ich den Beeck’schen Vorschlag unterstützt hätte, wäre ich stimmberechtigt gewesen.

Alle Bäume kommen also weg, obwohl der Baumschnitt auf der Marktplatzterrasse zeigt, dass man auch erhalten könnte, wenn man wollte. Schade für  die Andreasplatz-Platanen. Auch sie sagen Tschüss

(Fotos: © Majonaise)

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17. Dezember 2007

Wolfram Siebeck schreibt in seinem Jahresrückblick in der ZEIT 50/2007:
Ich bin viel herumgereist in den letzten zwölf Monaten und habe über die Veränderung in Deutschland gestaunt. Unser Land ist deutlich schöner geworden, nämlich grüner. Bäume, die die Kommunen vor 30 Jahren als mickrige Stecklinge in den Boden gesetzt haben, sind groß geworden und bedecken eine Menge von dem, was früher so hässlich war. Wenn Ausländer uns eine irrationale Liebe zu Bäumen nachsagen, so ist das kein Wunder. Wer freute sich nicht über grünes Laubwerk, das den schlechten Geschmack der Häuslebauer verdeckt, trostlose Wohnstraßen in Flaniermeilen verwandelt und schicke Straßencafés entstehen lässt?“

In meiner Stadt wissen nicht viele, dass hier alles ganz anders wird, als Siebeck es zu recht so schätzt – jedenfalls in der Innenstadt, von Gutmeinenden als „Fußgängerzone“ tituliert. Hier wird jetzt modernisiert! Dazu werden in wenigen Wochen  alle im Zentrum stehenden Platanen abgesägt und durch Betonplanzkübel mit frostempfindlichen Magnolien ersetzt.

Sie kennen Magnolien ? Das sind diese Pflanzen, die im Frühjahr längstens zwei Wochen blühen und den Rest des Jahres wie eine Mischung von ausgeblühten Rhododendren und Gummibäumen aussehen. Ergänzt wird diese angeblich „zeitgemäße“ (neues Modewort aus dem Rathaus) Stadtumgestaltung durch so genannte Laufbänder im Straßenpflaster, eine neue Möblierung (Laternen, Bänke, Mülleimer usw), neue Brunnen usw. Das alles kostet einige Millionen Euro.   
Stadtbaurat Lisiecki („Wenn Sie wissen, wie man mich schreibt, wissen Sie nicht mehr, wie ich ausgesprochen werde!“) hat sinngemäß gemeint, die Lingener Innenstadt habe kein individuelles Gesicht. Das müsse jetzt um der Attraktivität willen her – eine Einschätzung, die natürlich ebenso unberechtigt wie falsch ist.Denn Lingens Zentrum hat eine in Jahrzehnten teuer

Plasterklinker aus Bockhorn

Plasterklinker aus Bockhorn

 und Schritt für Schritt entstandene, individuelle und  klare Struktur: das rote Pflaster aus Bockhorner Klinker. Noch vor drei Jahren wurde fein säuberlich und kunstvoll die Neue Straße im Stil der übrigen Innenstadtstraßen gepflastert. Keine andere Stadt in der Region hat ein so markant gepflastertes Zentrum.

 Inzwischen gibt es sicherlich ein paar klare Schwachstellen:

  • Das Bockhorner Pflaster ist an vielen Stellen schadhaft und eine ebenso teuere wie unfachmännische Reparatur vor drei Jahren hat alles nur noch schlimmer gemacht.
  • Die Straßenmöbel sind in die Jahre gekommen, also die historisierenden oder modernen, immer aber dreckig wirkenden Laternen und Kandelaber, die hässlichen grünen Zweisitzerbänke, schmutzige alte kleine sowie meist angedetschte neue große Müllbehälter, Dauerwerbetafeln, werbesonnenschirme, Sandsteintröge, Fahnenmasten, und DIESE SCHRECKLICHEN PLASTIKTÖPFE IM TERRAKOTTA-IMITAT.
  • Die Lookenstraße ist ein Relikt des Waschbetonzeitalters. 
  • Die für den Stadtkern beschlossene und fast 30 Jahre konsequent angewendete „Satzung über die Gestaltung der Werbeanlagen“ ist gerade unter dem amtierenden Baurat Lisiecki faktisch aufgegeben worden;  über großzügig an den städtischen Gremien vorbei und ohne Not bewilligte Ausnahmeregelungen verliert sie zunehmend ihre stadtgestaltende Wirkung.
  • Das Lichtkonzept der Hamburgerin  Ulrike Brandi erinnert eher an  den Ocean drive in Miami, als dass es die historischen Gegebenheiten Lingens aufnimmt. Frau Brandi ist mit ihren Lichtmodulationen eine nationale Größe, aber das historische Lingener Rathaus und Brandis Beleuchtungsstreifen passen nicht zueinander.

Auch das Verfahren war wenig überzeugend: In den städtischen Gremien hieß es zuerst, es müsse entsprechend dem Preisgericht der erste Preisträger beauftragt werden. Dann wurde den Anliegern in Versammlungen gesagt, man könne an dem preisgekrönten Konzept überhaupt nichts mehr ändern. Anschließend wurde in den Ratsgremien berichtet, die Anlieger wollten die vorgeschlagene Umgestaltung und wollten sie sogar bezahlen, deshalb dürften die Ratsgremien jetzt nichts mehr ändern.

Jetzt rollt jedenfalls die Realisierung. Dabei will eigentlich niemand, mit dem ich gesprochen habe, dass in Lingen die Platanen geköpft werden. Der Baumkahlschlag und die Umgestaltung von vier Straßen sowie des Marktes ist jedenfalls stadtgestalterisch ein Stückwerk; denn die übrigen Innenstadtstraßen bleiben Bockhorner-Klinker-Straßen. Außerdem werden wir nach der Fällaktion künftig wieder „den schlechten Geschmack der Häuslebauer“ (Siebeck) sehen und die überdimensionierte Werbeanlagen in grellen RAL-Farben weiterhin und in zunehmender Zahl bewundern dürfen. Individuell wird das Gesicht Lingens auch nicht werden. Denn Pflanzkübel und Laufbänder sind gerade bundesweit „in“. Sie entstehen in vielen deutschen Innenstädten.  

Ich habe statt dessen diesen (Gesamt-)Vorschlag:

  1.  Sorgfältige Reparatur der schadhaften Bockhorner-Klinker in den Stadtstraßen.
  2. Einrichtung einer Pflasterkolonne auf dem städtischen Bauhoff, die künftig die Innenstadtstraßen „in Schuss“ hält.
  3. Neue, zeitgemäße Straßenmöblierung „aus einem Guss“.
  4. Konsequente Anwendung der Satzung über die Gestaltung der Werbeanlagen im Stadtkern und Umgestaltung der Werbeanlagen am Markt mit indirekt beleuchteten Werbeanlagen aus Messing, Krieg den Werbesonnenschirmen (West, Königs Pilsener, Erdinger) und Werbeaufstellern.
  5. Umbau der Pflanzbeete aus Bahnschwellen am Beginn der Burgstraße.
  6. Umgestaltung der Lookenstraße nach dem „Bockhorner Muster“.
  7. Aufgabe des Lichtbandkonzepts Brandi an den historischen Gebäuden.

Ich möchte also eine sanfte und nicht nur modische Veränderung, damit die Lingener Innenstadt sich so weiter entwickelt, dass wir uns gern mit ihr identifizieren.