Prophet

27. November 2009

Im Blog der Ruhrbarone bin ich auf einen interessanten Beitrag von Ruhrbaron Stefan Laurin gestoßen. Sein Fazit:

„Wir müssen über die Zukunft lokaler Medien diskutieren – sie sind in wesentlich größerer Gefahr als die bundesweit agierenden. Und ich möchte sie nicht missen.“

Laurin knüpft an die -ach so schwierige und wohl auch langweilige (Laurin)-  Arbeit von Lokalredakteuren an. Die säßen in sterbenslangweiligen Ausschuss-Sitzungen der Kommunen und dort sei es so:

„Nahezu 90 Prozent der Vorlagen, die von der Verwaltung erstellt werden, gehen einstimmig durch. Die Zustimmung des Rates oder des betreffenden Aussschusses – beispielsweiese bei der Genehmigung von Garagen – ist eigentlich eine Formsache. Klar, zu der Ratssitzung, auf der die einschneidenden Sparmaßnahmen beschlossen werden,  Koalitionskrisen offensichtlich und Dezernenten gestürzt werden, würde ich gehen – und wahrscheinlich auch andere Blogger. In die langweilige Standardsitzung nie.
Nur: in der muss man über Jahre gewesen sein, um zu verstehen, was in einem Rat passiert, um die Konfliktlinien zu erkennen und die handelnden Personen einzuschätzen. Sterben die Lokalteile, findet sich für sie kein Geschäftsmodell, das es erlaubt, Journalisten in diese Sitzungen zu schicken wird es mit der Transparenz in der Lokalpolitik zu Ende gehen.“

Stefan Laurin hat, mit Verlaub, von Kommunalpolitik keine Ahnung. Dröge Routine sind 90 % aller Ratssitzungen, spannend die „Standard“-Sitzungen der Ausschüsse. Noch spannender wäre es, wenn die lokale Zeitung die örtlichen Themen wirklich aufbereiten, recherchieren und kritisch darstellen würden. Vielleicht mal auch vor einer Beratung?! Und da ist es wieder: mein Lieblingsthema die „Lingener Tagespost“ und ihr Journalismus. Die „LT“ leistet nämlich solche Arbeit grundsätzlich erst einmal nicht. Alle sechs Monate ein halbwegs kritischer Kommentar zu den herrschenden Verhältnissen- das reicht nicht.

Kein Prophet zu sein braucht man angesichts der medialen lokalen Langeweile für die Prognose, dass angesichts langsam sinkender Verkaufszahlen in absehbarer Zeit in Lingen (Ems), in Meppen und Papenburg die drei bislang selbständigen  Redaktionen der Neue-Osnabrücker-Zeitung-Lokalausgaben zur Disposition gestellt werden – zugunsten einer einheitlichen Emslandredaktion in Meppen, wo es bekanntlich selbst im Theater so zugig ist, dass die Besucher der Aufführung im Mantel folgen. Dabei hat snext in seinem ruhrbarone-Kommentar doch nicht Unrecht:

„Der Lokalteil ist das Herz der Tageszeitung. (Zeitungs-)Mäntel sind in der Regel austauschbar, weil eh alle über dieselben Themen schreiben. Über meine Gegend aber schreibt nur der, der sich hier auskennt. Wird Lokales gestrichen, fällt der Sinn einer Regionalzeitung weg.“

Daran sollten die Betriebswirtschaftler unseres -außerdem im Vergleich besonders teueren- Monopolblattes denken, bevor sie es noch weiter nivellieren. Und den Redakteuren sei empfohlen, (lokal)politischer zu werden. Kritik -gern auch, aber bitte nicht nur an mir- hilft. Sonst passiert, was Stefan Laurin, schon mit gerade spürbar spitzen Fingern so beschreibt:

„Immer mehr Politiker fangen an zu bloggen – sie nutzen Blogs als PR Medium, versuchen, eine, wenn auch meist, kleine Community, aufzubauen. In den seltensten Fällen diskutieren sie quer zu ihrer Parteilinie – und wenn, dann zumeist um sich selbst zu profilieren. Sie machen – und das ist natürlich legitim, PR in eigener Sache. Mal mehr, mal weniger geschickt.“

Gut, dass wir in Lingen noch nicht so weit sind. Hier reguliert noch die Lokalpresse… ;-)

(Foto © Rainer Sturm, pixelio.de)

Zusammenarbeit

10. November 2009

Man hilft sich eben. Dieses Empfehlungsschreiben des amtierenden Oberbürgermeisters an Lingener Unternehmen hat schon was. Oder?  Urteilen Sie selbst:
empfehlungsschreiben_pott

Reißfest

21. August 2009

P1090555Problem:

Auch wenn man seinen Hund lieber ohne Leine spazieren führt, bleibt den Hundehaltern heutzutage vielerorts keine andere Wahl. Auch in Lingen wird in politischen Gremien darüber diskutiert, ob Hunde in Zukunft an die Leine müssen oder nicht. In unserer Frage der Woche wollten wir deshalb wissen: „Sollte man in Lingen eine Leinenpflicht für Hunde einführen? … weiter hier zur Frage der Woche der Lingener Tagespost vom 14.08.09.

Lösung:

§ 5 Führen und Halten von Hunden und anderen Tieren

(1) Hunde, die nicht ohnehin bereits aufgrund anderer Vorschriften einem Leinenzwang unterliegen, sind in den in Absatz 2 genannten Bereichen an einer biss- und reißfesten Leine zu führen. Die Leinenlänge darf 150 cm nicht überschreiten.
(2) Der Leinenzwang gilt in folgenden Bereichen:
1. auf Verkehrsflächen und in Anlagen, soweit das Mitführen von Hunden zulässig ist,
a) innerhalb des von folgenden Straßen umschlossenen  Teilbereiches der Stadt Lingen (Innenstadtbereich): Konrad-Adenauer-Ring, Wilhelmstraße, Bernd-Rosemeyer- Straße einschließlich der der Innenstadt zugewandtenGehwege dieser Straßen,
b) am Telgenkampsee, innerhalb der Straßen Am Telgenkamp, Hainbuchenweg, Am Neuen Friedhof, In den Sandbergen einschließlich der dem Gelände des Telgenkampsees zugewandten Gehwege dieser Straßen,
c) auf dem Gelände des Dieksees einschließlich der dem Gelände zugehörigen Parkplätze,
d) am Brunnenpark innerhalb der Straßen Schützenstraße, Strootstraße, Ludwigstraße und Neuer Wall,
e) auf dem Leinpfad entlang des Kanals,
2. im Wald und der sonstigen freien Landschaft während der Brut- und Setzzeiten (vom 01. April bis zum 15. Juli) im Sinne des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG),
3. in den nach § 24 des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes (NNatG) ausgewiesenen Naturschutzgebieten der Stadt Lingen (Ems),
4. bei Umzügen, Volksfesten, Märkten und sonstigen Veranstaltungen mit Menschenansammlungen,
5. auf Anlagen oder Verkehrsflächen, die unmittelbar an für jedermann zugängliche Spielplätze, Sportanlagen, Schulhöfe und Gelände von Kindergärten angrenzen.
Außerhalb dieser Flächen ist ein nicht angeleinter Hund unter Aufsicht zu führen, so dass insbesondere keine Menschen oder Tiere angesprungen oder angegriffen bzw.Tiere gehetzt oder gerissen werden können und der öffentliche Straßenverkehr nicht erschwert oder  gefährdet wird.
(3) Hunde sind von Spielplätzen, Sportanlagen, Schulhöfen und Geländen von Kindergärten fernzuhalten.
(4) Verkehrsflächen und Anlagen nach § 1 dürfen durch Tierkot nicht verunreinigt werden. Die Tierführerin oder –halterin oder der Tierführer oder –halter ist verpflichtet, den Tierkot unverzüglich zu beseitigen. Dieses gilt insbesondere für Hundekot und Pferdemist.
(5) Die Regelungen der Abs. 3 und 4 gelten nicht für Blindenführhunde, die im Führgeschirr bestimmungsgemäß eingesetzt werden. Tiere, die zur rechtmäßigen Jagdausübung, als Rettungshunde, von der Polizei oder dem Zoll eingesetzt werden, sind von den Regelungen der Abs. 1 bis 4 für die Dauer der Jagd oder des Einsatzes ebenfalls ausgenommen.
(6) Die Tierhalterin oder der Tierhalter bzw. die Person, die ein Tier in Obhut hat, hat bei der Unterbringung des Tieres dafür Sorge zu tragen, dass eine Belästigung Dritter durch den von dem Tier ausgehenden Lärm nicht über das nach den Umständen vermeidbare Ausmaß hinausgeht. Dies gilt insbesondere zwischen 22:00 Uhr und 06:00 Uhr.

(Aus der seit Jahren gültigen, zuletzt im Frühjahr neu gefassten städtischen Gefahrenabwehrverordnung)

Abgelehnt

1. August 2009

Helming_Schmidt1

Trotz Zustimmung des Konkurrenten Senger von der Lingener Tagespost abgelehnte Anzeige. Ullala Schmidt grüßt.

kalkulatorisch II

19. Juni 2009

Emsland-Arena - Planung der Stadt

Jetzt gibt es trockene Kost und dazu diesen Einstieg:
Heute berichtet die „Lingener Tagespost“:

„Kritik von allen Seiten erntete am Mittwochabend der fraktionslose Ratsherr Robert Koop, dem fast alle Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses der Stadt vorwarfen, in Sachen Emslandarena bewusst mit falschem Zahlenmaterial zu hantieren und damit Unruhe und Besorgnis in der Bevölkerung zu schüren.
 Allen voran warf Jens Beeck (FDP) Koop vor, mit Zahlen zu hantieren, die jeder Grundlage entbehrten. …“

Nun denn, widmen wir uns hier den entbehrten Grundlage, nachdem  es die LT  -sagen wir mal- vergessen hat, meine „grundlagenlosen“ Zahlen mitzuteilen. Ich habe sie  in der Sitzung dargestellt. Sie stammen aus den mir vorliegenden Dokumenten und ich schreibe sie noch einmal an dieser Stelle auf :

Grundlage aller Berechnungen ist dabei eine Emsland-Arena  mit 3.500 Sitzplätzen und 25 Mio „gedeckelte Nettokosten“. 

1. Unterhaltskosten:

  • Laufende jährliche Kosten laut  Wenzel Consulting AG bei 3500 Sitzplätze mit Sport =  1.064.000,00 Euro
  • Kreditzinsen 5 % bei 15 Mio Euro Darlehen  = 750.000,00 Euro
  • Abschreibung 2,5 % jährlich von 25 Mio Euro  =  625.000,00 Euro
  • Mehraufwand  für den gleichzeitigen Betrieb von zwei Hallen bzw. Einnahmeverlust EL-Hallen =  200.000,00 Euro
  • Zwischensumme    2.639.000,00 Euro
  • abzüglich Einnahmen   laut  Wenzel Consulting AG = 572.000,00 Euro
  • Summe: jä-/ehrlicher Zuschussbedarf  = 2.067.000,00 Euro .  

Die Zahlen des renommierten Beratungsunternehmens wenzel consulting AG  stammen aus der „Machbarkeitsanalyse“ des Unternehmens vom Juni 2008. Der Kreditbedarf von 15 Mio Euro soll ggf. durch Baukostenzuschüsse von Großbetrieben reduziert werden. Meines Wissens nach liegen dazu bislang keine verbindlichen Zusagen und Verträge vor. Ich rechne  mit 5% Zinsen, wissend dass dieser Zinssatz in Zeiten niedriger Zinsen auch niedriger sein kann.

Der Mehraufwand von 200.000,00 Euro ist geschätzt. Er entsteht, weil zwei Hallen betrieben werden und die Emslandhallen an der Lindenstraße Einnahmeverluste haben; denn Großveranstaltungen werden dort nicht mehr stattfinden. 

Für mich ist nicht klar, wie bei „50-60 Veranstaltungen im Jahr“ 572.000,00 Euro Einnahmen erzielt werden sollen, also pro Veranstaltung rund 10.000,00 Euro. Ich halte diese Zahlen für nicht belastbar und deutlich zu optimistisch.

2. Baukosten

  • 25 Mio Euro soll die Emsland-Arena kosten. Der Betrag ist durch Ratsbeschluss „gedeckelt“, darf also nicht überschritten werden. 
  • Höhere  Baukosten sind wahrscheinlich; bei fast allen Großprojekten der öffentlichen Hand wird es teurer -“gedeckelt“ oder nicht. Steigen beispielsweise die Kosten am Ende um 5 Mio Euro, erhöhen sich die jährlich aufzubringenden Darlehenszinsen um 250.000,00 Euro pro Jahr und die Abschreibungen (Satz von 2,5% pro Jahr) wegen der Wertverluste um 125.000,00 Euro.        
  • Von de 25-Mio-Deckelung gibt es auch schon erste, wenn auch noch unkontrollierte  Absetzbewegungen. SPD-Vertreter Heinz Willigmann wird in der LT zitiert: „„Wenn wir mit dieser Halle auffallen wollen, brauchen wir 5000 Sitzplätze, die nun mal Geld kosten.“ Man solle nicht wie bei den „alten Emslandhallen“ die Pläne um die Hälfte zusammenstreichen, um dann ein Ergebnis zu haben, das nur halbherzig sei. „Wenn schon, denn schon“, betonte Willigmann.“ 
    Auch FDP-Vertreter Jens Beeck, sonst ein glühender Redner für solide Haushaltspläne, unterstrich am Mittwoch, wenn die Halle statt der 25 Mio Euro „am Ende 26,5 Mio kostet, werden wir das sicherlich akzeptieren!“ 
  • Gegenwärtig wird für die Emsland-Arena mit 3500 Sitzplätze mit 29,5 Mio Euro geplant. Denn die „gedeckelten“ 25 Mio Euro sind Nettokosten. Bezahlt werden muss erst einmal brutto, das heißt also plus 19 % Mehrwertsteuer von 4,5 Mio Euro. Dieser Betrag wird nach Prüfung ganz oder teilweise vom Finanzamt erstattet. Es soll dabei rechtliche Probleme geben, weil es 10 Mio Euro Zuschüsse vom Land Niedersachsen und dem Landkreis Emsland gibt.
  • Zu den Gesamtkosten gehört das Grundstück nördlich der B 214 zwischen Schulstraße und Laxtener Brookstraße. Für Emsland-Arena und Parkflächen werden ca 200 m x 500m, also 100.000 qm gebraucht (grobe Schätzung, ich habe mit google-maps nachgemessen) . Der nicht subventionierte Quadratmeterpreis in diesem ausgewiesenen Gewerbegebiet beläuft sich  auf 30,00 Euro (geschätzt). Es geht also um 3 Mio Euro. Das Argument „Das Grundstück haben wir ja sowieso“ ist nicht tragfähig. Schließlich könnten die 100.000 Quaadratmeter für eine anderen Zweck veräußert werden. Diese Einnahmemöglichkeit fällt dauerhaft weg.
  • Die Emsland-Arena und die 1500 Parkplätze liegen im Grundwasserschutzgebiet, was besondere Sicherungsmaßnahmen erfordert, und die B 214 muss ausgebaut werden. Nicht klar ist, ob diese Kosten eingerechnet sind.

Bei ehrlicher Berechnung liegen also die Gesamtkosten für eine B214-Emsland-Arena mit 3500 Sitzplätzen bei mehr als 30 Mio Euro. Zur Erinnerung: Vor genau einem Jahr hat Wenzel Consulting AG die Kosten für die Emsland-Arena an den Emsland-Hallen „Planvariante B (Ausbaustufe 3) “ mit 5000 (!) Sitzplätzen auf 19 Mio Euro geschätzt. 

Vorgeworfen wird mir, bewusst mit falschem Zahlenmaterial zu hantieren und damit Unruhe und Besorgnis in der Bevölkerung zu schüren. 

Meine Erwiderung: Meine Kostenberechnung ist ehrlich und belastbar. Sie gründet sich auf allgemein zugängliche Zahlen. Die Kosten für diese Emsland-Arena sind zu hoch, daher politisch nicht mehr zu verantworten und auch der Standort ist falsch gewählt.  

 

(Fotomontage: Stadt Lingen)

 

Spannend

11. Juni 2009

StimmabgabeDie neugegründete Lingener Bürgerinitiative „Arenawahn“ hat in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Heiner Pott einen Volksentscheid gegen das Projekt angekündigt. Hier das ausführliche Schreiben im Wortlaut. Einen direkten Volksentscheid gibt es in Niedersachsen im Gegensatz zu anderen Bundesländern nicht.

Was ist ein Volksentscheid bzw. ein Bürgerbegehren? Wikipedia informiert

„In Niedersachsen wird das Bürgerbegehren nach § 22b der NGO (Niedersächsische Gemeindeordnung) geregelt. So darf ein Bürgerbegehren nicht über 1. die innere Organisation der Gemeinde 2. die Haushaltssatzung, (einschließlich der Wirtschaftspläne der Eigenbetriebe) 3. Entscheidungen über Rechtsbehelfe und Rechtsstreitigkeiten 4. Angelegenheiten, die ein gesetzwidriges Ziel verfolgen oder gegen die guten Sitten verstoßen 5. ….. (die Liste ist noch nicht abgeschlossen) Zuerst muss auch dem Gemeinderat angezeigt werden, dass ein Bürgerbegehren angestrebt wird. Nach Bekanntgabe des Vorhabens müssen innerhalb von 6 Monaten die erforderlichen Unterschriften eingeholt werden. Auch müssen bis zu 3 Personen genannt werden, welche das Bürgerbegehren begleiten und vor dem Gemeinderat vertreten.“

Das Bürgerbegehren wird -gegen eine für die Ratsmehrheit jubelnde „Lingener Tagespost“ und angesichts der traditionellen Gleichgültigkeit vieler –  nicht einfach. Aber ich finde die Frage spannend, ob das angekündigte Vorhaben gestemmt werden kann. Das Ziel ist klar: Es  werden rund 10.000 Neinstimmen benötigt.

(Foto: Alexander Hauk, pixelio)

Gemein

10. Juni 2009

bn_logo_gif_200px_fuer_webDie Schepsdorferin Sabine Stüting, (Mit-)Vorsitzende der neuen politischen Gruppe „Die BürgerNahen„, hat einen Beitrag zu einem Artikel geschrieben, mit dem die „Lingener Tagespost“ heute Stimmung für die 32-Mio-Euro-Emslandarena in Laxten macht. Vier, angeblich zufällig befragte „Bürger“ – eine davon aus Dalum – äußern sich unkritisch-positiv über das Arenalein. Falsch ist dabei schon die einleitende Behauptung, die Kosten des Projekts seien auf 25 Mio Euro begrenzt. Das kleine Wort „netto“ fehlt nämlich dabei. 25 Mio Euro netto wäre richtig.  Tatsächlich wird die 3500-Plätze-Halle mindestens 25 Mio + 4,5 Mio Mehrwertsteuer + 2 Mio Grundstück kosten.  

Sabine Stüting ist ob des Artikels und seiner Meinungsmache empört. Sie bringt die Dinge so auf den Punkt:

Eine Umfrage unter vier Personen als verlässliche Stichprobe auszugeben, wie die Bevölkerung in Lingen zu den Plänen der Emslandarena steht, ist derart hanebüchen, dass sich ein weiterer Kommentar hierzu verbietet. Es bleibt zu hoffen, dass es auch bei der Lingener Tagespost vielleicht noch den einen oder anderen Journalisten gibt, der so etwas wie Berufsehre kennt. Aber Schwamm drüber, ein jeder versucht halt sein Bestes.

Wenn dieser Artikel irgendeinen Schluss zulässt, dann den:  Unverbindlich gefragt, finden vier Personen in Lingen die Planungen gut. Nun ja, sich eine fundierte Meinung zu Lokalthemen zu bilden, erfordert eine unabhängige  Presse und interessierte Bürger, sowie den offenen Zugang zu Informationen.

Manches muss man „übersetzen“, damit es verständlich wird. Ein Bild: Von hundert Lingenern werden mit Sicherheit mindestens neunzig zustimmen, dass Audi, Mercedes und BMW schöne und attraktive Autos herstellen, und deren Besitz erstrebenswert wäre. Überraschenderweise werden aber nicht alle neunzig eine solche Marke kaufen! Denn in der konkreten Situation wird dann doch abgewogen: was brauche ich, und was kann ich mir leisten. Derjenige, der sich nur „wegen der Nachbarn“ auf Kredit ein Luxusauto zulegt, ist doch die Ausnahme – und wohl kein Vorbild.

Und genau diese Fragen sollten zunächst geklärt werden: Was braucht Lingen, und was können wir uns leisten?

Antworten gibt es dazu bisher nicht, und daran krankt die Planung.

Eine Veranstaltungshalle tut Lingen gut, die Emslandhallen sind aber veraltet und haben, da ungedämmt, ein Lärmproblem. Ebenso ist die verkehrliche Anbindung ungeregelt. Die aktuelle Auslastung ergibt ungefähr ein Konzert  und eine Messe pro Monat. Die Emsland-Arena soll 50 – 60 Konzerte pro Jahr bieten, gleichzeitig sollen die Märkte und Messen in den Hallen vermehrt werden. Nun fängt das Rechnen an: Bei 3.500 Plätzen und auch nur 50 Konzerten pro Jahr müsste jeder – also auch jeder Säugling und jeder Greis – in Lingen 3,4 Karten erwerben, bei niedrig geschätzten 30 Euro Eintritt wären das pro vierköpfige Familie schon 408 Euro im Jahr.  Vielleicht bin ich von Kulturbanausen umgeben, aber einen solchen Bedarf an Veranstaltungen kann ich nicht erkennen, leider auch nicht eine solche Finanzkraft.

Diese einfache Betrachtung macht schon klar, dass die Arena nicht „für Lingen“ ist. Selbst bei Betrachtung des gesamten Landkreises müsste jede Familie im Durchschnitt 60 Euro an Eintritt zahlen wollen, und wirklich jeder Säugling und Greis des Landkreises müsste zumindest jedes zweite Jahr die Arena genießen wollen.

Und wenn wie in den Konzepten von einem Einzugskreis bis zu 90 Minuten Fahrzeit die Rede ist – wer hat schon nachgewiesen, dass die Menschen aus dem Ruhrgebiet zu kulturellen Veranstaltungen nach Lingen fahren wollen? Welcher Veranstalter kann zusagen, eine Vervierfachung der Konzerte nach der Anzahl und eine noch größere Steigerung an Besuchern zu garantieren?

Und wenn es nicht „für Lingen“ ist, warum soll Lingen dann zahlen?

Die Stadt gab im vergangenen Jahr 25 Euro pro Bürger in die Kulturförderung aus, 7 Euro für die Sportförderung.  OB Pott sprach von 500.000 Euro Verlust pro Jahr durch den Betrieb der Hallen, und schon jetzt wird die Stadt ca. 15 Mio für den Bau aus ihrem Vermögen entnehmen. Rechnet man die geplanten Verluste sowie die entgangenen Zinsen zusammen, ergeben sich hierdurch zu berücksichtigende Kosten  von 18  Euro pro Bürger und Jahr. Das heißt: die Arena wird eine Steigerung der Kulturförderung von 25  auf 43 Euro bedeuten, Schlappe 70% mehr! Oder es wird an anderen Stellen gekürzt… da würde es nicht einmal ausreichen, die Sportförderung komplett einzustellen!

Wem will der Oberbürgermeister weis machen, dass eine Ausgabensteigerung von 70% in die kommenden Jahre passt?

Eine Arena, die anders als die Hallen keine Innenstadtanbindung hat, wird für Lingen nur Kosten und für die Außenbezirke Lärm und Verkehr bedeuten. Sollten die Hallen für Großkonzerte nicht umzurüsten sein – was noch bewiesen werden müsste.. stellt das panische und kurzfristige Verplanen einer Arena an den Stadtrand eine schlechte Alternative dar.

Eine Arena für Großkonzerte sollte optimal verkehrlich erschlossen sein. Eine Arena, die, wie Herr Pott richtig sagte, der gesamten Region dient,  muss von der Region getragen werden. Sinnvoll wäre, nun zuzugeben, dass eine schnelle Lösung eine schlechte Lösung ist. Nachdenken und Nachverhandeln sind nun nötig, vielleicht sogar über die Kreisgrenzen hinaus… „

Soweit zu den Fakten und zu berechtigten, bisher nicht beantworteten Fragen. Angesichts dessen würden gute Journalisten mehr tun, als nur Stichworte zu liefern und sich auf diese Weise mit den Plänen der Stadtoberen gemein zu machen.  Das muss einmal mehr und wieder  gesagt werden.

Gemeinsam

16. April 2009

SPDlogoSelbst die „Lingener Tagespost“ hat ja vor einigen Tagen die lokale SPD bedauert, dass sie wahrlich keinen guten Eindruck hinterlasse. Diese Krokodilstränen des medialen Gegners sind  mit Fug und Recht ein Tiefpunkt in der Geschichte der Lingener SPD, die jüngst ihren 90.ten Geburtstag hätte feiern können, wenn sie es denn selbst gewusst hätte. Es ist wirklich weit gekommen: Die LT beweint den Zustand der Lingener SPD, und die traditionell lethargische Kreis-SPD setzt geradezu genüsslich einen weiteren Stoß gegen die ehedem aufmüpfige Gliederung und nutzt in ihrer Dämlichkeit Selbstgefälligkeit die Schwäche der Lingener  aus, den einst kraftvollen Ortsverein SPD Lingen (Ems) ein Stück weit auszubeinen, in die Knie zu zwingen und zwei Dutzend Parteimitgliedern ihren eigenen Ortsverein im Ortsteil Baccum zu kredenzen.

Der bundesweit schlechte  Zustand der SPD hat seinen Grund in dem beklagenswerten Zustand ihrer Ortsvereine. Lingen ist da nur ein Beispiel, aber eines, das mir nahe geht. Wie schwach die  örtliche Sozialdemokratie ist, zeigt -neben dem Studium der LT- ein Blick auf ihre Internetseite. Morgen, am 17. April, ist ein kompletter Monat verstrichen, in dem die Verantwortlichen dort keine einzige neue Information platziert haben. Und der amtierende Vorsitzende begrüßt unverdrossen  die Leser seiner Webseite mit den Worten:

Informieren Sie sich. Vielleicht haben Sie ja Interesse, bei uns mitzuwirken. Sie sind herzlich willkommen. Und dann machen wir es gemeinsam.

Macht es doch erst mal selber, möchte man da rufen. Die SPD Lingen (Ems) hat, so scheint es,  kaum mehr etwas zu sagen. Ich erinnere mich an die letzte Kommunalwahl. bei der es nach Ansicht der Granden in Fraktion und Vorstand keines Programmes bedurfte. Es gab dann nach heftiger Diskussion jedenfalls noch eine Doppelseite. Heute wirkt die SPD in Stadt und Region personell ausgezehrt, inhaltlich äußert sie sich nicht wirklich. Die bereits erwähnte Kreis-SPD ist dabei  noch trantütiger als der von ihr angegangene Lingener Ortsverein: Die letzte Meldung auf ihrer  kreiseigenen Internetseite datiert vom 22.02.. Zur privaten Erinnerung: Rosenmontag war dieses Jahr am 23.02..

Wir durften aus der LT auch erfahren, dass die SPD Lingen künftig in einen Ortsverein Lingen und einen Ortsverein Baccum geteilt werden soll, weshalb man dann noch einen Stadtverband brauche.  Immerhin: Das gibt drei Vorsitzendenposten, drei Vorstände. Das ist doch ‘ne Perspektive: SPD! Wählt Vorsitzende!

Wer übrigens wissen will, was die sozialdemokratischen Brüder und Schwestern aus Baccum wollen und leisten, darf -Sie wissen’s schon- gern einen Blick auf die Internetseite der SPDBindestrichBaccum werfen. Nein, das ist wirklich kein Blick auf eine historische Seite des Lingener Stadtarchivs, aber im Durchschnitt drei Jahre alte  Meldungen legen das nahe.

In Lingen hilft der SPD also wohl nur noch ein radikaler Neuanfang. Personell und inhaltlich. Münte würde sagen: „Klare Kante“.  Ob das angesichts der Befindlichkeiten der Protagonisten möglich ist? Hat jemand die Kraft, dies zu versuchen?

Authentisch

28. Februar 2009

Cool! Entwickelt sich LT-Redakteur Pertz etwa zum investigativen Journalisten? Heute kommentiert der Nestor der unkritischen Berichterstattung die letzte Ratssitzung u.a. so: 

 “Als Robert Koop, fraktionslos und damit letzter Redner auf der Liste, vorgetragen hatte, wurde abgestimmt… Und die CDU? Schweigen. Da wird „höchste Rücksichtslosigkeit gegenüber natürlichen Ressourcen“ angeprangert, wie es Robert Koop tat. Doch diese Steilvorlage ließ die CDU ebenfalls ungenutzt verstreichen. Warum sagte sie nicht, dass auch Koop Ende 2007 zu den 39 von 40 Ratsmitgliedern gehörte, die dem Erwerb von 85 Hektar Wald vom Forstamt zustimmten? Und das zu einem Preis, der glasklar deutlich machte, dass ein Teil des Waldes für die Nordtangente und das Logistikzentrum verwendet würde?“

Die LT berichtet über einen kommunalen Grundstückskaufvertrag! Und den Preis! Und auch noch falsch!  

Fakt ist: Natürlich habe ich dem Kauf der Waldflächen zugestimmt. Das habe ich ja selbst in der Ratssitzung am Donnerstag und auch immer wieder in den Tagen und Wochen zuvor öffentlich erklärt und begründet: „Damals fürchtete ich den Verkauf dieser Flächen durch das Land Niedersachsen an die BP oder andere Investoren, und ich war mir sicher, dass kein Lingener jemals auf die Schnapsidee kommen werde, diesen ökologisch einzigartigen Wald zu vernichten. So etwas habe ich mir nicht vorstellen können. Diese Annahme war leider falsch.“ Der Preis war übrigens für Waldflächen normal. 

Übrigens habe ich exakt die Argumente und Argumentation, die Herr Pertz heute in seinem Kommentar verwurstet, schon mal gehört: Ein führender Mann aus dem Lingener Rathaus sprach sie nahezu wortgleich – am Donnerstagabend direkt nach der Ratssitzung.  Sie müssen nämlich wissen, dass man nach einer mehrstündigen Ratssitzung noch beisammen steht, vielleicht ein Bier trinkt oder auch eine Apfelschorle. Und da hörte ich den Kommentar das erste Mal. Womit für mich klar ist:  Nachgeplappert hat er bloß die Meinung der Verwaltungsspitze, der mit Halbwahrheiten angefütterte Herr Pertz. Rückgefragt hat er bei mir und anderen dann auch folgerichtig nicht. Das ist eben Investigationsjournalismus  á la Lingener Tagespost. So versteht der LT-Mann eben seine Tätigkeit. Dafür bekommt er auch keinen zusätzlichen Verkehr durch die Baccumer Brömmelkampstraße, weil demnächst nebenan 25 neue Einfamilienhäuser gebaut werden. Dagegen hatte Anlieger Pertz nämlich im Rathaus opponiert und die jüngst beschlossene Bebauungsplan gibt ihm recht…

ps Ebenfalls authentisch ist noch diese Information der Bürgerinitiaitive pro-Altenlingener Forst:

Am Sonntag den 01.03.2009 um 17:00 Uhr wollen wir gemeinsam unseren sterbenden Stadtwald vermessen! Wir erwarten Euch mit Bandmaß oder Zollstock am Hohenpfortenweg / Ecke Waldstrasse vor dem abgeholzten Bereich.

Sehen wir uns?

100. Geburtstag III.

4. September 2008

Lieber Hanskarl Vent,

heute  hab ich mich an frühere Leserbriefe von Dir erinnert – damals vor 30 Jahren, als Du die Esskastanien  im Amtsgerichtshof aufsammeltest und Amtsgerichtsrat Weinhold Dich ob dieses Treibens dingfest machen wollte, weil das doch so unerhört war. Inzwischen ist die Esskastanie weg, Amtsgerichtsrat Weinhold sitzt nicht mehr in seinem Eckzimmer im Dankelmann’schen Palais, doch Du bist noch aktiv. Ich lese eben von Dir in der Lingener Tagespost Deine Leserzuschrift- zwar nichts über Esskastanien,  aber dazu, ob und wie man im nächsten Jahr  an den Lingener Autorennfahrer Bernd Rosemeyer erinnern soll, wenn sich sein Geburtstag zum 100. Mal jährt. Bekanntlich mehr als ein  Schönheitsfehler: Rosemeyer war in der SS. Er war ihr früh und freiwillig beigetreten.

Das stört Dich nicht. Denn Du schreibst nun so vor Dich hin:

„Bernd Rosemeyer vorzuhalten, er sei der SS beigetreten, bedeutet nichts anderes, als dass man ihm zum Vorwuf macht, er habe 1933 nicht vorausschauend gesehen, was sich erst nach seinem Tod 1938 ereignen würde.“

Und schwadronierend setzt Du nach:

„(Die SS-)Mitgliederlisten lesen sich wie das „Who is Who“ der feinen Gesellschaft. Dort prägten Männer wie der Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont, die Grafen von Wedel und von Bassewitz-Behr, der Prinz von Hessen, die Freiherren von Eberstein, von Holzschuher, von Malsen-Ponikau, von Schade, von Kanner, von Schele und wie sie alle hießen das Bild der NS-Gliederung… Wer dort Mitglied wurde, setzte sich gleichsam betont ab von den niveaulosen Horden der SA. Alles, was wir heute der SS anlasten müssen, geschah durchweg erst ab 1939.“

Als Fazit rufst Du:

Feiert euren Rosemeyer so wie in 50 Jahren heutige Sportspitzen.“

Ich war, ehrlich gesagt, verblüfft über diese Zeilen. Sie haben so gar nichts, ähm, sagen wir mal, Anarchistisches mehr an sich, wie damals Dein Kampf um den freien Zugang zu deutschen Esskastanien unter Gerichtsbäumen. Das „Who is Who“ hat mich dann beschämt. Denn –sorry- ich kannte keinen der feinen Spitzenherren. Nicht einmal den Prinz von Hessen. 

Dann erinnerte ich mich an eine andere, die wirkliche Liste des „Who is Who“ 1933. Diese Esterwegener Liste nämlich:

  • Carl von Ossietzky, Redakteur
  • Bernhard Bästlein, KPD- Politiker. Kam aus dem KZ Dachau nach Esterwegen. Danach in das KZ Sachsenhausen deportiert.
  • Fritz Husemann, Bergmann, Gewerkschafter und Mitglied des Reichstages für die SPD
  • Otto Eggerstedt, Politiker der SPD, als Altonaer Polizeipräsident wurde er auf Grund der Ereignisse beim Altonaer Blutsonntag, an dem er selbst nicht anwesend war, seines Amtes enthoben und nach der Machtergreifung bereits am 12. Oktober 1933 im KZ Esterwegen von den Nationalsozialisten ermordet.
  • Johann Schellheimer, Politiker der KPD
  • Werner Finck, Kabarettist
  • Adolf Bender, Maler
  • Julius Leber, SPD-Politiker. Später vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.
  • Günther Lüders, deutscher Schauspieler, der im Film vornehmlich das komische Fach bediente.
  • Ernst Heilmann, SPD-Politiker, in verschiedenen KZ inhaftiert. Schließlich in Buchenwald am 3. April 1940 durch Injektion ermordet.
  • Theodor Neubauer, KPD-Politiker. Kam aus dem KZ Papenburg. Später in verschiedenen KZ verschleppt. Vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Hingerichtet am 5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden
  • Hans Litten, Jurist. 1938 im KZ Dachau am 4. Februar 1938 in den Selbstmord getrieben.
  • Georg Diederichs, späterer niedersächsischer Ministerpräsident (SPD)
  • Ernst Walsken, deutscher Maler, dessen Bilder zu den wenigen erhaltenen künstlerischen Dokumenten aus Konzentrationslagern der Nazizeit gehören.

Diese Liste bekannter KZ-Häftlinge ist nicht vollständig, wie jeder weiß. Sie umfasst in Wahrheit Zehntausende von Namen aus den Konzentrationslagern der Nazis, die Ermordeten, Gequälten, Erniedrigten. Und alles schon 1933.

Tja, und wie schreibst Du so schön:

„Ohne Sponsorengelder ließen und lassen sich gewisse Sportarten nun einmak nicht betreiben. Und Hitler als bekennender Technik-Freak…“ 

Hanskarl, soll ich Dir was verraten? Ganz ehrlich?! Du hättest nach Deinen Esskastanienbriefen aufhören sollen. Das hätte Dir und uns gut getan.

Dein irritierter Robert Koop