Hurra
23. Mai 2009
Zur HSG Nordhorn-Lingen (und damit zum leider auch andernorts aktuellen, längst nicht nur sportlichen Lingener Abstiegs-Thema) informiert die Süddeutsche Zeitung heute ihre Leserinnen und Leser. Die Betonung liegt bei „informiert“. Hier der Artikel im Wortlaut:
Ein letztes Hurra
Nordhorn/Kiel – Diese Woche haben die HSG Nordhorn-Lingen und der THW Kiel ein Testspiel gegeneinander bestritten. Offiziell handelte es sich dabei um eine Partie des drittletzten Bundesligaspieltags, aber Kiels 38:27-Sieg war nicht mehr von Bedeutung. Die Kieler sind längst Meister, während die insolventen Nordhorner in die zweite Liga zwangsabsteigen müssen. Insofern waren alle gedanklich schon beim Wochenende, an dem für beide Teams der finale Höhepunkt einer aufregenden Saison ansteht. Kiel empfängt am Sonntag zum Hinspiel des Champions-League-Finals den Titelverteidiger Ciudad Real aus Spanien. Nordhorn spielt im Europapokal der Pokalsieger am Samstag zunächst daheim gegen Pevafersa Valladolid, ebenfalls aus Spanien. Außerdem gastiert der VfL Gummersbach in seinem ersten Europacup-Finale seit 26 Jahren im EHF-Pokal am Samstag bei Gorenje Velenje in Slowenien. Wie im Vorjahr sind deutsche Mannschaften in drei Europapokal-Endspielen vertreten. Doch die Erfolgsbilanz wird getrübt. Während Kiel weiter mit Korruptionsvorwürfen kämpft, endet in Nordhorn eine zehnjährige Ära.
1999 sind die Emsländer in die Bundesliga aufgestiegen, ein Jahrzehnt später müssen sie wieder hinunter in die zweite Liga. „Das bitterste daran ist“, sagt Kapitän Maik Machulla, „dass hier eine Mannschaft absteigt, die intakt ist und hervorragend spielt.“ Der Grund für die guten Leistungen freilich ist, dass eine Mannschaft zusammengestellt wurde, die schon im Herbst nicht mehr bezahlt werden konnte. Zunächst bedurfte es dazu der Hilfe des Nachbarorts Lingen, der als Gegenleistung ein Teil des Namens wurde. Trotzdem musste am 9. März über die mit 1,9 Millionen Euro verschuldete Spielbetriebsgesellschaft das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Damit stand der Zwangsabstieg fest. „Die Endspiele gegen Valladolid sind unsere letzten großen Spiele für lange Zeit“, prophezeit Machulla, 32, der in der kommenden Saison Spielertrainer wird. Er hat bis jetzt erst einen Mitspieler sicher. Nicky Verjans hat ebenfalls unterschrieben. Mehr steht noch nicht fest, nicht einmal die Zweitliga-Lizenz. Für sie muss die neue Gesellschaft bis Juni Sponsorenzusagen bestätigen. „Ich weiß überhaupt nicht, wo unser Weg hingeht“, sagt Machulla.
Die Sorgen der Nordhorner Handballer ziehen sich durch die vergangenen Jahre. Es heißt, so pünktlich wie jetzt vom Insolvenzverwalter hätten die Spieler ihr Geld noch nie erhalten. Machulla aber lässt nichts kommen auf den Strippenzieher und ehemaligen Manager Bernd Rigterink. „Er hat hier alles aufgebaut“, sagt der Handballer über den Spediteur, „da hat jetzt keiner das Recht, ihn auszubooten.“ Lingens Oberbürgermeister Heiner Pott hatte allerdings unmissverständlich einen „Neubeginn im sportlichen Management“ gefordert. Um die Rolle von Rigterink, gegen den die Staatsanwaltschaft Osnabrück unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, hat sich ein Streit entfacht. Machulla sagt, Rigterink sei in die Planungen für die kommende Saison in beratender Funktion bereits einbezogen.
Am 1. Juli beginnt die neue Saison, aber gewiss ist bislang nur die Auflösung des alten Teams. In Holger Glandorf (Lemgo), Peter Kuckucka (Schaffhausen) und Erlend Mamelund (Flensburg-Handewitt) sind drei Spieler bereits fort. Nach der Saison wird wohl auch nahezu der komplette Rest verschwinden. Steffen Weinhold wechselt zum TV Großwallstadt, Tobias Karlsson zur SG Flensburg-Handewitt und der Trainer Ola Lindgren als Coach zu den Rhein-Neckar-Löwen nach Mannheim. „Das ist keine einfache Situation“, sagt Lindgren über Höchstleistungen im Niedergang. Trotzdem hat er es zuletzt geschafft, die Mannschaft zu starken Vorstellungen zu animieren. „Ohne das Europacup-Finale“, sagt er, „wäre das schwer geworden.“ Von den jüngsten sechs Spielen hat Nordhorn nur jenes gegen Kiel verloren. „Wir wollen die unschöne Saison mit einem Pokalsieg beenden“, sagt Torwart Peter Gentzel, der nach acht Jahren zum THW Kiel wechselt. Länger als er war in Nordhorn nur der Trainer. Lindgren war zwischen 1998 und 2003 Spieler und ist seitdem Trainer.
Immerhin sieben Jahre hält es nun auch schon Kapitän Machulla aus. Er wertet die Langzeit-Engagements als Indiz für gute Arbeit und für gute Atmosphäre. Auch die Fans haben ihren Klub nicht verstoßen. Das Euregium ist stets voll, auch am Samstag, wenn die Nordhorner nach dem EHF-Cup 2008 ihren zweiten Europapokal gewinnen wollen. Aber was kommt danach? „Unser Ziel ist, in die Bundesliga zurückzukehren“, sagt Machulla, „bloß wann, das ist die Frage.“ Ulrich Hartmann
Die SZ-Überschrift passt gut zur aktuellen Lingener Kommunalpolitik. Das finanzielle Wagnis für eine Arena kann in einer Zeit wegbrechender Stadteinnahmen nur verantwortet werden, wenn Konzeption und Umsetzung stimmig und über jeden Zweifel erhaben sind.
Schon konzeptionell ist aber mit dem Abstieg der HSG erst einmal Potts „Emslandarena“ erledigt. Sie hätte die HSG als „Hometeam“ benötigt, um wirklich das Leuchtturm-Projekt zu sein, dass sie sein sollte.
Städtebaulich ist sie mit der von OB Pott durchgesetzten Verlagerung aus dem Stadtzentrum an den Stadtrand ebenfalls gescheitert. Um einen positiven Effekt auf Lingen zu haben, muss sie ins Stadtezntrum. Auch die Emslandhallen entstanden hier, weil der damalige Oberstadtdirektor Vehring immer und immer wieder die positive Wirkung einer so großen Veranstaltungshalle auf die Innenstadt unterstrich.
Nicht nur sportlich ist das Projekt abgestiegen. Auch inhaltlich ist es vom Leuchtturm zu einem schiefen, leuchtmittelfreien Bauwerk geworden.
Also: Wer rafft sich also jetzt auf, Potts Projekt mit einem Bürgerbegehren zu stoppen?
(Foto: Leuchtturmprojekt – Ernst Rose pixelio)
Gerücht
17. Mai 2009
Trifft es zu, dass der Kaufmann Bernhard van Lengerich den Neubau der Emslandarena im Bereich der Emslandhallen verhindert?
Informationen, die mich erreichen, sagen das: Die Stadt habe noch zu Karl-Heinz Vehrings Zeiten -nach dem Ende des legendären Jugendtreffs Rockfabrik- die Eröffnung einer Diskothek durch van Lengerich untersagt. Diesen Jugendtreff hätte Bernhard van Lengerich in einer ehemaligen Verkaufshalle neben dem zuckerhütigen Betonbunker südlich der Kurt-Schumacher-Brücke fertig gestellt. Das anschließende städtische Nein habe der Kaufmann bis heute nicht vergessen. Jetzt halte er dagegen. Die Ausweisung seines ganzen Grundstücks als profitables Sondergebiet im Sinne der Baunutzungsverordnung reiche ihm ebenso wenig wie die Bereitschaft der Stadt, die vorhandenen 150 Jahre alten Linden auf dem sog. Eiskeller und den auch wegräumen zu lassen. Weshalb er die Arenapläne verhindern könne? In erster Linie van Lengerich betreffe die Überschreitung von Lärmgrenzwerten, weshalb er die Emsland-Arena stoppen könne und dies bisher auch wolle.
Tatsache ist: Van Lengerichs Diskothekpläne hat es vor 20 Jahren gegeben. Und das Nein der Stadt ebenso. Und das Verhältnis van Lengerichs zur lokalen Obrigkeit ist -sagen wir mal- traditionell belastet…
Anstatt nun aber den Kopf unter den Arm zu nehmen, lieber Heiner Pott, und mit dem Kaufmann über eine Lösung des Problems zu sprechen, wird eine typisch Lingener Lösung voran getrieben: Losspringen als Tiger und landen als Bettvorleger. Oder anders: Der Bau eines Arenaleins an der B 214 in Laxten. Für 3500 Besucher, also nur unwesentlich mehr als in die Emslandhallen passen. Weil -nu’ kommt’s- eine Arena mit 5000 Plätzen sich nur lohne, falls man ein „Hometeam“ habe, soll die Kleinlösung kommen, eben das Laxtener Arenalein für flockige 25 Mio. Denn -so Heiner Pott im LT-Interview- „Der Gutachter hat uns eine Sitzplatzkapazität von 3500 empfohlen und nur dann 5000, wenn wir ein sogenanntes Hometeam hätten. Das haben wir zurzeit nicht.“
Gab es da nicht diesen vorfinanzierten Handballplan mit der HSG Nordhorn-…?
Egal, Leute lasst es sein. Für das jetzige Vorhaben sind die aufzuwendenden 25, 30 oder 35 Millionen Euro rausgeschmissenes Geld. Lieber solltet ihr jedem Lingener 500 Euro in die Hand drücken und das Vorhaben abwracken.
Übrigens zeigt das pixelio-Foto von Hans-Peter.Haege (@-online.de) die Arena in Pula (Istrien). Als ich das Bild sah, fand ich, es passt bestens zu dem Lingener Vorhaben in seiner aktuellen Ausgestaltung…
Campus II
10. Februar 2008
Sie haben vielleicht von der Diskussion um die künftige Nutzung der von der Bundeswehr aufgegebenen 30-Hektar-Fläche gehört. Aber haben Sie sich eigentlich schon einmal das Kasernengelände in Reuschberge angesehen? Ich kann das nur dringend empfehlen, auch wenn es nur von außen (möglich) ist. Dazu müssen Sie die Breslauer Straße bis zum Ende gehen, dann links in den Liegnitzer Weg. Nach gut 300m lassen Sie die „Panzerbrücke“ rechts liegen und folgen einem kleinen Trampelpfad bis zum Ende der Gelgöskenstiege, der sie dann bis zu dem links abbiegenden Fußweg Richtung Langschmidtsweg folgen. Auf dem Langschmidtsweg geht es dann zurück bis zur Breslauer Straße. Machen Sie das ruhig einmal!
Anschließend können Sie es sich wie ich sicherlich nicht vorstellen, dass nach dem Willen der Ratsmehrheit und ihrer Spitze fast alle Gebäude, die Sie bei diesem Gang gesehen haben, abgerissen werden sollen. Welch eine Vernichtung öffentlichen Vermögens soll hier geschehen!
Zur Erinnerung: Es sind Ihre Steuern, mit denen die Lingener Kasernen gebaut wurden und die auf diese Weise vernichtet werden. Sie sehen einige Dutzend große Gebäude mit neuen Holzfenstern und Türen, dichten Dächern, 1-A-Energie- und Wasserver- bzw. Abwasserentsorgung und größtenteils völlig intakt. Allerdings ist schon ein Teil von ihnen im Innern gezielt zerstört worden ist, weil in den letzten Wochen intakte Elektroinstallationen und Badezimmerarmaturen herausgerissen und entfernt wurden. Aber das kann man reparieren und die Leute zum Deichbau mit dem Spaten nach Cuxhaven schicken, die die Zerstörung zu verantworten haben…
Ich schätze, dass der Abriss öffentliches Vermögen von 10 Mio Euro und mehr vernichtet. Noch einmal: Das sind Ihre Steuern! Danach soll nach dem Willen des Bürgervereins Reuschberge in dem geräumten Bereich eine Siedlung a la Vorort entstehen und nach dem Willen unseres OB Heiner Pott ein „Emsauenpark“. Damit die zugrunde liegende Mischung fehlender Fantasie und unglaublicher Vernichtung öffentlichen Vermögens nicht zu sehr auffällt, wird jetzt ein städtebaulicher Wettbewerb inszeniert. Dessen Ergebnis steht eigentlich schon fest: Siedlungseinerlei im Norden und Grünflächen im Süden des alten Kasernengeländes.
Der damit einher gehende Abriss-Skandal wird in Lingen nicht zur Kenntnis genommen, vor allem weil hier die neben Parlament, Verwaltung und Justiz vierte klassische Säule eines demokratischen Gemeinwesens faktisch fehlt: Eine intakte, das heißt kritische Presse.
Es fehlt leider auch einmal mehr der Mut, unkonventionell und innovativ zu denken und zu handeln. Stattdessen altbekannte Lingener Tradition: Erst einmal soll der Bagger ran. Wenn es hier tatsächlich so kommt, werden schnell 10 Mio Euro vernichtet sein.
Die zaghaften Versuche, jedenfalls ein bisschen studentisches Wohnen in den nach dem Modell „Kaserne 2000“ noch bis vor zwei, drei Jahren renovierten Kasernen zuzulassen, hat die CDU-Mehrheit abgeblockt. Sie kann sich dies leisten, weil die Lingener gar nicht wissen, was und wie viel da zerstört werden soll. Und mit den Studenten redet sowieso niemand.
Studentisches Wohnen kann aber eigentlich nicht alles sein. Niemandem ist offenbar dieses Faktum aufgefallen: Das Gelände ist ein klassischer Hochschul-Campus nach anglo-amerikanischem Vorbild. Es ist absolut alles da: Hörsäle, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Mensa, Wohnheime – sogar ein Hubschrauberlandeplatz, wenn der Minister zur Einweihung kommt.
Mein Vorschlag: Erhalten wir grundsätzlich alle Gebäude im Süden des Kasernengeländes für eine zweite Hochschule in Lingen. Klar ist, dass dies im Kontext der bundesdeutschen Hochschullandschaft kaum geht. Aber die erste Lingener Hochschule wurde von dem Niederländer Willem III. van Oranje-Nassau gegründet. Heiner Pott, fahr also bitte in die Niederlande, biete den Standort an, frag nach und verhandle. Die öffentliche Saxion Universities in Twente (.de) ist für diese Verhandlung zum Beispiel ein guter Ansprechpartner; sie platzt aus allen Nähten. Wenn man es klug anstellt und wenn es wirklich will, kann man Einmaliges erreichen.
ps Ein Campus an dieser Stelle bringt zwangsläufig Leben in diesen Stadtteil und auch den Supermarkt für Reuschberge, den der Bürgerverein so gern hätte. Wer aber als Reuschberger vor allem seine Ruhe will, darf gern in den Gauerbach oder in die Altenwohnungen im Stadtzentrum ziehen.
(Foto: Studenten, © Sebastian Bernhard pixelio.de)