Ausgebremst
30. Juli 2011
Das passiert hartgesottenen Gefängnismitarbeitern auch nicht alle Tage. Als sie am 19. November einen Mann von der Justizvollzugsanstalt Lingen in den Knast nach Münster überstellen wollen, werden sie auf der B 54 in Höhe von Burgsteinfurt von einer Autofahrerin dort ausgebremst, wo sich die zweispurige Fahrbahn wieder auf einen Fahrstreifen verengt. Die Frau winkt und gestikuliert, wovon sich die Justizbeamten aber nicht vom Weg abbringen lassen. Der Fahrer des Gefängnistransporters muss zwar kräftig auf die Bremse treten, hält aber nicht an. Stattdessen alarmiert er die Kollegen von der Polizei, die kurz darauf…
weiter auf der Seite der BBV und ein “schönes Wochenende”
Orientierung
18. März 2011
Weiterhin fehlen notwendige Dinge auf dem umgebauten Lingener Bahnhof. Sie erinnern sich an diesen Beitrag vor knapp einem Monat:
Es fehlt ein Fahrkartenautomat auf „Gleis 2″, es fehlen (mindestens) Hinweisschilder (wo-eigentlich-gehts-in-die-Innenstadt.lin), es fehlen Gepäckfächer, es fehlen Kurzhalteparkplätze und Zugzielanzeiger und der Aufzug ist eine ziemliche Katastrophe. Aber es wird nicht das „Sich-gegenseitig-auf-die-Schultern-Klopfen“ derjenigen fehlen, die das Chaos um den Mittelbahnsteig durch ihre Fehler erst geschaffen haben.
Doch in der vergangenen Woche wurden nun die erwähnten, bislang fehlenden Hinweisschilder an der Treppe zu Gleis 2 montiert. Freude kommt allerdings nicht auf, statt dessen die Frage: Welcher Vollpfosten hat die gestaltet und getextet? Denn:
- Die Fachhochschule heißt seit dem letzten Jahr Hochschule und
- sie wird wohl erst in knapp zwei Jahren “rechter Hand” in den Hallen I/II zu finden sein. Bislang gibt es nur wenige HS-Räume in der “Kunst-Halle IV”.
- Hätte man trotzdem Hochschule nicht schreiben wollen, dann wäre Fachhochschule vollständig zu lesen gewesen, hätte man es ganz unten notiert.
- Auch von dieser, stadtweit als “Kunst-/Halle IV” ausgeschilderten Einrichtung haben die Schildaexperten nichts gehört
- und die JVA Lingen (vielleicht als zu wenig repräsentativ ?) gleich weggelassen.
- Zweckmäßig ist das Wort Innenstadt; denn der Begriff Zentrum würde auch von Nichtdeutschen gut verstanden werden…
- Übrigens wusste ich noch gar nicht, dass “rechts von Gleis 2″ keine Innenstadt mehr ist.
- Und schließlich will ich auch die gewöhnungsbedürftige Aufteilung des Schildes mitsamt seinen Richtungspfeilen als besonders sportlich hervorheben. Es ist etwas für Tennisgucker. Links rechts, rechts links.
- Übrigens: Ein Pfeil nach links und ein Pfeil nach rechts hätte Raum für weitere zwei Ziele geschaffen.
Ich errechne 9 Kritikpunkte. Ein bisschen Nachdenken und etwas mehr Orientierung wäre doch gar nicht schlecht. Oder?
(Foto: © robertsblog CC)
Neonazis
9. September 2010
Das Bundesinnenministerium hat am Dienstagmorgen eine deutschlandweite Razzia gegen die rechtsextreme Organisation “HNG” durchgeführt. Neben Räumen in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen wurden auch in Niedersachsen und weiteren drei Bundesländern diverse Wohnungen und Büros durchsucht. Die “Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene und deren Angehörige (HNG)” ist mit 600 Mitgliedern laut Verfassungsschutzbericht die bundesweit größte Neonazi-Vereinigung. Zu ihren Anhängern zählen auch gewaltbereite Rechtsextremisten. Der 1979 gegründete Verein hat seinen Sitz in Frankfurt/Main, wird aber seit Jahren aus Mainz-Gonsenheim geleitet. Denn dort wohnt Ursula Müller, die 1933 geborene Vorsitzende der HNG. HNG betreut und unterstützt so genannte “nationale Gefangenen”. Dabei geht es der HNG nicht um die Resozialisierung der Straftäter, sondern um die Verfestigung der NS-Gesinnung der Verurteilten. Die HNG leistet aus demselben Grund auch materielle Hilfe für Angehörige inhaftierter Neonazis.
Wie am Mittwoch bekannt wurde, unterhält die rechtsextreme Gruppierung unter anderem auch Kontakte in die Justizvollzugsanstalt Lingen. Wie NDR 1 Niedersachsen am Dienstag berichtete, wollte sich das Innenministerium in Hannover nicht dazu äußern, bei wie vielen Rechtsextremisten in Niedersachsen am Morgen durchsucht wurde. Ein Sprecher bestätigte lediglich die Tatsache der Durchsuchung. Am Rande wurde bekannt, dass die Ergebnisse der Durchsuchung womöglich Grundlage eines Verbotsverfahren sein könnten.
Seit vielen Jahren beobachtet der niedersächsische Verfassungsschutz die HNG, sagte eine Behördensprecherin auf NDR-Anfrage. “Wir zählen in Niedersachsen 50 Personen, die wir dieser Organisation zurechnen.” Konkrete Zahlen, wie viele Rechtsextreme in niedersächsischen Gefängnissen sitzen, kennt das Niedersächsische Justizministerium aber angeblich nicht. In einer Stellungnahme aus dem Herbst 2009 heißt es, dass Gefangene in den Anstalten Hameln, Vechta, Lingen und Sehnde mit der HNG Kontakt hatten. Das sei zwar problematisch, findet auch die Verfassungsschutz-Sprecherin. Allerdings sei die rechtsextremistische Gruppe zurzeit in Deutschland nicht verboten. “So gesehen ist es auch nicht verboten, diese Broschüren den inhaftierten Rechtsextremisten zugänglich zu machen”, unterstrich die Sprecherin des Verfassungsschutzes.
In Niedersachsen hatte die HNG in den vergangenen Jahren immer etwa gleich viele Mitglieder. Die Zahl der Zeitungen und Broschüren, die die Gruppe herausgibt, ist laut Verfassungsschutz aber zum Teil deutlich gestiegen.
(Quellen: NDR, taz, Blick-nach-rechts;
Foto: JVA Lingen, copyright Dendroaspis2008)


