Ansicht

2. Mai 2012

Es ist das große Gemälde eines großen Malers. Die »Ansicht der Burg Bentheim von Nordwesten« von Jacob van Ruisdael. Meyers Konversationslexikon von 1888 beschreibt das Werk des Niederländers, der vollständig Jacob Isaackszoon van Ruisdael hieß, so:

„Ruisdael ist der größte holländische Landschaftsmaler und in Bezug auf Tiefe und Energie der poetischen Stimmung wie auf plastische Kraft der Darstellung einer der größten Landschaftsmaler überhaupt. Er hat die Landschaft zum Spiegel menschlichen Empfindens gemacht und zum ersten Mal die Geheimnisse der Naturseele enthüllt. Ruisdael hat die Motive zu seinen Landschaften zum Teil der Umgebung Haarlems, zum Teil den Holland benachbarten Gegenden Deutschlands wie der Grafschaft Bentheim entlehnt, wo er sich besonders in das Studium der Eichenwälder vertiefte. Unter dem Einfluss seines Freundes Allart van Everdingen hat er auch mit Vorliebe frei erfundene Wasserfälle mit den Eichenwäldern in Verbindung gebracht. Seine Landschaften sind sehr zahlreich (etwa 450). Besonders gut ist er in der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister und im Berliner Museum vertreten.“
Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.

Heute vor genau einem Monat ist dieses Gemälde  in Bad Bentheim angekommen und im Beisein von Hausherr Prinz Reinhard zu Bentheim hängte der niederländische raumsichten-Künstler Willem de Rooij gemeinsam mit Restauratorin Ursula Reuther das Werk an seinen neuen Platz: In eine eigens entworfene und konstruierte Glasvitrine im Obergeschoss des renovierten Marstalls der Burg Bentheim.

Das Bild ist im Eigentum der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und wurde bis vor ungefähr einem Jahr im Kloster Frenswegen nahe Nordhorn ausgestellt. Jetzt ist es Teil des Kunstprojekts Raumsichten, das von Nordhorn nach Zwolle über die deutsch-niederländische Grenze reicht und jetzt in Richtung Süden hin zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen erweitert wird.

Der Vorschlag Willem de Rooijs, das um 1655 von Jacob van Ruisdaels geschaffene Ölgemälde im Innern der Burg Bentheim zu präsentieren, führte übirgens zu großen Restaurierungsarbeiten im Südflügel der Burg, dem ehemaligen Marstall. Im zweiten Geschoss entstanden dort neue Räume für künftige Ausstellungen und in einem dieser Räume stellt Willem de Rooij, seit einigen Jahren Professor für Freie Bildende Kunst an der Städelschule in Frankfurt/M., das Gemälde Ruisdaels neu zur Ansicht. Eine eigens produzierte Glasvitrine umhüllt das wertvolle Gemälde und gewährleistet ein gleichmäßiges Klima, UV-Schutz und Sicherheit.

Im weiteren Fortgang von de Rooijs mit »Residual« betitelten Beitrag für die grenzüberschreitende Skultpurenaktion raumsichten wird auch über ein Ruisdael-Stipendium nachgedacht. Mit dessen Hilfe könnten junge, internationale Künstler  die Gelegenheit bekommen, neue Arbeiten zu produzieren und sie ebenfalls in der Bentheimer Burg auszustellen.

Boot

21. März 2012

Es war nichts mit Frühlingsluft. Über der ganzen Lingener Innenstadt lag am letzten Donnerstag ein penetranter Güllegeruch. Diese lokale Folge ungebremster Massentierhaltung in Niedersachsen, erlebt jede/r  selbst. Das zügellose  gewerbliche Wirtschaften hat insgesamt drastische Folgen für die Umwelt und die Gesundheit. Denn weil viel zu viel Gülle anfällt und die Kontrollen der Behörden völlig unzureichend sind, beklagen die Grünen im Landtag eine erhebliche Überdüngung auf den Feldern  in den Kreisen Cloppenburg, Vechta, Grafschaft  Bentheim und natürlich im sich stets dynamisch gebenden Emsland. Hier wird rund 30 % mehr Gülle, Mist und Posphor auf die Böden aufgebracht wird, als die Ackerfläche in unserem Landkreis vertragen kann. Diese unkontrollierte, hemmungslose Überdüngung wirkt sich negativ auf Flüsse, Seen und Grundwasser aus.

Öffentlich bekannt geworden ist dies durch den Vortrag von Franz Jansen-Minßen vor dem 12. Forum Emsländischer Landwirte am 24.02.12 in Meppen. Dort präsentierte der  Landwirtschaftsdirektor  der Landwirtschaftskammer Niedersachsen  erstmalig die Daten der Niedersächsischen Tierseuchenkasse, an die jeder Tierhalter zu einem bestimmten Stichtag die von ihm gehaltenen Tiere melden muss. Diese Zahlen erscheinen insoweit realistisch, als Tierhalter bei einer unvollständigen  Meldung im Schadensfall keine Leistungen aus der Tiersuchenkasse erhalten.  Der Vergleich ist frappierend: Nimmt man die emsländischen Zahlen, dann sind zum Beispiel bei Masthühnern 13.747.387 Plätze genehmigt. Zur Tierseuchenkasse angemeldet sind aber 26.202.874 und damit fast das Doppelte, exakt berechnet sind es +91 Prozent.

Christian Meyer, Agrarpolitiker von Bündnis’90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag (Foto lks), legte bei einer Pressekonferenz der Landtagsgrünen einen rund ein Jahr alten Brief der nieders. Landwirtschaftskammer an den Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium  Friedrich-Otto Ripke (CDU und bis 2005 deren nieders. Generalsekretär) auf den Tisch. Schon damals bezog  sich die Landwirtschaftskammer auf Zahlen der Tierseuchenkasse zur Anzahl der Nutztiere in Niedersachsen und wies daraufhin, dass diese erheblich höher sind als in der offiziellen Statistik des Landes: Anstelle von 36,5 Millionen Masthühnern seien es 63,3 Millionen, statt 14 Millionen gebe es offenbar 17,9 Millionen Legehennen und 10,4 Millionen Schweine statt 8 Mio . In Weser-Ems falle deshalb viel mehr Gülle und Hühnerkot an, als die Böden in der Region vertragen könnten. Wenn die Pflanzen Stickstoff- und Phosphorverbindungen nicht mehr aufnehmen könnten, gelangten diese Stoffe in den Boden und ins Trinkwasser. Gegen die schärferen EU-Vorschriften zur Reinheit des Trinkwassers könne damit, sagt das Schreiben, verstoßen werden. Die Grenzwerte werden im Nordwesten Niedersachsens in weiten Bereichen längst überschritten. Zusätzliche Gülletransporte aus den Niederlanden nach Niedersachsen erschweren das Problem; Experten schätzen, dass die Hälfte dieser Transporte aus dem Nachbarland illegal ist.

Nach Auskunft des Niedersächsischen Umweltministeriums im Landtagsausschuss für Umwelt und Klimaschutz vom 07. November letzten Jahres ist inzwischen das Grundwasser auf  59% der Landesfläche  hinsichtlich der Nitratbelastung in einem schlechten Zustand. Das heißt: der deutsche Grenzwert der Nitratbelastung von 50 mg/l wird überschritten. Aus Nitrat kann im menschlichen Körper Nitrit entstehen, dass an der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen beteiligt ist. Es gibt Hinweise, dass die Werte in einigen Regionen weiter ansteigen. Übrigens: Der EU- Grenzwert liegt bei der Hälfte des deutschen Wertes und beträgt  25 mg/l.
Da scheint mir der Güllegeruch in Ihrer und meiner Nase fast noch als kleines Problem. Denn in der langjährigen Lingener Diskussion um neue Massentierhaltungen habe ich immer gesagt, das Boot sei voll. Jetzt erfahren wir, was man uns verschwiegen hat; denn immerhin saßen die Organisationen der Landwirte bei den Beratungen über das so genannte “Lingener Modell” mit am Tisch. Dass das Boot gerade untergeht, weil längst viel mehr hineingeladen wurde, als genehmigt und vor allem möglich, haben uns diese Organisationen nicht gesagt. Gewusst haben sie es.

Zeitfrage

26. Februar 2012

Es ist eine Frage der Zeit, bis das Schmallenbergvirus auch im Land an Ems und Vechte Tierbestände befällt. Bis Freitag letzter Woche gab es wohl noch keine Fälle im Emsland und in der Grafschaft Bentheim. Das nach dem Ort der ersten Probenherkunft benannte Virus ist aber inzwischen in 737 Betrieben (Stand 24.02.) in fast allen Bundesländern verbreitet, nur nicht in Bremen bislang.Viele Höfe befinden sich in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, auch aus Hessen und Schleswig-Holstein haben mehr als 80 Betriebe erkrankte Tiere und tot oder stark missgebildete Junge gemeldet. Betroffene Lämmer und Kälber kommen zum Teil viel zu früh und tot, zum Teil aber auch mit erheblichen Missbildungen zur Welt. Ihr Gehirn und ihr Rückenmark sind stark angegriffen, die Gelenke versteift.

In der Landwirtschaft wächst die Sorge, das Virus könnte die Existenz nicht weniger  Betriebe bedrohen; vor allem die Schafzüchter sind gegenwärtig betroffen, erwartet wird aber eine starke Zunahme bei Rindern. An einem Impfstoff gegen das wohl von Stechmücken übertragene Virus wird bislang noch vergeblich unter der Federführung des  Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI)  geforscht, das das Virus im November vergangenen Jahres entdeckt hatt . Die EU hält sich noch bedeckt, obwohl Inzwischen Betriebe in den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Frankreich,  Luxemburg und auch Italien befallen sind.

Auf Menschen soll es mit ziemlich großer Sicherheit nicht übergehen, unterstreicht in einer Risikobewertung des European Center for Disease Prevention and Control. Weder könne sich der Mensch direkt bei den Tieren anstecken, noch bestehe eine Gefahr beim Konsum von Lammfleisch.

So richtig beruhigend ist das alles aber nicht, oder? Wat sachste, Buggy?

Facebook

14. Februar 2012

Facebook ist als größtes soziales Netzwerk mit mehr als 800 Millionen Menschen eine gewaltige Datensammelmaschine. Die Daten über Freundschaften, Vorlieben und Verbindungen der Nutzer machen das Netzwerk ja gerade aus. Klar ist aber auch: Mit diesen Daten verdient Facebook Geld und nutzt sie für Werbezwecke. So steht es ausdrücklich in den Facebook-Datenschutzrichtlinien. Allerdings: „Ohne deine Zustimmung geben wir keine deiner Informationen an Werbetreibende weiter“, versichert das Unternehmen.

Thilo Weichert, Schleswig Holsteins Datenschutzbeauftragter, sagte trotzdem schon im letzten Sommer, Firmen und Behörden in seinem Bundesland sollten „Gefällt mir“- Knöpfe von ihren Web- und Fanseiten bei Facebook löschen und seine Behörde leitete erste Verwaltungsverfahren gegen Firmen und Behörden seines Bundeslandes ein. Der niedersächsische Datenschutzbeauftragte Joachim Wahlbrink unterstützt zwar die Auffassung seines Kieler Kollegen, will aber nicht an Behörden und Firmen appellieren, ihre Facebook-Aktivitäten einzustellen. Man habe “zu wenig Leute”  für all die Institutionen und Kommunen. Zuletzt hat -na wer wohl? richtig!- Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) die Fahndung der Polizei über Facebook genehmigt. Trotz aller Bedenken. Ich nehme an mit Gesichtserkennungsprogramm. Dabei warnen die Datenschützer.

Der Landkreis Friesland mit dem Sitz in Jever hat sich vor einigen Monaten entschieden, seine Facebook-Fanpage  zu deaktivieren. Auch mehrere Kommunen sind skeptisch geworden. Vor allem der (von mir auch schon einmal in Gebrauch genommene) „Gefällt-mir“-Button stört.  Das Symbol mit dem gehobenen Daumen ist bereits vor Monaten von Bremens Internetauftritt verschwunden, als die Betreiber die Funktion kritisch sahen. „Dann werden immer, wenn man die Seite aufruft, egal ob man den Button anklickt oder nicht, die Daten in die USA übertragen“, sagte der Geschäftsführer der Bremen online services GmbH, Stephan Klein. Die Fanpage von Bremen soll aber bleiben. Ebenso die Seite des Landkreise Osnabrück. die Kreise Emsland und Grafschaft Bentheim präsentieren weitgehend leere Seiten, ebenso die Städte Nordhorn, Meppen und Papenburg. Und die “Regierungsorganisation”  Lingen plappert derweil heftig auf facebook. Ich finde Wettermeldungen und gar ein altes Foto mit meinem Opa, der aber namentlich nicht erwähnt wird…, vielleicht weil er ja so hieß wie der unbotmäßige Enkel?

Doch wie lange gibt es noch die facebook.de-Släsch-Lingen? Denn der städtische Personalrat hat massive Bedenken angemeldet. OB Krone hat es trotzdem im Alleingang gemacht und damit womöglich die gesetzlichen Mitbestimmungsrechte seiner Mitarbeiter und ihrer Vertretung verletzt. Es wird eine Klage geben. Der Personalrat nimmt seine Rechte wahr. Gefällt mir.

Voller Länge

30. Januar 2012

Es geht ja irgendwie immer etwas rauf und runter. Auch dieser (wer will: dieses) kleine Blog  hat bessere und schlechtere Zeiten. Zurzeit beispielsweise fehlen mir die Kommentare von Frank O. und Ulrike, Buggy macht sich rar und die CDU-Schreiber haben sich zurückgenommen, weil ja jetzt nicht gewählt wird. Und ich versuche den bisweilen nicht einfachen Spagat zwischen meiner Tätigkeit bei den BürgerNahen und dem Schreiben hier (noch fühle ich mich gelenkig ;-) ).

Doch was ist eigentlich mit der Ems-Vechte-Welle los? Sie hatte ja bis zum Sommer ein ordentliches journalistisches Niveau erreicht, war kritisch und innovativ. Man konnte sich das Durchdentag-Magazin anhören – soweit der Empfang reichte, es war richtig gut. Und jetzt? Marco Schnitker ist weg zu ev1.tv und Simone Schnase hört man nicht mehr, weil sie Emskopp beglückt. Aber so eine Meldung wie diese in voller Länge in den 14.30Uhr-Nachrichten aus dem Emsland und der Grafschaft geht gar nicht:

Twist – Am Dienstagabend sind zwei Personen bei einem Unfall schwer verletzt worden. Gegen 18.55 Uhr befuhr eine 40-jährige Frau die Straße Hebelermeer in Richtung Ortsmitte und hielt das Fahrzeug auf der Fahrbahn an, um einen 9-jährigen Jungen aus dem Fahrzeug aussteigen zu lassen. Die Autofahrerin ließ das Fahrlicht an und ging zur Beifahrerseite um dem Jungen beim Aussteigen zu helfen. Da sich in diesem Augenblick aus Richtung Ortsmitte ein Fahrzeug näherte, wartete die Frau mit dem Jungen auf der Fahrbahn. Das Auto erfasste die Frau und den Jungen und prallte in das stehende Auto. Die 40-jährige Frau und der 9-jährige Junge wurden beide schwer verletzt und wurden in ein Krankenhaus gebracht. Wie die 21-jährige Fahrerin des zweiten Wagens später zu Protokoll gab, war sie von den Scheinwerfern des stehenden Autos geblendet worden.Sie erlitt einen Schock und wurde ebenfalls ins Krankenhaus gebracht.

Wie gesagt in voller Länge. Ich hab’s wirklich gehört. Es folgten dann noch drei weitere Originalpressemitteilungen der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim – fast vollständig   1:1 übernommen. Das ist leider seit Wochen so, das Niveau der evw-Meldungen. Wir erfahren viel über den Unfall hier und den Einbruch da. Das ist schnell, aber genauso schlecht gemacht. Inga Grabert, Mario Köhne & Co.: Ihr könnt doch Radio und müsst nicht nur die Presseerklärungen der Polizei vorlesen. Das Stadtblatt Lingen, auch eine permanente Enttäuschung, bringt zumindest noch Pressemitteilungen jenseits von Polizei und Zoll. Also, Ihr Ems-Vechte-Welle-Leute – strengt Euch bitte mehr an und werdet wieder besser. Ein Tipp: Fragt doch mal nach, was hinter den Meldungen steckt.  Sonst kann man ja gleich Radio Antenne …

Derweil -wer hätte das gedacht?!- mausert sich unsere Lokalzeitung ein wenig. Es gibt inzwischen die LT auf facebook und Thomas Pertz twittert sogar. Zugleich wird der überregionale Teil der NOZ unter dem neuen Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke flotter, hintergründiger, gründlicher.

ps Bliebe nur noch etwas über ev1.tv zu schreiben. Aber dafür ist es mir noch zu früh. Obwohl, dieser Klemmhumor á la Opa Anton geht mir schon reichlich auf den Wecker. Lacht da eigentlich wirklich jemand? Den würde ich gern kennen lernen.

Nordhorn Range

15. Dezember 2011

“Seit Jahrzehnten kämpfen Kommunen und eine Bürgerinitiative beharrlich gegen den Luftwaffenübungsplatz “Nordhorn Range”. Ihre Hartnäckigkeit müssen sie sich auch weiterhin bewahren. Denn die zuletzt erhoffte Unterstützung seitens der Abgeordneten im Bundestag wird ihnen verwehrt. Der Petitionsausschuss des Parlaments hat sich nicht für die Schließung der “Nordhorn Range” ausgesprochen. Wie am Mittwoch bekannt wurde, einigte sich das Gremium mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen lediglich auf eine Prüfung des Falls durch die Bundesregierung. Das Verteidigungsministerium soll in sechs Monaten einen Bericht vorlegen, ob und wann der Übungsbetrieb eingestellt werden kann.
In Nordhorn zeigt man sich enttäuscht und verärgert. “Hier muss nichts überprüft werden, die Fakten sind…”

weiter auf der Seite des NDR

Bielefelder Transport

11. Dezember 2011

“Heute ist der 70. Jahrestag der Deportation der Juden aus dem Emsland, der Grafschaft Bentheim, dem Osnabrücker und dem Bielefelder Raum. Am 11. Dezember 1941 wurden auch aus dem jüdischen Bethaus in Freren die letzten Juden der Stadt deportiert. Über Osnabrück gelangten sie nach Bielefeld, von wo am 13.12. der Zug nach Riga abfuhr.  in tiefer Nacht traf er am 15.12.1941 auf dem  Rangierbahnhof Skirotawa bei Riga ein.

Anlässlich des Jahrestages wurde heute im jüdischen Bethaus in Freren die Ausstellung “hope lives when people remember” eröffnet. Sie thematisiert das Schicksal der letzten sechs Frerener Juden, die vor 70 Jahren in das Ghetto Riga verschleppt wurden. Die Deportierten, an deren Schicksal erinnert wird, bekommen hier wieder ihre Namen: Emma Schwarz, Simon Schwarz, Martin Manne, Erika Manne, Samuel Manne und Siegfried Meyberg.

Gezeigt werden Bilder und Texte des Lingener Künstlers Mudde van Duren. Sie thematisieren die Biografien von deportierten jüdischen Menschen, von denen van Duren in zahlreichen Gesprächen mit Überlebenden der Shoa erfahren hat und setzen sich bildhaft mit dem Geschehen in der NS-Zeit auseinander. Seine Kunst illustriert keine Zeitgeschichte, sondern verweist durch Bilder und Lyrik auf die Schicksale der Menschen.

Initiiert wurde die Ausstellung von der Geschichtswerkstatt „Samuel Manne“ und dem Kulturkreis impulse Freren. Sie ist bis zum 31. Januar 2012 im jüdischen Bethaus Freren in der Grulandstraße zu sehen.” (aus dem emskopp)

Von den über 1000 Menschen, die in dem so genannten 1. Bielefelder Transport nach Riga deportiert wurden,  haben nur wenige überlebt. Alle Lingener Juden kamen ums Leben.  Nur Ruth (Foster-)Heilbronn (Foto re.) kam davon. Ermordet wurden Marianne Grünberg und Gerda Grünberg, Bendix Grünberg. Wilhelm Heilbronn, der Vater von Ruth, wurde am 18. Mai 1942 in Riga vor den Augen von  Frau und Tochter erschossen. Caroline Heilbronn, die Mutter von Ruth, wurde am 28. Juli 1944 im Wald von Bikernieki als Opfer der sog. Aktion Dünamündeerschossen.

Der Rat unserer Stadt verlieh 1993 Ruth Foster-Heilbronn und dem  15-jährig mit einem Kindertransport 1938 nach England  gelangten Bernhard Grünberg (Foto lks, © NOZ)  die Ehrenbürgerschaft der Stadt Lingen (Ems). Ruth Foster-Heilbronn lebt heute hochbetagt in London, der 88-jährige Bernhard Grünberg nahe Birmingham. Er besucht regelmäßig die Stadt Lingen. 

werden

21. Oktober 2011

Gestern Abend Punkt 18 Uhr ist das lokale Fernsehprogramm  EV1.tv im regionalen Kabelnetz auf Sendung gegangen. Der Sender zeigt ein einstündiges Programm, das bis heute Abend 18 Uhr wiederholt wird. “Jetz …! Einschalten!” twitterte aufgeregt die Osnabrücker Mutter (s.u.).

Die erste EV1.tv-Kabelstunde fand ich nun nicht so pralle, eher betulich –  mit aufgezeichneten Landratinterviews der Herren Bröring und Kethorn. Fast am Spannendsten waren da Nebensächlichkeiten: Wo beispielsweise platziert der, wie erwartet aufgeräumt wirkende Talk-Gastgeber Marko Schnitker seine Hand unterm Tisch (TV kann ja so unerbittlich sein) oder der etwas unsortiert wirkende Kinderprogrammbeitrag “Wie geht Fernsehen?” mit dem Geständnis, man habe für das Interview eine Stunde auf den Winter gewartet – pardon natürlich auf “Erster Kreisrat Reinhard Winter” (O-Ton). Das Interview mit ihm fiel dann aus. Nicht auszudenken, wenn er auch noch -ebenso wie unisono die Kollegen Bröring und Kethorn- gefordert hätte, Kreistagssitzungen auf ev1.tv zu übertragen. Andererseits… vielleicht könnte eine Liveschalte ja auch augenöffnende Wirkung entfalten. so wie die Bilder der mit Landrat i.E. Reinhard Winter der Kamera enteilenden Anzugmänner-Rückseiten…

Also: EV1.tv kann nur besser werden, und es wird auch besser werden. Haben wir Geduld, bis die EV1.tv-Macher nicht mehr eine Stunde auf einen Vorturner der politischen Regionalliga warten.
Gut werden sie sein, wenn sie sich nicht gemein machen mit denen, die wichtig genommen werden wollen. Wenn sie die Gästeliste ihrer Feiern veröffentlichen. Wenn sie Unabhängigkeit beweisen.

Noch ein bisschen Hintergrund zu EV1.tv: „E“ steht bekanntlich für Ems, „V“ für Vechte und die 1 ist das für eine URL notwendige dritte Zeichen. Dem Sender unter dem Dach des Neue OZ-Medienhauses hat die Landesmedienanstalt Niedersachsen Anfang des Jahres einen 24-stündigen analogen Kabelplatz in der Netzregion Lingen für die Dauer von sieben Jahren zugewiesen und, entkoppelt davon,  eine unbefristete Lizenz erteilt. Seinen Sitz hat der Sender in der Lingener Halle IV an der Kaiserstraße.  EV1.tv belegt übrigens den Kabelkanal des französischsprachigen Senders tv.5monde und verdrängt den einzigen Franzosen hier im Kabelnetz. Aus ganz Europa bleibt da im Kabelempfang nur noch die BBC mit ihrem Weltprogramm. Nichts mit Holland, Polen, Spanien -ein Armutszeugnis, das  die verantwortliche Landesmedienanstalt Niedersachsen da abliefert, wenn sie zwar nicht Europa aber gleich mehreren Shopping-TV-Sendern Kabelplätze zugewiesen hat…

Zur Erinnerung:
Für lokales Verlegerfernsehen in Niedersachsen hat die  schwarz-gelbe Landtagsmehrheit  das Mediengesetz so geändert, das es den Interessen der einflussreichen Zeitungsverlage auf den Leib geschneidert ist. Sie können sich mit bis zu 49,9 Prozent an den Lokalsendern beteiligen (statt bisher 24,9%). Kreativ sind die lokalen Zeitungsverlage offenbar wechselseitig an den jeweiligen Lokalsendern nebenan beteiligt: das Neue OZ-Medienhaus beispielsweise an dem Oldenburger NWZ-Sender. Da interessieren schon die kommerziellen Konditionen, um  zu entkräften, die Verlage -sagen wir mal- liberalisierten faktisch-augenzwinkernd die gesetzlichen Bestimmungen.

Verlagshäuser können sich also auch trotz lokaler Marktbeherrschung -wie bei der NOZ – mit bis zu 49,9 Prozent an den neuen Sendern beteiligen. Verleger, die vor Ort bereits eine monopolartige Stellung haben, müssen zwei von vier so genannte “Vielfalt sichernden Maßnahmen” erfüllen.  ”Geeignete Vorkehrungen gegen das Entstehen vorherrschender Meinungsmacht”, formuliert § 6  Mediengesetz,   sind  die Einrichtung eines Programmbeirats mit wirksamem Einfluss auf das Programm, die Einräumung von Sendezeit für unabhängige Dritte, die Beschränkungen des Stimmrechts in Programmfragen und wichtigen Personalfragen, die Verabredung eines Redaktionsstatuts zur Absicherung der redaktionellen Unabhängigkeit.” Was EV1.tv da vorhält, habe ich im Internet nicht gefunden, weder auf der Seite von EV1.tv, noch bei der Landesmedienanstalt noch sonstwo. Aber vielleicht wird mir ja geholfen. Wir müssen eben geduldig sein.

Wetterkachelmann

21. Juli 2011

Um das bislang reichlich durchwachsene Sommerwetter hierzulande will ich mich nach der Rückkehr aus dem Urlaub nicht wirklich kümmern. Aber wetterkachelmann.wordpress.com bedarf natürlich der hinweisenden Erwähnung – schon weil Lingen am heutigen Tag mehrfach so grenzwertig daherkommt (guckst Du unten).

Wir erleben: Ein Meteorologe schlägt im web 2.0 ein (Scherz!). Herzlich willkommen. Obwohl: Die richtig gute, weil lokale Wettervorhersage für Lingen, das Emsland und die Grafschaft Bentheim findet dieser Blog, nicht erst seit Adler Buggys Hinweis, über diesen Link. Tot ziens!

ps
Wetten, dass das Sommerwetter 2011 so besser wird:  Sie klicken erst Kachelmann unten, dann den besagten Buggy-Link an und warten ein paar Tage – in echt!

Gärten und Bronze

4. Juni 2011

Zwei Wochenendtipps:

Am Sonntag, den 5. Juni 2011, in der Zeit von 10.00 bis 17.00 Uhr öffnen in Herbrum bei Papenburg (Emsland) fünf private Gartenbesitzer ihre Gartenpforten und laden alle Gartenliebhaber zu einen Besuch ein. Unterschiedliche Gärten in verschiedenen Stilrichtungen stehen den Besuchern offen und geben einen Einblick in die Vielfalt heimischer Gärten.

Es besteht für jeden Besucher die Möglichkeit, seine eigene Gartentour durch Herbrum zu unternehmen. Hierbei ergibt sich sicher auch der eine oder andere interessante Erfahrungsaustausch zwischen den Besuchern und Gartenbesitzern.

Ein Flyer mit der Beschreibung und den Standorten der einzelnen Gärten kann von der Internetseite des veranstaltenden Heimatvereins Herbrum  heruntergeladen werden. Der Eintritt in die und in den Gärten ist frei.

Eine Alternative oder eine Ergänzung zur Gestaltung des Wochenende sind die Uelser Bronzezeittage am Samstagnachmittag, den 4. und Sonntag, den 5. Juni.  von 12 bis 18 Uhr. Sie finden zum siebten Mal auf dem Bronzezeithof in Uelsen (Grafschaft Bentheim) statt – zu denen wir auch in diesem Jahr ein buntes Treiben um Handwerk und Kunst, Musik und Kulinarisches auf die Beine stellen werden.

“Entdecken Sie urgeschichtliche Funde, Keramiken, Werkzeuge und deren Repliken in einer Dauerausstellung in Blekker’s Hofcafé.
Hautnah erleben Sie die Geschichte der frühen Uelser Menschen am Riedberg. Informationstafeln und filmische Darstellungen liefern Ihnen Antworten und neue Fragen rund um das Thema Bronzezeit in Uelsen und Umgebung.
Die Dauerausstellung kann kostenlos zu den Öffnungszeiten des Cafés besucht werden.
Öffnungszeiten Blekker’s Hofecafé von Mittwoch – Sonntag: 14 – 18 Uhr”

Eintritt: Erwachsene 2 Euro, Kinder 1 Euro (ohne Gewähr – die im Internet zugänglichen Meldungen sind leider eher rudimentär.

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