Masuren
10. Dezember 2009
Lassen Sie mich bitte eine etwas holprige Metapher wählen: Das wunderschöne Masuren ist bekanntlich die größte Seenlandschaft Polens und die Marienstraße ist die größte Pfützenlandschaft Lingens. Da es hierzulande bekanntlich bisweilen regnet und die Baustellen rund um die Marienstraße das Ihrige hinzu tun und taten,kam ich mir heute wiederum in dieser Straße vom Markt zum Bahnhof vor wie bei einer masurischen Springprozession. Der Straßenzustand ist nicht erst seit der Fertigstellung der Lookentorpassage unverändert schlecht.
In unserem Städtchen Lingen begegnet man derlei Ungemach angesichts (ehemals) voller Kassen dann so: Es wird nichts instand gesetzt, es wird neu gepflastert. Die Neupflasterpläne für die Marienstraße sind unverändert, werden aber nicht verwirklicht, weil die Anlieger nicht die Hälfte der Kosten tragen wollen. Also Untätigkeit mit Pfützen: Flache, tiefe und vor allem große. Die Passanten freuen sich eher nicht über so viel Nässe.
Vielleicht haben Sie ja eine Idee, wie unser öffentliche Dienst auf das Problem aufmerksam gemacht werden kann?
Dann kann er sich auch noch einmal zum Erhalt des vor sich hin gammelnden Baudenkmals Marienstraße 16 (ehemals „Hotel zur Post“) äußern. Aber ich sehe seit Jahren nur einen zunehmend trostlosen Eindruck des Gebäudes. Daraus ist zwanglos zu schlussfolgern, dass das Baudenkmal den Verantwortlichen egal ist; ihnen ist der Eigentümer Josef Berning wichtig. Dabei hat die Stadt bekanntlich mit dem Eigentümer sogar einen Vertrag geschlossen, in dem sie sich einerseits bereit erklärte, den rückwärtigen Parkplatz zur Straße Am Pulverturm vollständig bebauen zu lassen und sich Josef Berning im Gegenzug verpflichtete, das Baudenkmal zu erhalten. Seit Jahren verfällt trotz dieses Vertrag das mehr als 100 Jahre alte Backsteingebäude. Die CDU-Ratsmehrheit duldet wohlwollend, dass Josef Berning den geschlossenen Vertrag bricht. Es wird offenbar so kommen, dass die Unzumutbarkeit des Erhalts erklärt wird und dann nur ein „Gedankenstrich“ (eine Lieblingsvokabel des noch amtierenden Baurats Georg Lisiecki) verbleibt, aber der Eigentümer Josef Berning durch den „Gedankenstrich“ die steuerlichen Vorteile eines Baudenkmals für sich nutzen wird. Eigentum verpflichtet vernichtet.
(Foto Masurische Seenplatte:© Tim Caspary, pixelio.de)
Mittelbahnsteig II
19. November 2009
Neue Fragereien zum Mittelbahnsteig:
Es geht das ernst zu nehmende Gerücht, dass in Sachen Mittelbahnsteig im Rathaus ein Modell aus Balsaholz stehen soll – mit einem echten Mittelbahnsteig. Einer, der in Wahrheit 5,86m breit wäre. Ein Modell, das Ausgangspunkte der Dskussionen und Beschlüsse im Rathaus war. Angeblich soll Stadtbaurat Georg Lisiecki auf der Suche nach dem Balsa-Exemplar in seinem Hause sein. Wetten, dass er es nicht findet?
Vielleicht kann man dann auch einmal die Frage beantworten, weshalb die Stadt Lingen eigentlich 180.000 Euro Unterhaltungskosten für den Aufzug am neuen Mittelschmalbahnsteig für 15 Jahre im Voraus gezahlt hat, wo doch die Deutsche Bahn für jeden haltenden Reisezug von der Landesverkehrsgesellschaft (LNVG) 7,20 Euro erhält. Ein Aufzug ist im Regelfall Sache der Bahn, natürlich auch seine Unterhaltung. Dafür bekommt die Bahn einen Stationspreis, im Falle Lingen(Ems) netto 7,20 Euro pro Reisezughalt. Davon werden Kosten für Instandhaltung, Unterhaltung, Reinigung, Winterdienst, Beleuchtung, Zugzielanzeiger, Ansagen, Aufzüge, Sitzgelegenheiten, Überdachung … bezahlt. Was die DB von der LNVG für diesen Service pro Jahr kassiert, können Sie selber leicht ausrechnen; die InterCity-Züge bitte nicht mitrechnen, das zahlt DB Reise & Touristik, dient gleichwohl den selben Zwecken. Warum hat die Stadt Lingen (Ems) Betriebskosten für den Aufzug vorweg in einer Summe gezahlt? Hat sie ihn finanziert, aber den Betrieb an die DB abgegeben? Oder eine Sondervereinbarung mit der DB geschlossen, weil sie den Aufzug unbedingt wollte, die DB aber die geforderte Barrierefreiheit billiger herstellen wollte ?
Also: Wofür hat die Stadt 180.000.00 Euro zusätzlich gezahlt? Wer weiß es?
(Foto: © Dieter Schütz, pixelio.de)
Souverän
28. Oktober 2009
…ist anders. Am 11.11. will sich der Planungs- und Bauausschuss der Stadt treffen und das neue, von der BI Arenawahn eingeholte Gutachten zur geplanten 35-Mio-Projekt Emslandarena diskutieren. Offiziell dann mit dabei, ein Rechtsanwalt und der Lärmgutachter Dipl.-Ing. Christoph Blasius der lokalen Ingenieurgesellschaft Zech Gmbh; sie hatte errechnet, dass eine Emsland-Arena an den bisherigen Emslandhallen zu laut sei. Die von der BI Arenawahn beauftragte Berliner Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter kommt auf der Grundlage derselben Zahlen zu einem ganz anderen Ergebnis. Nach ihrem Gutachten ist eine Emsland-Arena an den bisherigen Emsland-Hallen nicht zu laut.
Als wir im Planungs- und Bauausschuss der Stadt dazu heute diskutierten, meinte Stadtbaurat Georg Lisiecki ernstlich, man könne ja die Sitzung am 11.11. unterbrechen, und in der Sitzungspause der BI Arenawahn und, wenn sie wolle, auch ihrem Gutachter Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Daraufhin habe ich vorgeschlagen, die BI Arenawahn und ihren Gutachter offiziell einzuladen und anzuhören und den Berliner Gutachter auch zu bezahlen. Schließlich würde es im Interesse der Sache sein, eine optimale und richtige Entscheidungsgrundlage zu erreichen.
Da hättet Ihr sie mal sehen sollen – die Bedenkenträger aus der CDU-Mehrheit! Das gehe ja gar nicht. Den Gutachter habe man nicht beauftragt und müsse ihn auch nicht bezahlen. Das könne doch die BI tun. Es reiche, in einer Sitzungspause… Zur Erinnerung: Die CDU/FDP-Pläne, eine Emsland-Arena nahe der Hedonklinik zu bauen, verursachen gegenüber dem Standort an den Emslandhallen jährliche Mehrkosten von mehreren Hunderttausend Euro. Das Geld ist also da. Aber einige Hundert Euro für einen renommierten Gutachter aus Berlin? Wo kommen wir denn da hin!
Ganz seltsam schien mir die Ablehnung von FDP-Ratsherr Jens Beeck, das genaue Gutachten im Ausschuss auszuwerten. Er hielt jede Diskussion für überflüssig, weil alles entschieden sei. Dis Diskussion, so Beeck, sei in die Vergangenheit gerichtet. Es gebe doch bereits einen Beschluss, einen Baubegleitenden Ausschuss und außerdem den Werksausschuss des Eigenbetriebs Emslandhallen. In wie vielen städtischen Ausschüssen man das Projekt denn besprechen wolle, fragte der FDP-Mann. Meine Gegenposition war simpel: Die Stadt wolle einen Bebauungsplan aufstellen. Diese Planung habe im zuständigen Planungs- und Bauausschusses, erst danach der anschließende Bau im baubegleitenden Ausschuss und der sich anschließende Betrieb im Werksausschuss „Emslandhallen“ behandelt zu werden. Außerdem gebe es auch den Beschluss, für die Emsland-Arena den Bebauungsplan der Emslandhallen zu ändern. Man solle doch alles tun, die beste Lösung zu erreichen. Dafür müsse der Ausschuss alle Informationen haben und auswerten.
Merke: Manchmal gibt es auch Ratskollegen, die sich standhaft weigern, schlauer zu werden. Die wissen dann auch nicht, dass der Landkreis Emsland zwar einen Zuschuss von 5 Mio Euro für das umstrittene Projekt zahlen will, dies aber nur in fünf jährlichen Raten a 1 Mio. Bei 5 %iger Verzinsung entsteht durch die Ratenzahlung und die notwendige Zwischenfinanzierung ein Zuschussverlust von bis zu 600.000 Euro. Die 5 Mio Euro sind also bei ehrlicher Rechnung allenfalls rund 4,5 Mio Euro. Dieselben Kollegen hoffen auch tapfer, dass man über die wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen („Delle„) hinwegsehen möge, um das Prestigeprojekt doch noch zu realisieren.
Und das alles für eine Sitzung am 11.11.. Narhallamarsch!
Nachtrag und Korrektur: Es ist natürlich nicht ein Rechtsanwalt am 11.11. dabei, den die Stadt bestellt und bezahlt hat (Wer hat das eigentlich wo beschlossen?) . Nein, nicht einer – es werden voraussichtlich gleich drei sein. Und wie das gekommen sein dürfte, erzähl ich später.
(Foto: © S. Hainz, pixelio)
Transparent
31. August 2009
Vor dem Lingener Haus Marienstraße 16, dem langjährigen „Hotel zur Post“, gelegen direkt gegenüber des Eingangs der „Lookentorpassage“, hängt seit ein paar Tagen ein Transparent (Foto). Es soll Investoren locken, und es zeigt, wie sich Investor Josef Berning das künftige Äußere dieses Baudenkmals vorstellt: Ein die Proportionen, die Gliederung und das Erscheinungsbild des Gebäudes radikal vernichtendes Glastor, das den Weg zu einer großflächigen Verkaufsfläche im Inneren eröffnen soll.
Warum ist das so?
Der ehemalige Stadtbaurat Nikolaus Neumann konnte in den 1980er Jahren den Stadtrat davon überzeugen, die historischen Gebäude der Stadt in einer beeindruckenden Buchdokumentation festzuhalten: Baldur Kösters „Lingen -Architektur im Wandel von der Festung zur Bürger- und Universitätsstadt bis zur Industriestadt (bis 1930).“ Das Buch ist Neumanns bleibender Verdienst und Mahnung zugleich. Der Berliner Architekt Baldur Köster hat in ihm die Architektur in Lingen beschrieben und u.a. dargelegt, dass das Gebäude Marienstraße 16 zwischen 1875 und 1890 errichtet wurde. Es ist ein
„zweigeschossiges, massives Wohnhaus mit schwach geneigtem Satteldach, traufenständig zur Marienstraße. Sichtbares Mauerwerk mit ähnlichen Schmuckformen wie am (Nachbar-)Haus Nr. 14. Teilung der Fassade horizontal durch die Sockelleiste, Gurtleiste und Gesimsleiste, vertikal durch Lisenen. Auch hier sind die Brüstungsfelder durch Keramikplatten geschmückt. Die Traufseite ist fünfachsig geteilt, die Giebelseite dreiachsig.“
Bei der Aufstellung des gültigen Bebauungsplans vor knapp 20 Jahren wurde das villenartige Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Damals erkannten die Ratsvertreter: Es gibt nicht mehr viele Häuser aus dieser Gründerzeitperiode. Seither geht es seltsamerweise mit dem Haus bergab. Vertraglich verpflichtete sich zwar 2004 Investor Josef Berning dazu, das Baudenkmal Marienstraße 16 zu erhalten; zuvor hatte er es von der reformierten Kirchengemeinde erworben. In dem Vertrag eröffnete ihm im Gegenzug die Stadt Lingen (Ems) die Möglichkeit, den großen Bereich zwischen dem Gebäude und der Straße „Am Pulverturm“ fast vollständig zu bebauen. Seither tut Josef Berning für das Haus nichts, um sein gegebenes Wort zu erhalten. Im Gegenteil: Er lässt das Haus verfallen, dessen Erwerb ihm niemand aufgezwungen hat.
Der Vertragsbruch ist für OB Heiner Pott, Stadtbaurat Georg Lisiecki und die CDU, wie es aussieht, kein Problem. Dort wird offenbar nur erwartet -Sie kennen schon diese Handlungsmaxime- dass Josef Berning „Geld in die Hand“ nimmt und irgendwas macht. Eigentlich ist es egal, was er dann macht, so scheint es. Bisweilen ist die Rede vom „Schandfleck, der weg müsse“ und dann behauptet der vertragsbrüchige Investor auch noch, dass Haus Marienstraße 14 sei mit wirtschaftlichem Aufwand nicht zu erhalten – übrigens nicht ohne sich zugleich eine Bescheinigung zu sichern, dass es ein Baudenkmal im Sinne von § 82 i Einkommensteuer-Durchführungsverordnung sei. Während Heiner Pott in seiner Neujahrsansprache 2008 ankündigte, der niederländische HEMA-Konzern werde dort ein Kaufhaus eröffnen, wissen die Holländer nichts davon. Die Folge: Jetzt ist das Haus mit dem erwähnten überdimensionierten, im Ziegelmauerwerk verdübelten Transparent teilverhüllt. Das heißt unverhohlen: Es naht sein Ende. Die politische Mehrheit wird dies abnicken. Man kennt sich. Deshalb unternimmt auch niemand etwas gegen den schäbigen Zustand und den zunehmenden Verfall des Hauses. Man lässt machen, auch die neuen, auf dem Transparent angeschlagenen Pläne hat der zuständige Ratsausschuss nicht gesehen. Er wird der Vernichtung des Baudenkmals sowieso zustimmen.
Dabei drängt sich geradezu auf, wie das Baudenkmal Marienstraße 16 erhalten werden kann, nämlich durch einen seitlichen, zum Haus Marienstraße 14 gelegenen Zugang. Etwas zurückhaltender als das „angedachte“, reichlich prollig wirkende Glastor, aber dafür den Charakter des Hauses aus dem 19. Jahrhundert schützend.
Leider ist es nach dem Abgang von Baurat Nikolaus Neumann so, dass im Lingener Rathaus niemand mehr Respekt vor Baudenkmälern hat. Sie werden daher nicht so behandelt, wie man das ohnehin nur sehr schmale kulturhistorische Erbe in unserer Stadt behandeln darf. Selbst das historische Rathaus von 1663 sieht daher inzwischen fast so aus wie eine Eisbude in Miami; dafür sorgt eine seltsame abendliche Beleuchtung, die aber modern sein soll. Um leicht abgewandelt dem amtierenden Stadtbaurat sein eigenes Zitat unterzuschieben : „So beleuchtet man eben heutzutage!“ Hinzudenken dürfen Sie mit Blick auf das Haus Marienstraße 16: „So beseitigt man eben heutzutage Baudenkmale!“ Und die Identität der Stadt gleich mit.
Kwaliteit
14. Juli 2009
Dropje voor dropje kwaliteit – das war einst ein Werbeslogan, der so gut war, dass er bis heute wirkt. Aber nicht für Wasser, sondern für B & B Dosenmilch (Hollands Coffiemelk). Ich musste an diesen Werbespruch denken, als ich die etwas deftig-prollig wirkenden Lisiecki-Säulen auf dem Kreisverkehr Lindenstraße sah.
Sie sind wieder da und stehen jetzt zum dritten Mal, nachdem zunächst ein unfreundlicher Zeitgenosse sie Ende 2008 mit dem Hammer bearbeitete und dann nach Monaten erst einmal Säulen aufgebaut wurden, die Wasser ließen wie bei einem Prostataleiden. Also wurden sie wieder abgebaut.
Aber auch jetzt, beim dritten Versuch, sieht’s ganz so aus, als ob es wieder nicht funktioniert. Denn die „Nordsäule“ leckt. Also „geen kwaliteit, aber dropje for dropje“.
Da interessiert dann, wer’s bezahlt.
Lünne
23. Juni 2009
„Am (Sonntag) 28. Juni 2009 veranstalten die Architektenkammern Niedersachsen und Bremen den 14. „Tag der Architektur“. Zum dritten Mal kooperieren die Architektenkammern Niedersachsen und Bremen, um Bauherren und Architekturinteressierten insgesamt 116 Objekte von Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten vorzustellen. In insgesamt 58 Orten haben ausgewählte Projekte – dazu zählen private Wohnhäuser, Schulen, Kindergärten, Gewerbebauten, Garten- und Parkanlagen – zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Die Besucher können sich direkt vor Ort ihr eigenes Bild von der Architektur machen. Architekten sind anwesend und beantworten sämtliche Fragen zur Planung und Realisierung.“ So kündigen die Architektenkammern ihren TdA an.
Mir fallen dazu drei Punkte ein und auf:
Erstens gibt es nur ein einzelnes Bauwerk im Landkreis, das am Sonntag beim „TdA“ präsentiert wird. In Lünne haben vor zwei Jahren die Architekten Stephanie Löning und Jürgen Schwegmann (B-Werk Architekten+Innenarchitekten, Spelle) ein eingeschossiges Wohnhaus am Lünner See 77 für die Bauherrn Martina und Michael Roling errichtet (Foto). Es besteht aus einem Schlafbereich sowie einem Wohn-, Koch- und Essbereich mit zum See ausgerichteter Glasfassade und vorgelagerter Terrasse. Das Gebäude gliedert sich in den weiß geputzten höheren Wohnbereich und den grau geputzten niedrigeren Schlafbereich mit Carport und Nebengebäude. Ein Holzweg verbindet die Wohnhausterrasse mit der am Ufer gelegenen Seeterrasse. Führungen am „Tag der Architektur“ finden um 11, 14 und 16 Uhr statt.
Zweitens ist Lingen schon traditionell unter den präsentierten Bauwerken nicht vertreten (s. 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2002, 2001); in diesem Jahrzehnt gab es in neun Jahren überhaupt nur zwei Auftritte, 2005 und 2002. Und so denke ich an die Bilder dieser Lingener Zweckarchitektur, die achselzuckend von der Bauverwaltung zu Beginn vieler Sitzungen des Lingener Planungs- und Bauausschusses präsentiert wird. Meist heißt es durch Stadtbaurat Lisiecki: „Der Bebauungsplan lässt das zu.“ Irgendjemand von der CDU setzt dann reflexhaft hinzu, wie wichtig es doch sei, dass „der Bauherr dafür Geld in die Hand nimmt“. Und das war’s dann. Zusammen reicht es den Protagonisten als Qualitätskriterium, und ich empfinde zunehmend, wie sehr im Rathaus ein Hochbauarchitekt fehlt, der eine Vorstellung davon hat, wie Lingen gestaltet werden und aussehen soll. Amtsvorvorgänger Nikolaus Neumann war so einer und der ist angesichts mancher architektonischer Fehlgriffe inzwischen einfach aus Lingen geflüchtet.
Jüngstes Beispiel: Zwei Bauvorhaben im sensiblen Innenstadtbereich zwischen Schlachterstraße und Elisabethstraße. Drei Kneipen sollen entstehen, fast ohne Wohnraum, aber mit Garage und in Buntputz. Architektonisch anspruchslos, nicht zeitgemäß aber auch ohne Rücksicht auf regionale Bautradition, auf die Nachbarhäuser und auf das Gesamtensemble. Billigbauten – so mein Eindruck. Gut, dass der Ausschuss die Verwaltung um Stadtplaner Lisiecki aufforderte, mit den Bauherren nachzuverhandeln.
Drittens muss ich an Entertainer Harald Schmidt denken: „Zwischen Rheine und Leer hält er nicht mehr!“ sagte Schmidt, als er einst in seiner SAT1-Show über das Emsland kalauerte. 2009 ist das Emsland auf der interaktiven Karte des Tag der Architektur insgesamt ein weißer Fleck. Tatsächlich ist der Architekturzug offenbar in diesem Jahr gar nicht erst ins Emsland gefahren - ausgenommen Lünne. Schade, denn pfiffige Architekten gibt es doch auch bei uns.
(Foto: © B-Werk, Spelle)
Sofa
29. Mai 2009
Wie von mir angekündigt, gab es die erwartete Ratssitzung. Gestern hat der Lingener Stadtrat alles so abgesegnet, wie es die CDU mehrheitlich beschlossen hat. 29,5 Mio Euro für eine Emslandarena an der Hedon-Klinik plus Grundstück. Geradezu mit Inbrunst argumentierte unser lieber Oberbürgermeister, wie illegal die Nutzung der Emslandhallen am jetzigen Standort ist und wie schrecklich es ist, dass Udo Jürgens in Nordhorn auftreten muss, weil Lingen keine 2.500 Hallensitzplätze bieten könne. Und die ganze (!) CDU applaudierte – also auch die CDU-internen Gegner des Projekts- und dann war die SPD dafür, weil sonst Lingen genau so eine provinzielle Stadt „wie Haselünne oder Meppen“ werde, und auch die FDP erging sich in Elogen an die Adresse des so mutig handelnden Oberbürgermeisters Pott.
Es gab zwei Neinstimmen zu dem Projekt. Michael Fuest (Bündnis ‘90/Die Grünen) und, naja, Sie wissen schon. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass die ganze B214-Planung ein falscher Weg ist, der auf der Unwahrheit aufbaut, der Betrieb der Emslandhallen sei zu laut und damit „rechtswidrig“; deshalb sei ein Arena-Umbau nicht möglich.
Nebenbei: Schon die dazu auch gestern wieder von OB Heiner Pott und seinem Stadtbaurat Lisiecki verbreitete Lärm-These stimmt nicht, dass sich Lärm bei 3 dB Zunahme vom subjektiven Empfinden her verdoppele. Wikipedia weiß es besser: „Nach übereinstimmenden wissenschaftlichen Untersuchung wird eine Erhöhung um 10 dB als Verdopplung der Lautstärke empfunden.“
Dass es nicht um Veranstaltungslärm geht, ergibt sich bereits daraus, dass die neue Halle schalldicht erstellt wird. Es geht damit lediglich um den Lärm der an- und abreisenden Besucher. Es geht um 650 Parkplätze auf dem Kirmesplatz. Der notwendige Rest von 850 Stellplätzen steht dann an der Berufsakademie, der Halle I/II des ehem. Ausbesserungswerks, am Emslandstadion und in den Parkgaragen im Stadtzentrum ungenutzt bereit, wenn Abends Veranstaltungen stattfinden. Und mit polizeilicher Hilfe kann jeder Veranstaltungsverkehr vom Kirmesplatz binnen 20 Minuten abfließen.
Worum geht es also wirklich? Nun es geht erst einmal um die Unfähigkeit der Verwaltungsspitze, den denkbaren Einspruch des direkten Nachbarn und Kaufmanns Bernhard van Lengerich auszuräumen. Der hat nicht vergessen, welche Schwierigkeiten ihm die Stadt Lingen (Ems) in den 80er und 90er Jahren gemacht hat und wehrt sich jetzt. Zweitens muss aber mit dem Arena-Projekt in diesem Jahr begonnen werden, sonst stehen die 5 Mio Euro aus dem Konjunkturprogramm nicht zur Verfügung, das Geld ist futsch und die Vertreter der Stadt Lingen (Ems) haben sich richtig schön blamiert. Wegen van Lengerich ist dies nach Ansicht der Rathausspitze nicht möglich. Also muss irgendeine Alternative her. Deshalb ist übrigens inzwischen auch die FDP für Laxten, schließlich hat sich FDP-Mann Jens Beeck für die 5 Mio aus dem Konjunkturtopf engagiert.
Ein zweiter Kritikpunkt kommt hinzu:
Die Planungen gründeten sich bisher auf eine Machbarkeitsstudie der Fa Wenzel Consulting GmbH aus dem Mai 2008 „zur Ertüchtigung der Emslandhallen“ und deren Zahlen. Die Herren empfahlen seinerzeit eine Variante mit 5000 Sitzplätzen (Kürzel „Variante B – Ausbaustufe 3″) mit 5000 Sitzplätzen. Die Wenzel-Experten setzten dafür Kosten von 19 Mio Euro an. Bei der Arena in Laxten sind es für 3500 Sitzplätze inzwischen 25 Mio Euro plus 4,5 Mio Euro Steuern plus Grundstück. Das sind nicht mehr 3500 Euro pro Sitzplatz sondern 8500 Euro pro Sitzplatz. Ein wesentlicher Grund sind die enormen Aufwendungen für Parkplätze.
Hinzu kommen laufende Bewirtschaftungskosten von rund 1,1 Mio Euro pro Jahr, das sind 20 Euro pro Einwohner im Jahr; die Einnahmen aus dem Betrieb der Arena kann man dabei nicht gegenrechnen. Sie werden allemal für die Kreditkosten verbraucht. Zum Vergleich: Für ihre gesamte kommunale Kulturarbeit wendet die Stadt zurzeit rund 25 Euro pro Einwohner und Jahr auf. Zudem ist die Rechnung nicht ganz klar: Denn Wenzel-Consulting rechnete vor Jahresfrist mit Bewirtschaftungskostenvon 3,50 Euro pro Besucher und kalkulierte angesichts der Synergieeffekte in den Emslandhallen mit 300.000 Besuchern pro Jahr. OB Pott hat auf der Bürgerversammlung im Gauerbach von 50-60 Veranstaltungen pro Jahr in der 3500-Plätze-Emslandarena in Laxten gesprochen. Bei ehrlicher Betrachung dürften die Besucherzahlen also deutlich unter 300.000 pro Jahr liegen. Selbst bei voller Auslastung des Arenalein in Laxten käme man nämlich nicht auf 300.000 Besucher. 60 x 3500 sind nicht 300.000 . Rechnen Sie mal nach. Es geht nicht ganz auf … ![]()
Meine Schlussfolgerung: Das Konzept am falschen Platz ist schlicht zu teuer und nicht finanzierbar. Und wenn in der 150.000-Einwohner-Großstadt Osnabrück zeitgleich der Plan für eine Veranstaltungsarena scheitert, weil das Geld eben nicht reicht, sollte Lingen genau nachrechnen und nachdenken, bevor es wegen je 5 Mio Euro Zuschuss von Onkel Hermann aus Meppen und Onkel Christian aus Hannover ein finanzpolitisches Wagnis eingeht.
Mein Vorschlag bleibt die „Ertüchtigung der Emslandhallen“ am bisherigen Standort mit dem bisherigen Veranstaltungsmix und hin auf neue Veranstaltungsformen – so wie es die Experten von Wenzel Consulting erarbeitet haben und so wie es der Stadtrat am 3. Juli 2008 beschlossen hat. Allerdings muss dazu unser Heiner Pott auf’s Sofa von Nachbar Bernhard van Lengerich, Käffchen trinken und verhandeln, und das will oder kann er nicht.
Leute, sonst wird es zu teuer! Zu den dann drohenden Folgen habe ich im Internet jetzt schon dies gefunden:
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…
Bäume
19. März 2009
Aufgefallen ist mir, dass bei allen wundersamen Bauwerken, die unter der Ägide von Stadtbaurat Georg Lisiecki im Lingener Planungs- und Bauausschuss den Blicken und Fragen der Ratsmitglieder vorgestellt werden, stets grüne Bäume die Architektenzeichnungen zieren und vor den Neubauvorhaben platziert sind – Bäume, die in der Realität nicht da sind oder da sein werden. Das Ärztezentrum ist so ein Beispiel, bei dem man sich an der Straße abstandsmäßig kräftig vermessen hat. Aufmerksame Lingener haben davon gehört und wissen: „Ein Meter mehr oder weniger kann ja schon mal passieren.“ Inzwischen gibt es ganz aktuell diese neue Trickserei:
Vielleicht haben Sie davon gehört, dass am Ende der Großen Straße der tatkräftige Lingener Einzelhändler Andreas Huesmann ein neues Bekleidungskaufhaus bauen will. Der „Kopf “ dieser Straße wird also neu gestaltet. Wie er künftig aussieht, entscheidet Herr Huesmann. Denn am Stadtbild ausgerichtete Vorgaben für die Gestaltung des Neubaus enthält der eigens im Aufstellungsverfahren befindliche Bebauungsplan für diesen Bereich nicht.
Keine Frage: Eine Investition an dieser Stelle tut gut. Die Große Straße braucht Initiative. Aber wenn Sie ein paar Minuten Zeit finden, stellen Sie sich einfach einmal auf den Marktplatz. So erkennen Sie schnell, wie problematisch der jetzt vorgesehene Neubau ist, liegt er doch genau in ihrem Blick, wenn Sie auf das Ensemble von historischem Rathaus und historischer Posthalterei sehen. Sozusagen genau zwischen beiden Baudenkmalen, da wo jetzt am Ende der Großen Straße der wohltuend unspektakuläre Fachwerkgiebel des ehem. Stoffgeschäftes Johannigmann zu sehen ist, entsteht der neue Hausblock. Machen Sie sich eine Vorstellung über die Dimension des Neubaus und drehen Sie sich einfach um 180°. Sie sehen platanenfrei auf das Eckhaus Marienstraße/Lookenstraße („Douglas“). So hoch und und massig wie dieses Gebäude wird mit drei Vollgeschossen plus Dachgeschoss der neue Baukörper am Ende der Großen Straße, allein das Dachgeschoss des Neubaus ist etwas versetzt. Er wird also die historische Maßstäblichkeit erdrücken. Sie sind skeptisch? Nun, dann gehen Sie einfach direkt zur geplanten Baustelle und sehen auf das Nachbarhaus zur Linken, in dem jetzt ein Bekleidungsgeschäft ist und früher ein Aldi war. Genauso hoch wie dieses Gebäude wird der Neubau – nur ohne Spitzgiebel, aber mit Flachdach und mit einem mehrstöckigen Glaskasten hin zur Großen Straße. Georgs Lampenladen.
Die Mehrheit im Ausschuss hat das Projekt unlängst begeistert durchgewunken. Sie jubelt über die Investition und weigert sich, irgendwelche Gestaltungselemente und -vorschriften zu diskutieren, zu entwickeln und im Bebauungsplan vorzuschreiben. Damit macht sie deutlich, dass ihr die Gestaltung des Stadtzentrums letztlich selbst da total egal ist, wo Lingens Schokoladenblick auf das historische Rathaus und auf die historische Posthalterei darunter leidet.
Bei ihrer Verweigerung lässt die Mehrheit sich nach meinem Eindruck geradezu lustvoll-gern täuschen. Denn die vom Stadtbaurat dem Ausschuss präsentierten Fotomontagen (aus etwa der Mitte der Großen Straße auf den Neubau gesehen) boten die Sicht auf großkronig wirkende Bäume im Sommer, die fast die Hälfte der neuen Fassade verdeckten und die Massigkeit des Neubaus nur erahnen lassen. Nun gut, die auf den Montagen dargestellten Bäume sind vor sechs Wochen gefällt worden, um die Große Straße neu zu gestalten. Aber für die Ausschussmehrheit reicht die lügende Fotomontage immer noch. Sie fragt auch nicht danach, wie denn die Neon-Werbung für das neue Geschäft aussehen wird. Oder welche Materialien und welche Farben verwendet werden sollen. Sie lässt nur zu und winkt claqueurhaft durch. Dabei, sollte man meinen, tragen doch Ausschuss und Verwaltung die Verantwortung für das Lingener Stadtbild.
Für’s Lingener Stadtbild aber reicht ihnen eine schlechte Fotomontage, in der vor einer Glasklotz-Fassade, die den historischen Blick auf das alte Rathaus dauerhaft belastet, nur bildhaft grüne Bäume eingeklebt werden. Da werden Bäume in Lingen auch von denen gebraucht, die sonst die Säge schwingen – bezeichnenderweise aber nur für ein täuschendes Foto.
Nahe liegend
22. Februar 2009
Gar nicht kleinlaut aber sehr wortreich versuchte Stadtbaurat Georg Lisiecki in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschuses des Lingener Stadtrates eine von ihm persönlich zu verantwortende Schlamperei am neuen Ärztezentrum runter zu reden, das den Namen Medicus Wesken trägt. Die vereinbarten und in der Baugenehmigung festgesetzten Abstände der neuen Gebäude (Ärztezentrum und Parkhaus) zur Straße sind deutlich unterschritten. Dies bedeutet den Verzicht auf einen Grünstreifen und unsichere Verkehrsverhältnisse auf dem Schulweg zur Castell- und Paul-Gerhardt-Schule sowie zum Ärztezentrum selbst und rund 50 qm mehr an Nutzfläche. Niemand hat im Rathaus aufgepasst, die Verantwortlichen haben weggesehen. Sogar die notorisch verwaltungsunkritische „Lingener Tagespost“ sprach tags darauf von „schlampig gearbeitet“.
Am Samstag meinte Leserbriefautor Günter Rudeloff in der Lokalpresse dazu dies:
„Eigentlich war jedem mit gesundem Menschenverstand ausgestatteten Betrachter ohne Einblick in entsprechende Planungsunterlagen sofort klar, dass es beim Bau des neuen Ärztezentrums hinsichtlich der Grundstücksabstände nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.
Mit der Auswahl ihrer Stadtbauräte hat die Stadt Lingen selten eine glückliche Hand bewiesen, und der jetzige hat mehrfach überzeugende Beweise seiner mangelnden Qualifikation geliefet. Kann man aber mit so viel Blindheit gesegnet sein, diese augenfällige Missachtung von Minimalabtsänden zu übersehen. Nahe liegender ist da schon die Vermutung:
Man setzt sich über bestimmte Vorgaben einfach hinweg, schafft fertige Tatsachen, zahlt anschließend ein minimales Ordnungsgeld (wenn überhaupt), hält sich einige Zeit bedeckt und erreicht letztlich genau das, was man ohnehin von Anfang an beabsichtigt hatte.
Günter Rudeloff, Frankfurter Str. 15, Lingen
Für die These Rudeloffs spricht, dass am Beginn der rechtswidrigen Bauarbeiten sogar ein Foto geschossen wurde, das bis heute auf der Internetseite der Stadt zu sehen ist.
Zur Erinnerung das planmäßige Vorgehen für dieses Projekt:
Mit dem Satz: „Sonst gehen die nach Nordhorn oder Meppen!“ wurde der Stadtrat darüber getäuscht, dass rd. 20 Ärzte mit ihren Praxen gar nicht in die Nachbarstädte wechseln können, weil sie nur für Lingen ihre Krankenkassenzulassung besitzen. Dann wurde das innerstädtische Filetgrundstück von der Stadt deutlich unter dem Einstandspreis an den Investor verscherbelt. Das innerstädtisch besser geeignete Areal am Pferdemarkt wurde in internen Entscheidungsrunden weggequatscht. Vor allem: Auf einen Bebauungsplan wurde verzichtet, auf eine Gestaltungsvorschrift ebenfalls. Eine Tiefgarage wurde eingespart, weil das 8 Wochen länger dauere und diese Zeitverzögerung dem Investor nicht zugemutet werden könne; er wolle am 1. Januar 2009 fertig sein.
Noch ein Geschmäckle:
Der Investor hat mit der Grünplanung des Projektes, so Stadtbaurat Georg Lisiecki am Mittwoch, Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff beauftragt, ein seit Amtsantritt des jetzigen Stadtbaurats gern für städtische Planungen bemühter Grünplaner. Der, sagte Lisiecki, habe jetzt gemeint, dass die vorgesehenen Bäume im Grünstreifen, der entlang des Konrad-Adenauer-Rings geplant war, durch den zu geringen Abstand aber unmöglich geworden ist, auch sowieso nicht richtig hätten gedeihen können…
Naja, ich lass das mal unkommentiert. Allerdings fällt die Nähe von Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff zu bestimmten Interessen schon auf. Beispielsweise wählte er als so genannter Fachpreisrichter im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs zur Erneuerung der Lingener Fußgängerzone vor nicht ganz drei Jahren den Entwurf seines, mit ihm gut bekannten Dresdner Mitdozenten Jens-die-Platanen-müssen-weg-Rossa für die Endauswahl aus und kürte ihn dann mit den Gutachterkollegen zum Sieger des Wettbewerbs. Dass er seine lehrreich-wissenschaftlichen Beziehungen zum Preisträger während oder nach der Gutachtersitzung offen gelegt hätte, ist nicht übermittelt.
Honi soit qui mal y pense.
Foto: © geralt (pixelio)
Brutperiode
10. Februar 2009
Den Verkauf der Waldflächen an der Waldstraße an die Chemiefirma Hagedorn hat Lingens Stadtrat längst beschlossen. Jetzt wird in Eilmärschen der für Hagedorn notwendige Bebauungsplan durchgezogen. Die Vorlage für die heutige Ausschusssitzung traf erst am 6. Februar ein, heute war die Sitzung, übermorgen berät der Verwaltungsausschuss und dann folgt sofort der Beschluss im Rat und nächste Woche die Veröffentlichung im Amtsblatt des Landkreises; dabei können noch Wetten abgeschlossen werden, ob nicht eigens eine Sonderausgabe des Amtsblattes gedruckt wird. Einen Tag später kommen die Leute mit den Kettensägen (apparatulus mechanicus Lingensis). Denn vor März und der Brutperiode muss abgeholzt sein. Ein Anlieger sagte mir, dass die ersten Bäume bereits gefällt worden sind.
Es gab heute eine durch lange Beiträge der Herren Lisiecki, Krämer und Höke (Stadtverwaltung) reichlich müde Sitzung mit erfreulich viel Publikum. Die drei beantworten übrigens gestellte Fragen immer en bloc und erhalten vom Vorsitzenden Werner Schlarmann (CDU) stets das Wort, wenn sie es wollen, also außerhalb der Rednerordnung, was nun sozusagen Sprachtau über jede lebhafte Diskussion legt.
Ich habe meine Ablehnung des Projektes erklärt. Der Wald mit seiner Flora und Fauna ist wichtiger als die Hagedorn-Pläne. Dasss auch die umstrittene Nitrozelluloseverarbeitung der Firma im jetzigen Waldgebiet angesiedelt wird, ist übrigens nicht definitiv ausgeschlossen. Aber vor allem leben in dem Waldgebiet eine Reihe höchst gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen. Eine ehrliche, offene Abwägung findet trotzdem nicht statt, weil die Stadt das Grundstück an Hagedorn schon verkauft hat; das übrigens bestritten die Herren der Verwaltung. Nicht bestreiten können sie allerdings, dass alle Beschlüsse dazu bis in den Rat hinein gefasst sind und Hagedorn den umzug öffentlich erklärt. Nur die Grünen und ich haben im Januar den Verkauf abgelehnt.
In meinem Beitrag habe ich in der Sitzung auch ein paar Anmerkungen zum Flächennutzungsplan 2005 gemacht, der von der Verwaltung -zu Unrecht!- als quasi verbindliche Festlegung für das Abholzen der Wälder in Altenlingen und nördlich von Heukamps-Tannen bemüht wurde. Und was sich dann tat, steckt in meiner abendlichen E-Mail an Dipl.-Ing. Peter Bohn, der im Ausschuss das Protokoll führt (*s. Kommentar) meist neben dem Protokollführer Andreas Witt sitzt:
Lieber Herr Bohn,
Sie schreiben ja das Protokoll in den Sitzungen des Planungs- und Bausschusses der Stadt und saßen in der heutigen Sitzung neben mir. Sie erinnern sich an meine rhetorische Frage, ob ich womöglich selbst dem für den Abholzungs-Bebauungsplan Nr. 20 arg bemühten Flächennutzungsplan vor vier Jahren zugestimmt hätte. Wegen dieses F-Planes soll ja jetzt der Altenlingener Wald dran glauben. Sie und Ihre Kollegen haben nach meiner Frage heftig zustimmend genickt. Sie haben so überzeugt genickt, dass mich das doch irritierte und ich Ihnen jetzt schreiben will, um sozusagen Ihr Nicken zu korrigieren.Am 14.04.2005 sagte der Kollege Wiedorn nämlich in der Ratssitzung:
„Laut Stadtbaurat besteht über die Aufstellung von Bebauungsplänen immer noch die Möglichkeit, Baugebiete nur in absolut notwendiger Größe auszuweisen. Und dieses Instrument wolle die Verwaltung auch nutzen.
Diese Aussage hat die Mehrheit meiner Fraktionsmitglieder letztlich überzeugt, und so werden wir der vorliegenden Fassung des Flächennutzungsplanes zustimmen. Diese Zustimmung ist ein hoher Vertrauensvorschuss für Sie, Herr Stadtbaurat, für Ihr Dezernat und für die gesamte Verwaltungsspitze. Enttäuschen Sie uns bitte nicht.“
War doch ganz nett, die zitierte Aussage des Stadtbaurats Christian Schowe: „Baugebiete nur in absolut notwendiger Größe“. Egal, denn der bis heute gültige Flächennutzungsplan wurde nach Aussprache an diesem 14.04.2005 im Rat der Stadt beschlossen. 4 Nein, 31 Ja – aber ohne mich. Ich war nämlich gar nicht da. Und, zu ihrer vertraulichen Information, hatte ich in der SPD-Fraktion in den Monaten zuvor wegen des immensen Flächenverbrauchs gegen den F-Plan votiert. Damals war ich noch in der SPD-Fraktion, wie Sie sich erinnern werden.
Das nur so zur Klarstellung. Also: Das nächste Mal nicht so schnell und heftig nicken bitte.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Koopps Ich stelle diese E-Mail in meinen Blog. Auch andere sollten die Informationen bekommen.
Es bleibt die traurige Erkenntnis, wie wenig Chancen Tiere und Pflanzen in dieser Stadt haben.
