Updatefunktion
12. Dezember 2009
Rechtzeitig zum Samstagabendprogramm, Abteilung Unterhaltung, zwei aktuelle Meldungen:
Vorübergehendes Internetverbot für niedersächsische Polizei
Laut einem Bericht von Hit-Radio Antenne Niedersachsen dürfen niedersächsische Polizisten in ihren Dienststellen derzeit nicht das Internet nutzen. Grund sei, dass die automatische Updatefunktion der Virenschutzsoftware nicht funktioniere.
Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, Sicherheitsprobleme gebe es dadurch aber nicht, der Virenschutz sei lediglich „einige Tage lang nicht auf dem neuesten Stand“. Vor allem auf die Nutzung von Privatmails sollten die Polizisten verzichten. Bis Mittwoch soll das Problem behoben sein. (ur)
2. Lingens Polizeipressesprecher Ewald Temmen meldet am 11.12.09.:
Am 11./12. Dezember 2009 wurde im Zuge der Europastraße 30 (E 30) sowie deren Peripherie, von den Niederlanden bis Polen, eine überregionale länder- u. staatenübergreifende Fahndungsaktion zur Kriminalitätsbekämpfung durchgeführt. Infolge der EU-Osterweiterung und den intensiven Grenzüberquerungen an den EU-Außengrenzen stellen diese Kontrollmaßnahmen eine wirksame Bekämpfungsmöglichkeit der verschiedensten Deliktsformen auf den Verbindungsstrecken dar….
Es haben über 500 Kolleginnen und Kollegen an der Aktion teilgenommen. … Bislang konnten folgende Ergebnisse zusammengefasst werden:
1659 kontrollierte Fahrzeuge, Busse u. Züge
2775 kontrollierte Personen…
Herausragende Feststellungen bzw. Sicherstellungen:
über 247,9 g Marihuana, 5 Führerscheine, 1 PKW, 2 französische Kennzeichen, 2 litauische Händler-Kennzeichen, 1 Laptop, 1 gefälschter georgischer Führerschein, 1 gefälschte italienische Identitätskarte, 2 Dolche, 1 Baseballschläger, 1 Butterflymesser, 760 Zigaretten…
Insgesamt herrschten sehr schlechte Wetterbedingungen, die die Selektions- und Kontrollmaßnahmen erheblich erschwerten….
Weil ich ja von Berufs wegen zu einem Gutteil von der freundlichen Zuarbeit der Polizei lebe und man über seinen Arbeitgeber nicht schlecht reden soll, lasse ich die Frage nach Kosten-Nutzen der sicherlich 6-stellig-teueren Aktion weg. Denn es ist wirklich hart, bei Wind und Regen die Kriminalität zu jagen und anschließend nicht einmal ins Internet zu dürfen. Aber eine Rechenaufgabe für die jung Gebliebenen muss erlaubt sein:
„Wenn bei Regen und Wind 500 Polizeibeamte eine ganz Nacht lang an der Autobahn Dienst tun, um bei 1679 Pkw-Kontrollen 250 g Marihuana und 760 Zigaretten zu finden, wieviele Gramm Marihuana und wieviele Zigaretten entfallen dann auf einen Polizeibeamten? (Bearbeiterhinweis: Es darf gerundet werden)
Zusatzaufgabe für Sek-I-Absolventen:
„Wenn die EU-Osterweiterung im Wesentlichen zum 01. Mai 2004 in Kraft getreten ist, wieviele Jahre, Monate und Tage sind seither vergangen? Was ändert sich am Ergebnis unter Berücksichtigung der Nachbarländer Rumänien und Bulgarien?“
Ihr dürft rechnen. Ich muss Ewald Temmen noch eine E-Mail schreiben, ob ich das Logo der PI Emsland/Grafschaft Bentheim-Internetseite illustrierend verwenden darf.
Dörpen II
9. Dezember 2009
NDR vom 09.12:2009:
„Investor zieht sich zurück – Kohlekraftwerk in Dörpen steht vor dem Aus
Weil der Investor abgesprungen ist, steht das umstrittene Kohlekraftwerksprojekt im emsländischen Dörpen vor dem Aus. Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW teilte am Mittwoch mit, wegen fehlender Möglichkeit zur Kraft-Wärme-Kopplung die Projektarbeiten nicht mehr fortsetzen zu wollen. Weil der am Ort ansässige Papierhersteller UPM Nordland bekannt gegeben hatte, keine Wärme von dem Kohlekraftwerk zu beziehen, sondern ein eigenes Gaskraftwerk bauen zu wollen, gebe es für ein Steinkohlekraftwerk in Dörpen keine Basis mehr.
Für die Bürgerinitiative „Saubere Energie“ sagte Vorsitzende Inge Stemmer, die Nachricht sei „ganz hervorragend“. Man müsse nun achtgeben, dass nicht ein anderer Investor einspringe. Der Hauptgeschäftsführer der IHK Osnabrück-Emsland, Marco Graf, zeigte sich dagegen am Mittwochabend enttäuscht. „Die Entscheidung von EnBW gegen den Bau eines Steinkohlekraftwerks am Standort Dörpen ist sowohl energiepolitisch als auch regionalwirtschaftlich bedauerlich.“
Das Kraftwerksvorhaben war in der Region heftig umstritten. Bereits bei den Vorbereitungen für den Bau hatte es Verzögerungen gegeben. Gegen den im Sommer ausgelegten Bebauungsplan wurden mehr als 8.000 Einwendungen erhoben. Auch Umweltverbände kritisierten das Kraftwerksvorhaben und drohten mit Klagen.“
—
Landrat Hermann Bröring, der Dörpener Gemeindedirektor Hans Hansen sowie Bürgermeister Hartmut Schneider bedauern das „Aus“ für das umstrittene Milliardenprojekt, schreibt die EMSZEITUNG. Die Herren reden eben vom Klimaschutz nur Sonntags nach dem Hochamt. Die Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen freut sich jedenfalls zu Recht. Und das Weltklima auch. Chapeau, ihr erfolgreichen Bürger in Dörpen und umzu!
(Grafik: © BI Saubere Energie Dörpen)
Dörpen
7. Dezember 2009
SPIEGEL-ONLINE berichtet heute -passend zum ersten Tag der Weltklimaschutzkonferenz in Kopenhagen- über den Kampf der Bürgerinitiaitive Saubere Energie in Dörpen gegen ein Kohlekraftwerk.
Windkraft oder Kohle? Das Emsland streitet über die Energie der Zukunft – stellvertretend für den Rest der Republik. Im Örtchen Dörpen bekämpfen sich Ökolobbyisten und Anhänger eines geplanten Großkraftwerks: Es geht um Arbeitsplätze, Eitelkeiten und sicheren Strom.
Es ist ein Kampf Klein gegen Groß, Windkraft gegen Kohle, vermeintlich Gut gegen vermeintlich Böse: Im niedersächsischen Dörpen, einem Dorf mit rund 4000 Einwohnern, streiten sich die Anhänger erneuerbarer Energien mit jenen der herkömmlichen Kraftwerkstechnik – quasi stellvertretend für den Rest der Republik. Die einen planen einen neuen Steinkohlemeiler, der 900 Megawatt Strom erzeugen soll. Die anderen wollen im Nachbarort Haren, nur 20 Kilometer entfernt, eine Fabrik für Rotorblätter errichten. Geplante Mitarbeiterzahl: 1000….
Weiter auf der Seite von SPIEGEL-ONLINE
(Foto: © BI Saubere Energie Dörpen)
Lünne
23. Juni 2009
„Am (Sonntag) 28. Juni 2009 veranstalten die Architektenkammern Niedersachsen und Bremen den 14. „Tag der Architektur“. Zum dritten Mal kooperieren die Architektenkammern Niedersachsen und Bremen, um Bauherren und Architekturinteressierten insgesamt 116 Objekte von Architekten, Innen- und Landschaftsarchitekten vorzustellen. In insgesamt 58 Orten haben ausgewählte Projekte – dazu zählen private Wohnhäuser, Schulen, Kindergärten, Gewerbebauten, Garten- und Parkanlagen – zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Die Besucher können sich direkt vor Ort ihr eigenes Bild von der Architektur machen. Architekten sind anwesend und beantworten sämtliche Fragen zur Planung und Realisierung.“ So kündigen die Architektenkammern ihren TdA an.
Mir fallen dazu drei Punkte ein und auf:
Erstens gibt es nur ein einzelnes Bauwerk im Landkreis, das am Sonntag beim „TdA“ präsentiert wird. In Lünne haben vor zwei Jahren die Architekten Stephanie Löning und Jürgen Schwegmann (B-Werk Architekten+Innenarchitekten, Spelle) ein eingeschossiges Wohnhaus am Lünner See 77 für die Bauherrn Martina und Michael Roling errichtet (Foto). Es besteht aus einem Schlafbereich sowie einem Wohn-, Koch- und Essbereich mit zum See ausgerichteter Glasfassade und vorgelagerter Terrasse. Das Gebäude gliedert sich in den weiß geputzten höheren Wohnbereich und den grau geputzten niedrigeren Schlafbereich mit Carport und Nebengebäude. Ein Holzweg verbindet die Wohnhausterrasse mit der am Ufer gelegenen Seeterrasse. Führungen am „Tag der Architektur“ finden um 11, 14 und 16 Uhr statt.
Zweitens ist Lingen schon traditionell unter den präsentierten Bauwerken nicht vertreten (s. 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003, 2002, 2001); in diesem Jahrzehnt gab es in neun Jahren überhaupt nur zwei Auftritte, 2005 und 2002. Und so denke ich an die Bilder dieser Lingener Zweckarchitektur, die achselzuckend von der Bauverwaltung zu Beginn vieler Sitzungen des Lingener Planungs- und Bauausschusses präsentiert wird. Meist heißt es durch Stadtbaurat Lisiecki: „Der Bebauungsplan lässt das zu.“ Irgendjemand von der CDU setzt dann reflexhaft hinzu, wie wichtig es doch sei, dass „der Bauherr dafür Geld in die Hand nimmt“. Und das war’s dann. Zusammen reicht es den Protagonisten als Qualitätskriterium, und ich empfinde zunehmend, wie sehr im Rathaus ein Hochbauarchitekt fehlt, der eine Vorstellung davon hat, wie Lingen gestaltet werden und aussehen soll. Amtsvorvorgänger Nikolaus Neumann war so einer und der ist angesichts mancher architektonischer Fehlgriffe inzwischen einfach aus Lingen geflüchtet.
Jüngstes Beispiel: Zwei Bauvorhaben im sensiblen Innenstadtbereich zwischen Schlachterstraße und Elisabethstraße. Drei Kneipen sollen entstehen, fast ohne Wohnraum, aber mit Garage und in Buntputz. Architektonisch anspruchslos, nicht zeitgemäß aber auch ohne Rücksicht auf regionale Bautradition, auf die Nachbarhäuser und auf das Gesamtensemble. Billigbauten – so mein Eindruck. Gut, dass der Ausschuss die Verwaltung um Stadtplaner Lisiecki aufforderte, mit den Bauherren nachzuverhandeln.
Drittens muss ich an Entertainer Harald Schmidt denken: „Zwischen Rheine und Leer hält er nicht mehr!“ sagte Schmidt, als er einst in seiner SAT1-Show über das Emsland kalauerte. 2009 ist das Emsland auf der interaktiven Karte des Tag der Architektur insgesamt ein weißer Fleck. Tatsächlich ist der Architekturzug offenbar in diesem Jahr gar nicht erst ins Emsland gefahren - ausgenommen Lünne. Schade, denn pfiffige Architekten gibt es doch auch bei uns.
(Foto: © B-Werk, Spelle)
Kreisliga
21. Juni 2009
Vor einem halben Jahr habe ich geschrieben, dass der ASV Altenlingen -der Verein, in dem fast alle meine Söhne kicken oder gekickt haben- mit seiner 1. Mannschaft gewinnt – seit ich nicht mehr zuschaue. Jetzt haben sie sich tatsächlich zum Aufstieg in die Kreisliga durchgekämpft (
). Es war ein dramatisches letztes Spiel. Warum dramatisch ? Sie ahnen es: Ich war dabei und fast wäre es nicht gut gegangen.
Das alles unterstreicht einmal mehr die Frage, wie es eigentlich in Altenlingen weitergehen soll. Sie erinnern sich an den hektischen Kahlschlag im Frühjahr und andere, ebenso wuchtige wie unsinnige Projekte, die den Stadtteil umgraben.
Die unions-unangenehm-ungewollte, politische Folge der heftigen Diskussionen hat uns die Lokalpresse völlig vorenthalten: In Altenlingen gab es bei der EU-Wahl für die CDU einen deftigen Dämpfer. Sie rutschte in den beiden Wahlbezirken A-West und A-Ost von zusammen bisher 67,9 % auf 56,1%. Im Wahlbezirk Altenlingen-Ost verlor sie gar die absolute Mehrheit – zum ersten Mal seit Verleihung der Lingener Stadtrechte im frühen 14. Jahrhundert.
Dabei hat Altenlingen doch längst anderen Stadtteilen den Rang abgelaufen; dort – und nicht beispielsweise in Laxten - wohnen immerhin CDU-Landrat, CDU-Bundestagsabgeordneter, Stadtwerkechef und inzwischen auch Parteivorsitzende. Wir erkennen: Der Stadtteil ist wichtig, Altenlingen ist nicht nur Kreisliga.
Die absehbare Konsequenz: Trostpflaster müssen her! Jetzt gibt es erst einmal ein „Sportkonzept“. Über das diskutierte am vergangenen Mittwoch der Lingener Planungs- und Bauausschuss. Das „Sportkonzept“ präsentierte die Verwaltung, keine sechs Monate nach dem Kahlschlag an der Waldstraße. Tags zuvor hatte es schon der Altenlingener Ortsrat vor dem anschließenden gemeinsamen Besuch „bei Thien“ abgesegnet. Darin enthalten sind eine neue Turnhalle an der Altenlingener Grundschule und „der vierte Platz für den ASV“.
Erinneren Sie sich? Seit Jahren wird von den vorörtlichen Strippenziehern um Laurenz P. und Michael K. geschickt kolportiert, dass „die Raffinerie“ dem Ortsteil in Bälde die notwendige neue Turnhalle „bezahlt“. Fragt man nach, wird mit zartem Augenaufschlag und offiziell dementiert. Besagter Augenaufschlag dabei ist übrigens geradezu legendär. Vielleicht deshalb hält sich genauso hartnäckig das Gerücht, der Altenlingener Ortsrat habe besagtem Kahlschlag und den anderen wuchtigen Projekten, die den eigenen Stadtteil umgraben, nur deshalb zugestimmt, weil dann „die Raffinerie die Turnhalle bezahlt“ und „wegem dem vierten Sportplatz für den ASV“.
Diskutiert wurde im Ausschuss dann aber nicht über die die „2-Feld-vielleicht-doch-BP-finanzierte-Turnhalle“, die die Schule natürlich braucht, sondern über den „vierten Platz“. Der wird auch gebraucht und soll am Ende der Straße Am Wallkamp gebaut werden. Geplant wird er folgerichtig mit ASV-Vereinsheim, das dann tatsächlich ein Dankeschönsponsering von der BP bekommen wird; der offenbar darüber uninformierte Stadtbaurat Lisiecki zu seiner Planskizze mit Vereinsheim: „Das ist erst mal nur ein Platzhalter…“.
Es gibt nur zwei Probleme:
Der neue „Hauptplatz“ liegt (na, eine Idee?- richtig!) mitten im Wald und kostet weitere 2 Hektar Altenlingener Kiefern und Dünenlandschaft; angeblich soll mit leichten Rodungsarbeiten schon begonnen sein und die Aufforstungsprojekte in Altenlingen sind ohnehin eher kleinteilig und rar. Ich befürchte: Der Ortsrat wird jetzt auch kaum für den Erhalt von zwei Hektar Wald zulasten „seines“ Sportvereins sein, nachdem er vorher viele Hektar spaziergängerfreien Wald zum Abholzen freigegeben hat. Die im Ortsrat und im Ausschuss vorgetragene (FDP-)Alternative ist keine wirkliche. Die Liberalen wollen nämlich den vierten Platz nordwestlich der Grundschule zwischen Wallkamp und Dortmund-Ems-Kanal. Das wird also nur noch mehr Lärm in den Wohnbereich Am Wallkamp bringen.
Und der Lärm des intensiv genutzten ASV-Sportgeländes ist das zweite Problem. Über diesen Lärm, den die Anlieger am Wallkampf und dem benachbarten Lampenkamp zur Genüge kennen, beschwerten sich sich zwei Anwohner auch in der Sitzung: Vor allem „abendlicher Krach“ und „die dritte Halbzeit“ werden als störend empfunden. Jede Erweiterung des Sportgeländes am Wallkamp löst diesen Nutzungskonflikt nicht, sondern verschärft ihn nur, übrigens auch durch den Verkehr zu dem zugleich geplanten großen Parkplatz am Ende der Straße.
Mein Vorschlag: Geben wir das Fußballgelände auf, machen daraus Wohnbauflächen und bauen mit dem Geld aus dem Grundstücksverkauf an der alten B70, also westlich (jenseits) des Kanals ein neues Sportgelände. Das damit einhergehende Problem zusätzlicher Wohnbauflächen bei stagnierender Bevölkerung (mehr…) sehe ich, halte es aber hier nicht für entscheidend.
Der Ausschuss hat am Mittwoch den Bedarf in Altenlingen gesehen, aber das vorgestellte „Sportkonzept“ nicht befürwortet. Die Verwaltung soll über darüber nachdenken. Mal sehen, ob etwas besseres dabei heraus kommt. Aber vielleicht zieht die CDU mit ihrem Strippenzieher-Netzwerk auch weiter das Vorhaben durch „Altenlingen-ohne-Wald-geht-eigentlich-auch“.
Hurra
23. Mai 2009
Zur HSG Nordhorn-Lingen (und damit zum leider auch andernorts aktuellen, längst nicht nur sportlichen Lingener Abstiegs-Thema) informiert die Süddeutsche Zeitung heute ihre Leserinnen und Leser. Die Betonung liegt bei „informiert“. Hier der Artikel im Wortlaut:
Ein letztes Hurra
Nordhorn/Kiel – Diese Woche haben die HSG Nordhorn-Lingen und der THW Kiel ein Testspiel gegeneinander bestritten. Offiziell handelte es sich dabei um eine Partie des drittletzten Bundesligaspieltags, aber Kiels 38:27-Sieg war nicht mehr von Bedeutung. Die Kieler sind längst Meister, während die insolventen Nordhorner in die zweite Liga zwangsabsteigen müssen. Insofern waren alle gedanklich schon beim Wochenende, an dem für beide Teams der finale Höhepunkt einer aufregenden Saison ansteht. Kiel empfängt am Sonntag zum Hinspiel des Champions-League-Finals den Titelverteidiger Ciudad Real aus Spanien. Nordhorn spielt im Europapokal der Pokalsieger am Samstag zunächst daheim gegen Pevafersa Valladolid, ebenfalls aus Spanien. Außerdem gastiert der VfL Gummersbach in seinem ersten Europacup-Finale seit 26 Jahren im EHF-Pokal am Samstag bei Gorenje Velenje in Slowenien. Wie im Vorjahr sind deutsche Mannschaften in drei Europapokal-Endspielen vertreten. Doch die Erfolgsbilanz wird getrübt. Während Kiel weiter mit Korruptionsvorwürfen kämpft, endet in Nordhorn eine zehnjährige Ära.
1999 sind die Emsländer in die Bundesliga aufgestiegen, ein Jahrzehnt später müssen sie wieder hinunter in die zweite Liga. „Das bitterste daran ist“, sagt Kapitän Maik Machulla, „dass hier eine Mannschaft absteigt, die intakt ist und hervorragend spielt.“ Der Grund für die guten Leistungen freilich ist, dass eine Mannschaft zusammengestellt wurde, die schon im Herbst nicht mehr bezahlt werden konnte. Zunächst bedurfte es dazu der Hilfe des Nachbarorts Lingen, der als Gegenleistung ein Teil des Namens wurde. Trotzdem musste am 9. März über die mit 1,9 Millionen Euro verschuldete Spielbetriebsgesellschaft das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Damit stand der Zwangsabstieg fest. „Die Endspiele gegen Valladolid sind unsere letzten großen Spiele für lange Zeit“, prophezeit Machulla, 32, der in der kommenden Saison Spielertrainer wird. Er hat bis jetzt erst einen Mitspieler sicher. Nicky Verjans hat ebenfalls unterschrieben. Mehr steht noch nicht fest, nicht einmal die Zweitliga-Lizenz. Für sie muss die neue Gesellschaft bis Juni Sponsorenzusagen bestätigen. „Ich weiß überhaupt nicht, wo unser Weg hingeht“, sagt Machulla.
Die Sorgen der Nordhorner Handballer ziehen sich durch die vergangenen Jahre. Es heißt, so pünktlich wie jetzt vom Insolvenzverwalter hätten die Spieler ihr Geld noch nie erhalten. Machulla aber lässt nichts kommen auf den Strippenzieher und ehemaligen Manager Bernd Rigterink. „Er hat hier alles aufgebaut“, sagt der Handballer über den Spediteur, „da hat jetzt keiner das Recht, ihn auszubooten.“ Lingens Oberbürgermeister Heiner Pott hatte allerdings unmissverständlich einen „Neubeginn im sportlichen Management“ gefordert. Um die Rolle von Rigterink, gegen den die Staatsanwaltschaft Osnabrück unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, hat sich ein Streit entfacht. Machulla sagt, Rigterink sei in die Planungen für die kommende Saison in beratender Funktion bereits einbezogen.
Am 1. Juli beginnt die neue Saison, aber gewiss ist bislang nur die Auflösung des alten Teams. In Holger Glandorf (Lemgo), Peter Kuckucka (Schaffhausen) und Erlend Mamelund (Flensburg-Handewitt) sind drei Spieler bereits fort. Nach der Saison wird wohl auch nahezu der komplette Rest verschwinden. Steffen Weinhold wechselt zum TV Großwallstadt, Tobias Karlsson zur SG Flensburg-Handewitt und der Trainer Ola Lindgren als Coach zu den Rhein-Neckar-Löwen nach Mannheim. „Das ist keine einfache Situation“, sagt Lindgren über Höchstleistungen im Niedergang. Trotzdem hat er es zuletzt geschafft, die Mannschaft zu starken Vorstellungen zu animieren. „Ohne das Europacup-Finale“, sagt er, „wäre das schwer geworden.“ Von den jüngsten sechs Spielen hat Nordhorn nur jenes gegen Kiel verloren. „Wir wollen die unschöne Saison mit einem Pokalsieg beenden“, sagt Torwart Peter Gentzel, der nach acht Jahren zum THW Kiel wechselt. Länger als er war in Nordhorn nur der Trainer. Lindgren war zwischen 1998 und 2003 Spieler und ist seitdem Trainer.
Immerhin sieben Jahre hält es nun auch schon Kapitän Machulla aus. Er wertet die Langzeit-Engagements als Indiz für gute Arbeit und für gute Atmosphäre. Auch die Fans haben ihren Klub nicht verstoßen. Das Euregium ist stets voll, auch am Samstag, wenn die Nordhorner nach dem EHF-Cup 2008 ihren zweiten Europapokal gewinnen wollen. Aber was kommt danach? „Unser Ziel ist, in die Bundesliga zurückzukehren“, sagt Machulla, „bloß wann, das ist die Frage.“ Ulrich Hartmann
Die SZ-Überschrift passt gut zur aktuellen Lingener Kommunalpolitik. Das finanzielle Wagnis für eine Arena kann in einer Zeit wegbrechender Stadteinnahmen nur verantwortet werden, wenn Konzeption und Umsetzung stimmig und über jeden Zweifel erhaben sind.
Schon konzeptionell ist aber mit dem Abstieg der HSG erst einmal Potts „Emslandarena“ erledigt. Sie hätte die HSG als „Hometeam“ benötigt, um wirklich das Leuchtturm-Projekt zu sein, dass sie sein sollte.
Städtebaulich ist sie mit der von OB Pott durchgesetzten Verlagerung aus dem Stadtzentrum an den Stadtrand ebenfalls gescheitert. Um einen positiven Effekt auf Lingen zu haben, muss sie ins Stadtezntrum. Auch die Emslandhallen entstanden hier, weil der damalige Oberstadtdirektor Vehring immer und immer wieder die positive Wirkung einer so großen Veranstaltungshalle auf die Innenstadt unterstrich.
Nicht nur sportlich ist das Projekt abgestiegen. Auch inhaltlich ist es vom Leuchtturm zu einem schiefen, leuchtmittelfreien Bauwerk geworden.
Also: Wer rafft sich also jetzt auf, Potts Projekt mit einem Bürgerbegehren zu stoppen?
(Foto: Leuchtturmprojekt – Ernst Rose pixelio)
Ordnungswidrig
27. Februar 2009
Keine Frage, es sind Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten: Das Jugendschutzgesetz droht bei der Abgabe von Schnaps, Tabakwaren oder Gewaltvideos an Minderjährige Geld- und Freiheitsstrafe oder ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro an. Heute lese ich in der Lokalpresse und in einer Presseerklärung der Polizei, dass im Emsland und der Grafschaft Jugendämter und Polizei in einer gemeinsamen Aktion durch Minderjährige Alkohol-Testkäufer die Einhaltung dieses Jugendschutzgesetzes kontrolliert haben.
Es ist grundsätzlich falsch, wenn der Staat mit verdeckten Methoden die Einhaltung seiner Gesetze überprüft. Es ist falsch, wenn dabei auch noch minderjährige Schüler zu verdeckten Ermittlern gemacht werden, die andere dann zu einer Straftat oder Ordnungswidrigkeiten anstiften. Vor 15 Monaten hatte Ministerin von der Leyen (CDU) diese Idee und wurde von Kanzlerin Merkel (CDU) zurückgepfiffen. Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sagte damals, er könne sich nicht vorstellen, »dass ein Rechtsstaat das Recht hat, Kinder und Jugendliche als ´Agent Provocateur´ einzusetzen».
Auch die Kontrolleure in unserer Region wissen, dass sie rechtsstaatlich mehr als zweifelhaft handeln und ihre Tatprovokationen kaum gerichtsfest sind. Denn die ertappten „Täter“ wurden lediglich „mündlich und zum Teil auch schriftlich verwarnt“. Gleichwohl verkünden die Behörden in der Presseerklärung trotzig-selbstbewusst: Es „sollen weitere Testkaufaktionen folgen“.
Jugendämter und Polizei sind zu ermahnen: Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Das ist das Grundprinzip unseres Zusammenlebens. Diese Grundlage unserer Gesellschaft unterscheidet unseren Staat vom Polizeistaat. Polizisten haben andere Maßstäbe zu wahren als TV-Journalisten mit versteckter Kamera. Wenn der Staat kontrolliert und überprüft, dann offen, rechtsstaatlich und ohne Minderjährige als Objekte staatlicher Kontrollen zu missbrauchen.
Gerade weil angesichts der Alkoholexzesse Handeln angesagt ist, sind die Behörden zu erinnern: Polizei und Ämter haben auch ohne minderjährige Testkäufer ausreichende Kompetenzen, um gegen den Verkauf von Zigaretten, Alkohol und Gewaltvideos vorzugehen. Sie müssen es nur wollen.
Emsland Eins
8. Februar 2009
Es gibt diesen engagierten Internet-Fernsehsender Emsland-Eins. Er war bei mir etwas in Vergessenheit geraten, bis ich auf diesen Sportbeitrag über das emsländische Fußballspiel des Jahres aufmerksam gemacht wurde. Ich dand einen mit den vorhandenen Bordmitteln und einer einzigen Kamera wirklich gut gemachten Sportbericht über das Fußballspiel TuS Lingen – SV Meppen, das im TuS mit 3:2 einen verdienten Sieger hatte.
Wenn die Lokalpresse gar die Interpretationshoheit über den SV Meppen verliert, dann tut sich endlich etwas in der regionalen Medienlandschaft. Und das ist gut so!
Sie sollten also nicht nur meinen improvisierten TuS-SV-Link anklicken, sondern regelmäßig Emsland-eins besuchen. Das Unternehmen finanziert sich nämlich durch Werbeeinnahmen.
Gerüche
19. April 2008
Heute schreibt SPIEGEL-online über üble Gerüche, die derzeit England heimsuchen, dies:
Tagelang, berichtet das Met Office, habe sich die Luft über Deutschlands Stallungen und Felder kaum bewegt. So stieg der Geruch auf und sammelte sich in einer konzentrierten, stinkenden Dunstglocke, die erst der auffrischende Ostwind quasi am Stück über den Ärmelkanal getragen habe. Haben wir da aber Glück gehabt!
Doch Spaß beiseite: Zwar weiß, wer zwischen Oldenburg und Münster, Braunschweig und Oostende lebt, kaum, worüber die Briten sich erregen. Alle anderen aber wissen, dass man zur Düngezeit die Autolüftung auf Umluft stellen sollte, wenn man diesen Landstrich durchquert: Nur wer das ständig riecht, riecht es nicht mehr.
Kaum zu glauben, dass 600 km entfernt die Engländer wegen unserer Intensivtierhaltung keine frische Luft mehr haben. Aber jeder weiß, dass die industrielle Nahrungsmittelerzeugung (vormals: Landwirtschaft) in unserer Region ein massives (Umwelt-)Problem ist. Ein Umweltbericht der Stadt Münster (Westf) aus dem Jahr 2005 formuliert das so:
Das Münsterland, das nördlich sich anschließende Emsland und die angrenzenden Niederlanden sind die Regionen mit der höchsten atmosphärischen Stickstoffbelastung im EU-Raum.
Das gilt ebenso für die viel zu hohe Nitratbelastung des oberen Grundwassers.
Die Probleme sind seit langem bekannt. Aber sie werden ignoriert und nichts geschieht. Im Gegenteil: Die Landwirtschaftslobby mit der CDU an der Spitze setzt alle Erweiterungspläne durch und predigt nur Sonn- und Feiertags Nachhaltigkeit und Ökologie. Tags darauf wird dann ein weiterer Maststall genehmigt.
Jetzt stinkt dies bereits (bis zu) den Briten, was wir hier treiben. Hier in der Region ist man daran gewöhnt und riecht schon längst nicht mehr, was man riechen sollte. Diese Ignoranz, da bin ich sicher, wird in der Zukunft teuer bezahlt werden müssen – allerdings nicht mehr von denen, die davon heute persönlich profitieren.
