Geburtstag III
25. Oktober 2009
Sie kennen das sicher: Hier in Lingen (Ems) oder im Emsland kann den Menschen der Himmel auf den Kopf fallen, es interessiert niemanden der bundesdeutschen Medienmeute. Interessant wird es offenbar erst unter der Voraussetzung, dass Medienschaffende das Ereignis binnen einer Stunde per Pkw aus Hamburg oder Hannover in Augenschein nehmen können; die Bremer kommen sowieso nur bis ins Weser-Stadion, wo es allerdings tatsächlich schön ist.
Also
wird auch Bernd Rosemeyer und sein 100. Geburtstag -Sie erinnern sich an dies und das?- nur wahrgenommen, wenn „sein“ Ereignis sich in Hamburg zuträgt. Wie jetzt in SPIEGEL-online, diesem reichlich sinnentleerten aber flott und trendig präsentierten Produkt des einstigen Sturmgeschützes der bundesdeutschen Demokratie, das längst -wie es einmal so schön hieß- zur Spritzpistole für Angela Merkel verkommen ist: Ein hingerotzter Jubel-Artikel über Lingens Aushängesportler der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Und das alles offenbar, weil im PROTOTYP Automuseum in Hamburgs Speicherstadt eine Ausstellung über den Autorennfahrer Bernd Rosemeyer präsentiert wird, die -folgt man dem Pressetext- nun gar nichts mehr über die problematische Rolle Rosemeyers als Propagandist für das NS-Regime zu berichten scheint. Das erledigt dann allerdings eine heftige Diskussion in SPIEGEL-online. Klicken Sie mal rein. Ich gestehe: Gefallen hat mit der beißende Sarkasmus von gardie45:
„Seit 60 Jahren lese ich immer wieder fasziniert, warum der oder der in der SS war: Der eine wegen der Pferdchen (Reiter-SS), der nächste wegen der schicken Uniform und „Rosemeyer war Mitglied der SS – offenbar war er beigetreten, um das Ziel des Berufsrennfahrers erreichen zu können„. Und immer wieder in mir die bange Frage, ob es denn in der SS auch richtige Nazis gab, die einzig und allein dieser Organisation „offenbar … beigetreten“ waren, um als überzeugte Nazis bei dem neuen Elite-Orden ihr Bestes zu geben. Darüber sollte viel mehr wissenschaftlich geforscht werden, vielleicht gipfelnd in einem Abschluss-Symposium ‘War Hitler Nazi?’ „
Obwohl gardie45 natürlich nicht wissen kann, was wir Emsländer wissen, dass nämlich Bernd Rosemeyer eigentlich wirklich…
Naja, wenn sich jemand in Hamburg die Ausstellung bei PROTOTYP (mehr…)angesehen hat, wäre es schön, würde er hier berichten, was ihm dabei aufgefallen ist, und natürlich, wie sie ihm gefallen hat.
Rahmen
30. August 2009
Wohl anlässlich der Feiern zum 100. Geburtstag unseres Rennfahrers Bernd Rosemeyer ist Lingen offenbar auf einem zügigen Weg in die Riege berühmter internationaler Motorsport-Orte. Denn wir lesen hier dies:
Am 29. und 30. August 2009 ist es wieder soweit: Dann kommen die „Rennboliden” wieder nach Sommeringen. Lauter Motorensound, spannende Positionskämpfe, atemberaubende Überholmanöver, spektakuläre Geschwindigkeiten, ölverschmierte Schrauber in der Boxengasse und jubelnde Gewinner wird man an dem Rennwochenende bestaunen können. Gemeint ist nicht der Große Preis von Belgien in der Formel 1! Gemeint ist die zweite offene Niedersachsenmeisterschaft der Renntrecker!
Die Renntrecker sind jedoch keinesfalls handelsüblich: Es handelt sich hierbei um Aufsitzrasenmäher, die zu wahren Rennmaschinen umgebaut wurden und nun Höchstgeschwindigkeiten von 100km/h erreichen…. Weiter
Ich erfahre außerdem, Endurofahren sei „das letzte Abenteuer„, und lese zugleich diese Ankündigung des lokalen Enduro-Clubs:
„Im September ist es nun wieder so weit: Das alljährliche Clubrennen findet
zum zwölften Mal, unter dem Namen “2 Std. Race” am 5. September in Brögbern statt. Der Start ist für 15.00 Uhr festgelegt. Für Besucher, die sich in Lingen nicht so gut auskennen: Das Gelände befindet sich in einem Waldstück in 49811 Lingen-Brögbern, an der Duisenburger Straße. Zuschauer sind natürlich herzlich eingeladen! Wer schon mal einen Vorgeschmack auf die Veranstaltung sehen möchte, kann sich die Bilder vom letzten Rennen auf der Homepage des Clubs ansehen: http://enduroclub-lingen.magix.net. Die Atmosphäre kommt dort schon ganz gut rüber und die Vorfreude auf das Spektakel wächst.
Erwartet werden 150 Fahrer vom Anfänger bis zum Profi. Sie können ihre Fahrkünste auf einer drei Kilometer langen Strecke beweisen, die die Veranstalter für dieses Rennen mit diversen Schikanen ausrüsten. Auch Quads oder Beiwagen sind zugelassen, soweit die Teilnahme den Rahmen nicht sprengt.
Die beiden, im wahrsten Sinne des Wortes fundamentalen Beiträge zum motorisierten Schutz von Natur und Umwelt „in einem Waldstück“ nahe des „Forellenhofs“ bzw. im beschaulichen „Sommeringen“ (altsächsisch für Sommerweide) überraschen mich etwas.
Hat Karin Schreiner, eine der wenigen im Rathaus, für die Umweltschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, etwa Urlaub? Oder reicht es auch hier aus, dass jemand für sein Vorhaben „Geld in die Hand nimmt“ (Lieblingszitat und inhaltliche Leitschnur von CDU-Ratsfrau Renate Seiler)? Kann eigentlich nicht, denn für den Rasentreckerwettbewerb im ländlich-ruhigen Sommeringen hat erst einmal der Ortsrat Bramsche Geld in die Hand genommen, dem Renate Seiler angehört. Einstimmig beschloss das Gremium, 500 Euro als Zuschuss bereit zu stellen. Jaja, ölverschmierte Schrauber in der Boxengasse. Solch’ bäuerlich-ökologisches Ambiente in der freien Natur lässt man sich in Bramsche eben einen Anerkennungsbetrag kosten. Ob auch der Ortsrat Brögbern einen Zuschuss für diese spezielle Art motorisierter Landschaftspflege zahlt, will ich gar nicht wissen.
Gut jedenfalls, dass niemand auf 10 Hektar frisch abgeholzten Wald hier hingewiesen hat, sonst käme unser OB vielleicht noch auf die Idee, dort eine für Lingen so wichtige (Standortfaktor!) Rennstrecke anzulegen…
100. Geburtstag II
16. März 2008
Es ist ja manchmal seltsam, aber gerade am Freitag habe ich bei einem Ausstellungsbesuch die Frage diskutiert, wie es um den 100. Geburtstag von Bernd Rosemeyer in Lingen steht. Und heute trifft dann bei mir ein Kommentar zu meinem Rosemeyer-Blogbeitrag vom 17. November letzten Jahres ein. Sie erinnern sich? Vor einigen Monaten stand der Lingener Autorennsportler im Mittelpunkt einer kommunalpolitischen Debatte. Sein Geburtstag jährt sich am 14. Oktober 2009 zum 100. Mal. Rosemeyer provoziert Diskussionen. Er war ein erfolgreicher Autorennfahrer, und er war SS-Hauptsturmführer.
Nachdem die Diskussion jetzt wochenlang verstummt ist, möchte ich sie wieder aufgreifen. Noch einmal plädiere ich für ein Denkmal, das sich mit Bernd Rosemeyer befasst und das den Zwiespalt erarbeitet und darstellt, den seine Person symbolisiert. Das bisherige Lingener Erinnern an den Sportler Rosemeyer, die „Bernd-Rosemeyer-Straße“, reicht nicht.
Am Freitag habe ich im Düsseldorfer K21 Arbeiten von Katharina Fritsch und Thomas Schütte gesehen, die mich nochmals aktiv werden lassen.
Meinen Vorschlag, für das Rosemeyer-Denkmal einen namhaften Künstler zu beauftragen, habe ich daher heute dem Oberbürgermeister geschrieben und ihn, der sich so gern bei Kontroversen raushält und schweigt, um eine Stellungnahme gebeten.
