Rahmen

30. August 2009

09_06_plakat_sommeringenWohl anlässlich der Feiern zum 100. Geburtstag  unseres Rennfahrers Bernd Rosemeyer ist Lingen offenbar auf einem zügigen Weg in die Riege berühmter internationaler Motorsport-Orte. Denn wir lesen hier dies:

Am 29. und 30. August 2009 ist es wieder soweit: Dann kommen die „Rennboliden” wieder nach Sommeringen. Lauter Motorensound, spannende Positionskämpfe, atemberaubende Überholmanöver, spektakuläre Geschwindigkeiten, ölverschmierte Schrauber in der Boxengasse und jubelnde Gewinner wird man an dem Rennwochenende bestaunen können. Gemeint ist nicht der Große Preis von Belgien in der Formel 1! Gemeint ist die zweite offene Niedersachsenmeisterschaft der Renntrecker!
Die Renntrecker sind jedoch keinesfalls handelsüblich: Es handelt sich hierbei um Aufsitzrasenmäher, die zu wahren Rennmaschinen umgebaut wurden und nun Höchstgeschwindigkeiten von 100km/h erreiche
n…. Weiter

Ich erfahre außerdem, Endurofahren sei „das letzte Abenteuer„, und lese zugleich diese Ankündigung des lokalen Enduro-Clubs:

„Im September ist es nun wieder so weit: Das alljährliche Clubrennen findet plakat_rennen_2009zum zwölften Mal, unter dem Namen “2 Std. Race” am 5. September in Brögbern statt. Der Start ist für 15.00 Uhr festgelegt. Für Besucher, die sich in Lingen nicht so gut auskennen: Das Gelände befindet sich in einem Waldstück in 49811 Lingen-Brögbern, an der Duisenburger Straße. Zuschauer sind natürlich herzlich eingeladen! Wer schon mal einen Vorgeschmack auf die Veranstaltung sehen möchte, kann sich die Bilder vom letzten Rennen auf der Homepage des Clubs ansehen: http://enduroclub-lingen.magix.net. Die Atmosphäre kommt dort schon ganz gut rüber und die Vorfreude auf das Spektakel wächst.

Erwartet werden 150 Fahrer vom Anfänger bis zum Profi. Sie können ihre Fahrkünste auf einer drei Kilometer langen Strecke beweisen, die die Veranstalter für dieses Rennen mit diversen Schikanen ausrüsten. Auch Quads oder Beiwagen sind zugelassen, soweit die Teilnahme den Rahmen nicht sprengt.

Die beiden, im wahrsten Sinne des Wortes fundamentalen Beiträge zum motorisierten Schutz von Natur und Umwelt „in einem Waldstück“ nahe des „Forellenhofs“ bzw. im beschaulichen „Sommeringen“ (altsächsisch für Sommerweide)  überraschen mich etwas.

Hat Karin Schreiner, eine der wenigen im Rathaus, für die Umweltschutz nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, etwa Urlaub? Oder reicht es auch hier aus, dass jemand für sein Vorhaben „Geld in die Hand nimmt“ (Lieblingszitat und inhaltliche Leitschnur  von CDU-Ratsfrau Renate Seiler)? Kann eigentlich nicht, denn für den Rasentreckerwettbewerb im ländlich-ruhigen Sommeringen hat erst einmal der Ortsrat Bramsche Geld in die Hand genommen, dem Renate Seiler angehört. Einstimmig beschloss das Gremium, 500 Euro als Zuschuss bereit zu stellen. Jaja, ölverschmierte Schrauber in der Boxengasse. Solch’ bäuerlich-ökologisches Ambiente in der freien Natur lässt man sich in Bramsche eben einen Anerkennungsbetrag kosten. Ob auch der Ortsrat Brögbern einen Zuschuss für diese spezielle Art motorisierter Landschaftspflege zahlt, will ich gar nicht wissen.

Gut jedenfalls, dass niemand auf 10 Hektar frisch abgeholzten Wald hier hingewiesen hat, sonst käme unser OB vielleicht noch auf die Idee, dort eine für Lingen so wichtige (Standortfaktor!) Rennstrecke anzulegen…

Kreisliga

21. Juni 2009

imagesVor einem halben Jahr habe ich geschrieben, dass der ASV Altenlingen -der Verein, in dem fast alle meine Söhne kicken oder gekickt haben- mit seiner 1. Mannschaft gewinnt – seit ich nicht mehr zuschaue. Jetzt haben sie sich tatsächlich zum Aufstieg in die Kreisliga durchgekämpft ( :-D ). Es war ein dramatisches letztes Spiel. Warum dramatisch ? Sie ahnen es: Ich war dabei und fast wäre es nicht gut gegangen.
Das alles unterstreicht einmal mehr die Frage, wie es eigentlich in Altenlingen weitergehen soll. Sie erinnern sich an den hektischen  Kahlschlag im Frühjahr und andere, ebenso wuchtige wie unsinnige Projekte, die den Stadtteil umgraben.  
Die unions-unangenehm-ungewollte, politische Folge der heftigen Diskussionen hat uns die Lokalpresse völlig vorenthalten: In Altenlingen gab es bei der EU-Wahl für die CDU einen deftigen Dämpfer. Sie rutschte in den beiden Wahlbezirken A-West und A-Ost von zusammen bisher 67,9 % auf 56,1%. Im Wahlbezirk Altenlingen-Ost verlor sie gar die absolute Mehrheit – zum ersten Mal seit  Verleihung der Lingener Stadtrechte im frühen 14. Jahrhundert.  

Dabei hat Altenlingen doch längst anderen Stadtteilen den Rang abgelaufen; dort – und nicht beispielsweise in Laxten - wohnen immerhin CDU-Landrat, CDU-Bundestagsabgeordneter, Stadtwerkechef  und inzwischen auch Parteivorsitzende. Wir erkennen: Der Stadtteil ist wichtig, Altenlingen ist nicht nur Kreisliga. 

Die absehbare Konsequenz: Trostpflaster müssen her!  Jetzt gibt es erst einmal ein „Sportkonzept“. Über das diskutierte am vergangenen Mittwoch der Lingener Planungs- und Bauausschuss. Das „Sportkonzept“ präsentierte die Verwaltung, keine sechs Monate nach dem Kahlschlag an der Waldstraße. Tags zuvor hatte es schon der Altenlingener Ortsrat vor dem anschließenden gemeinsamen Besuch „bei Thien“ abgesegnet. Darin enthalten sind eine neue Turnhalle an der Altenlingener Grundschule und „der vierte Platz für den ASV“. 

Erinneren Sie sich? Seit Jahren wird von den vorörtlichen Strippenziehern um Laurenz P. und Michael K.  geschickt kolportiert, dass „die Raffinerie“ dem Ortsteil in Bälde die notwendige neue Turnhalle „bezahlt“. Fragt man nach, wird mit zartem Augenaufschlag und offiziell dementiert. Besagter Augenaufschlag dabei ist übrigens geradezu legendär. Vielleicht deshalb hält sich genauso hartnäckig das Gerücht, der Altenlingener Ortsrat habe besagtem Kahlschlag und den anderen wuchtigen  Projekten, die den eigenen Stadtteil umgraben, nur deshalb zugestimmt, weil dann „die Raffinerie die Turnhalle bezahlt“ und „wegem dem vierten Sportplatz für den ASV“.  

Diskutiert wurde im Ausschuss dann aber nicht  über die die „2-Feld-vielleicht-doch-BP-finanzierte-Turnhalle“, die die Schule natürlich braucht,  sondern über den „vierten Platz“. Der wird auch gebraucht und soll am Ende der Straße Am Wallkamp gebaut werden. Geplant wird er folgerichtig mit ASV-Vereinsheim, das dann tatsächlich ein Dankeschönsponsering von der BP bekommen wird; der offenbar darüber uninformierte Stadtbaurat Lisiecki zu seiner Planskizze mit Vereinsheim: „Das ist erst mal nur ein Platzhalter…“.

Es gibt nur zwei Probleme: 
Der neue „Hauptplatz“ liegt (na, eine Idee?- richtig!) mitten im Wald und kostet weitere 2 Hektar Altenlingener Kiefern und Dünenlandschaft; angeblich soll mit leichten Rodungsarbeiten schon begonnen sein und die Aufforstungsprojekte in Altenlingen sind ohnehin eher kleinteilig und rar. Ich befürchte: Der Ortsrat wird jetzt auch kaum für den Erhalt von zwei Hektar Wald zulasten „seines“ Sportvereins sein, nachdem er vorher viele Hektar spaziergängerfreien Wald zum Abholzen freigegeben hat. Die im Ortsrat und im Ausschuss vorgetragene (FDP-)Alternative ist keine wirkliche. Die Liberalen wollen nämlich den vierten Platz nordwestlich der Grundschule zwischen Wallkamp und Dortmund-Ems-Kanal. Das wird also nur noch mehr Lärm in den Wohnbereich Am Wallkamp bringen.

Und der Lärm des intensiv genutzten ASV-Sportgeländes ist das zweite Problem. Über diesen Lärm, den die Anlieger am Wallkampf und dem benachbarten  Lampenkamp zur Genüge kennen, beschwerten sich  sich zwei Anwohner auch in der Sitzung: Vor allem „abendlicher Krach“ und „die dritte Halbzeit“ werden als störend empfunden. Jede Erweiterung des Sportgeländes am Wallkamp löst diesen Nutzungskonflikt nicht, sondern verschärft ihn nur, übrigens auch durch den Verkehr zu dem zugleich geplanten großen Parkplatz am Ende der Straße.

Mein Vorschlag: Geben wir das Fußballgelände auf, machen daraus Wohnbauflächen und bauen mit dem Geld aus dem Grundstücksverkauf an der alten B70, also westlich (jenseits) des Kanals  ein neues Sportgelände. Das damit einhergehende Problem zusätzlicher Wohnbauflächen bei stagnierender Bevölkerung (mehr…) sehe ich, halte es aber hier nicht für entscheidend.

Der Ausschuss hat am Mittwoch den Bedarf in Altenlingen gesehen, aber das vorgestellte „Sportkonzept“ nicht befürwortet.  Die Verwaltung soll über darüber nachdenken. Mal sehen, ob etwas besseres dabei heraus kommt. Aber vielleicht zieht die CDU mit ihrem Strippenzieher-Netzwerk auch weiter das Vorhaben durch „Altenlingen-ohne-Wald-geht-eigentlich-auch“.

Vermessen

1. März 2009

Beim heutigen Spaziergang durch den in den letzten Tagen vernichteten Teil des Altenlingener Forstes haben die engagierten und bestürzten Männer und Frauen der Bürgerinitiative pro-Altenlingenerforst die Größe der abgeholzten und zerstörten Waldfläche vermessen. Sie kamen auf geschätzte 11 Hektar Wald, die gerodet wurden und wohl unwiederbringlich zerstört sind. Wieder waren mehrere Hundert betroffene Lingener dabei. Sie hatten bisher diesen Wald gesehen:


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 Und jetzt sahen sie dies:

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Angeblich sollten nur 6 Hektar Wald  abgeholzt werden, tatsächlich sind es wohl mindestens 10, vielleicht mehr. Es habe „schnell, schnell, schnell“ gehen müssen, wurde aus Gesprächen mit Waldarbeitern berichtet, deren Gerätschaften heiß liefen und deshalb zeitweise ausfielen. Täglich hätten sie neue Anweisungen erhalten, was „schnell, schnell, schnell“ abzuholzen sei. Jedenfalls liegt der Wald jetzt fertig zum Abtransport am Wegesrand:

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Die CDU-Spitze im Rathaus hofft offenbar darauf, dass alles bald in Vergessenheit gerät. Ich bin gespannt, ob Freie Bürger und Wähler wirklich nur ein kurzes Gedächtnis haben…

Rücksicht

22. Februar 2009

buergerAuf der Internetseite der Stadt Lingen (Ems) finde ich diese Aufforderung:

Boßeln mit Rücksicht auf die Natur

Boßelspaß ja – aber bitte mit Rücksicht auf Natur und Umwelt! Diesen Hinweis richtet die Stadt Lingen an alle, die in der aktuellen Boßelsaison zu dem geselligen Vergnügen durch die Landschaft ziehen. Ob Alt oder Jung, für alle sollte es selbstverständlich sein, auf den Strecken keinen Müll zu hinterlassen sowie Pflanzen und Tiere zu schonen.

Am Sonntagabend war ich zusammen mit mehr als 300 betroffenen Bürgerinnen und Bürger bei einem Waldspaziergang unterwegs im Abholzungsgebiet im Altenlingener Forst, und wir haben gesehen, wie es die Stadt Lingen selbst mit der Rücksicht auf Natur und Umwelt hält, ohne zu boßeln übrigens.

Der Spaziergang erinnerte mich trotz allen Mutes und Einsatzes der Frauen und Männer der Initiative an eine Trauerfeier. Wir gingen und nahmen Abschied von einem einzigartigen Stück Natur.altenlingenerforst1

Ich habe die Wette abgeschlossen, dass kein einziger der Ja-Sager zu diesem Bebauungsplan Nr. 20, der mehr als 30 Hektar hochwertigen Wald vernichtet, diesen Forst jemals gesehen hat. Die Wette kann ich nicht verlieren, weil niemand für diesen Frevel sein kann, der den Wald erlebt hat und an seine Kinder denkt.  Obwohl es bis heute keine Betriebe gibt, die vom Abholzen profitieren und sich im künftigen Gewerbe- und Industriebetrieb ansiedeln wollen, werden Montag früh ab 7 Uhr vollendete Tatsachen geschaffen. Rücksichtslos.

Wer mehr wissen möchte, kann sich auf der Internetseite der Altenlingener Bürgerinitiative pro-Altenlingener Forst informieren oder einfach vorbeischauen.