Kreisliga

21. Juni 2009

imagesVor einem halben Jahr habe ich geschrieben, dass der ASV Altenlingen -der Verein, in dem fast alle meine Söhne kicken oder gekickt haben- mit seiner 1. Mannschaft gewinnt – seit ich nicht mehr zuschaue. Jetzt haben sie sich tatsächlich zum Aufstieg in die Kreisliga durchgekämpft ( :-D ). Es war ein dramatisches letztes Spiel. Warum dramatisch ? Sie ahnen es: Ich war dabei und fast wäre es nicht gut gegangen.
Das alles unterstreicht einmal mehr die Frage, wie es eigentlich in Altenlingen weitergehen soll. Sie erinnern sich an den hektischen  Kahlschlag im Frühjahr und andere, ebenso wuchtige wie unsinnige Projekte, die den Stadtteil umgraben.  
Die unions-unangenehm-ungewollte, politische Folge der heftigen Diskussionen hat uns die Lokalpresse völlig vorenthalten: In Altenlingen gab es bei der EU-Wahl für die CDU einen deftigen Dämpfer. Sie rutschte in den beiden Wahlbezirken A-West und A-Ost von zusammen bisher 67,9 % auf 56,1%. Im Wahlbezirk Altenlingen-Ost verlor sie gar die absolute Mehrheit – zum ersten Mal seit  Verleihung der Lingener Stadtrechte im frühen 14. Jahrhundert.  

Dabei hat Altenlingen doch längst anderen Stadtteilen den Rang abgelaufen; dort – und nicht beispielsweise in Laxten - wohnen immerhin CDU-Landrat, CDU-Bundestagsabgeordneter, Stadtwerkechef  und inzwischen auch Parteivorsitzende. Wir erkennen: Der Stadtteil ist wichtig, Altenlingen ist nicht nur Kreisliga. 

Die absehbare Konsequenz: Trostpflaster müssen her!  Jetzt gibt es erst einmal ein „Sportkonzept“. Über das diskutierte am vergangenen Mittwoch der Lingener Planungs- und Bauausschuss. Das „Sportkonzept“ präsentierte die Verwaltung, keine sechs Monate nach dem Kahlschlag an der Waldstraße. Tags zuvor hatte es schon der Altenlingener Ortsrat vor dem anschließenden gemeinsamen Besuch „bei Thien“ abgesegnet. Darin enthalten sind eine neue Turnhalle an der Altenlingener Grundschule und „der vierte Platz für den ASV“. 

Erinneren Sie sich? Seit Jahren wird von den vorörtlichen Strippenziehern um Laurenz P. und Michael K.  geschickt kolportiert, dass „die Raffinerie“ dem Ortsteil in Bälde die notwendige neue Turnhalle „bezahlt“. Fragt man nach, wird mit zartem Augenaufschlag und offiziell dementiert. Besagter Augenaufschlag dabei ist übrigens geradezu legendär. Vielleicht deshalb hält sich genauso hartnäckig das Gerücht, der Altenlingener Ortsrat habe besagtem Kahlschlag und den anderen wuchtigen  Projekten, die den eigenen Stadtteil umgraben, nur deshalb zugestimmt, weil dann „die Raffinerie die Turnhalle bezahlt“ und „wegem dem vierten Sportplatz für den ASV“.  

Diskutiert wurde im Ausschuss dann aber nicht  über die die „2-Feld-vielleicht-doch-BP-finanzierte-Turnhalle“, die die Schule natürlich braucht,  sondern über den „vierten Platz“. Der wird auch gebraucht und soll am Ende der Straße Am Wallkamp gebaut werden. Geplant wird er folgerichtig mit ASV-Vereinsheim, das dann tatsächlich ein Dankeschönsponsering von der BP bekommen wird; der offenbar darüber uninformierte Stadtbaurat Lisiecki zu seiner Planskizze mit Vereinsheim: „Das ist erst mal nur ein Platzhalter…“.

Es gibt nur zwei Probleme: 
Der neue „Hauptplatz“ liegt (na, eine Idee?- richtig!) mitten im Wald und kostet weitere 2 Hektar Altenlingener Kiefern und Dünenlandschaft; angeblich soll mit leichten Rodungsarbeiten schon begonnen sein und die Aufforstungsprojekte in Altenlingen sind ohnehin eher kleinteilig und rar. Ich befürchte: Der Ortsrat wird jetzt auch kaum für den Erhalt von zwei Hektar Wald zulasten „seines“ Sportvereins sein, nachdem er vorher viele Hektar spaziergängerfreien Wald zum Abholzen freigegeben hat. Die im Ortsrat und im Ausschuss vorgetragene (FDP-)Alternative ist keine wirkliche. Die Liberalen wollen nämlich den vierten Platz nordwestlich der Grundschule zwischen Wallkamp und Dortmund-Ems-Kanal. Das wird also nur noch mehr Lärm in den Wohnbereich Am Wallkamp bringen.

Und der Lärm des intensiv genutzten ASV-Sportgeländes ist das zweite Problem. Über diesen Lärm, den die Anlieger am Wallkampf und dem benachbarten  Lampenkamp zur Genüge kennen, beschwerten sich  sich zwei Anwohner auch in der Sitzung: Vor allem „abendlicher Krach“ und „die dritte Halbzeit“ werden als störend empfunden. Jede Erweiterung des Sportgeländes am Wallkamp löst diesen Nutzungskonflikt nicht, sondern verschärft ihn nur, übrigens auch durch den Verkehr zu dem zugleich geplanten großen Parkplatz am Ende der Straße.

Mein Vorschlag: Geben wir das Fußballgelände auf, machen daraus Wohnbauflächen und bauen mit dem Geld aus dem Grundstücksverkauf an der alten B70, also westlich (jenseits) des Kanals  ein neues Sportgelände. Das damit einhergehende Problem zusätzlicher Wohnbauflächen bei stagnierender Bevölkerung (mehr…) sehe ich, halte es aber hier nicht für entscheidend.

Der Ausschuss hat am Mittwoch den Bedarf in Altenlingen gesehen, aber das vorgestellte „Sportkonzept“ nicht befürwortet.  Die Verwaltung soll über darüber nachdenken. Mal sehen, ob etwas besseres dabei heraus kommt. Aber vielleicht zieht die CDU mit ihrem Strippenzieher-Netzwerk auch weiter das Vorhaben durch „Altenlingen-ohne-Wald-geht-eigentlich-auch“.

Schilda

17. Mai 2009

30.rheinenordZu den autofahrerunfreundlichsten Autobahnauf- und Autobahnabfahrten im Westen zählt diejenige mit dem Namen „Rheine-Nord“ an der A 30. Aus allen Richtungen Staus und stinkend-tuckernde Pkw vor drei hintereinander gepflanzten Ampeln, die durch zwei Kreisverkehre und eine andere Nordzufahrt überflüssig würden, falls man an zuständiger Stelle nachdächte. Das zeigt bereits, dass die Intelligenz der verantwortlichen Beamten deutlich ausbaufähig ist.  

Jetzt gibt es dies:  
Man nähert sich als A30-Autofahrer aus dem Osten und erreicht die Abfahrt Rheine-Kanalhafen, dann die Abfahrt Rheine und dann als dritte Abfahrt Rheinebindestrichnord. Drei Mal Rheine, also man kann es wirklich nicht übersehen und nicht daran vorbeifahren.
Allerdings haben nun unverhofft die beamteten Herrschaften den einzigen Schilda-Hinweis auf Lingen verschwinden lassen. Schon beim Aufstellen der Abfahrtschilder hatten die Experten einst „Lingen“ vergessen und mussten es später  nachkleben. Und jetzt ist Lingen wieder weg. Die Folge: Menschen ohne Navi bzw. Ortsfremde, die nicht wissen, dass man nur von hier aus Lingen direkt über die Bundesstraße 70  erreicht, finden sich orientierungslos irgendwo westlich der Ems wieder. Um dies zu unterstützen, ist das einst Hinzugeklebte blau überklebt. Es darf gerätselt werden, warum.

Immerhin erfahren alle, dass es hier neben Rheinebindestrichnord ab nach Steinfurt und Spelle und Holsterfeld geht. Auf Lingen wird  erst wieder am Ende der Autobahnausfahrt an der Straßenampel hingewiesen, weil ja nun doch die Schilder an der Bundesstraße 70 den Knotenpunkt Lingen nicht weglassen können. 

Das ist noch ignoranter als die peinliche Ausschilderung durch die A31-Verantwortlichen. Dort gibt es bekanntlich für Nord-Süd-Fahrer die Autobahnabfahrt Wietmarschen, die in Schwartenpohl liegt. An ihr fehlt -nur 10km vor der Lingener Stadtgrenze- jeder Hinweis auf unsere Emsmetropole, weil ja, so einst der besorgte Altenlingener Ortsrat, aufgrund eines solchen Schildes immer mehr Autofahrer über den malträtierten Altenlingener Forstweg fahren würden – so die Begründung. Autofahrer, die sich nicht auskennen, werden deshalb doppelt soweit über die A31-Abfahrt Lingen, die in Lohne liegt, geleitet.  Die anderen und die mit Navi fahren trotzdem ab und -geschätzt- zwei bis vier am Tag anschließend auch über den Altenlingener Forstweg. Dort können sie dann bekanntlich weitere Beiträge umweltgerechter Lokalpolitik in Augenschein nehmen.

Rücksicht

22. Februar 2009

buergerAuf der Internetseite der Stadt Lingen (Ems) finde ich diese Aufforderung:

Boßeln mit Rücksicht auf die Natur

Boßelspaß ja – aber bitte mit Rücksicht auf Natur und Umwelt! Diesen Hinweis richtet die Stadt Lingen an alle, die in der aktuellen Boßelsaison zu dem geselligen Vergnügen durch die Landschaft ziehen. Ob Alt oder Jung, für alle sollte es selbstverständlich sein, auf den Strecken keinen Müll zu hinterlassen sowie Pflanzen und Tiere zu schonen.

Am Sonntagabend war ich zusammen mit mehr als 300 betroffenen Bürgerinnen und Bürger bei einem Waldspaziergang unterwegs im Abholzungsgebiet im Altenlingener Forst, und wir haben gesehen, wie es die Stadt Lingen selbst mit der Rücksicht auf Natur und Umwelt hält, ohne zu boßeln übrigens.

Der Spaziergang erinnerte mich trotz allen Mutes und Einsatzes der Frauen und Männer der Initiative an eine Trauerfeier. Wir gingen und nahmen Abschied von einem einzigartigen Stück Natur.altenlingenerforst1

Ich habe die Wette abgeschlossen, dass kein einziger der Ja-Sager zu diesem Bebauungsplan Nr. 20, der mehr als 30 Hektar hochwertigen Wald vernichtet, diesen Forst jemals gesehen hat. Die Wette kann ich nicht verlieren, weil niemand für diesen Frevel sein kann, der den Wald erlebt hat und an seine Kinder denkt.  Obwohl es bis heute keine Betriebe gibt, die vom Abholzen profitieren und sich im künftigen Gewerbe- und Industriebetrieb ansiedeln wollen, werden Montag früh ab 7 Uhr vollendete Tatsachen geschaffen. Rücksichtslos.

Wer mehr wissen möchte, kann sich auf der Internetseite der Altenlingener Bürgerinitiative pro-Altenlingener Forst informieren oder einfach vorbeischauen.

Brutperiode

10. Februar 2009

abholzungDen Verkauf der Waldflächen an der Waldstraße an die Chemiefirma Hagedorn hat Lingens Stadtrat längst beschlossen.  Jetzt wird in Eilmärschen der für Hagedorn notwendige Bebauungsplan durchgezogen.  Die Vorlage für die heutige Ausschusssitzung traf erst am 6. Februar ein, heute war die Sitzung, übermorgen berät der Verwaltungsausschuss und dann folgt sofort der Beschluss im Rat und nächste Woche die Veröffentlichung im Amtsblatt des Landkreises; dabei können noch Wetten abgeschlossen werden, ob nicht eigens eine Sonderausgabe des Amtsblattes gedruckt wird. Einen Tag später kommen die Leute mit den Kettensägen (apparatulus mechanicus Lingensis). Denn vor März und der Brutperiode muss abgeholzt sein. Ein Anlieger sagte mir, dass die ersten Bäume bereits gefällt worden sind.

Es gab heute eine durch lange Beiträge der Herren Lisiecki, Krämer und Höke (Stadtverwaltung) reichlich müde Sitzung mit erfreulich viel Publikum. Die drei beantworten übrigens gestellte Fragen  immer en bloc und erhalten vom Vorsitzenden Werner Schlarmann (CDU) stets das Wort, wenn sie es wollen, also außerhalb der Rednerordnung, was nun sozusagen Sprachtau über jede lebhafte Diskussion legt.

Ich habe meine Ablehnung des Projektes erklärt.  Der Wald mit seiner Flora und Fauna  ist wichtiger als die Hagedorn-Pläne. Dasss auch die umstrittene Nitrozelluloseverarbeitung der Firma im jetzigen Waldgebiet angesiedelt wird, ist übrigens nicht definitiv ausgeschlossen.  Aber vor allem leben in dem Waldgebiet eine Reihe höchst gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen. Eine ehrliche, offene Abwägung findet trotzdem nicht statt, weil die Stadt das Grundstück an Hagedorn schon verkauft hat; das übrigens bestritten die Herren der Verwaltung.  Nicht bestreiten können sie allerdings, dass alle Beschlüsse dazu bis in den Rat hinein gefasst sind und Hagedorn den umzug öffentlich erklärt.  Nur die Grünen und ich haben im Januar den Verkauf abgelehnt.

In meinem Beitrag  habe ich in der Sitzung auch ein paar Anmerkungen zum Flächennutzungsplan 2005 gemacht, der von der Verwaltung -zu Unrecht!- als quasi verbindliche Festlegung für das Abholzen der Wälder in Altenlingen und nördlich von Heukamps-Tannen bemüht wurde. Und was sich dann tat,  steckt in meiner abendlichen E-Mail an Dipl.-Ing. Peter Bohn, der im Ausschuss das Protokoll führt (*s. Kommentar) meist neben dem Protokollführer Andreas Witt sitzt:

Lieber Herr Bohn,
Sie schreiben ja das Protokoll in den Sitzungen des Planungs- und Bausschusses der Stadt und saßen in der heutigen Sitzung neben mir. Sie erinnern sich an meine rhetorische Frage, ob ich womöglich selbst dem für den Abholzungs-Bebauungsplan Nr. 20 arg bemühten Flächennutzungsplan vor vier Jahren zugestimmt hätte. Wegen dieses F-Planes soll ja jetzt der Altenlingener Wald dran glauben. Sie und Ihre Kollegen haben nach meiner Frage heftig zustimmend genickt. Sie haben so überzeugt genickt, dass mich das doch irritierte und ich Ihnen jetzt schreiben will, um sozusagen Ihr Nicken zu korrigieren.  

Am 14.04.2005 sagte der Kollege Wiedorn nämlich in der Ratssitzung:

„Laut Stadtbaurat besteht über die Aufstellung von Bebauungsplänen immer noch die Möglichkeit, Baugebiete nur in absolut notwendiger Größe auszuweisen. Und dieses Instrument wolle die Verwaltung auch nutzen.
Diese Aussage hat die Mehrheit meiner Fraktionsmitglieder letztlich überzeugt, und so werden wir der vorliegenden Fassung des Flächennutzungsplanes zustimmen. Diese Zustimmung ist ein hoher Vertrauensvorschuss für Sie, Herr Stadtbaurat, für Ihr Dezernat und für die gesamte Verwaltungsspitze. Enttäuschen Sie uns bitte nicht.“

War doch ganz nett, die zitierte Aussage des Stadtbaurats Christian Schowe: „Baugebiete nur in absolut notwendiger Größe“. Egal, denn der bis heute gültige Flächennutzungsplan wurde nach Aussprache an diesem 14.04.2005 im Rat der Stadt beschlossen. 4 Nein, 31 Ja – aber ohne mich. Ich war nämlich gar nicht da. Und, zu ihrer vertraulichen Information, hatte ich in der SPD-Fraktion in den Monaten zuvor wegen des immensen Flächenverbrauchs gegen den F-Plan votiert. Damals war ich noch in der SPD-Fraktion, wie Sie sich erinnern werden.  

Das nur so zur Klarstellung. Also: Das nächste Mal nicht so schnell und heftig nicken bitte.

Mit freundlichen Grüßen
Robert Koop

ps Ich stelle diese E-Mail in meinen Blog. Auch andere sollten die Informationen bekommen.

Es bleibt die traurige Erkenntnis, wie wenig Chancen Tiere und Pflanzen in dieser Stadt haben.

zuhause

10. August 2008

Nach ein paar Tagen Urlaub bin ich nach Lingen zurück. Es war wie immer: Bei der Einfahrt erwartete mich der „Kraut-und-Rüben“-Kreisverkehr an der Lindenstraße, der seit 18 Monaten vor sich hin gammelt. Offenbar kommt niemand auf die Idee, diesen Eingang in die Stadt, mit dem Besucher empfangen werden, zumindest mit ein paar Blumen zu bepflanzen und die Pflanzbeete um den Kreis herum von Unkraut und Dreck zu befreien und vielleicht auch endlich mal die Zufahrt aus dem Kreisverkehr zum benachbarten Parkplatz zu öffnen. Ein paar Meter weiter lag rechter Hand immer noch die unendliche Denkmal-Drecktankstelle an der Rosemeyer-Straße, über die auch seit Jahrzehnten nur lamentiert wird, aber nichts geschieht, obwohl es sich doch anbietet, dass die Stadtwerke dort eine Erdgastankstelle einrichten.
Am Markt war der Magnolien-Hain nebst „felsenbirnigen“ Betonkübeln weiterhin so großartig gescheitert wie vor meiner Abreise, und der Boden um die restlichen Magnolien ist immer noch aufgerissen (Motto: „Bloß keine Erde einfüllen!“), die Löcher waren aber inzwischen durch emsländisch-elegante Holzbretter abgesichert, und die von Freund Hein (wem der nichts sagt, der kann mit Blick auf  die abgesägten Großplatanen auch an Hein Blöd denken) heimgesuchte Magnolien-Pflasterfläche ist weiterhin ein Mahnmal für blinden und teueren Aktionismus.
Der heimische Kühlschrank sah dann ähnlich aus, weil der werte Nachwuchs absprachewidrig nicht eingekauft hatte. Also bin ich zum ALDI nach Altenlingen gefahren, wo es unverhofft so heftig nach Sch… stank, dass ich die freundliche Mitarbeiterin fragte, ob der Abwasserrohrbruch schon behoben sei. „An so etwas haben wir auch erst gedacht“, meinte die gute Frau. Es sei aber nichts dergleichen. Vielmehr hätten die Altenlingener Landwirte  ihre Gülle auf die benachbarten Felder geschüttet.
Da war mir schlagartig klar: Der Urlaub 2008 ist vorbei. Ich bin wieder zuhause.

Überflüssig

20. April 2008

Gezielt wird der Plan umgesetzt, in das Waldgebiet zwischen dem Stadtteil Altenlingen und der im Augenblick zum BP-Konzern gehörenden Erdölraffinerie eine hoch liegende Straße zu bauen; hoch deshalb, weil sie ja über den Dortmund-Ems-Kanal zur alten B70 geführt werden muss. Diese hat dann zwar nur einen äußerst kurvigen Anschluss an die Lingener Umgehungsstraße und keinen an die westlich des Kanals gelegene Wachendorfer Straße zur A31. Aber angeblich bezahlt die BP das Projekt. Sie will es, wie zu hören ist  “wegen des Terrorismus aus Sicherheitsgründen“. Man sieht: Kein Argument ist zu dämlich, um ein volkswirtschaftlich und ökologisch überflüssiges Vorhaben zu realisieren.

Ich erinnere mich gut an die Diskussionen um den Lingener Flächennutzungsplan in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals war ich gerade in den Rat gewählt und der „F-Plan“ war eine der ersten großen Debatten in der SPD-Stadtratsfraktion. Schon da haben mein damaliger Ratskollege Johannes Rakers und ich gegen die seinerzeit erstmals in diese Planungen aufgenommene „Nordtangente“ oder „Entlastungsstraße“ (beides tolle Begriffe!) argumentiert. Jetzt soll sie also kommen, und sie wird es auch.

Die Kritiker aus Altenlingen werden nichts verhindern. Die BP wird dem Ortsteil eine neue Turnhalle bezahlen, die Straße bekommt einen 2m hohen Lärmschutz Richtung Altenlingener Wohngebiete und dann läuft das schon. Kommunalpolitisch wird jetzt zunächst der Ortsrat in Holthausen-Biene die Straße absegnen; sein Abnicken gegenüber Allem und Jedem, was die Erdölraffinerie will, hat eine ebenso verständliche wie jahrzehntealte Tradition. Er wird das Projekt „wegen der Arbeitsplätze“ befürworten, obwohl es damit nichts zu tun hat. Nachdem er bisher veröffentlichte, das Thema nicht zu behandeln, stimmt danach der Altenlingener Ortsrat nach heftiger Diskussion  einstimmig bei zwei Enthaltungen (meine Prophezeiung) zu; mein Tipp: am Besten wird die Sitzung direkt vor den Sommerferien veranstaltet, dann ist im Herbst alles vergessen. Danach kann die heute schon bereit liegende Säge auch öffentlich schon mal geölt werden.

Zwar folgt ein lauter Aufschrei; aber unser Oberbürgermeister Heiner Pott spricht daraufhin noch einmal mit der BP. Sorgenvoll wird das „Terrorismus-Argument“ bemüht und die BP zahlt dann eine 30 cm höhere Lärmschutzwand. Thomas Pertz wird anschließend einen Kommentar schreiben, dass dies doch wieder einmal ein hervorragendes Resultat bürgernaher Politik des OB sei, und wegen der Terrorismusgefahr und der Arbeitsplätze und sowieso usw. usf…

Es folgt noch die Maximalversion emsländischen Protestes: Der Leserbrief an die lokale Tageszeitung. Vier Altenlingener schreiben, wie schrecklich alles ist („wegen der Kinder, der Gesundheit und des Waldes“), bevor CDU-Ratsherr Reinhold Diekamp eine ähnlich große Zahl von Leserzuschriften der Befürworter („wegen der Sicherheit und der Arbeitsplätze“) schreibt oder schreiben lässt und die LT-Redaktion das Thema für beendet erklärt. 

Sie sehen: Die lokalen Diskussionsprozesse und -abläufe sind meist dieselben. Sie leiden darunter, dass die Entscheidungen in kleinen Zirkeln längst getroffen sind, wenn die Betroffenen sie erfahren. Niemand der Befürworter sagt dies, und keiner von ihnen geht „ergebnisoffen“ in die anschließenden Beratungen. Es geht nur darum,  ohne persönlich zu viel Gesichtsverlust zu erleiden ein Projekt zu realisieren, das einem der Beteiligten nützt; dabei tritt übrigens der Gesichtsverlust schon deshalb nicht ein, weil hierzulande weder eine kritische Presse noch andere kritische Medien vorhanden sind.

Lingens Bündnis ‘90/Die Grünen, die übrigens in diesen Tagen ausgerechnet mit der Lingener FDP ein gemeinsames (!) Büro am Markt beziehen (anderes Thema), haben jetzt die bereits vermessene Trasse besichtigt, die im Herbst gerodet werden soll. Darüber berichten sie auf ihrer Internetseite sowie gestern die lokale „Lingener Tagespost“ dies:

Grüne: Geplante Nordtangente nicht nötig
Lingen.
„In den vergangenen Tagen wurden im Altenlingener Forst Begrenzungspunkte und Pflöcke entlang der mutmaßlichen Streckenführung der sogenannten Entlastungsstraße gesetzt. Wir befürchten daher, dass an dieser Stelle Fakten geschaffen werden sollen, noch bevor die politischen Gremien überhaupt über die Pläne informiert worden sind.“ Das betonte Michael Fuest, Ratsherr für die Grünen im Lingener Stadtrat, in einer Presseerklärung. 

Hannelore Heinig, Michael Fuest und Peter Blauert (von links) bei der Ortsbesichtigung.
Hannelore Heinig, Michael Fuest und Peter Blauert (von links) bei der Ortsbesichtigung.

Zusammen mit Hannelore Heinig und Peter Blauert, die ebenfalls beide den Grünen im Kreis Emsland Süd angehören, hatte sich Fuest zuvor ein Bild von der Situation in dem Waldgebiet gemacht. „Beim Altenlingener Forst handelt es sich um einen Wald, der vielen Menschen als ortsnahes Erholungsgebiet dient und eine wichtige Funktion für das Ökosystem hat. Bevor hier eine Straße gebaut wird, muss zunächst der mögliche Nutzen gegenüber dem tatsächlichen und vorhersehbaren Schaden in Relation gesetzt werden“, betonte der Ratsherr. „Aus unserer Sicht ist diese Straße nicht notwendig! Es soll offensichtlich eine weitere Abkürzung für den Durchgangs- und Schwerlastverkehr geschaffen werden. Diese minimalen Kilometer-einsparungen rechtfertigen nicht die Zerschneidung dieses Waldes, zumal die Abkürzung nur dann einen Sinn machen würde, wenn der Ausbau der E233 erfolgen sollte, was hoffentlich verhindert wird. Die Autobahnverbindungen A31 und A28 über Leer bis zur A1 bei Delmenhorst sind ausreichend!“Einig waren sich die Grünen auch, dass es nicht wünschenswert sei, dass die Tangente jenseits des Kanals durch ein weiteres, sensibles und im höchsten Maße schützenswertes Naturschutzgebiet zur A 31 geführt wird. „Eine weitere Versiegelung von Oberflächen in dem landwirtschaftlich genutzten Bereich zwischen Ems und Kanal wäre nur bei außergewöhnlich hohem Nutzeffekt zu rechtfertigen.“

Nach Ansicht der Grünen muss sich die Stadt auch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten von dem ständigen Straßenausbau verabschieden. „Der Tourismus ist für das südliche Emsland eine wichtige Einnahmequelle. Die meisten Gäste kommen, weil sie sich in unserer Natur erholen möchten“, erklärten die Grünen. „Weitere Straßen zerstören diesen bedeutenden Standortfaktor.

Erstaunt ist Michael Fuest, dass bereits jetzt Vermessungs- und möglicherweise Trassierungsmaßnahmen durchgeführt werden, ohne dass die Pläne auf dem Tisch liegen. „Bürger, Ortsrat und die Ratsgremien müssen zunächst informiert werden. Auch will ich wissen, von wie vielen Fahrzeugen das Verkehrsgutachten einer Nordtangente ausgeht“, erklärte Fuest abschließend.

Weil ich dem Resümee von Bündnis 90/Grüne zustimme, zitiere ich die Veröffentlichung komplett und hoffe, trotzdem keine urheberrechtlichen Probleme zu bekommen.

Ideen, wie man eine ökologisch und wirtschaftlich unsinnige Straße, die niemand braucht, doch noch verhindern kann und Altenlingen trotzdem seine Turnhalle erhält, nehme ich gern entgegen. Aber eigentlich bin ich sehr sicher, dass es so kommt wie prophezeit. Wetten, dass?