Masuren
10. Dezember 2009
Lassen Sie mich bitte eine etwas holprige Metapher wählen: Das wunderschöne Masuren ist bekanntlich die größte Seenlandschaft Polens und die Marienstraße ist die größte Pfützenlandschaft Lingens. Da es hierzulande bekanntlich bisweilen regnet und die Baustellen rund um die Marienstraße das Ihrige hinzu tun und taten,kam ich mir heute wiederum in dieser Straße vom Markt zum Bahnhof vor wie bei einer masurischen Springprozession. Der Straßenzustand ist nicht erst seit der Fertigstellung der Lookentorpassage unverändert schlecht.
In unserem Städtchen Lingen begegnet man derlei Ungemach angesichts (ehemals) voller Kassen dann so: Es wird nichts instand gesetzt, es wird neu gepflastert. Die Neupflasterpläne für die Marienstraße sind unverändert, werden aber nicht verwirklicht, weil die Anlieger nicht die Hälfte der Kosten tragen wollen. Also Untätigkeit mit Pfützen: Flache, tiefe und vor allem große. Die Passanten freuen sich eher nicht über so viel Nässe.
Vielleicht haben Sie ja eine Idee, wie unser öffentliche Dienst auf das Problem aufmerksam gemacht werden kann?
Dann kann er sich auch noch einmal zum Erhalt des vor sich hin gammelnden Baudenkmals Marienstraße 16 (ehemals „Hotel zur Post“) äußern. Aber ich sehe seit Jahren nur einen zunehmend trostlosen Eindruck des Gebäudes. Daraus ist zwanglos zu schlussfolgern, dass das Baudenkmal den Verantwortlichen egal ist; ihnen ist der Eigentümer Josef Berning wichtig. Dabei hat die Stadt bekanntlich mit dem Eigentümer sogar einen Vertrag geschlossen, in dem sie sich einerseits bereit erklärte, den rückwärtigen Parkplatz zur Straße Am Pulverturm vollständig bebauen zu lassen und sich Josef Berning im Gegenzug verpflichtete, das Baudenkmal zu erhalten. Seit Jahren verfällt trotz dieses Vertrag das mehr als 100 Jahre alte Backsteingebäude. Die CDU-Ratsmehrheit duldet wohlwollend, dass Josef Berning den geschlossenen Vertrag bricht. Es wird offenbar so kommen, dass die Unzumutbarkeit des Erhalts erklärt wird und dann nur ein „Gedankenstrich“ (eine Lieblingsvokabel des noch amtierenden Baurats Georg Lisiecki) verbleibt, aber der Eigentümer Josef Berning durch den „Gedankenstrich“ die steuerlichen Vorteile eines Baudenkmals für sich nutzen wird. Eigentum verpflichtet vernichtet.
(Foto Masurische Seenplatte:© Tim Caspary, pixelio.de)
Chuzpe
8. Dezember 2009
Chuzpe ist -so wikipedia – “ eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.“ Man spricht von ihr, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht. Intelligent, charmant und unwiderstehlich ist hier eigentlich nichts. Trotzdem: Mit Chuzpe präsentiert die CDU diesen Antrag für die nächste Ratssitzung am 17.12. :
Frech und dreist ist dieser Antrag und zwar deshalb, weil die CDU selbst mit ihrem Ja zum Abriss der Scharnhorstkasernen das Problem erst geschaffen hat. Jetzt will sie also kommunale Steuergelder in die Schaffung von gerade von ihr vernichteten Wohnungen für Studenten stecken. So verschwendet man schamlos die Einnahmen der Stadt. Die CDU will mit Ihrem Geld ein Problem lösen, das die CDU selbst sehenden Auges und ganz bewusst erst geschaffen hat.
Sie merken: Mir bleibt angesichts des CDU-Vorstoßes gerade die Spucke weg. Denn hätte die CDU nur ein paar Kasernengebäude an der Gelgöskenstiege erhalten, hätte es für Hunderte von Studenten wirklich günstigen Wohnraum gegeben. Die Kasernen waren bekanntlich tiptop in Schuss, und boten Raum – längst nicht nur für studentisches Wohnen. Sie erinnern sich? Bis heute weiß ich nicht, weshalb die CDU diesen intakte Wohnraum und diese Gebäude zerstören musste. Sie hat dabei Millionenwerte vernichtet und alle anderen Chancen gleich mit – bekanntlich nicht nur für preiswerten Wohnraum.
Zwischenmeldung
24. November 2009
Heute, einen Monat vor Heiligabend, sendet die Ems-Vechte-Welle diese Zwischenmeldung
24.11.09 / 07:35
CDU im Lingener Stadtrat will Emslandarena nun doch an Lindenstraße bauenLingen. Die CDU im Lingener Stadtrat will nun doch, dass die Emslandarena am Standort der jetzigen Emslandhallen gebaut wird. Das geht aus einer Pressemitteilung der Union hervor. Wichtig sei allerdings, dass alle planerischen, juristischen und finanziellen Voraussetzungen erfüllt werden könnten. Der Standort an der Frerener Straße sei damit noch nicht vom Tisch. Priorität genieße jetzt aber wieder die Lindenstraße. Zudem will die CDU-Stadtratsfraktion offenbar auch noch einmal über die Größe der Veranstaltungshalle diskutieren. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir noch einmal neu nachdenken und diese anpassen“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Swenna Vennegerts. Die ursprünglichen Planungen für die Emslandarena sehen fünf Tausend Plätze vor.
In der entsprechenden CDU- Presseerklärung wird dann noch heftig mit Worten gelingelt (einstimmig, Bekenntnis, nach vorn preschen…); doch das ist eher amüsant und ich erwähne es nur am Rande. „Einstimmig“ ist dabei besonders charmant.
Nun, offenbar ist in Lingen so alle fünfzehn, zwanzig Jahre eine Bürgerinitiative tatsächlich erfolgreich: Anfang der 1970er Jahre die Initiative für ein unabhängiges Jugendzentrum, um 1990 die Initiative für eine Gesamtschule in Lingen und jetzt 2009 die BI „Arenawahn“. Das Arenabauwerk gegenüber der Hedonklinik ist offenbar vom Tisch und das ist gut so.
Was aber ist jetzt zu tun? Die „Arenawahn“-Fragen sind längst nicht beantwortet.
Vielmehr ist jetzt erst einmal zu untersuchen, ob die Emslandarena überhaupt bezahlbar ist. Sie wissen, die „Delle“ ist ein ernstes Thema und die notwendige Frage dazu lautet: Wie entwickeln sich die kommunalen Finanzen in Zeiten der Wirtschaftskrise? Ich kenne die Antwort nicht, aber ich verlange eine ehrliche und keine populistische Antwort. Es ist die bei weitem wichtigste Frage für dieses Projekt.
Daneben muss das Konzept der Emslandarena klar sein. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir … diese anpassen“, sagt die CDU. Also will sie eine (um wieviel?) kleinere Halle. Macht das Sinn? Dies kann man nur beantworten, wenn die Konzeption auf dem Tisch liegt.
Dann muss der Lärmschutz geklärt sein. Jenseits aller Definitionsprozesse haben alle Anwohner, insbesondere die im Wohngebiet am Pumpenkolk einen Anspruch auf Schutz vor Lärm. Dies beinhaltet auch passiven Lärmschutz, z.B. den Einbau entsprechender Fenster. Ob der südliche Pumpenkolk aber ein „Reines Wohngebiet“ nach der Defintion des Bauplanungsrechts bleiben muss oder nicht, muss diskutiert werden.
Parkraum ist ausreichend vorhanden. Die Tiefgarage unter der Lookentorpassage und der P-Platz an der Berufsakademie und der Halle I/II bieten zusammen mit den Parkhäusern am Rathaus, am Medicus-Wesken-Gesundheitszentrum, am Emslandstadion und auf dem Festplatz selbst allemal genügend freien Parkraum in den Zeiten, in denen die Emslandarena betrieben würde, so dass auf dem Kirmesplatz kein Parkhaus benötigt wird. Parkraum nur für einen Nutzer vorzuhalten, ist eine Verschwendung von Raum und Geld. Das kann man sich wirklich sparen!
Also Freunde, jetzt geht’s zwar nicht erst los mit den ernsthaften Diskussionen. Aber zu Ende sind sie keinesfalls.
Noch dies: Die lokale FDP schweigt seit zwei Wochen auf ihrer Internetseite. Was soll sie auch sagen? Die Truppe um Jens Beeck steht im Abseits auf einem Acker an der B 214 und ist ganz allein. Da landet man im Regen, wenn man sich aus demokratsichen Diskussionen zugunsten vermeintlicher Standhaftigkeit ausklinkt. Sie ist einer der Verlierer der Entwicklung. Ein anderer heißt mit Vornamen Georg.
Schreiten
6. November 2009
Heute teilt die Lingener FDP Verblüffendes mit:
Die ursprünglich am Thema Lärmschutz festgemachte Standortfrage für den Bau der Emslandarena in Lingen ist nach Auffassung der FDP-Stadtratsfraktion zwischenzeitlich viel weiter fortgeschritten.
Da frage ich: Wie schreitet eine Frage fort?
Über die missglückte Metapher darf man ja schmunzeln. Doch bemerkenswert ist, dass auch sonst der Beitrag einmal mehr und weiterhin deutlich neben dem Thema liegt. Synergieeffekte beispielsweise betrafen stets den Betrieb (und nicht den Bau einer Emsland-Arena), die auch stets auf der umzäunten Freifläche nördlich der Emslandhallen entstehen sollte.
Dann heißt es:
Die sachlichen Prüfungen des Vorhabens hätten schon jetzt ergeben, dass die richtige und zukunftweisende Lösung an der Lindenstraße nicht realisiert werden könne. Dies gelte unabhängig von Fragen des Lärmschutzes und der Verkehrsführung.
Hallo!? Welche sachlichen Prüfungen? Diese finden seit dem übereilten Marsch an die B 214 im Osten der Stadt überhaupt nicht mehr statt, und gäbe es nicht die BI Arenawahn, würde niemand mehr über den zentralen Standort Emslandhallen ein Wort verlieren.
Die FDP lässt Blasen sprechen, die vor allem Eines nicht beachten und thematisieren: Die Finanzfrage. Eine Partei, die die Altenwohnungen der Stadt verkaufen wollte, weil sie Geld kosten, und die Wilhelmshöhe sowieso und überhaupt alles, was Steuergeld kostet, verliert kein Wort über die 35-Mio, die für die Emslandarena aufzuwenden sind und die 2,5 Mio, die das Projekt künftig im Jahr kostet. Weil das gleichermaßen beachtlich wie irrational ist, schenke ich heute der Freien Demokratischen Partei und ihrem Lingener Frontmann Jens Beeck kollegialiter zum Wochenende sowie zu „60 Jahren Bundesrepublik – meist mit der FDP“ diesen 60 Jahre alten Beitrag von Jupp Schmitz zum Thema:
… und in der Ausschuss-Sitzung am 11.11. (!) erwarte ich nicht nur hierfür textsichere Aufgeschlossenheit, lieber Jens Beeck.
Fahrkarte
4. November 2009
Noch in der letzten Zusammenkunft des Planungs- und Bauausschusses hatten sich die CDU-Leute außerordentlich schwer getan. Sie wollten nichts von meinem Vorschlag wissen, die Stadt solle die Kosten der Sachverständigen der Berliner Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter der Bürgerinitiative (BI) Arenawahn übernehmen. Sie haben bekanntlich die Machbarkeit des Standorts Emslandhallen für die Emslandarena -so sie denn bezahlt werden kann- errechnet. Genau der war bisher bekanntlich als mit „zu viel Soziallärm“ verbunden eingestuft worden.
Nun erfahre ich heute, dass die CDU-Vorsitzende Vennegerts dies gesagt hat: „Es verdient Respekt, dass die BI die Kosten für das Gutachten selbst aufgebracht hat. Daher haben wir die Stadtverwaltung gebeten, die Kosten für die Anreise der Gutachter von Seiten der Stadt zu tragen.“ Man wolle alles dafür tun, sich von kompetenter Seite ein umfassendes Bild über die Sachlage zu machen.
Gefragt hab ich mich, ob damit nur die Kosten für die Fahrkarte gemeint sein könnten, die dem Chef Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter erstattet werden sollen. Der hat übrigens persönlich gestern mit den BI Vertretern Lingens OB Pott seine Stellungnahme erläutert, wobei der sich in Widmungsfragen der Darmer Hafenstraße verloren haben soll (anderes Thema). Aber dann hab ich mich dazu entschlossen, Swenna Vennegerts für nicht so kleinkariert zu halten.
(Foto: © GFM, pixelio.de)
Souverän
28. Oktober 2009
…ist anders. Am 11.11. will sich der Planungs- und Bauausschuss der Stadt treffen und das neue, von der BI Arenawahn eingeholte Gutachten zur geplanten 35-Mio-Projekt Emslandarena diskutieren. Offiziell dann mit dabei, ein Rechtsanwalt und der Lärmgutachter Dipl.-Ing. Christoph Blasius der lokalen Ingenieurgesellschaft Zech Gmbh; sie hatte errechnet, dass eine Emsland-Arena an den bisherigen Emslandhallen zu laut sei. Die von der BI Arenawahn beauftragte Berliner Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter kommt auf der Grundlage derselben Zahlen zu einem ganz anderen Ergebnis. Nach ihrem Gutachten ist eine Emsland-Arena an den bisherigen Emsland-Hallen nicht zu laut.
Als wir im Planungs- und Bauausschuss der Stadt dazu heute diskutierten, meinte Stadtbaurat Georg Lisiecki ernstlich, man könne ja die Sitzung am 11.11. unterbrechen, und in der Sitzungspause der BI Arenawahn und, wenn sie wolle, auch ihrem Gutachter Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Daraufhin habe ich vorgeschlagen, die BI Arenawahn und ihren Gutachter offiziell einzuladen und anzuhören und den Berliner Gutachter auch zu bezahlen. Schließlich würde es im Interesse der Sache sein, eine optimale und richtige Entscheidungsgrundlage zu erreichen.
Da hättet Ihr sie mal sehen sollen – die Bedenkenträger aus der CDU-Mehrheit! Das gehe ja gar nicht. Den Gutachter habe man nicht beauftragt und müsse ihn auch nicht bezahlen. Das könne doch die BI tun. Es reiche, in einer Sitzungspause… Zur Erinnerung: Die CDU/FDP-Pläne, eine Emsland-Arena nahe der Hedonklinik zu bauen, verursachen gegenüber dem Standort an den Emslandhallen jährliche Mehrkosten von mehreren Hunderttausend Euro. Das Geld ist also da. Aber einige Hundert Euro für einen renommierten Gutachter aus Berlin? Wo kommen wir denn da hin!
Ganz seltsam schien mir die Ablehnung von FDP-Ratsherr Jens Beeck, das genaue Gutachten im Ausschuss auszuwerten. Er hielt jede Diskussion für überflüssig, weil alles entschieden sei. Dis Diskussion, so Beeck, sei in die Vergangenheit gerichtet. Es gebe doch bereits einen Beschluss, einen Baubegleitenden Ausschuss und außerdem den Werksausschuss des Eigenbetriebs Emslandhallen. In wie vielen städtischen Ausschüssen man das Projekt denn besprechen wolle, fragte der FDP-Mann. Meine Gegenposition war simpel: Die Stadt wolle einen Bebauungsplan aufstellen. Diese Planung habe im zuständigen Planungs- und Bauausschusses, erst danach der anschließende Bau im baubegleitenden Ausschuss und der sich anschließende Betrieb im Werksausschuss „Emslandhallen“ behandelt zu werden. Außerdem gebe es auch den Beschluss, für die Emsland-Arena den Bebauungsplan der Emslandhallen zu ändern. Man solle doch alles tun, die beste Lösung zu erreichen. Dafür müsse der Ausschuss alle Informationen haben und auswerten.
Merke: Manchmal gibt es auch Ratskollegen, die sich standhaft weigern, schlauer zu werden. Die wissen dann auch nicht, dass der Landkreis Emsland zwar einen Zuschuss von 5 Mio Euro für das umstrittene Projekt zahlen will, dies aber nur in fünf jährlichen Raten a 1 Mio. Bei 5 %iger Verzinsung entsteht durch die Ratenzahlung und die notwendige Zwischenfinanzierung ein Zuschussverlust von bis zu 600.000 Euro. Die 5 Mio Euro sind also bei ehrlicher Rechnung allenfalls rund 4,5 Mio Euro. Dieselben Kollegen hoffen auch tapfer, dass man über die wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen („Delle„) hinwegsehen möge, um das Prestigeprojekt doch noch zu realisieren.
Und das alles für eine Sitzung am 11.11.. Narhallamarsch!
Nachtrag und Korrektur: Es ist natürlich nicht ein Rechtsanwalt am 11.11. dabei, den die Stadt bestellt und bezahlt hat (Wer hat das eigentlich wo beschlossen?) . Nein, nicht einer – es werden voraussichtlich gleich drei sein. Und wie das gekommen sein dürfte, erzähl ich später.
(Foto: © S. Hainz, pixelio)
Geht doch!
21. Oktober 2009
Conny Spielmanns schickt mir heute diese Presseerklärung der BI Arenawahn. Die zentrale Aussage: Es geht doch! Die Emslandarena kann am Standort der Emslandhallen an der Lindenstraße gebaut werden, haben renommierte Lärm-Sachverständige auf der Grundlage der vorgelegten Zahlen errechnet. Ich sage voraus, dass jetzt die Lärm-Gutachter der Fa Zech alles daran setzen, ihre „Geht-nicht-Zahlen“ zu rechtfertigen.
Die neue Stellungnahme bringt eine spannende Entwicklung, die nur von der noch spannenderen Frage überboten wird, wieviel Geld die Stadt Lingen (Ems) eigentlich im kommenden Jahr und 2011 (nicht) hat, um sich die Arena zu leisten. Aber vielleicht gibt es ja auch einen Schattenhaushalt wie anderswo. Der müsste aber bis 2014 eingerichtet werden. Denn die angekündigten 5 Mio Euro Zuschuss des Landkreises Emsland werden nur in jährlichen Raten von je 1 Mio Euro fließen. Das hat auch kaum jemand gewusst, oder Sie etwa?
„Gutachten belegt: Emslandarena kann am Standort Lindenstraße gebaut werden!
Der Bürgerinitiative ARENAWAHN Lingen liegt seit Freitag der vergangenen Woche das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten der renommierten Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter aus Berlin vor. Basierend auf dem Zahlenmaterial der Firma Zech, Lingen, und der von der Verwaltung bereits im Jahre 2008 durch die Wenzel Consulting AG, Hamburg, angefertigten Machbarkeitsanalysen I + II, erarbeitete das Büro Hoffmann-Leichter mehrere Alternativkonzepte, die zweifelsfrei beweisen, dass dem Bau der neuen Emslandarena an der Lindenstraße nichts im Wege steht.
Die BI und deren Unterstützer sind froh darüber, dieses Gutachten präsentieren zu können. Den Mitgliedern der BI, interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Vertretern aus SPD und Bündnis90/die Grünen wurden bereits in einer ersten öffentlichen Versammlung am 20.10.2009 das Gutachten und die dazugehörenden Erklärungen im Rahmen einer Powerpoint–Präsentation vorgestellt.
Einhellig wurde von allen Teilnehmern begrüßt, dass bei der Erstellung der Alternativkonzepte die vorgeschriebenen lärmtechnischen Grenzwerte bei der umliegenden Wohnbevölkerung nicht nur eingehalten, sondern zum Teil sogar deutlich unterschritten wurden. Darüber hinaus fand die besondere Akzentuierung des Gutachtens auf die städtebauliche Entwicklung dieses innerstädtischen Areals viel Beifall, da so z.B. ein „Wohnen am Wasser“ am Alten Hafen sowie die Ansiedlung eines gehobenen Tagungs- und Business-Hotels ermöglicht werden kann.
Die bei der gleichzeitigen Nutzung der jetzigen Emslandhallen und der neuen Emslandarena entstehenden Synergieeffekte lassen damit auf einer Fläche von über 7.000 m2 ein Veranstaltungs- und Multifunktionszentrum entstehen, das selbst von größeren Städten wie Osnabrück und Münster nicht geboten werden kann. Damit hätte die Stadt Lingen auf diesem wichtigen Sektor einen Alleinstellungsanspruch in der Region.
Möglich wurden diese umfangreichen Planungen, da die gewonnene Ingenieursgesellschaft Hoffmann-Leichter sich als Spezialist auf den Gebieten der Verkehrsplanung, der Straßenverkehrstechnik sowie des Immissionsschutzes und der Projektsteuerung betätigt und als absolutes Schwergewicht der Branche gilt (www.hoffmann-leichter.de). Unter anderem war Hoffmann-Leichter an der Konzipierung der größten deutschen Arena, der O2-Arena in Berlin, beteiligt und war bei der Entwicklung des Verkehrskonzeptes federführend.
Wir werden weiterhin umfassend berichten. Unsere Versammlungen finden jeweils dienstags um 20.00Uhr im Bürgerzentrum Gauerbach statt. Nähere Informationen gibt es auf unserer Homepage unter www.emslandarena.info oder www.bi-arenawahn.de
(Foto: Emslandhallen; © Stadt Lingen)
billig
20. Oktober 2009

Es sind immer die Kleinigkeiten im öffentlichen Raum einer Kommune, die die Verbundenheit derjenigen Personen mit ihrer Stadt zeigen, die die Verantwortung für die Gestaltung tragen. Oder deren nichtverbundene Gleichgültigkeit – wie viel zu oft in Lingen. Zum Beispiel: Die Große Straße ist neu gepflastert. Schlampige Arbeit, wie ich finde. Oder was halten Sie von den Anschlüssen, die in das im Reihenverband verlegte Klinkerpflaster hineingepfuscht worden sind? Das Foto links ist nur ein Beispiel für mehr als ein Dutzend dieser Pflasterschlampereien allein in dieser Straße.
Es interessiert aber offenbar niemanden im Rathaus, wie hier gearbeitet worden ist. Die Gleichgültigkeit der Verantwortlichen ist das hinter schlechter handwerklicher Arbeit steckende Problem.
Auch an anderen Stellen kann man solcherlei erkennen. Zum Beispiel in der Klasingstraße/Gymnasialstraße. Vor 20 Jahren wurde der Eingang zum historischen Stadtkern mit Pflanzhochbeeten markiert, in die Bäume gepflanzt wurden. Die Pflanzbeete selbst waren mit Bockhorner Klinker gemauert , ihr Rand sorgfältig mit Bockhorner Rechtecksteinen mit Abrundung.
Nun kam man im Rathaus auf die Idee, die Klasingstraße neu zu gestalten. Abgesehen von den Unzulänglichkeiten bei der Ausführung zeigen diese Bilder, wie gedankenlos hässlich ein Umbau erfolgen kann, wenn einem die Funktion und die Gestaltung aus den 80er Jahren gleichgültig egal ist. Die Innenstadtgestalt Lingens wird seit den 1970 Jahren durch das Bockhorner Klinkerpflaster geprägt; in der Gasse am historischen Rathaus zwischen Extrablatt und Piano liegt übrigens sogar seit fast 90 Jahren ähnliches Pflaster; es ist das inzwischen älteste Straßenpflaster Lingens und ist vor 25 Jahren eigens aufgenommen und sorgsam neu verlegt worden. Am Beginn der Klasingstraße ist der Bockhorner Klinker jetzt gedankenlos an- und abgesägt und durch unglaublich hässliche Betonrundlinge ersetzt worden. Außerdem gibt es diese künstlich-rot gefärbten Betonsteine für den Radweg.
War aber bestimmt so, wie es aussieht: Billig:
Hajo
8. Oktober 2009


Der freundliche Herr
auf den beiden Bildern des Lingener Andreasplatzes ist derselbe: Hans-Joachim („Hajo“) Wiedorn, Chef des sozialdemokratischen Fähnleins im Lingener Stadtrat wollte die fünf Platanen retten. Doch was ist die von der CDU-Mehrheit im Stadtrat beschlossene, seit heute aktuelle Realität. Na? Raten Sie doch mal!
Und vielleicht erinnern Sie sich auch an andere platanenmäßige Ereignisse, die in dieser Stadt für gleichartige Furore gesorgt haben. Na? Raten Sie doch noch mal!
Zur Abrundung der Geschichte noch dies,
zur Historie jenes.
© Foto links: SPD Lingen, Foto rechts ebenso, jedenfalls zum menschlich wichtigsten Teil
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Transparent
31. August 2009
Vor dem Lingener Haus Marienstraße 16, dem langjährigen „Hotel zur Post“, gelegen direkt gegenüber des Eingangs der „Lookentorpassage“, hängt seit ein paar Tagen ein Transparent (Foto). Es soll Investoren locken, und es zeigt, wie sich Investor Josef Berning das künftige Äußere dieses Baudenkmals vorstellt: Ein die Proportionen, die Gliederung und das Erscheinungsbild des Gebäudes radikal vernichtendes Glastor, das den Weg zu einer großflächigen Verkaufsfläche im Inneren eröffnen soll.
Warum ist das so?
Der ehemalige Stadtbaurat Nikolaus Neumann konnte in den 1980er Jahren den Stadtrat davon überzeugen, die historischen Gebäude der Stadt in einer beeindruckenden Buchdokumentation festzuhalten: Baldur Kösters „Lingen -Architektur im Wandel von der Festung zur Bürger- und Universitätsstadt bis zur Industriestadt (bis 1930).“ Das Buch ist Neumanns bleibender Verdienst und Mahnung zugleich. Der Berliner Architekt Baldur Köster hat in ihm die Architektur in Lingen beschrieben und u.a. dargelegt, dass das Gebäude Marienstraße 16 zwischen 1875 und 1890 errichtet wurde. Es ist ein
„zweigeschossiges, massives Wohnhaus mit schwach geneigtem Satteldach, traufenständig zur Marienstraße. Sichtbares Mauerwerk mit ähnlichen Schmuckformen wie am (Nachbar-)Haus Nr. 14. Teilung der Fassade horizontal durch die Sockelleiste, Gurtleiste und Gesimsleiste, vertikal durch Lisenen. Auch hier sind die Brüstungsfelder durch Keramikplatten geschmückt. Die Traufseite ist fünfachsig geteilt, die Giebelseite dreiachsig.“
Bei der Aufstellung des gültigen Bebauungsplans vor knapp 20 Jahren wurde das villenartige Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Damals erkannten die Ratsvertreter: Es gibt nicht mehr viele Häuser aus dieser Gründerzeitperiode. Seither geht es seltsamerweise mit dem Haus bergab. Vertraglich verpflichtete sich zwar 2004 Investor Josef Berning dazu, das Baudenkmal Marienstraße 16 zu erhalten; zuvor hatte er es von der reformierten Kirchengemeinde erworben. In dem Vertrag eröffnete ihm im Gegenzug die Stadt Lingen (Ems) die Möglichkeit, den großen Bereich zwischen dem Gebäude und der Straße „Am Pulverturm“ fast vollständig zu bebauen. Seither tut Josef Berning für das Haus nichts, um sein gegebenes Wort zu erhalten. Im Gegenteil: Er lässt das Haus verfallen, dessen Erwerb ihm niemand aufgezwungen hat.
Der Vertragsbruch ist für OB Heiner Pott, Stadtbaurat Georg Lisiecki und die CDU, wie es aussieht, kein Problem. Dort wird offenbar nur erwartet -Sie kennen schon diese Handlungsmaxime- dass Josef Berning „Geld in die Hand“ nimmt und irgendwas macht. Eigentlich ist es egal, was er dann macht, so scheint es. Bisweilen ist die Rede vom „Schandfleck, der weg müsse“ und dann behauptet der vertragsbrüchige Investor auch noch, dass Haus Marienstraße 14 sei mit wirtschaftlichem Aufwand nicht zu erhalten – übrigens nicht ohne sich zugleich eine Bescheinigung zu sichern, dass es ein Baudenkmal im Sinne von § 82 i Einkommensteuer-Durchführungsverordnung sei. Während Heiner Pott in seiner Neujahrsansprache 2008 ankündigte, der niederländische HEMA-Konzern werde dort ein Kaufhaus eröffnen, wissen die Holländer nichts davon. Die Folge: Jetzt ist das Haus mit dem erwähnten überdimensionierten, im Ziegelmauerwerk verdübelten Transparent teilverhüllt. Das heißt unverhohlen: Es naht sein Ende. Die politische Mehrheit wird dies abnicken. Man kennt sich. Deshalb unternimmt auch niemand etwas gegen den schäbigen Zustand und den zunehmenden Verfall des Hauses. Man lässt machen, auch die neuen, auf dem Transparent angeschlagenen Pläne hat der zuständige Ratsausschuss nicht gesehen. Er wird der Vernichtung des Baudenkmals sowieso zustimmen.
Dabei drängt sich geradezu auf, wie das Baudenkmal Marienstraße 16 erhalten werden kann, nämlich durch einen seitlichen, zum Haus Marienstraße 14 gelegenen Zugang. Etwas zurückhaltender als das „angedachte“, reichlich prollig wirkende Glastor, aber dafür den Charakter des Hauses aus dem 19. Jahrhundert schützend.
Leider ist es nach dem Abgang von Baurat Nikolaus Neumann so, dass im Lingener Rathaus niemand mehr Respekt vor Baudenkmälern hat. Sie werden daher nicht so behandelt, wie man das ohnehin nur sehr schmale kulturhistorische Erbe in unserer Stadt behandeln darf. Selbst das historische Rathaus von 1663 sieht daher inzwischen fast so aus wie eine Eisbude in Miami; dafür sorgt eine seltsame abendliche Beleuchtung, die aber modern sein soll. Um leicht abgewandelt dem amtierenden Stadtbaurat sein eigenes Zitat unterzuschieben : „So beleuchtet man eben heutzutage!“ Hinzudenken dürfen Sie mit Blick auf das Haus Marienstraße 16: „So beseitigt man eben heutzutage Baudenkmale!“ Und die Identität der Stadt gleich mit.



