DIE HAPPY
13. Dezember 2009
DIE HAPPY spec. Guest: MODERN DAY HEROES
Donnerstag, 17. Dezember 2009, 20:00 Uhr, Alter Schlachthof, Lingen (Ems)
was fehlt
8. Dezember 2009
Lingen hat die Chance, raumordnerisch ein Oberzentrum zu werden, längst nicht mehr. Auch sonst gibt es Dellen und Defizite. Es fehlt
a) seit neuestem wieder ein Fischgeschäft, nachdem das „Fischparadies“ aus der Lookenstraße nach Lohne verzogen ist,
b) ein Bussystem, das den Namen öffentlicher Personennahverkehr auch verdient
c) ein Käseladen, wie das wunderbare Käsegeschäft von De Goey in der Leeraner Mühlenstraße,
d) ein Hutgeschäft,
e) ein „Platten“laden jenseits von Mediamarkt,
f) ein Sozialgericht
g) preiswerte Studentenzimmer,
h) ein Museum für jüdische Regionalgeschichte,
i) mehr gute Hotelzimmer im Zentrum,
j) eine wirklich gute Kaffeebar (guckst Du hier und hier; das wär doch was für die verkommene Denkmalschutztankstelle an der Bernd-Rosemeyer-Straße),
k) ein ordentlicher Mittelbahnsteig
l) ein Restaurant oder Lokal in der Innenstadt, in dem man Freitagabends um 23.00 Uhr noch essen kann,
m) eine kleine Hausbrauerei, wie sie z.B. gaaaanz früher im Hellmann’schen Haus in der Burgstraße die Studis erfreute,
m) der ZONE-Laden mit trendiger Mode für junge Leute,
o) öffentlicher kostenloser freier Internet-Zugang im Stadtgebiet,
p) der Anschluss an das NRW-Ticket,
q) der Grüner Jäger unter alter Leitung erl. 8.12.
r) die alten Platanen im Stadtkern
Die Liste ist natürlich willkürlich und unvollständig. Sie enthält bloß meine unsortierten Ideen der letzten zehn Minuten und soll anregen. Wer ergänzt sie?
Chuzpe
8. Dezember 2009
Chuzpe ist -so wikipedia – “ eine Mischung aus zielgerichteter, intelligenter Unverschämtheit, charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit.“ Man spricht von ihr, wenn jemand in einer eigentlich verlorenen Situation mit Dreistigkeit noch etwas für sich herauszuschlagen versucht. Intelligent, charmant und unwiderstehlich ist hier eigentlich nichts. Trotzdem: Mit Chuzpe präsentiert die CDU diesen Antrag für die nächste Ratssitzung am 17.12. :
Frech und dreist ist dieser Antrag und zwar deshalb, weil die CDU selbst mit ihrem Ja zum Abriss der Scharnhorstkasernen das Problem erst geschaffen hat. Jetzt will sie also kommunale Steuergelder in die Schaffung von gerade von ihr vernichteten Wohnungen für Studenten stecken. So verschwendet man schamlos die Einnahmen der Stadt. Die CDU will mit Ihrem Geld ein Problem lösen, das die CDU selbst sehenden Auges und ganz bewusst erst geschaffen hat.
Sie merken: Mir bleibt angesichts des CDU-Vorstoßes gerade die Spucke weg. Denn hätte die CDU nur ein paar Kasernengebäude an der Gelgöskenstiege erhalten, hätte es für Hunderte von Studenten wirklich günstigen Wohnraum gegeben. Die Kasernen waren bekanntlich tiptop in Schuss, und boten Raum – längst nicht nur für studentisches Wohnen. Sie erinnern sich? Bis heute weiß ich nicht, weshalb die CDU diesen intakte Wohnraum und diese Gebäude zerstören musste. Sie hat dabei Millionenwerte vernichtet und alle anderen Chancen gleich mit – bekanntlich nicht nur für preiswerten Wohnraum.
Glühweintreff
6. Dezember 2009
Nicht einmal die Überschrift „Vorne hui, hinten pfui“ hätte gepasst. Der auch in diesem Jahr reichlich zusammengestoppelte Lingener „Weihnachtsmarkt“ ist eigentlich vorn wie hinten eher pfui und sowieso zum Glühweintreff verkommen. Es fehlt die Bereitschaft der Verantwortlichen, ihn kritisch zu sehen. Das sollte zwar kein Selbstzweck sein, aber doch dazu beitragen, dass Lingens Weihnachtsmarkt einfach besser wird. Genau vor einem Jahr habe ich den Budenzauber schon einmal aufs Korn genommen.
Es hat sich nichts geändert. Im Gegenteil. Es ist auch dieses Jahr ein gedankenloser Budenzauber entstanden.

Also ein zweiter Anlauf:
Die grundlegende Erkenntnis: Der Lingener Weihnachtsmarkt hat mit Weihnachten weniger zu tun als mit Glühwein. Inzwischen kann man sich gar noch in einer Großhütte nahe der CDU-Zentrale „warm und mollig“ betrinken. Auf dem Weihnachtsmarkt kann -sofern die Anlage funktioniert- Schlittschuh gelaufen werden. Wer daran Spaß hat, soll es tun. Aber warum soll das alles ein Weihnachtsmarkt sein?
Auf meinen heutigen Fotos können Sie sehen, wie weihnachtlich er tatsächlich ist – unser Lingener Weihnachtsmarkt. Es gibt nicht einmal Grün auf der Rückseite der Buden.
Inhaltlich ist sowieso tote Hose, jedenfalls seitdem es keine Bühne mehr gibt; da soll es einen Verantwortlichen gegeben haben, der die Bühne als „dunkles Loch“ bezeichnet hat. Ob er dabei nüchtern war? Man kann es bezweifeln. Stattdessen gibt es die Eisbahn, die gefühlte zehn Tage brauchte, um Eisvergnügen zu vermitteln. Vorher war es -wieder mal- zu warm und/oder die georderten Eismaschine zu schwachbrüstig.
Also: Was tun? Hier ein paar Möglichkeiten:
a) Alles so lassen und weitertrinken. Merke: Ist der Mensch erst mal alkoholisiert, merkt er eh nichts.
b) Jenseits der Stadtgrenzen andere Weihnachtsmärkte anschauen und strikte Gestaltungsregeln einführen.
Merke: Auch anderorts gibt es Menschen, die gute Ideen haben; und es sind immer die kleinen, feinen Ideen, die den notwendigen Charme vermitteln.
c) Ein tägliches Kulturprogramm bieten. Merke: Ein dunkles Loch ist nicht die Bühne sondern nur im Kopf desjenigen, der es beklagt.
d) Die Eisbahn in den kalten Februar verschieben, wenn -außer dem Wochenmarkt- reinweg gar nichts auf unserem Markt los ist.
Haben Sie weitere Vorschläge und Ideen?
Weihnachtsrätsel
6. Dezember 2009
Zum Adventskalender hat es auch in diesem Jahr nicht gereicht. Der Arbeitsstress hält mich ebenso in Trab wie vom Blog etwas fern. Aber ich gönne meiner Leserschaft ein Weihnachtsrätsel. Lingen im Dezember 2009. Und meine Rätselfrage lautet:
Unsere neu gepflasterte Lookenstraße. Was fehlt hier?
Als ersten bis dritten Preis gibt es je eine Robertsblog-Tasse und die E-Mailadresse des Lingener Stadtbaurats, damit Sie es ihm schreiben und er es dann auch merkt. Also bitte eine E-Mail an meine Adresse. Einsendeschluss ist der 20.12.09, 12.00 Uhr.
Balve
29. November 2009
http://twitter.com/pegamo/statuses/6120585770
:-/ Ich habs 3x gelesen und versteh es immer noch nicht.
Nachgegoogelt fand ich schnell diese Information:
Die Deutschen Meisterschaften Springen und Dressur werden im kommenden Jahr an getrennten Orten, aber einheitlich vom 4. bis 6. Juni stattfinden. Die Dressur-DM soll in Lingen im Rahmen des Internationalen Dressurfestivals stattfinden, in Balve treten die Springreiter an. Hintergrund dieser Aufteilung ist ein Kompromiss. Um der Fussball-WM in Afrika und den damit verbundenen TV-Übertragungen bei ARD/ZDF auszuweichen, bemühte sich Balves Turnierchef Dieter Graf Landsberg-Velen um einen früheren Termin.
Ursprünglich war die DM in Balve für den 10. bis 13. Juni 2010 terminiert worden. Das Dressurfestival in Lingen vom 4. bis 6. Juni wird nun neuer DM-Standort Dressur, dafür rückt Balve auf das gleiche Wochenende und verzichtet auch auf Dressur-Rahmenprüfungen. Stattdessen wird die Springreiter-DM aber erneut in ein CSI eingebettet
Quelle: www.pferdenachrichten.de
Merke, lieber E-Mailschreiber:
Balve ist ein Städtchen in Südwestfalen. Lingen sind wir.
Grafik: Stadtwappen Balve
Zwischenmeldung
24. November 2009
Heute, einen Monat vor Heiligabend, sendet die Ems-Vechte-Welle diese Zwischenmeldung
24.11.09 / 07:35
CDU im Lingener Stadtrat will Emslandarena nun doch an Lindenstraße bauenLingen. Die CDU im Lingener Stadtrat will nun doch, dass die Emslandarena am Standort der jetzigen Emslandhallen gebaut wird. Das geht aus einer Pressemitteilung der Union hervor. Wichtig sei allerdings, dass alle planerischen, juristischen und finanziellen Voraussetzungen erfüllt werden könnten. Der Standort an der Frerener Straße sei damit noch nicht vom Tisch. Priorität genieße jetzt aber wieder die Lindenstraße. Zudem will die CDU-Stadtratsfraktion offenbar auch noch einmal über die Größe der Veranstaltungshalle diskutieren. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir noch einmal neu nachdenken und diese anpassen“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Swenna Vennegerts. Die ursprünglichen Planungen für die Emslandarena sehen fünf Tausend Plätze vor.
In der entsprechenden CDU- Presseerklärung wird dann noch heftig mit Worten gelingelt (einstimmig, Bekenntnis, nach vorn preschen…); doch das ist eher amüsant und ich erwähne es nur am Rande. „Einstimmig“ ist dabei besonders charmant.
Nun, offenbar ist in Lingen so alle fünfzehn, zwanzig Jahre eine Bürgerinitiative tatsächlich erfolgreich: Anfang der 1970er Jahre die Initiative für ein unabhängiges Jugendzentrum, um 1990 die Initiative für eine Gesamtschule in Lingen und jetzt 2009 die BI „Arenawahn“. Das Arenabauwerk gegenüber der Hedonklinik ist offenbar vom Tisch und das ist gut so.
Was aber ist jetzt zu tun? Die „Arenawahn“-Fragen sind längst nicht beantwortet.
Vielmehr ist jetzt erst einmal zu untersuchen, ob die Emslandarena überhaupt bezahlbar ist. Sie wissen, die „Delle“ ist ein ernstes Thema und die notwendige Frage dazu lautet: Wie entwickeln sich die kommunalen Finanzen in Zeiten der Wirtschaftskrise? Ich kenne die Antwort nicht, aber ich verlange eine ehrliche und keine populistische Antwort. Es ist die bei weitem wichtigste Frage für dieses Projekt.
Daneben muss das Konzept der Emslandarena klar sein. „Bei Sitzplätzen, Hallengröße und dem Parkplatzangebot wollen wir … diese anpassen“, sagt die CDU. Also will sie eine (um wieviel?) kleinere Halle. Macht das Sinn? Dies kann man nur beantworten, wenn die Konzeption auf dem Tisch liegt.
Dann muss der Lärmschutz geklärt sein. Jenseits aller Definitionsprozesse haben alle Anwohner, insbesondere die im Wohngebiet am Pumpenkolk einen Anspruch auf Schutz vor Lärm. Dies beinhaltet auch passiven Lärmschutz, z.B. den Einbau entsprechender Fenster. Ob der südliche Pumpenkolk aber ein „Reines Wohngebiet“ nach der Defintion des Bauplanungsrechts bleiben muss oder nicht, muss diskutiert werden.
Parkraum ist ausreichend vorhanden. Die Tiefgarage unter der Lookentorpassage und der P-Platz an der Berufsakademie und der Halle I/II bieten zusammen mit den Parkhäusern am Rathaus, am Medicus-Wesken-Gesundheitszentrum, am Emslandstadion und auf dem Festplatz selbst allemal genügend freien Parkraum in den Zeiten, in denen die Emslandarena betrieben würde, so dass auf dem Kirmesplatz kein Parkhaus benötigt wird. Parkraum nur für einen Nutzer vorzuhalten, ist eine Verschwendung von Raum und Geld. Das kann man sich wirklich sparen!
Also Freunde, jetzt geht’s zwar nicht erst los mit den ernsthaften Diskussionen. Aber zu Ende sind sie keinesfalls.
Noch dies: Die lokale FDP schweigt seit zwei Wochen auf ihrer Internetseite. Was soll sie auch sagen? Die Truppe um Jens Beeck steht im Abseits auf einem Acker an der B 214 und ist ganz allein. Da landet man im Regen, wenn man sich aus demokratsichen Diskussionen zugunsten vermeintlicher Standhaftigkeit ausklinkt. Sie ist einer der Verlierer der Entwicklung. Ein anderer heißt mit Vornamen Georg.
Wortlaut
11. November 2009
Einmal mehr gedachten mehrere Dutzend Lingenerinnen und Lingener am Montagabend der grauenhaften Vorgänge des 9. November 1938. Einmal mehr auch fiel mir auf, dass wieder kein offizieller Vertreter der katholischen Kirchengemeinden Lingens bei der Veranstaltung am Gedenkort Jüdische Schule zugegen war. Zum Nachlesen hier im Wortlaut die Rede, die Dr. Heribert Lange, stellv. Vorsitzender des Arbeitskreises Juden Christen, bei der Gedenkveranstaltung hielt:
Sehr herzlich möchte Sie alle, junge und alte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Lingen, am Ort des Pogroms vom 9. November 1938 gegen die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Lingens und ihre Einrichtungen begrüßen – des Pogroms, dessen wir auch in diesem Jahr wieder gedenken wollen und dessen wir soeben im ökumenischen Gottesdienst in der Trinitatis-Kirche im gemeinsamen Gebet gedacht haben.
An dieser Stelle, an. der wir uns heute Abend versammelt haben, stand, bis sie am 9. November in einem von den Nazis über das gesamte damalige deutsche Reich entfachten Flammenmeeer versank, die jüdische Synagoge. –
Als der Gründervater vom Forum Juden Christen, Josef Möddel, sich in den 1970er Jahren erstmals auf den jüdischen Friedhof unserer Stadt begab, da fand er ihn verrottet und verwahrlost vor und offenbar auch zum Steinbruch verkommen; denn eine Reihe der Gedenksteine auf den Gräbern war nicht mehr da,
Als nach Wiederherrichtung des Friedhofs Bernhard Grünberg, der mit 15 Jahren als einziger seiner Familie dem Holocaust durch die Flucht mit einem Kindertransport nach England mit geraumer Not entkommen war, als inzwischen betagter Mann nach Lingen zurückkehrte, beschloss er, für seine Familie, die nach Riga verschleppt worden war und im dortigen Ghetto den Tod fand, einen Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof aufzustellen, und er beschloss auch, sich am Ende seines Lebens an dieser Stelle beisetzen zu lassen. Indessen bedurfte es einiger Mühe, Überzeugungsarbeit und Entschlossenheit, um alle Beteiligten dann auch davon zu überzeugen, dass nur das Wort „ermordet“ als einzig authentische Bezeichnung für den Tod seiner Familie tauge und darum auch so auf diesem Gedenkstein zu stehen habe.
Helga Hanauer schließlich, die als Kind den Holocaust in Holland unter der fürsorglichen Obhut wahrlich gottgefälliger Ordensfrauen überlebt hatte, geriet die völlige Außerachtlassung der Geschichte der jüdischen Familien Lingens während der Naziherrschaft bei der Aufzeichnung der 1000 jährigen Stadtgeschichte – ebenfalls in den 1970-er Jahren – zu aussichtsloser und darum tödlicher Enttäuschung.
Hannah Arendt, die große jüdische Autorin und Vordenkerin hat gesagt:“ Bewältigen können wir die Vergangenheit nicht, so wenig wie wir sie ungeschehen machen können. Wir können uns aber mit ihr abfinden. Die Form, in der dies geschieht, ist indessen die Klage, die aus aller Erinnerung steigt.“ Und sie sagte weiter:“ Sofern es überhaupt ein Bewältigen der Vergangenheit gibt, besteht es im Nacherzählen dessen, was sich ereignet hat. Es regt zu immer wiederholendem Erzählen an: der Dichter in seinem sehr allgemeinen, der Geschichtsschreiber in einem sehr speziellen Sinn. haben die Aufgabe, dieses Erzählen in Gang zubringen und uns in ihm anzuleiten.
Wenn wir uns heute hier und in inzwischen guter Tradition alljährlich an die Aufgabe machen, an das Unrecht des Nazitenors zu erinnern und seiner zahllosen Opfer gedenken, dann versuchen wir das in Hannah Arendts Weise, damit der unvorstellbare, unsägliche und wahnsinnige Völkermord niemals in Vergessenheit geraten möge; wir tun dies aber auch, um den Millionen. Toten durch unser Gedenken, wenn es denn Verzeihung und Vergebung kaum, vermutlich nie geben kann. um ihnen allen .durch. unsere Ehrerbietung und die Trauer um das furchtbare Opfer ihres millionenfachen Tods ihre Würde zurückzugeben – die Menschenwürde, das wichtigste Unterpfand und im Übrigen auch. Organisationsprinzip jeder Gesellschaft, die auf den Grundsätzen des Humanismus oder des Glaubens ihrer Menschen gründet.
Die, Juden und Christen gleichermaßen “Heilige Schrift“ erklärt uns unsere Herkunft gemäß dem Schöpfungsakt im 2. Kapitel des Buches Genesis im 7. Vers:
„Dann formte Gott den Menschen aus der Erde des Ackerbodens und blies in seine Nase den Odem des Lebens. So wurde der Mensch zu (s)einem lebendigen Wesen“. Wir haben gelernt zu sagen: Gott schuf den Mensch nach seinem Bild und Gleichnis. Würde und Menschenwürde, die wir uns zurechnen, sind uns so vom Schöpfer zu Lehen gegeben und an keiner Stelle dieses Buchs oder in einer anderen weltlichen oder Religionsverfassung steht geschrieben, dass sie, die Menschenwürde, nur den einen zukommt und den anderen nicht. Denn nach dem Plan Gottes sind alle Menschen derselben Abkunft. und ihre Würde ist demselben, seinem Geist geschuldet. Und dennoch haben Christen und Juden, obwohl als Kinder desselben Schöpfers beide gleich, die einen gegen die anderen, sich gleich den biblischen Brüdern Kain und Abel und wie diese gegeneinander erhoben, indem die einen die Ebenbürtigkeit der anderen wie mit dem mörderischen Anschlag des Kain gegen seinen Bruder zunichte machten.
Für die Christen und ihre Kirchen wurde der Antisemitismus zu ihrem Kainsmal und durchzieht seit es Christentum gibt., unheilvoll die Geschichte der Menschheit: Die Ungleichheit von Menschen, das Infragestellen ihrer gleichrangigen Würde, die Idee vom Übermenschen oder der Überlegenheit einer besonderen Rasse, womöglich der so genannten nordischen Rasse, und die mindere Achtung der Kleineren, der Ärmeren, der Anderen – dies alles sind Haltungen, die der Spur der unseligen.Antisemitismus-Ideologie folgen und bis heute wirksam sind: Auch in unserer Gesellschaft – gegen. Migranten, gegen Roma, gegen Analphabeten, Andersgläubige, Homosexelle, gegen Hilfsbedürftige, gegen behinderte Menschen oder gegen die Alten.
Es bedurfte also nicht mehr der Erfindung der faschistischen Ideologie, um sich gegen andere Menschen oder ethnische Gruppen zu stellen – unter der Naziherrschaft dann mit millionenfacher tödlicher Perfektion. Denn nicht die verblendeten und wahnsinnigen Naziherrscher haben diesen Ungeist erfunden, vielmehr ist er, der Antisemitismus, ihm, dem Hitler-Faschismus gleich einer Blaupause in die Hände gefallen und damit, wenn auch ungewollt, zu seinem furchtbaren ideologischen Werkzeug geworden. Der perversen Fähigkeit der terroristischen Nazi-Ideologen war es indessen vorbehalten, sich dieser unsäglichen geistigen Tradition des christlichen Abendlands auf ihre einzigartig teuflische Weise perfekt zu bedienen.
Wenn wir schaffen wollen, was man von uns an diesem Tag, an diesem Abend erwarten darf, erwarten muss, dann haben wir bei unserem Erinnern und Gedenken zu bedenken, dass es auch eine Schuld, mindestens aber eine Mitschuld des gesamten christlichen Abendlands und des traditionellen Christentums gibt, ganz gleich, ob ihre Protagonisten Bischof Williamson von der Pius-Bruderscbalt oder Martin Luther heißen. Und wir haben weiter zu bedenken, dass das blinde Hinterherlaufen hinter unreflektierten Vorurteilen, Affekten oder Ideologien, wie wir selbst erlebt haben und wie die Geschichte zeigt, den Anfang vorn Ende einer humanen und miteinander befriedeten Gesellschaft bewirken kann.
Künftiger neuer Schuld werden wir nur entgehen können, wenn wir dies nicht nur immer wieder neu bedenken, d.h. den Tod bringenden Ungeist und seine Wurzeln nie zu vergessen und an seine furchtbare Folge, die Shoah erinnern, die am 9. November 1938 ihren Anfang nahm, sondern auch zu handeln, und zwar Tag für Tag, wie es uns von allem Anfang an durch die Bestimmung des Schöpfers aller Menschen aufgegeben ist und wie es in unserer Verfassung in Artikel 1 gleich im ersten Satz heißt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und die Väter unserer Verfassung meinten damit die Würde jedes Menschen. Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Geduld!
Über eine lebhafte Diskussion zu Heribert Langes Aussagen würde ich mich freuen. Ich teile nicht alles, was er gesagt hat, einzelnes halte ich gar für problematisch. Und Sie?
(Foto © Verein Judentum Christentum)
PUR
6. November 2009
Eben gefunden. Interessant! Im Begleittext heißt es: „In Zusammenarbeit mit dem Christophorus-Werk Lingen e.V., Alten- und Krankenpflege – Haushaltshilfe Martina Lippert und dem Konrad Adenauer Tierheim Zollstock“.
Weiß jemand mehr über die Aktion?







