Wetter
1. Juni 2012
Wer meint, am ersten Junitag 2012 sei eine Temperatur von 18 Grad mit Graupelschauern und leichtem Wind in Lingen “schlechtes Wetter”, den laden die BürgerNahen herzlich zu diesem historischen Stadtrundgang ein:
Heute vor genau 85 Jahren tobte über und durch Lingen ein Wirbelsturm, der nicht nur ein paar Dachpfannen, sondern ganze Häuser wegriss. Das war der Tag, an dem der Ratskeller und die alte Posthalterei zum vorletzten Mal “ent-deckt” wurden. Beide Gebäude wurden in letzter Zeit neu bedeckt. Die Meinungen dazu gehen auseinander…
Die BürgerNahen empfehlen die äußerst lesenswerte Darstellung der Ereignisse von Mark Vornhusen, zusammengestellt vom ehemaligen Bürgermeister Gilles:http://www.blitzwetter.de/lingenframe.htm
Wer das gelesen hat, weiß: In Lingen gab es seit 85 Jahren kein richtig schlechtes Wetter mehr!
Alle, die genauer wissen möchten, welcher Geschichte die Lingener Gebäude aus den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten Stand gehalten haben,sind herzlich eingeladen zur Stadtführung am Samstag, 02. Juni 2012: Um 17 Uhr am alten Forsthaus an der Georgstraße. Die Führung von Dr. Andreas Eiynck dauert etwa eineinhalb Stunden und ist natürlich kostenlos.
(aus dem BN-Blog von Marc Riße, Die BürgerNahen)
Ungeahnt
24. Mai 2012
“Es brennt mal wieder bei Hagedorn!” Dieses in Osnabrück und Lingen geflügelte Wort bekommt jetzt eine neue, ungeahnte Bedeutung. Denn das Chemieunternehmen Hagedorn AG mit dem Sitz in Osnabrück sowie weitere Tochterunternehmen haben gestern beim Osnabrücker Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt. So meldete es Abends die Deutsche Presseagentur DPA.
Hintergrund seien “Probleme mit Krediten”, sagte das Unternehmen gestern dazu. Allerdings sei “der operative Geschäftsbetrieb” stabil und laufe unvermindert weiter. Betroffen sind 134 Mitarbeiter – auch in Lingen. Für sie soll sich nach Angaben des Unternehmens jedoch “zunächst nichts ändern, da sie anstelle ihrer Gehälter Insolvenzgeld von der Agentur für Arbeit” bekämen. Nicht betroffen vom Insolvenzantrag sind wohl die kunststoffverarbeitende Sparte Hagedorn Plastirol sowie alle Auslandsgesellschaften.
Das Osnabrücker Unternehmen (Foto lks: Firmengründer Anton Hagedorn) ist mit der Lokalgeschichte mehrfach verbunden; denn 1908 erwarb das damals noch junge Unternehmen von der Schepsdorfer Kirchengemeinde ein Grundstück an der Ems. “Die in Aussicht genommene Parzelle war in landwirtschaftlicher Hinsicht von nur geringem Wert. Entscheidend für den Kirchenvorstand war die Tatsache der Industrieansiedlung überhaupt und die damit verbundenen zusätzlichen und dringend benötigten Steuereinnahmen für die Gemeinde”, berichtet die Firmenchronik und informiert: “1910 konnte die Herstellung von Nitrocellulose als Vorprodukt des Celluloids beginnen. 1911 erfolgte eine Erweiterung der Anlagen (Vergrößerung des Wasch- und Nitrierraumes). Einsprüche des Gutsbesitzers Wess und anderer Landwirte, die die Schädigung von Bäumen, Wiesen und Feldern durch die Ableitung saurer Gase in die Luft befürchteten, wurden im Mai 1911 von den Behörden zurückgewiesen.”
Das Schepsdorfer Werk machte in den Wirtschaftswunderjahren nach dem 2. Weltkrieg regelmäßig Probleme. In die Ems wurde aufgrund der wilhelminischen, unwiderruflichen wasserrechtlichen Bewilligung tonnenweise schiere Säure geleitet; bis in die 1980er Jahre dauerte es, dass sich dies änderte. Schlimmer noch: Tödliche Verletzungen erlitten Hermann Brinker und Hermann Kuhl, als am 26. Juli 1955 eine Zentrifuge im Werk an der Emsbrücke ausbrannte. Im Dezember 1977 starben dann Hermann Schomakers und Karl Ottens bei einem weiteren Brand (“Verpuffung”) im Schepsdorfer Werk, mehrere Arbeiter wurden schwer verletzt.
Ein Großbrand in der Nacht vom 13. auf den 14. August 1995 vernichtete fast sämtliche Lagergebäude. In Schepsdorf, Darme, Reuschberge und der Innenstadt war es in dieser Sonntagnacht taghell. Die Firma brannte bis zum Montagmorgen , weil das Firmengelände stark mit der leicht brennbaren Zellulose kontaminiert war. Der Einsatz der Lingener Feuerwehrleute war -man muss sagen- heldenhaft. Erfolgreich verhinderten sie auf der angrenzenden Straße das Übergreifen des Feuers auf die Wohnhäuser. Die Hitze war so groß, dass die Kunststoffjalousien der Wohnhäuser schmolzen, vor denen die Feuerwehrmänner mit Wasserrohren standen.
Skurril wirkte die anschließende Erklärung des Unternehmens, man gehe von Brandstiftung aus und setze DM 50.000 Belohnung für die Ergreifung der Täter aus; das Geld wurde nie gezahlt, die Brandursache offiziell nie geklärt. Die damalige Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) sowie die Lingener SPD forderten damals die Verlagerung des Standortes des gesamten Werkes, was der Vorstand der Hagedorn AG zurückwies. Dies sei nicht finanzierbar.
Während am 11. Juni 1996 im Rathaus der städtische Verwaltungsausschuss tagte, brannte es dann erneut bei Hagedorn in Lingen-Schepsdorf und die zuständigen Dezernenten eilten nach Schepsdorf; die Sitzung musste stundenlang unterbrochen werden. Ein dicke schwarze Rauchwolke hing über der westlichen Stadt und so gar das an diesem Sommertag gut besuchte Freibad musste evakuiert werden, was nicht problemlos gelang; orientierungslos standen nicht wenige Sprösslinge anschließend vor dem Freibad und niemand kümmerte sich um sie. Viele Eltern waren in großer Sorge um ihre Kinder. Sogar der damalige DGB-Kreisvorsitzende Helmut Hartmann forderte “die Schließung von Hagedorn jetzt”. Als es dann wenige Tage später auch noch bei Bärlocher Chemie Lingen brannte, brachte dies das Fass in der Bevölkerung zum Überlaufen.
Wütende Lingener warfen Ingenieur Paul Gerhard Meyer, technischer Leiter des Schepsdorfer Werks, Unfähigkeit, Schlamperei und mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor. In Demonstrationen und Protesten forderten viele Bürger Konsequenzen, die sie mehrheitlich aber selbst nicht zogen. Zwar gründete sich im Juli 1996 die Bürgerinitiative „Brennpunkt Hagedorn“ und forderte die komplette Auslagerung des Werks an einen anderen Standort. Sie scheiterte jedoch bemerkenswert und eindeutig: Bei der Kommunalwahl im September 1996 wählten mehr als 70% der Schepsdorfer die CDU, die sich beschwichtigend für den Erhalt des Hagedorn-Werkes am bisherigen Standort an der Ems eingesetzt hatte.
In den Jahren danach wurde das Schepsdorfer Hagedorn-Werk grundlegend saniert. Erst vor vier Jahren gab es dann wieder Diskussionen um Hagedorn, als die Stadtverwaltung um OB Heiner Pott dem Unternehmen vorschlug, sich im Altenlingener Forst anzusiedeln. Eilig, manche sagen vorschnell, wurde dafür der Bebauungsplan Nr. 20 gezimmert und der Wald abgeholzt, das Gelände gerodet. Hierüber und den Kampf der Bürgerinitiative pro-Altenlingener Forst habe ich vielfach berichtet. Längst ist klar, dass Hagedorn dort nicht mehr produzieren wird. Statt dessen will inzwischen die BP in abgeholzten Areal eine neue Kantine, Verwaltungs- und Werkstattgebäude und die Feuerwehrzentrale, wenn es mal brennen sollte…
(Quelle: Firmenchronik Hagedorn -lesenwert!)
schlimm
16. Mai 2012
Sie können es nicht! Gerade lese ich in der gedruckten Ausgabe der LT (online kommt wohl später), dass entgegen aller (!) Vorankündigungen doch “neue Dachpfannen” auf die Alte Posthalterei gepackt werden sollen. Die alten seien marode. Abgesehen davon, dass die Renovierung bereits seit gestern fertig sein sollte, wie vor vier Wochen vollmundig versprochen („Wenn nichts dazwischenkommt, sollen die Arbeiten bis Mitte Mai abgeschlossen sein.”):
Auf dieses alte Haus, dieses Baudenkmal gehören keine neue Dachpfannen. Disneyland ist anderswo. In ganz Deutschland geht man mit mehr Sorgfalt und Baugeschichtsbewusstsein an die Renovierung von Baudenkmalen, allemal in Regionen, die Baukultur und Baugeschichte zu schätzen wissen. Dafür gibt es dann, wenn traditionelle Baustoffe fehlen, spezialisierte Betriebe, Börsen und andere Gelegenheiten. Man muss es allerdings wollen und können. Das fehlt aber bei uns: Was für ein Satz, wenn der Rathausverantwortliche laut Tagespost sagt: “Wir haben bereits bei der sogenannten Pfannenbörse eine Anfrage gestellt und leider…” Er sagt tatsächlich”eine” Anfrage und ”bereits“! Die Renovierung eines Baudenkmals muss immer besonders sorgfältig geplant werden. Das hat unsere Bauverwaltung versäumt. Zeit genug war da. Es standen Jahre Planungszeit zur Verfügung. Es war seit langem klar, dass das Baudenkmal saniert werden muss.
Die Absolution, die der Oldenburger Denkmalpfleger Hermann Schiefer laut LT erteilt, hilft nicht weiter. Natürlich muss “das Haus denkmalpflegerisch gut in Schuss sein”, wie er sagt. Schließlich ist es Lingens Aushängeschild und gehört der Stadt.
Warum übrigens ist die Pfannenfrage in keinem Ratsgremium mitgeteilt oder besprochen worden? Noch letzte Woche turnte der Verwaltungsausschuss zwar von oben bis nach unten durch das Uffz-Heim in Reuschberge, erfuhr aber zu den Änderungen am zweitwichtigsten Baudenkmal im Stadtzentrum nichts. Da wäre u.a. gefragt worden, weshalb die Dachpfannen nebenan beim Ratskeller zur Weiterverwendung tauglich waren, hier aber nicht. Beide Häuser wurden vor 85 Jahren zeitgleich neu eingedeckt. Dass die Wiederverwendung bei den Hoffschroer-Brüdern ging, die den Ratskeller sanierten, und zu recht beklatscht wurde, bei der Alten Posthalterei der Stadt aber nicht, finde ich rätselhaft. Wollten die Verantwortlichen vielleicht gar nicht? Ist es zu teuer oder zu viel Arbeit? Und dann, um es ein bisschen zu verschleiern, steigt man auf ein Gerüst, lässt sich nett “für die Zeitung” ablichten und meint, das wäre es. Bisschen runterschreiben noch, es wären Industriepfannen und die wären marode. Industriepfannen? 1927? Eher doch wohl jetzt und heute!
Dass auf die nun beiläufig mitgeteilte Weise ein Baudenkmal mal eben kurz kaputt modernisiert wird, weil es seine Identität und Ausstrahlung ein großes Stück weit verliert, ist offenbar egal. Schlimm!
(Foto: Alte Posthalterei © dendroaspis2008 flickr)
Nie erschienen
12. Mai 2012
Fleurop lässt grüßen! Gerade empöre ich mich über diese peinlich-arroganten Worte der Pressesprecherin des Kreises Emsland Anja Rohde. In diesen Tagen jährt sich bekanntlich zum 67. Mal die Befreiung der Emslandlager; aber der Landkreis Emsland hat gar nicht so richtig dran gedacht. Denn da sagt die Dame auf Anfrage der Presse tatsächlich:
„Wir werden in der alten Rheder Kirche und am Ossietzky-Denkmal in Esterwegen Kränze niederlegen“, sagt Kreissprecherin Anja Rohde auf die Frage, ob es denn von Seiten des Landkreises eine Gedenkveranstaltung gebe. „Allerdings wird dies kein offizieller und auch kein öffentlicher Akt. Die Kränze sollen ein Zeichen für die Besucher sein.“
So ist es eben, wenn man lediglich aus parteipolitischen Gründen glaubt, gedenken zu müssen, und man nicht mit dem Herzen dabei ist.
Heute informiert die taz-nord über dies:
“In diesem Jahr könnte die deutsch-niederländische Initiative 8. Mai ihre Gedenkveranstaltung im Emsland zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum ersten Mal auf der Gedenkstätte Esterwegen ausrichten. Die hat Ende Oktober letzten Jahres zur Erinnerung an die Opfer der 15 Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Emsland eröffnet.
Die Initiative, zu der auch ehemalige Gefangene gehören, wird sich am heutigen Samstagnachmittag allerdings nicht dort treffen, sondern, wie in jedem Jahr seit 1985, auf dem Lagerfriedhof Bockhorst bei Esterwegen.
Die Veranstaltung der NS-Opfer wird von den Vertretern des Landkreises gemieden. Nie erschienen ist der ehemalige…”
Mehr im taz-Kommentar von Simone Schnase
und über die Ab- und Hintergründe hier
und online im Emskopp
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DIE EMSLANDLAGER
“1933 wurden die Kozentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum fertiggestellt, bis 1937 kamen Aschendorfermoor, Brual-Rhede, Walchum und Oberlangen hinzu, ab 1938 Wesuwe, Versen, Fullen, Groß-Hesepe, Dalum, Wietmarschen, Bathorn und Alexisdorf.
In den Emslandlagern wurden insgesamt 70.000 Menschen inhaftiert, darunter politische Gefangene, Homosexuelle, wehrmachtgerichtlich verurteilte Soldaten und sogenannte Nacht-und-Nebel-Gefangene .
1939 übernahm die Wehrmacht drei Lager und nutzte sie als Kriegsgefangenenlager für weit über 100.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Frankreich, Belgien, Polen und Italien. 1944/45 dienten die Lager Dalum und Versen der SS kurzzeitig als Außenlager des KZ Neuengamme.
Insgesamt sind in den Emslandlagern rund 30.000 Menschen ums Leben gekommen.” (Quelle)
Doppelspitze
27. April 2012
Das Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen wird jetztvon den beiden stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Heribert Lange und Michael Fuest als Doppelspitze geleitet. Simon Göhler wurde zum Kassierer gewählt; er tritt damit die Nachfolge von Ingrid Hartmann an. Als weiteren Beisitzer wählte die Versammlung Benno Vocks.
Zuvor hatten die Mitglieder bei der Jahreshauptversammlung am Mittwochabend im Gedenkort „Jüdische Schule” Dr. Walter Klöppel einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Er hatte zuvor seinen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden aus gesundheitlichen Gründen bekannt gegeben. In einer besonders schwierigen Phase hatte Klöppel 2005 den Vorsitz des in den 1970er Jahren gegründeten Vereins übernommen. Das Forum hatte sich seinerzeit mit der Renovierung des Jüdischen Bethauses in Freren völlig übernommen. Der damalige Landrat Hermann Bröring machte seinerzeit seine Unterstützung davon abhängig, dass der eher sozialdemokratisch ausgerichtete Vorstand des Forum unter dem rührigen Baccumer Reinhold Hoffmann zurücktrat. CDU-Mann Klöppel war der von Bröring akzeptierte, vom damaligen OB Heiner Pott unterstützte Mann für den Vorsitz; der engagierte Katholik war von 1991 bis 2003 Leiter des Katholischen Büros in Hannover und davor Leiter des Ludwig Windthorst Hauses in Lingen gewesen. Mit ihm an der Spitze ergriffen die übrigen Vorstandmitgliedern die vom Landkreis und der Sparkasse Emsland getragenen notwendigen Sanierungsmaßnahmen. “Walter Klöppel hat unser Forum auf einen guten und unverwechselbaren Kurs gebracht, war ein wichtiger Ideengeber und geduldiger Mittler”, sagte der amtierende Vorsitzende Dr. Heribert Lange.
Anne Scherger stellte im weiteren Verlauf der Mitgliederversammlung den Stand in Sachen „Stolpersteine” vor. Zwölf weitere Stolpersteine mit den eingravierten Namen der Holocaust-Opfer werden am kommenden 13. Juni vom Künstler Gunter Demnig aus Köln verlegt. Auch der 89jährige Lingener Ehrenbürger Bernhard Grünberg will an dieser Veranstaltung teilnehmen.
Anne Scherger: “Die dazu geplante Veranstaltung steht in der langjährigen Tradition unserer Erinnerungsarbeit, die mit den ersten Arbeiten am jüdischen Friedhof, mit der Einrichtung der jüdischen Schule in Lingen und dem Gebetshaus in Freren begonnen und mit der Verlegung von bisher 26 Stolpersteinen in den letzten Jahren fortgeführt wurde. Uns ist es gelungen, diese Steine durch Spenden zu finanzieren, es wurden auch Patenschaften für die Steine übernommen. Parallel dazu wurde in Zusammenarbeit mit dem früheren Stadtarchivar Dr. Ludwig Remling und seinem Nachfolger Dr. Stephan Schwenke eine Broschüre erarbeitet, die über das Schicksal der Lingener Juden informieren und noch in diesem Jahr erscheinen soll”, freute sich Anne Scherger. Akribisch erforscht sie seit vielen Jahren das Schicksal der Lingener Juden.
Abschließend stellte Dr. Lange das geplante Programm für 2012/13 vor, zu dem neben Ausstellungen und Exkursionen auch wieder gemeinsame Veranstaltungen mit jüdischen Mitbürgern in Lingen und Freren sowie die inzwischen schon traditionellen Lehrhausgespräche im kommenden Winterhalbjahr in der Jüdischen Schule gehören.
(Foto: Jüdischer Friedhof in Lingen (Ems) © Forum Juden–Christen, Altkreis Lingen eV; Stolpersteine (c) SPD Lingen)
Muffrika
25. April 2012
“Mit Muffrika konnte ich zunächst nichts anfangen”, schreibt ein amazon-Rezensent. Er dachte, es sei “ein Name. Bis ich dann begriff, daß es eine Bezeichnung für das moorige Emsland sei und je nachdem kann es eine Beleidigung oder eine liebevolle Spöttelei sein. Damit soll wohl gemeint sein: “Im Moor ist weniger los, als in der Wüste in Afrika = Muffrika.”
Im Emsland nun zog im April 1945 der 19jährige Gefreite Willi Herold in das Emslandlager Aschendorfermoor ein, in das kurz vor Kriegsende mehr als 3.000 Häftlinge der nördlichen Emslandlager zusammengepfercht worden waren. Versprengt von seiner Einheit, hatte er eine Hauptmannsuniform gefunden und gab sich nun als Hauptmann aus. Innerhalb einer Woche wurden auf seinen Befehl hin und unter seiner Mitwirkung wohl über 150 Häftlinge dieses Lagers ermordet.
Nach intensiven Archivrecherchen, vielen Zeitzeugenbefragungen und sich über mehrere Jahre hinziehenden Dreharbeiten fand im Frühjahr 1996 die Uraufführung des Dokumentarfilms “Der Hauptmann von Muffrika” statt. Im August desselben Jahres zeichnete die Filmbewertungsstelle Wiesbaden den Film mit ihrem höchsten Prädikat als “besonders wertvoll” aus.
DVD (s/w), 70 Minuten + Extras, 14,90 Euro
Die DVD kann beim DIZ Emslandlager bestellt werden. Blog-Kommentator FrankO hat den Dokumentarfilm jetzt auf Youtube gefunden, und ich stelle ihn gern hier in meinen Blog.
Unter uns
4. März 2012
“Auch in Emden wurden während des Zweiten Weltkriegs Arbeitskräfte aus Gebieten eingesetzt, die von Deutschen besetzt waren. Die Ausstellung “Sie waren unter uns” des Ostfriesischen Landesmuseums Emden dokumentiert diesen wichtigen und bislang wenig bekannten Aspekt in der Geschichte Emdens im 20. Jahrhundert.
Anhand von Fotografien, Akten sowie Zeitzeugenberichten und -interviews beleuchtet das Ostfriesische Landesmuseum Emden die Schicksale der Fremd- und Zwangsarbeiter. Sogenannte Fremdarbeiter wurden anfangs in den Niederlanden durch die dortigen Arbeitsämter für Arbeitseinsätze im Deutschen Reich angeworben. Sie hatten die Möglichkeit, an Wochenenden ihre Familien zu besuchen oder sich in Emden relativ frei zu bewegen….”
Weiter hier
Sie waren unter uns!Fremd- und Zwangsarbeiter in Emden 1933 – 1945
Emden – Pelzerhäuser 11+12
26. Februar – 6. Mai 2012
Dienstag bis Sonntag 11.00 – 18.00 Uhr
Eintritt
Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Buch zum Preis von € 15,00, in dem in unterschiedlichen Textformen Aspekte der Fremd- und Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus beleuchtet werden.
(Quelle NDR)
Sturmflut 1962
16. Februar 2012
In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 bricht eine schwere Sturmflut über Norddeutschland herein. Auch im nördlichen Emsland gibt es schwere Schäden. Besonders schlimm aber trifft es Hamburg. Zahlreiche Deiche brechen, das Wasser überflutet ein Sechstel der Hansestadt. 315 Menschen sterben, Tausende werden obdachlos oder verlieren Hab und Gut. Wie haben Betroffene und Helfer die Sturmflut erlebt? Wie verlief die Rettungsaktion unter Leitung des damaligen Polizeisenators Schmidt? Was tut die Stadt heute, um sich vor Hochwasser zu schützen?
Hintergründe, Bilder und Berichte von Zeitzeugen.
Gegen Braun
1. Februar 2012
Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm unter dem Motto “Buntes Bündnis gegen Braun” bietet die Volkshochschule Papenburg vom 9. bis 11. Februar die Möglichkeit, sich über die Gefahr von Rechts zu informieren, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und sich gegen Rechtsextremismus zu engagieren.
Neben einer Fahrt zur Gedenkstätte Esterwegen, Fachgesprächen zu den Themen „Mädelsache – Mädchen, Frauen und Mütter in der rechten Szene” und
„Rechtsextremismus und rechte Netzwerke in Westdeutschland – unterschätzt?“ veranstaltet die VHS am 10. Februar eine Informationsbörse in der BBS Papenburg, die den Besuchern ein umfangreiches Bild über die Aktivitäten vor Ort vermitteln will. Zahlreiche Organisationen wie das Jugendzentrum, Amnesty International, Türkisch-Islamischer Kulturverein Papenburg, Deutsches Rotes Kreuz mit Migrationsberatung und viele mehr stellen hier ihre Arbeit vor. Abends spielt im Rahmen der Fachtage die Band “kleinE” (Foto lks) im Jugendzentrum Papenburg.
Für Jugendliche bieten die Theater-Fachfrauen Sigrun Schneider-Kaethner und Helga Freudenthal im CarréPunkt-Zimmer-theater den Workshop „Stark gegen Rechts“ an. Das Resultat wird anschließend öffentlich aufgeführt.
PROGRAMM “BUNTES BÜNDNIS GEGEN BRAUN” IN PAPENBURG:
Do 09.02., 14.30 UHR: Fahrt zur Gedenkstätte Esterwegen (Anmeldung erforderlich unter 04961/922317)
Do 09.02., 19.30 UHR: Fachgespräch mit dem Journalisten Andreas Speit zu seinem Werk „Mädelsache – Mädchen, Frauen und Mütter in der rechten Szene“ (Villa Dieckhaus)
Fr 10.02., 16 UHR: Informationsbörse (Forum der BBS)
Fr 10.02.. 18.30 UHR: Vortrag von Andreas Speit zum Thema „Rechtsextremismus und rechte Netzwerke in Westdeutschland – unterschätzt?“ (Forum der BBS)
Fr 10.02., 21 UHR: kleinE (JZ Papenburg) (Eintritt frei)
Sa 11.02., 11 UHR: Theaterworkshop “Stark gegen Rechts” (CarréPunkt-Zimmer-theater)
Sa 11.02., 20 UHR: Aufführung “Stark gegen Rechts” (CarréPunkt-Zimmer-theater)
INFO: 04961/922321
(gefunden im Emskopp-Blog)
Projektbezogen
25. Januar 2012
“Projektbezogen” – so ein städtischer Bediensteter, soll der Bebauungsplan (Fachjargon: “B-Plan”) für das Grundstück entwickelt werden, das unsere Kommune jetzt zu Bargeld machen will. Es liegt “Am Wall-Ost” neben dem Konrad-Adenauer-Ring und ist bislang Teil der “Stadtgrabenpromenade”, die vor gefühlt 20 Jahren in einem Wahlkampf proklamiert wurde und alles ist, bloß keine Promenade. Die Verkaufsfläche ist Reststück der historischen Lingener Wallanlage (Stich re.), die seit 1970 aber so etwas von konsequent vernichtet worden ist, dass in Kürze nichts mehr übrig bleiben wird – nur noch die Schilder “Stadtgrabenpromenade”. Das zum Fremdschämen geeignete Resultat sieht dann so aus wie auf dem in der Zeitung veröffentlichten Foto.
Immerhin soll nun ein Bebauungsplan her, wenn dieses Grundstück -losgelöst von der Stadtgeschichte- verkauft und bebaut wird. Das ist nicht selbstverständlich; denn ein Bebauungsplan macht dem Baudezernat Arbeit und beteiligt den gewählten Stadtrat. Also lässt unser Stadtbaurat aus Oldenburg es lieber und behauptet, es sei bebaubarer Innenbereich (Fachjargon: “34-er Gebiet”) und daher könne man auch ohne Bebauungsplan. Letzte Beispiele: Die Bebauung das Hafenareals mit drei Investitions-Zweckbauten, das Medicus-Wesken-Zentrum oder das Hotel an der Bernd-Rosmeyer-Straße. Angekündigte 34er-Neubauten: neue Pflegezentren an der Burgstraße und an der Mühlentorstraße/Konrad-Adenauer-Ring. Da bleiben dann notwendige Abwägungsprozesse privater und öffentlicher Belange aus und das Gemeinwohl zugunsten privater Finanzinteressen regelmäßig auf der Strecke. Besonders eindrucksvoll wird dies beim Nachweis der notwendigen Parkplätze. Die Häuser am Alten Hafen haben zwar Wohnungen mit allem Schnickschnack, doch ebenso wenig eine Tiefgarage wie die anderen genannten 34er-Objekte. Bei Medicus-Wesken stimmte die CDU dem Verzicht auf eine Tiefgarage zu, weil die “sechs Wochen längere Bauzeit dem Bauherrn nicht zuzumuten” war, beim Hotelvorhaben legt der Bauherr die Parkplätze mit Zustimmung der CDU gar in das Erdgeschoss (!!).
Längst hat sich die Ratsmehrheit vom Verständnis verantwortlich mitplanender kommunaler Selbstverwaltung verabschiedet und begnügt sich mit den finanziellen Interessen der Investoren. Nahezu in Verzückung gerät die CDU immer, wenn jemand “Geld in die Hand nimmt”. Die Unzulänglichkeiten sind anschließend greifbar; machen Sie einfach mal den Selbsttest und parken im verunglückten Parkhaus neben dem Medicus-Wesken-Zentrum! Regelmäßig sind auch die baugestalterischen bzw. architektonischen Leistungen der Bauvorhaben der letzten Jahre -sagen wir mal- außerordentlich bescheiden; das wird auch dadurch nicht anders oder gar besser, dass einzelne Ratskollegen anschließend verunglückte Architekturleistungen als “das gelungenste Gebäude überhaupt” bezeichnen oder der Oldenburger von “so baut man heute” schwadroniert.
Jetzt soll also das vorletzte Reststück des historischen Walls verkauft und bebaut werden und nun soll ein B-Plan dafür her. Ich glaube das noch nicht. So oder so besteht die Gefahr, dass alles, was dann kommt, dem reinen Finanzinteresse des Investors untergeordnet wird, schon weil man nicht vorher festlegt, was die Bürgerschaft an diesem Platz städtebaulich will sondern weil man auf die Wünsche genannten Forderungen des Investors wartet, also das und nur das, was er will – eben “projektbezogen”.
(Lingen Historischer Stadtgrundriss - Gesamtansicht Belagerung der Stadt durch Spinola, Kupferstich von Hogenberg bei Frhr. von Aitzing 1606)


