Updatefunktion
12. Dezember 2009
Rechtzeitig zum Samstagabendprogramm, Abteilung Unterhaltung, zwei aktuelle Meldungen:
Vorübergehendes Internetverbot für niedersächsische Polizei
Laut einem Bericht von Hit-Radio Antenne Niedersachsen dürfen niedersächsische Polizisten in ihren Dienststellen derzeit nicht das Internet nutzen. Grund sei, dass die automatische Updatefunktion der Virenschutzsoftware nicht funktioniere.
Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, Sicherheitsprobleme gebe es dadurch aber nicht, der Virenschutz sei lediglich „einige Tage lang nicht auf dem neuesten Stand“. Vor allem auf die Nutzung von Privatmails sollten die Polizisten verzichten. Bis Mittwoch soll das Problem behoben sein. (ur)
2. Lingens Polizeipressesprecher Ewald Temmen meldet am 11.12.09.:
Am 11./12. Dezember 2009 wurde im Zuge der Europastraße 30 (E 30) sowie deren Peripherie, von den Niederlanden bis Polen, eine überregionale länder- u. staatenübergreifende Fahndungsaktion zur Kriminalitätsbekämpfung durchgeführt. Infolge der EU-Osterweiterung und den intensiven Grenzüberquerungen an den EU-Außengrenzen stellen diese Kontrollmaßnahmen eine wirksame Bekämpfungsmöglichkeit der verschiedensten Deliktsformen auf den Verbindungsstrecken dar….
Es haben über 500 Kolleginnen und Kollegen an der Aktion teilgenommen. … Bislang konnten folgende Ergebnisse zusammengefasst werden:
1659 kontrollierte Fahrzeuge, Busse u. Züge
2775 kontrollierte Personen…
Herausragende Feststellungen bzw. Sicherstellungen:
über 247,9 g Marihuana, 5 Führerscheine, 1 PKW, 2 französische Kennzeichen, 2 litauische Händler-Kennzeichen, 1 Laptop, 1 gefälschter georgischer Führerschein, 1 gefälschte italienische Identitätskarte, 2 Dolche, 1 Baseballschläger, 1 Butterflymesser, 760 Zigaretten…
Insgesamt herrschten sehr schlechte Wetterbedingungen, die die Selektions- und Kontrollmaßnahmen erheblich erschwerten….
Weil ich ja von Berufs wegen zu einem Gutteil von der freundlichen Zuarbeit der Polizei lebe und man über seinen Arbeitgeber nicht schlecht reden soll, lasse ich die Frage nach Kosten-Nutzen der sicherlich 6-stellig-teueren Aktion weg. Denn es ist wirklich hart, bei Wind und Regen die Kriminalität zu jagen und anschließend nicht einmal ins Internet zu dürfen. Aber eine Rechenaufgabe für die jung Gebliebenen muss erlaubt sein:
„Wenn bei Regen und Wind 500 Polizeibeamte eine ganz Nacht lang an der Autobahn Dienst tun, um bei 1679 Pkw-Kontrollen 250 g Marihuana und 760 Zigaretten zu finden, wieviele Gramm Marihuana und wieviele Zigaretten entfallen dann auf einen Polizeibeamten? (Bearbeiterhinweis: Es darf gerundet werden)
Zusatzaufgabe für Sek-I-Absolventen:
„Wenn die EU-Osterweiterung im Wesentlichen zum 01. Mai 2004 in Kraft getreten ist, wieviele Jahre, Monate und Tage sind seither vergangen? Was ändert sich am Ergebnis unter Berücksichtigung der Nachbarländer Rumänien und Bulgarien?“
Ihr dürft rechnen. Ich muss Ewald Temmen noch eine E-Mail schreiben, ob ich das Logo der PI Emsland/Grafschaft Bentheim-Internetseite illustrierend verwenden darf.
BOB
10. Dezember 2009
Was sind die BOBs? BOB steht für “Best of the Blogs” und ist ein internationaler Medienpreis, der seit 2004 jährlich von der Deutschen Welle vergeben wird. Die BOBs sind der größte Online-Award weltweit und gelten als “Blog-Oscar”. Bei den BOBs werden internationale Blogs sowohl in den elf Wettbewerbssprachen, als auch in fünf Sonderkategorien ausgezeichnet. Die Wettbewerbssprachen sind Arabisch, Bengali, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Indonesisch, Farsi, Französisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch… (weiter im Blog des SPIEGELfechter)
Nein, ich möchte nicht vorgeschlagen werden. Aber ich empfehle einen Klick auf die BOB- Internetseite, ermöglicht sie doch einen wirklich abendfüllend-spannenden Einblick in die deutsche Bundesliga-Bloggerszene.
RK (Bezirksklasse)
Stopp!
6. Dezember 2009
Fast…
6. Dezember 2009
…vergessen (und ein Dankeschön für den Hinweis an Ruhrbarone.de)
Attacke
26. November 2009
Einer der Vorläufer der Neuen Osnabrücker Zeitung („NOZ“) war das ehemalige Osnabrücker CDU-Lizenzblatt „Neues Tageblatt“ bzw. später die „Neue Tagespost“ . Es soll Leute geben, die der Meinung sind, dass die NOZ mit all ihren Unterausgaben bis heute diesen genetischen Webfehler hat: ein parteipolitisches CDU-Blatt zu sein. Solchen Leuten fühle ich mich durchaus verbunden. Deshalb bin ich nicht unsensibel, wenn es um parteipolitische Angriffe auf die Medienfreiheit geht, allemal die öffentlich-rechtliche.
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) reitet gerade eine solche Attacke auf die Meinungsfreiheit und die Staatsfreiheit der öffentlich-rechtlichen Medien. Er will verhindern, dass der Vertrag des parteifernen Chefredakteurs Nikolaus Brender für fünf Jahre verlängert wird. Das aber will Markus Schächter, erfolgreicher Intendant des ZDF, der am Montag in New York mit dem Ehren-Emmy für sein «herausragendes Management» eine bemerkenswerte Auszeichnung in Empfang nehmen durfte.
Morgen am Freitag tagt ab 14.00 Uhr im ZDF-Hauptstadtbüro „Unter den Linden“ der 14-köpfige Verwaltungsrat des Senders und wird darüber entscheiden, wer sich durchsetzt. Neben dem Vorsitzenden Kurt Beck und seinem Stellvertreter Roland Koch agieren in dem Gremium noch weitere Spitzenpolitiker. Als Vertreter der Länder sitzen Peter Müller, Matthias Platzeck und Edmund Stoiber, und als Vertreter des Bundes Bernd Neumann (Staatsminister für Kultur und Medien) im Verwaltungsrat. Acht weitere Vertreter sollten eigentlich aus gesellschaftlichen Organisationen kommen – sechs dieser Vertreter stehen allerdings als altgediente Parteisoldaten im Dunstkreis der beiden Volksparteien. So kommt es, dass der “Freundeskreis” der Union gleich neun der vierzehn Mitglieder stellt und somit über eine entscheidende Mehrheit verfügt, um die Personalentscheidung des ZDF-Intendanten Schächter zu torpedieren oder passieren zu lassen, wie der SPIEGELFECHTER schreibt.
Die deutschen Mediengurus attackieren jetzt Koch. Aber der wird am Ende wohl die Vertragsverlängerung verhindern und mit diesem Sieg gleichwohl der Verlierer, Chefredaktuer Brender ohne neuen Vertrag der Gewinner sein.
Klicken Sie mal in die gut recherchierte Kolumne des SPIEGELFECHTERs und lesen Sie die Hintergründe. Es lohnt.
(Foto: © M. Hauck, pixelio.de)
Altlasten
16. November 2009
Das Bundesumweltministerium ist jetzt in schwarzer Hand, seitdem die CDU das Ministerium übernommen hat. Dabei gab es auch in den Onlineangeboten des Ministeriums eine kleine Altlastenentsorgung mit politischem Symbolcharakter, wie uns zu Ohren kam. Einige Atom-kritische Publikationen sind kurz nach dem Regierungswechsel heimlich, still und lese von den Webseiten verschwunden.
Da wäre zum einen die Publikation “Atomkraft – Ein teurer Irrweg – Die Mythen der Atomwirtschaft”. Und zum anderen die Unterrichtsmaterialien für die Schule mit dem Titel“Einfach abschalten?”, die in einer Serie mit fünf anderen Themenheften erschienen sind. Diese sind sogar von der UNESCO im Jahre 2007 mit einem Preis ausgezeichnet wurden. Von diesen ausgezeichneten Materialien sollen unsere Schüler aber nicht mehr profitieren, weil sie aus der Bestellliste und aus dem Download-Angebot entfernt wurden. Im Internet Archive findet man sie noch in der Bestellliste von Sommer 2008. (Leider gibt es seit August 2008 keine weitere Archivierung der Ministeriums-Webseite. Dies kann auch bewusst so eingestellt worden sein). Und im Google-Cache findet sich auch noch die Beschreibung der Unterrichtsmaterialien:
Atomenergie – Fakten und Kontroversen zum Atomausstieg
Die Unterrichtseinheiten “Einfach abschalten? Fakten und Kontroversen zum Atomausstieg” zeigen beispielhaft Fakten über die Sicherheit von Atomkraftwerken, Endlager, Energie gewinnung durch Atomkraft, aber auch Probleme und Risiken auf, die aus der Nutzung der Kernspaltung erwachsen können. Besonderer Wert wird auf die Darstellung von unterschiedlichen Positionen zur Nutzung der Atomenergie und die Wahrnehmung der damit verbundenen Risiken gelegt.
Glück im Unglück: Die Broschüren sind noch im Netz. “Atomkraft – Ein teurer Irrweg – Die Mythen der Atomwirtschaft” hat Asyl in der Schweiz gefunden und wird auf der Webseite der Energiestiftung noch zum Download angeboten. Die Schulmaterialien sind noch auf denWebseiten des Umweltministeriums in Baden-Würtemberg zu finden.
Übrigens gab es weitere Löschaktionen auf den Onlineangeboten der Umweltministeriums. Auf der Seite erneuerbare-energien.de fand sich ebenfalls “Atomkraft – ein teurer Irrweg. Die Mythen der Atomwirtschaft” als umfangreiche FAQ. Diese ist jetzt auch weg, findet sich aber noch im Google-Cache.
Nachdem wir einen kleinen Fragekatalog an das Bundesumweltministerium verschickt haben, haben wir auch Greenpeace gefragt, was sie davon halten. Tobias Münchmeyer, “Energie-Experte” von Greenpeace kommentierte die Aktion:
“Dem Bürger sachliche Informationen über Risiken und Kosten der Atomkraft vorzuenthalten, ist unverantwortlich. Es spricht nicht für eine transparente Kommunikations-Kultur der neuen Führung eines Ministeriums, wenn ihre ersten Amtshandlungen darauf ausgerichtet sind, still und heimlich Fakten über unbequeme Wahrheiten einzukassieren. Damit legt Umweltminister Norbert Röttgen einen Kommunikations-Fehlstart hin. Alle Interessierte an diesen Informationen können die vom BMU zensierten Informationen ab sofort auf der Website von Greenpeace unter folgenden URLs herunterladen: “Atomkraft – ein teurer Irrweg. Die Mythen der Atomwirtschaft” und “Einfach abschalten?“.
Das Bundesumweltministerium wollte auf unsere schriftliche Anfrage am Freitag Vormittag noch am Freitag antworten. Seitdem haben wir nichts mehr gehört, obwohl wir mehrfach nach fassten. Vermutlich wird sich die Beantwortung durch die Veröffentlichung etwas beschleunigen.
Diese Materialien sind zweimal Gegenstand von parlamentarischen Anfragen der FDP gewesen. Hier ist die kleine Anfrage mit Antwort und hier die große Anfrage mit Antwort.
Solche Aktionen sind ja nach einem Regierungswechsel nicht gerade ungewöhnlich, wenn man bestimmte Lobbyinteressen vertreten möchte. Erfreulich ist, dass man heute mit etwas Recherche und dank einer vielfältigen digitalen Archivierung solche Geschichtskittungen schön enttarnen kann.
Wir haben jetzt nicht nach weiteren Materialien gesucht, die verschwunden sind. Die Beispiele weisen aber daraufhin, dass weitere Publikationen und Atom-kritische Informationen verschwunden sein könnten. Über sachdienliche Hinweise freuen wir uns gerne. Das Internet-Archive und Suchmaschinen laden zum gemeinschaftlichen Suchen und rumspielen ein.
(gefunden bei Netzpolitik.org)
Nun, man braucht kein Prophet zu sein, um zu erahnen, dass dies auch in anderen Ministerien der Fall sein wird – im Umweltministerium unter dem neuen Minister Röttgen (CDU) ist es aber besonders greifbar. Da wird noch so mnche Initiative dem standhaften Sigmar Gabriel mehr als eine Träne nachweinen. Mich erinnert dies sehr an 1982, als es die CDU/FDP-Veranstaltung schon einmal gab und an 1976, als Niedersachsen plötzlich schwarz wurde und der neue Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) Spitzenleute aus der Staatskanzlei nach Stade zum Wasserwirtschaftsamt oder so versetzte. Derlei gehört wohl dazu, wenn die relative Bevölkerungsmehrheit eine neue Regierung wählt. Vergessen sollte man es trotzdem nicht.
(Foto: Altpapier, © C. Köhngen, pixelio.de)
Spezial
6. November 2009
Die Bahn ist wieder ganz vorn dabei und wirbt: “Das Mauerfall-Spezial. Reisen zum Einheitspreis. Nur 20,- Euro.“ Erhältlich nur am 9.11.09 von 18:57 Uhr bis 3:00 Uhr online auf bahn.de und in einzelnen Reisezentren (nicht in Lingen, das örtliche Reisezentrum ist dann schon längst geschlossen). Die 20-Euro-Fahrkarte gilt für die einfache Fahrt und -zu viel Einheit is’ nich- nur in der 2. Klasse, allerdings auch im ICE. (Interessiert, dann hier klicken)
Irgendwie finde ich den Fahrkartenpreis zwar in Ordnung. Aber muss denn das einzigartige historische Ereignis „Mauerfall“ so platt kommerzialisiert werden, frage ich und denke im selben Moment daran, dass zum dauerhaften Gedenken an dasselbe Datum auf einer Lingener Baustelle ein beeindruckendes Straßenschild enthüllt wird. Diese lokale Benennung ist übrigens (auch) nicht so ganz meine Sache, ist doch die Maueröffnung bekanntlich erst mal Folge eines Schabowski-Fehlers auf einer Pressekonferenz. Leipzig am 9. Oktober 1989 war für die friedliche Revolution womöglich wichtiger und ein Herr im Moskauer Kreml sowieso. Die deutsche Einheit, die ich gern feiere, ist viel mehr als der 9. November 1989, mag dieses Datum auch das emotionalste sein. „Platz der deutschen Einheit“ wäre daher ein zutreffenderer Name gewesen, sagte die SPD vor Wochenfrist im Stadtrat und lag damit richtig, gibt es doch auch noch anderes, wichtiges, elementares an jedem deutschen 9. November.
Über all dies habe ich heute morgen um 7 Uhr auf einem der zugigsten Bahnsteigversuche der Republik reichlich frierend nachgedacht. Das hätte ich bestimmt noch ein bisschen intensiver getan, wenn ich da schon die dröhnende Kommerzaktion der Bahn gekannt hätte.
Verachtenswert
3. November 2009
Am vergangenen Sonntag habe ich in einem kleinen Beitrag zur Lingener Krematorium-Diskussion ein paar Bemerkungen über die Würde geschrieben, eigentlich mehr über die Würdelosigkeit, eine Trauerstätte in ein Gewerbegebiet zu bauen. Heute wollte ich mir in meinem Blog eigentlich eine kleine Pause gönnen. Aber jetzt möchte ich meine Betroffenheit äußern. Die Emslandausgaben der Neuen Osnabrücker Zeitung NOZ berichten heute über den Tod einer Autofahrerin gestern auf der A 31, dass es ein tragischer Unfall gewesen sei, „aus unbekannter Ursache“, es wird über den schwer verletzten Mann geschrieben, einen nicht verletzten Lkw-Fahrer und 15000 Euro Sachschaden und dann wörtlich: „Bildergalerie unter lt-, ez- bzw. mt-net.de/bildergalerie“.
Wie bitte?! Bildergalerie? Ein “Klicken-Sie-mal-rein-in-den-Tod“? Wer braucht diese „Bildergalerie“? Was soll sie dokumentieren, was vermitteln? Weshalb ergötzt sich die Lokalpresse an ihr und wird zum medialen Gaffer?
Ich bin betroffen, weil es nicht etwa Gedankenlosigkeit ist sondern das genaue Gegenteil, mit dem die“Bildergalerie“ in „lt-,ez- bzw. mt-“ den Tod eines Menschen für eigene Auflagenzwecke instrumentalisiert. Es ist verachtenswert und würdelos.
(Foto: © Dietmar Schütz, pixelio.de)
100000
25. Oktober 2009
Dann wollen wir noch einmal an diesem 25-Stunden-Tag ein bisschen lästern – sozusagen zusammen mit dem holländischen Journalisten Rob Savelberg. Aktuell kann ich mir keinen deutschen Journalisten vorstellen, der so fragen würde wie Rob Savelberg gestern in der Bundespressekonferenz in Berlin. Allenfalls Frank Plasberg und der nur im Schutze seines Studios. Gulli-Board schreibt: „Rob ScharfenbergSavelberg von der (holländischen) Zeitung de Telegraaf stellte Angela Merkel in der Pressekonferenz zur Vorstellung des Kabinetts eine einfache Frage (Video): „Sie reden heute ziemlich viel über Geld, über Finanzen auch der Bundesrepublik Deutschland. Nun wollen Sie das Finanzministerium besetzen mit einer Person, der öffentlich beteuert hat im Deutschen Bundestag, dass er einen Waffenhändler nur einmal getroffen hat und dabei vergessen hat, dass er auch noch 100.000 D-Mark von dem angenommen hat. Also, wie können Sie so eine Person als sehr kompetent schätzen und sozusagen die Finanzen dieses Landes ihm [an]vertrauen in der Krise?“
Schauen Sie selbst, wie Angela Merkel reagierte:
(Mehr…) und noch mehr in niederländisch und ein Interview mit dem niederländischen Journalisten
Rob, die nächste Frage, bitte!
Trust me
24. Oktober 2009
Für Hannes, Gerd und Willi und alle meine lieben PC-Freunde. Von einem MACianer zum Wochenende.
