Kokenmühle

24. März 2012

“Immer dann, wenn Die BürgerNahen das Gefühl haben, dass an ihnen vorbeigetrickst werden soll, werden sie besonders hellhörig:
Jetzt sind sie auf Baupläne gestoßen, die sich mit dem Gebiet der Kokenmühle und der alten Tankstelle an der Bernd-Rosemeyer-Straße beschäftigen. Ein Areal, welches durch sehr alten Baumbestand und historisch wertvolle Gebäude Aufmerksamkeit verdient: Diesbezügliche  Nachfragen (Top 10.3.)  verliefen im Sande: Es gebe keine bekannten Pläne.

Das stimmt aber nicht, belegen unsere Bilder: Plant in Lingen an dieser Stelle jemand gerade große Bauvorhaben und legt Wert darauf, dass noch niemand davon wissen soll?…”

(mehr Fotos und weiter auf der Webseite der BürgerNahen…)

6 Antworten to “Kokenmühle”

  1. Trude said

    Die BN spionieren scheinbar die Rathaus-Mitarbeiter aus. Das ist auch nicht die feine englische Art.

  2. Job said

    Tankstelle an der Bernd-Rosemeyer-Straße, historisch wertvolle Gebäude. Das ist der wahre Hohn.

    • Tankstelle Bernd-Rosemeyer-StraßeKönnte es sein, dass Ihre (bau)geschichtlich-kulturelle Einstellung ausbaufähig ist?
      Zu einem Kölner Baudenkmal liest man:

      “Tankstelle, Deutz-Kalker Str. 103, 50679 Köln – Deutz
      errichtet 1959

      Architekt: Herbert Baumann

      Die 1959 von dem Kölner Architekten Herbert Baumann geplante Tankstelle ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

      Das Auftreten der Tankstelle als eigener Bautypus kennzeichnet den Zeitpunkt in der Geschichte des Menschen, an dem der Individualverkehr mit dem privaten Kraftfahrzeug vom Privileg einiger weniger zum allgemein wahrgenommenen Recht vieler wird. In einer Großstadt wie Köln ist ein solcher Vorgang überaus deutlich und beispielhaft zu beobachten. In der Vorkriegszeit war die Tankstelle eine den Mietstellen und Wechselstellen für Zugpferde weithin gleichberechtigte, architektonisch meist nicht als eigenständig definierbare Versorgungsstation.

      In den 50er Jahren dagegen wird das Pferd aus dem Verkehrswesen fast vollständig verdrängt. Die freiwillige und, mehr noch, wirtschaftlich erforderliche bzw. zunehmend erzwungene Mobilität, Verlegung von Wohnfunktionen in die Außenbezirke der Großstädte, größere Veränderlichkeit von Arbeitsverhältnissen etc. fördern die Benutzung des Autos ebenso stark wie der wachsende, allgemeine Wohlstand, der für wachsenden Freizeitverkehr sorgt. Die Versorgung der Vielzahl von Fahrzeugen muß an möglichst vielen Stellen, vor allem wie hier an Ausfallstraßen, gesichert sein. Darüber hinaus unterliegt das Angebot an Kraftstoff zunehmend Wettbewerbsbedingungen:

      ansprechendes Äußeres,
      weithin zur Straße erkennbarer, werbender Signalcharakter
      Zusatzleistungen
      Kfz-Service,
      Zubehör,
      Reiseutensilien und -proviant

      bekommen erhöhte Bedeutung, die sich auf die Form der Gebäude auswirkt.

      Die hier realisierte Bauform verdeutlicht die aufgezeigten, historischen Bedeutungskriterien auf künstlerische, ausdrucksstarke Weise. Dynamisch ist die eingeschossige Anlage der vorbeiführenden Straße und der einschwingenden Zufahrt zugeordnet.

      Im Zentrum steht der Kassenraum. Stumpf nach hinten abgewinkelt – und damit den Vorbeifahrenden beider Fahrtrichtungen zugewendet – sind die beiden symmetrisch angeordneten Flügeltrakte mit Büro und Lager sowie zwei etwas höhere, pavillonartige Hallen (Werkstatt und Ausstellungsraum). Zentrale, signalartige Mittenbetonung der weiß gekachelten Gebäude ist das mit drei aufstrebenden Spitzen fast zehn Meter weit flügelartig frei ausschwingende Kragdach über der Durchfahrt mit den ehemaligen Tanksäulen.

      Dieses Dach, frontal gesehen einem schwimmenden Flügelrochen nicht unähnlich und auf jeden Fall organisch aufgefaßt, steht in der gestalterischen Tradition anderer, singulärer Bauten mit Signalfunktion

      Le Corbusier, Ronchamp, 1950-54;
      Kongreßhalle Berlin, 1957, Stubbins;
      Utzon, Opernhaus Sydney, 1957

      und funktional in derjenigen weit vorkragender Dächer und Dachschalen vor öffentlichen Bauten mit großem Publikumsverkehr dieser Jahre (neue Botschaftsgebäude, Banken, Universitäten, Ausstellungspavillons u.a.).

      Gleichzeitig stellt das Kragdach der Tankstelle eines der wichtigen, denkmalwürdigen Beispiele der gestalterischen Erprobung technisch neuer Errungenschaften der Zeit dar: Es ist eine freitragende, einseitig verankerte, dünne Pseudo-Schalenkonstruktion aus Stahl und Beton, die als direkter Vorläufer der echten Spannbeton-Bauweise Seltenheitswert besitzt.

      Die Kombination der geometrisch geprägten Gruppierung der pavillonartigen, großzügig und luftig durchfensterten Gebäudeteile in der Tradition der Lehren des Dessauer Bauhauses mit einer organisch anmutenden Flügeldachform ist genuiner Ausdruck zeitgenössischer Architekturauffassung, für die im Kölner Stadtbereich zahlreiche Parallelbeispiele gefunden werden können.

      Städtebauliches Einzelmonument bleibt die Tankstellenanlage ganz allgemein bis heute durch ihre Funktion; zumeist an großen Ausfallstraßen oder Ortsrändern gelegen, bleiben sie bis auf wenige Ausnahmen (Integration in größere Innenstadtgebäude, die häufig auch Parkhäuser sind) auch wegen der Geräuschentwicklung in diesen Gewerbebetrieben Einzelbauten, die zwischen urbaner Architektur und funktionalem Industriebau angesiedelt sind.

      Unter diesen ist das hier bewertete Beispiel einer der seltenen, überzeugend gelungenen und, leider, bis heute kaum übertroffenen Versuche, diese Bauaufgabe baukünsterlisch und ästhetisch qualitätvoll, funktional befriedigend und städtebaulich harmonisch zu lösen.”

      Nun ist die Kölner Tankstelle sicherlich ein Stück weit prägnanter als die Lingener Tankstelle in der Bernd-Rosemeyer-Straße. Aber auch unsere kleine Tankstelle aus den 1950er Jahren symbolisiert den historischen Wechsel in Stadtgestaltung und Versorgung. Und sieht außerdem gut aus. Guckst Du hier.

      • Job said

        Aber auch unsere kleine Tankstelle aus den 1950er Jahren symbolisiert den historischen Wechsel in Stadtgestaltung und Versorgung. Und sieht außerdem gut aus.

        Naja, über das gut Aussehen dieser dreckigsten Ecke in Lingen lässt sich sicherlich vortrefflich streiten.
        Ich höre schon jetzt das Geschrei der BN wenn es darum geht für die Renovierung etliche 100.000 € aus dem Stadtsäckel locker zu machen. Der Schandfleck gehört abgerissen, alles andere ist pure Verschwendung von Steuergeldern.

        • Wer baggert so schnell noch im Baggerloch,
          es ist der Job, er baggert noch.

          Aber im Ernst: Der Abrissaufruf ist ein peinlicher, kultur- wie geschichtsloser Ausrutscher.

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