Barock
22. Februar 2012
Gerade rächt sich, was die Minderheitsfraktionen im emsländischen Kreistag bei der “Wahl” genannten Stellenbesetzung des Ersten Kreisrats im vergangenen Jahr durchgehen ließen – oder wo sie gar mitmachten. Landrat Reinhard Winter (CDU, Foto re.) meint offenbar, er sei nicht etwa nur von niederem Adel sondern irgendwie eine Art König oder zumindest Kurfürst wie weiland Clemens August (Foto re.). Denn jetzt will er auch zwei weitere Dezernentenposten des Kreises Emsland so besetzen (ein wunderschöner Begriff in diesem Zusammenhang) wie es dessen Art war; praktisch geheim, ausgekungelt und feudal-undemokratisch. Ob die Minderheitsfraktionen jedenfalls diesmal, beispielsweise gerichtlich, dagegen vorgehen (und nicht nur lamentieren), weiß ich nicht. Bündnis’90/Die Grünen jedenfalls sind schon mal ordentlich sauer und schreiben diese Pressemitteilung:
Auf heftige Kritik der Grünen im Kreistag Emsland stößt die Absicht der CDU und des Landrats Winter, die Gremien des Kreistages im Vorfeld über die Bewerberinnen und Bewerber für zwei Dezernentenstellen nicht näher informieren zu wollen. „Wir Grünen sind im Emsland bei der letzten Kommunalwahl mit der Forderung nach mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung angetreten, aber die Kreisspitze und die Mehrheitsfraktion will dies verhindern, obwohl auch Herr Winter sich im Wahlkampf im letzten Jahr für eine transparente und bürgernahe Verwaltung ausgesprochen hat. Hier hat er die Gelegenheit, sein Versprechen einzulösen. Während in anderen Landkreisen bei der Suche nach Kandidatinnen und Kandidaten ein offenerer Umgang praktiziert wird, versucht die Spitze des Landkreises Emslands erneut die engere Auswahl der Dezernenten-Kandidaten zum Staatsgeheimnis zu machen. Es wird nur ein Kandidat präsentiert! Wir leben aber nicht mehr im Mittelalter, in einer Zeit, wo wichtige öffentliche Ämter von des Königs Gnaden besetzt wurden“, heißt es in einer Erklärung der Fraktion der Grünen.
Die Grünen haben nach eigenen Angaben in einem Antrag ein Auswahlverfahren vorgeschlagen, das so auch kürzlich im benachbarten Landkreis Aurich und in anderen Kreisen praktiziert wird und bei dem die Mitwirkungsmöglichkeiten der Mitglieder des Kreistages beachtet werden: „Eine „Vor-Entscheid-Runde“ aus Personalrat, Personalamt und Landrat kommt zusammen und lädt maximal vier (minimal zwei) Personen (möglichst paritätisch) zu Vorstellungsgesprächen ein. Zwischenzeitlich können sich dann die Fraktionsvorsitzenden alle Bewerbungsunterlagen durchsehen und auch an den Vorstellungsgesprächen teilnehmen“; so der Vorsitzende des Kreistagsfraktion Nikolaus Schütte zur Wick. „Dieses Verfahren wurde unlängst so in Aurich praktiziert, als dort die ehemalige emsländische Dezernentin Henni Krabbe gewählt wurde. Also es geht, wenn man nur ein wenig Offenheit will!
Ich nehme an, dass Kurfürst Reinhard I. den Vorwurf empört zurückweisen wird, es gehe unter ihm so zu wie im Mittelalter. Damit könnte er sogar recht haben, lebte doch Vorbild Clemens August im Barock.
(Foto: Clemens August 1746 wikipedia CC)

Lang lebe der große König des Emslandes: Reinhard Winter der I. (Wann können die Unschobern vorbeikommen, um ihm zu huldigen?)
Ist das mit dem Dreigestirn nicht am Aschermittwoch wieder vorbei?
SCHNELL NOCH BEWERBEN!
Die offizielle Bewerbungsfrist endet erst am 19.03.2012. Also nix wie los, und schnell noch bewerben…
http://www.stellenanzeigen.de/job/735847/?campaign=neueoz&ergebnisid=a166bf5871fb7a85