Medien-Tsunami

12. April 2011

Horst Kemmeter, Leiter des des Kernkraftwerks Emsland sagte aus Anlass der Podiumsdiskussion im Ludwig-Windthorst-Haus gestern Abend in einem Interview mit der Ems-Vechte-Welle:

„Deutschland ist nicht die Welt. Um uns herum werden die Ereignisse in Japan mit weniger Emotionen diskutiert. Man lässt sich mehr Zeit, um die Bewertung in Ruhe und vernünftig vornehmen zu können. In Deutschland war der „Medien-Tsunami“ auch nachfolgend….Man verunsichert und arbeitet mit Ängsten bei unserer Bevölkerung.  Es ist unsere Sicherheitskultur, aus den Ereignissen Lehren zu ziehen. Diese Lehren werden mit Sicherheit gezogen, und die politische Neuausrichtung wird im Juni erfolgen.“

Unglaublich,  dieser Ton :

“Medien-Tsunami, vernünftig, Bewertung in Ruhe, mit weniger Emotionen, mit Ängsten arbeiten, mit Sicherheit, politische Neuausrichtung”

ps Weitere  Einzelheiten über den Abend im “LWH” gibt es hier  im EVW-Podcast und eine Aufzeichnung der gesamten Diskussion wird am kommenden Sonntag (17.04.2011) ab 9:00 Uhr auf der Ems-Vechte-Welle (u.a. 95,6 MHz)  gesendet.

Umweltkatastrophe

12. April 2011

Die Tankerexplosion im Hafen der BP-Raffinerie und die anschließenden Löscharbeiten haben zu einer regionalen Umweltkatastrophe geführt. Das ist inzwischen klar. Klar ist auch, dass die Behörden dieser Umweltkatastrophe hilflos gegenüber stehen. Sie fordern zwar dazu auf, keine Fische zu verzehren, die im Dortmund-Ems-Kanal gefangen worden sind. Aber diese und ihreanderen Reaktionen wirken reichlich hilflos.

Die Warnung vor dem Fischverzehr können sie sich ruhig schenken. Ich kann mir niemanden vorstellen, der aus der aufgeschäumten Wasserbrühe Fisch angelt.  Es gibt wohl ohnehin kaum noch Fische in dem Gewässer zwischen Holthausen und Meppen, seit es mit Löschschaum und Benzin kilometerlang verschmutzt ist. Beschleunigt durch die Schleusungen fließt es langsam aber stetig in Richtung Ems. Unterwegs gibt es tonnenweise tote Fische. Das bestätigt auch Reinhard Lömker, Leiter der Unteren Wasserbehörde der Stadt Lingen (Ems).   Mitglieder des Angelsportvereins Meppen bergen derweil noch lebende Tiere und bringen sie in andere Gewässer. “Ob wir die Tiere dadurch wirklich retten, wissen wir nicht”, sagt Vereinssprecher Dieter Heuwers.

Umweltschützer und Angler kritisieren immer heftiger das Katastrophenmanagement der Behörden. Der Landkreis sei überhaupt nicht vorbereitet auf die Katastrophe. Maria Feige-Osmers (BUND Emsland) bezeichnet das Geschehen als „Umweltsauerei“. Jutta Over (NABU Emsland) beanstandet, dass „die ökologischen Ausmaße der Katastrophe von den Behörden verharmlost werden.“ Neben dem Löschschaum seien auch Tausende Liter Benzin in den Kanal geflossen. Dort fließe jetzt „eine hochgiftige wasserlösliche Emulsion, die von Wassertieren auch über Haut und Kiemen aufgenommen werden.“ Gewässersohle, Steinschüttungen und Uferstauden seien wohl auf längere Zeit verseucht. Vorübergehende Sauerstoffarmut durch den Abbau der Löschschäume reiche als Erklärung für das Fischsterben nicht aus, sagte die Biologin zur “Meppener Tagespost”.

Das Prinzip, mit dem die Behörden agieren, ist ebenso simpel wie gefährlich: Verdünnen. Aber das, so Juklia Over, löst das Problem nicht, “weil sich die toxischen Stoffe anreichern. Mit jeder Schleusung werden die Schadstoffe weiter diffus verteilt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Kanal nicht zu schnell wieder für die Schifffahrt freigegeben worden ist.”

Die Freiwillige Feuerwehr Meppen versuchte gestern erneut das sauerstoffarme Kanalwasser zu belüften – wie schon am vergangenen Freitag, als auch die Feuerwehren aus Bawinkel, Osterbrock und Emsbüren mithalfen. Beim Landkreis Emsland hieß es derweil, der Sauerstoffgehalt unterhalb der Schleuse Meppen betrage bis zu 8 Milligramm pro Liter. Das bedeute keinerlei Gefährdung für Lebewesen. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist offenbar so niedrig wie der Sauerstoffgehalt im Kanal, der alle Fische ersticken lässt.  Denn MT-Redakteur Tobias Böckermann zitiert “Beteiligte vor Ort”.  Nach ihren Angaben lag der Sauerstoffwert im Kanal direkt unterhalb der Schleuse Varloh keineswegs bei 8 Milligramm sondern  zwischenzeitlich bei tödlichen 0,2 Milligramm. Der biologische Abbauprozess des verbliebenen weißen Löschschaums zehrt so viel Sauerstoff aus dem Wasser, dass die Fische ersticken. Vom Sauerstofftod bedrohte Aale springen im Todeskampf an Land.  Zu beklagen sind längst auch tote Hechte und Zander.

Ein weiteres Versäumnis: Sie Verantwortlichen im Kreishaus haben bislang keine Fische auf Schadstoffe und Gift untersuchen lassen. untersuchen lassen. „Wir wissen einfach nicht, was man tun kann oder tun müsste“, beklagt Dieter Heuwers vom Anglersportverein Meppen gegenüber der MT. „Wenn die Fische nur am Sauerstoffmangel eingegangen sind, dann besteht ja keine weitere Gefahr. Wenn aber auch Gift im Spiel ist, dann hätte man die Kanalufer sperren oder zumindest Warnschilder aufstellen müssen.“

Ziel der Behörden ist jetzt, dass sich “das schadstoffbelastete Wasser durch möglichst viel Bewegung im Kanal” verdünnt. Der NABU kritisiert dieses Vorgehen als “schlechte Notlösung”. Und: Noch immer schweigen die Wasser- und Umweltbehörden darüber, welche Stoffe sich seit der Explosion im Kanalwasser befinden.  Mit der Erhöhung der Fließgeschwindigkeit im Kanal und der Belüftung werde versucht, das Sauerstoffdefizit zu verringern. “Weitere technische, mechanische oder biologisch-chemische Maßnahmen sind nicht möglich.” Sobald das belastete Wasser die Hase und die Ems erreiche – voraussichtlich in mehr als drei Tagen –, sei mit einer Entspannung der Situation zu rechnen, da neben einer starken Verdünnung der Rückstände zugleich ein hoher Sauerstoffeintrag erreicht werde. Wer’s glaubt…

Christoph Elbert, Vorsitzender des Angelsportverein Meppen ist realistischer: “Dass die Natur sich wieder regeneriert, wird wahrscheinlich Jahre dauern.”  Dafür gibt es ein Beispiel, weiß MT-Redakteur Tobias Böckermann: Vor vier Jahren  hatten Löschschäume im Saarland das Wasser des Flusses Blies so verunreinigt, dass das Angeln 14 Monate lang verboten war.  Die Schäume enthalten auch  PFOS (Perfluorooctane sulfonic acid). Der  Stoff wird von der Europäischen Union  gemeinsam mit dem berüchtigten DDT genannt und  ist ab  Mitte des Jahres EU-weit verboten. Bei dem Tankerunglück in Lingen kam er aber noch legalerweise zum Einsatz . PFOS-Schaum erleichtert das Löschen von brennenden Flüssigkeiten, reichert sich aber in der Tier- und Umwelt an und ist stark  gesundheitsschädlich.

Ach ja: BP schweigt. Und irgendwer dröhnt sicherlich auch wieder, dass zu keiner Zeit eine Gefährdung der….

(Quellen: Meppener Tagespost, NDR; PFOS-Formel Grafik: wikipedia CC)

Sondaschule

12. April 2011

Sondaschule
>Kennste den? Tour 2011<

Lingen (Ems) – Alter Schlachthof
Sa, 16.04.  –  20 Uhr
Eintritt:  12,00 zzgl. Geb. VVK

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