Spezial
6. November 2009
Die Bahn ist wieder ganz vorn dabei und wirbt: “Das Mauerfall-Spezial. Reisen zum Einheitspreis. Nur 20,- Euro.“ Erhältlich nur am 9.11.09 von 18:57 Uhr bis 3:00 Uhr online auf bahn.de und in einzelnen Reisezentren (nicht in Lingen, das örtliche Reisezentrum ist dann schon längst geschlossen). Die 20-Euro-Fahrkarte gilt für die einfache Fahrt und -zu viel Einheit is’ nich- nur in der 2. Klasse, allerdings auch im ICE. (Interessiert, dann hier klicken)
Irgendwie finde ich den Fahrkartenpreis zwar in Ordnung. Aber muss denn das einzigartige historische Ereignis „Mauerfall“ so platt kommerzialisiert werden, frage ich und denke im selben Moment daran, dass zum dauerhaften Gedenken an dasselbe Datum auf einer Lingener Baustelle ein beeindruckendes Straßenschild enthüllt wird. Diese lokale Benennung ist übrigens (auch) nicht so ganz meine Sache, ist doch die Maueröffnung bekanntlich erst mal Folge eines Schabowski-Fehlers auf einer Pressekonferenz. Leipzig am 9. Oktober 1989 war für die friedliche Revolution womöglich wichtiger und ein Herr im Moskauer Kreml sowieso. Die deutsche Einheit, die ich gern feiere, ist viel mehr als der 9. November 1989, mag dieses Datum auch das emotionalste sein. „Platz der deutschen Einheit“ wäre daher ein zutreffenderer Name gewesen, sagte die SPD vor Wochenfrist im Stadtrat und lag damit richtig, gibt es doch auch noch anderes, wichtiges, elementares an jedem deutschen 9. November.
Über all dies habe ich heute morgen um 7 Uhr auf einem der zugigsten Bahnsteigversuche der Republik reichlich frierend nachgedacht. Das hätte ich bestimmt noch ein bisschen intensiver getan, wenn ich da schon die dröhnende Kommerzaktion der Bahn gekannt hätte.
Straßen- und Plätzenamen sind „Glücksache“, Lingen ist wie andere Städte reich an Straßen, die den Namen eines bundesdeutschen Politikers bekommen haben. Ich bevorzuge dann eigentlich doch eher Blumen, Bäume, namhafte Dichter und Denker vergangener Epochen. Bei dem „neuen“ Platz finde ich „Platz der deutschen Einheit“ auch viel, viel besser.
Ich halte auch nichts davon, Straßen oder Plätze nach einem Datum zu benennen. Fällt es doch vielen, vielleicht besonders den nächsten Generationen schwerer, die Hintergründe zu einen speziellen Datum zu kennen, als wenn eine Straße oder ein Platz direkt nach dem Ereignis benannt wird. „Platz der deutschen Einheit“ fände auch meinen Zuspruch.
„Straße des Volksaufstandes in der DDR“ wäre vielleicht auch besser gewesen…
Na das mit „Volksaufstand“ ist eher eine Legende, nicht vergessen, Geschichte wird von den Siegern geschrieben, aber immerhin, das Endergebnis ist das was zählt, einzig der Zentralrat der Auserwählten wollte gestern, die Stimmung und Feierlaune verderben, zum Glück ist es denen nicht gelungen, war gestern/heute Nacht noch in Berlin, es war wohl schön, auch wenn das Merchandising (gelebter Kapitalismus
) ein wenig störend wirkte.
Gelbe Karte, Alfrett. Steck Dir deinen Antisemitismus irgendwo hin, aber nicht in meinem Blog.