kalkulatorisch
14. Juni 2009
Die Bürgerinitiative „Arenawahn“, deren Internetseite ich immer noch nicht gefunden habe, hat diese Presseerklärung veröffentlicht:
BI: Stadt plant Emslandarena ohne Bedarfsgutachten
Veröffentlichte Zahlen basieren auf Vermutungen und SpekulationenRat und Verwaltung der Stadt Lingen betonen seit Wochen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern in beschwörender Weise: „Wir brauchen diese Halle!“ Jetzt stellt sich überraschend heraus, dass der Bedarf gar nicht ermittelt wurde. Erst auf mehrfache Nachfrage der „Bürgerinitiative Arenawahn Lingen“ musste der Leiter des Stadtplanungsamtes, Peter Krämer, kleinlaut eingestehen, dass bis zum heutigen Tage keine Bedarfsanalyse für die Emslandarena erstellt wurde.
Dies bedeutet, dass die Entscheidungen, ob überhaupt eine Arena gebraucht wird und wenn ja, in welcher Größenordnung, einzig auf Wunschvorstellungen, Vermutungen und spekulative Zahlen basieren.
Die Bürgerinitiative und alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt stellen sich nun die Frage, wie eine Investitionssumme von ca. 30 Millionen Euro verplant werden kann, ohne auf gesicherte und gutachterliche Daten zurückgreifen zu können.
Jeder Kleinunternehmer und Handwerksbetrieb der Stadt, der ein Bauvorhaben plant, muss für einen öffentlichen Kredit u.a. eine Bedarfsstudie und einen Finanzierungsplan vorlegen. Gelten diese Ansprüche nicht für städtische Bauvorhaben?
Im Bürgerbrief wird um Verständnis und Wohlwollen für die Arena geworben. Wie kann dies vom Bürger erwartet werden, wenn auf eklatante Weise die Öffentlichkeit falsch informiert wird?
Wir fordern Rat und Verwaltung auf, sich endlich sachlich fundiert dem Thema Emslandarena zu nähern und seine Aufgaben zu erledigen. Jeder Bürger hat ein Anrecht darauf.
Wichtig ist: Bis heute fehlt eine seriöse Ermittlung der Folgekosten einer Emsland-Arena (ohne Hometeam, also ohne eine sportliche Spitzenmannschaft). Brutto sind jährlich für die an der B 214 geplante Emsland-Arena 1.100.000 Euro aufzubringen. Darin sind kalkulatorische Kosten nicht enthalten, die noch einmal bei deutlich mehr als derselben Summe liegen dürften und zu einer seriösen Kostenschätzung gehören. Allein die Zinsen für 20 Mio Euro, die die Stadt für das Projekt als Kredit aufnehmen muss, liegen bei 1 Mio Euro im Jahr.
Bei Einnahmen aus den geplanten „50-60 Veranstaltungen im Jahr“ sollen angeblich 500.000 Euro erlöst werden – also 10.000 Euro pro Veranstaltung. Das halte ich für utopisch und bin mehr als skeptisch, ob die bisher erklärten Einnahmen realistisch sind. Hinzuzurechnen sind außerdem in jedem Fall die erheblichen Einnahmeausfälle bei den jetzigen Emslandhallen, in denen dann keine Großveranstaltungen mehr stattfinden werden.
Ehrlich diskutieren kann man das Projekt nur, wenn man sagt, dass es jährlich mehr als 2 Mio, eher 3 Mio aus dem städtischen Haushalt abzieht. Zum Vergleich: Die neidisch-aufgeregte Empörung u.a. vom Darmer Ortsbürgermeister und Arenabefürworter Werner Hartke (CDU) oder auch der SPD über die 80.000 Euro, die der TuS Lingen einmalig aus dem Stadtsäckel bekommt, ist angesichts dessen bloß lächerlich.
Achja! Nachgerechnet und überprüft wissen möchte ich auch das Lärmgutachten. Die LT berichtet:
„Seitens der Ingenieurgesellschaft Zech machte Sabine Lehmköster deutlich, dass sowohl die Wohnbebauung des Gauerbachs als auch die Hedon-Klinik und des Kursana Domizils unter lärmtechnischer Berücksichtigung kaum tangiert würden. Beispielhaft nannte Frau Lehmköster unter anderem, dass für die Hedon-Klinik in der lautesten Nachtstunde bei abfahrendem Verkehr und ungünstigem Wind (Nord-West) lediglich 35 Dezibel errechnet worden seien, und das bei geöffnetem Fenster (Zum Vergleich: 30 Dezibel erreicht die Stimme beim Flüstern, 60 Dezibel eine Nähmaschine und 120 Dezibel ein Flugzeug in geringer Entfernung).“
Mit Verlaub: Das glaube ich nicht ohne weiteres, nachdem Planungsamtsleiter Peter Krämer am vergangenen Donnerstag im Ortsrat Laxten erklärte:
Zurzeit arbeite man daran, die Halle verkehrlich zu erschließen und den Lärmschutz weiter zu optimieren.
Warum dies, wenn die Halle lärmtechnisch nur ein leichtes Säuseln hervorruft?
(Foto: knipseline, pixelio)
Danke für die prompte Information:
Hier ist die Internetseite der BI Arenawahn.
ps Die Seite muss aber inhaltlich und auch sonst noch reichlich nachgebessert werden…
Es ist doch immer interessant, bei einem Projekt die Argumente aller Seiten zu hören.
Das ist schon ein dickes Ding, dass es gar kein Bedarfsgutachten gibt. Nach welchen Kriterien haben die Stadträte und Ortsräte Ihre Meinung gefällt? Wieder mal geschlafen und den Wortführern einfach nachgelaufen?
Es ist doch schon eine Schande, das Lingen mit dem höchsten Steueraufkommen im Emsland noch Schulden hat. Mit solchen Projekten wird es auch so bleiben.
Dann müssen Bäume gefällt werden, damit Industrie angesiedelt wird und dann hoffentlich wieder mehr Gewerbesteuern reinkommen. Diese können dann direkt in das nächste größenwannsinnige Projekt gesteckt werden.
Daran kann jeder erkennen, dass die Politik auch in guten Zeiten nicht sparen kann und will.
Das Karussell dreht sich immer weiter. Die Kohle muss raus.
Ich finde, dass Herr Pott einfach aus seiner Privattasche lebenslänglich die jährliche Defizit von 1 Promille zahlen soll und natürlich erhält er den selben Anteil vom Gewinn. Bei 2 Mio Verlust oder Gewinn für beide Arenen pro Jahr sind das dann nur 2000 € für Herrn Pott, also für alle Überschaubar.
Ein Kumpel hat mir berichtet, dass sie in Hörstel gegen den Flugplatz im letzten Jahr den Ratsmitgliedern mächtig Dampf gemacht haben, und diese sind dann zum Schluss auch umgekippt. Der 1. Vorsitzende einer Partei ist zurückgetreten …
Das könnte auch in Lingen passieren, es muss nur genug Druck gemacht werden. Vor allem mit solchen Themen wie Kosten, Notwendigkeit für die Stadt usw.
Argumente bezüglich Lärm wird vorwiegend von den Nachbarn unterstützt, aber nicht von allen Lingenern. Die sind sicherlich froh, dass eine Arena nicht in Ihrer Nachbarschaft entsteht. Also viele Argumente für die gesamte Allgemeinheit sammeln und veröffentlichen. Das bringt auch Unterstützung.
Recherche im Haushaltsplan der Stadt Lingen bringt auch vieles zu den Emslandhallen und Innenstadtprojekte zutage. Viele Details wissen die Lingener gar nicht. Aktenunterlagen von den Emslandhallen besorgen, Einsicht verlangen und viele Themen veröffentlichen. Wenn es die Zeitung nicht macht – das Internet hilft und Flyer mit dem Hinweis auf die Homepage in der Stadt verteilen. Die kosten relativ wenig, besonders in großen Mengen.
Seht Euch mal die Seite aus Dörpen an. Das ist Power.
Zum Artikel in der LT vom 19.06.09 „Wenn schon, denn schon“ (5.000 Plätze) … ich dachte dümmer geht nicht.
In den letzten Wochen komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus.
Die Halle wird ohnehin Murks!! Siehe LINUS, EL-Stadion, EL-Hallen… alles gute Ideen, aber eine GRAUENHAFTE Umsetzung.
Man würde sich wünschen, dass nur einmal die Augengeöffnet würden.
Personen aus meinem Umfeld teilen mir mit, dass der Satz
„Wer hat uns verraten? – Sozialdemokraten, Sozialdemokraten!!!….“
ab heute in Lingen wohl eine völlig neue Bedeutung gewonnen hat.