Zielraum
31. Mai 2009
Entschuldigung, dieser BlogBeitrag wird ein bisschen länger. Aber nach Plänen des Energiekonzerns RWE soll eine besondere Pipeline durch Lingen geführt werden. Das Unternehmen will nämlich bis 2014 in Hürth nahe Köln ein neues, hochmodernes Braunkohlekraftwerk errichten. Das darin tonnenweise frei gesetzte Kohlendioxid (CO2) soll unterirdisch gespeichert werden. Dazu will es der Energiekonzern durch ein mehrere hundert Kilometer langes, einen halben Meter dickes Rohr transportieren und an dessen Ende das CO2 in bis zu tausend Meter tiefe, unterirdische Endlager pumpen. Dieses CO2-Rohr soll durch Lingen führen.
CO2, ein farb- und geruchsloses Gas, ist in hohen Konzentrationen sehr gesundheitsschädlich und kann, wenn man es einatmet, zum Erstickungstod führen. CO2 entsteht in den Kraftwerken bei der Verbrennung fossiler Stoffe, also von Kohle, Gas und Öl. Durch die Energieproduktion entweichen jährlich rund 36 Mrd. Tonnen CO2 in die Atmosphäre und sind Hauptverursacher der globalen Erwärmung. Kohlenstoffdioxid absorbiert einen Teil der Wärmestrahlung, während kurzwelligere Strahlung, d.h. der größte Teil der Sonnenstrahlung, passieren kann. Diese Eigenschaft macht Kohlenstoffdioxid zu einem Treibhausgas. Eine Lösung für das CO2-Problem besteht in der Erzeugung von Strom aus erneuerbarer Energie wie z.B. Wind- und Sonnenenergie. Die Kraftwerksbetreiber planen derweil als angebliche Alternative die Abspaltung des CO2 bei der herkömmlichen Energieproduktion und nachfolgend die unterirdische Einlagerung des Gases. Diese Technologie wird in feinem Technokratendeutsch CCS (Carbon Capture and Storage) genannt. Weltweit gibt es noch keine Erfahrungen mit dieser neuen Technologie.
Weil die von RWE geplante Lagerstätte für das in Hürth entstehende Treibhausgas weit entfernt liegt – im nördlichen Schleswig-Holstein fast an der dänischen Grenze, muss das mehrere 100 km lange Rohr zwischen Kraftwerk und Lagerstätte her. Darüber wird seit dem letzten Jahr diskutiert. Jüngst warnte der BUND Niedersachsen erneut, dass die Probleme des Transports von CO2 aus Kraftwerken zu Lagerstätten bislang völlig ungeklärt sind, und der Verband informierte über neue Einzelheiten des RWE-Vorhabens. Die Umweltorganisation veröffentlichte dabei auch eine Plankarte der RWE (oben links), die die vorgesehene Pipeline-Trasse konkret darstellt und damit bisher veröffentlichte, schematische Karten präzisiert. Die CO2-Leitung der RWE soll demnach westlich des Ruhrgebiets entlang über Lingen und Oldenburg durch Nordniedersachsen und unter der Elbmündung hindurch, über Husum bis in den nordfriesischen “Zielraum“ Stadum/Hörup geführt werden. Ein RWE-Sprecher dementierte inzwischen die Karte nicht, bezeichnete die Trassenkarte allerdings als „reine Spekulation“. Gespräche mit Planungsbehörden liefen jedoch bereits.
Die CCS-Technologie ist sehr umstritten. Kritisiert werden ihre erheblichen Risiken. Weil es bisher überhaupt keine gesetzliche Regelung gibt, beraten Bundesrat und Bundestag über ein Gesetz zur „Abscheidung, zum Transport und zur dauerhaften Lagerung von Kohlendioxid“ (dazu diese BUND-Pressemitteilung). Das Bundeskabinett hatte Anfang April den Gesetzentwurf verabschiedet (mehr). Ende vorletzter Woche befasste sich sich auch der Bundesrat mit dem Entwurf und sah deutlichen Korrekturbedarf.
„In diesem Gesetzentwurf“, kritisiert auch Prof. Dr. Helmut Scharpf, stellvertretender Landesvorsitzender des BUND Niedersachsen, „werden die Risiken für Kommunen entlang der CO2-Pipeline nicht berücksichtigt.“ Der Gesetzentwurf treffe weder Regelungen für die technische Sicherheit von CO2-Leitungen noch für Maßnahmen bei Unfällen oder für die Zusammensetzung des Kohlendioxidstroms. All dies könne Auswirkungen auf die Beherrschbarkeit von Leckagen haben sowie Gesundheitsrisiken für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. Gerade in Schleswig-Holstein und Nordniedersachsen, wo das größte Potential an Lagerstätten vermutet wird, steht die CCS-Technologie offenbar auch in Konkurrenz zu erneuerbaren Energien. Denn die unterirdischen Kavernen werden ebenso als Druckluftspeicher für Windenergie benötigt. Der CCS-Gesetzentwurf , so die Kritiker, schaffe damit de facto einen Vorrang für CO2-Speicher und behindere damit den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die deutsche Geothermische Vereinigung sieht große Konkurrenz zur Erdwärmeerzeugung.
Der Präsident von Eurosolar und Träger des alternativen Nobelpreises Hermann Scheer (SPD-MdB, Foto) warnt daher davor, die CCS-Technologie überhaupt weiter zu betreiben und aus Steuergeldern mitzufinanzieren. „RWE behauptet in der Eigenreklame, voRWEg zu gehen, ist aber in Wahrheit auf einem IrRWEg“, sagte Scheer. „Der Transport quer durch unser Land und die unterirdische Endlagerung von Kohlendioxid sind eine Bedrohung der Zivilisation über Jahrtausende. Das CO2 darf nie wieder heraus! Die Bundesrepublik Deutschland ist kein Abenteuerspielplatz von RWE und Vattenfall.“
Im Gegensatz zu Emsland und Lingen (Ems) werden in Schleswig-Holstein die Pläne längst öffentlich diskutiert. „Wir dürfen nicht Versuchskaninchen für eine sinnlose und gefährliche Technologie werden“, sagt beispielsweise der nordfriesische SPD-Bundestagskandidat Hanno Fecke. „Es ist nicht mehr hinzunehmen, dass es den Energieversorgern wieder gelingt, ihre selbst verschuldeten Probleme auf Kosten der Bevölkerung und zu Lasten aller nachfolgenden Generationen lösen zu wollen. Schon bei der Atomenergie hat die Lobby der Energiekonzerne uns mit dem Endlagerungs-Problem allein gelassen und uns das Risiko aufgebürdet.“ Denn, so der Gesetzentwurf, 30 Jahre nach Befüllen einer unterirdischen Lagerstätte soll ihr Betrieb Der SPD-Mann sagte, mit der nicht erprobten CCS-Technologie werde wieder in die falsche Richtung gearbeitet. „CO2 wird nicht vermieden, sondern einfach nur in der Erde versteckt.“ Prof. Dr. Helmut Scharpf kritisiert: “Das Störfallrisiko soll offenbar von Ländern und Kommunen getragen werden, die Eingriffe in Natur und Landschaft sind inakzeptabel.“
Das Vorhaben der RWE betrifft Lingen konkret. Denn das Landwirtschaftsministerium in Hannover bestätigte gegenüber welt-online die “angedachte Trasse“. Man müsse aber die am besten geeignete Route noch erarbeiten. Ministeriumssprecher Gert Hahne: „Die Interessen des Menschenschutzes, des Tierschutzes haben dabei Vorrang.“ Erst wenn die Details feststünden, werde es „für die Bevölkerung interessant.“ – ein Satz, der nicht überzeugt. Denn Hahne machte auch klar: „Über den Sinn oder Unsinn einer solchen Pipeline zu entscheiden, ist nicht Aufgabe unseres Hauses.“ Der Unsinn der Pipeline samt ihren Risiken droht daher tatsächlich.
Dass hier Risiken erheblicher und neuer Qualität auf Lingen zukommen, kann man bereits mit Händen greifen. Die fehlende Kritikfähigkeit der lokalen CDU zu Plänen der Großindustrie ist ein allgemeines, von ihr selbst geradezu bejubeltes Faktum. Und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) unterstützt die vom RWE-Konzern geplante CO2-Pipeline. „Ich halte dies für ein hoch spannendes Projekt“, sagte Rüttgers schon im Spätsommer 2008, als die Pläne erstmals bekannt wurden. Seither sind sie offenbar gezielt weiterentwickelt worden. denn jetzt liegt die konkrete CO2-Trasse auf dem Tisch der Ministerien in Düsseldorf, Hannover und Kiel. Und in Lingen wird – auch typisch für derartige Entwicklungen- geschwiegen.
Mir fiel bei meinen Recherchen noch dies auf: In Sedimentschichten eingelagertes CO2 soll („lokal begrenzt„) auch ganz andere Vorteile haben: In fast erschöpften Erdöllagerstätten könnte man dadurch den Förderdruck erhöhen, sagen „Experten„. Entsprechende Forschungen laufen bereits in Großbritannien (Nordsee) und den USA. Dann müssen wir nur noch schauen, wo es in Deutschland solche fast erschöpften Erdöllagerstätten gibt…
Störfaktor
30. Mai 2009
„Kein mobiles Internet für Abgeordnete?
Die SPD möchte verhindern, dass ihre (Bundestags-)Abgeordneten unkontrolliert aus Sitzungen twittern und simsen.
Da man offensichtlich nicht an den Erfolg von Bitten oder Verfahrensordnungen glaubt, soll jetzt ernsthaft der Einsatz von “Störsendern” im Reichstagsgebäude geprüft werden, heißt es bei heise online.
Damit stellen sich unsere Politiker interessanterweise auf die Stufe von Gefangenen. Die Justiz arbeitet ja schon seit Jahren daran, Handys und mobiles Internet aus den Strafanstalten zu verbannen. Dass die Fraktionsspitze ernsthaft meint, ihre Abgeordneten wie Strafgefangene entmündigen und vom mobilen Internet abkoppeln zu können, lässt tief blicken.
Vielleicht wacht der eine oder andere Bundestagsabgeordnete jetzt mal auf. Er dürfte nicht nur auf Twitter Gehör finden.“
gelesen auf: www.lawblog.de
Foto: fielperson ; pixelio.de
Treffen
30. Mai 2009
Bei mir ist folgende E-Mail eingetroffen
Hi ihr Lieben,
haltet Euch mal den Dienstag, 2.6.09 frei. Da treffen wir uns im Bürgerzentrum- GAUERBACH, Am Jägerplatz, zur ersten Versammlung zwecks Gründing der BÜRGERINITIATIVE „ANTI ARENA“. Bringt Leute mit, die sich uns anschließen wollen. Das ist kein Thema nur für Gauerbacher oder Laxtener!
Beim ersten Treffen wollen wir klären, wer was machen kann und möchte. Es geht nicht um Posten, sondern um Arbeitsteilung in einer gemeinsamen Sache mit einem gemeinsamen Ziel!
Wir freuen uns auf Euch.
Thomas Bertling, Iris Oldekamp und Conny Spielmanns
P.S. in eigener Sache: „wartet nicht, bis das Schiff anlegt, sondern schwimmt ihm entgegen!“ Die BI „Altenlingener Forst“ hat … gelehrt: „Wer etwas bewegen will, muss sich bewegen“-
Sofa
29. Mai 2009
Wie von mir angekündigt, gab es die erwartete Ratssitzung. Gestern hat der Lingener Stadtrat alles so abgesegnet, wie es die CDU mehrheitlich beschlossen hat. 29,5 Mio Euro für eine Emslandarena an der Hedon-Klinik plus Grundstück. Geradezu mit Inbrunst argumentierte unser lieber Oberbürgermeister, wie illegal die Nutzung der Emslandhallen am jetzigen Standort ist und wie schrecklich es ist, dass Udo Jürgens in Nordhorn auftreten muss, weil Lingen keine 2.500 Hallensitzplätze bieten könne. Und die ganze (!) CDU applaudierte – also auch die CDU-internen Gegner des Projekts- und dann war die SPD dafür, weil sonst Lingen genau so eine provinzielle Stadt „wie Haselünne oder Meppen“ werde, und auch die FDP erging sich in Elogen an die Adresse des so mutig handelnden Oberbürgermeisters Pott.
Es gab zwei Neinstimmen zu dem Projekt. Michael Fuest (Bündnis ‘90/Die Grünen) und, naja, Sie wissen schon. Ich bin nämlich davon überzeugt, dass die ganze B214-Planung ein falscher Weg ist, der auf der Unwahrheit aufbaut, der Betrieb der Emslandhallen sei zu laut und damit „rechtswidrig“; deshalb sei ein Arena-Umbau nicht möglich.
Nebenbei: Schon die dazu auch gestern wieder von OB Heiner Pott und seinem Stadtbaurat Lisiecki verbreitete Lärm-These stimmt nicht, dass sich Lärm bei 3 dB Zunahme vom subjektiven Empfinden her verdoppele. Wikipedia weiß es besser: „Nach übereinstimmenden wissenschaftlichen Untersuchung wird eine Erhöhung um 10 dB als Verdopplung der Lautstärke empfunden.“
Dass es nicht um Veranstaltungslärm geht, ergibt sich bereits daraus, dass die neue Halle schalldicht erstellt wird. Es geht damit lediglich um den Lärm der an- und abreisenden Besucher. Es geht um 650 Parkplätze auf dem Kirmesplatz. Der notwendige Rest von 850 Stellplätzen steht dann an der Berufsakademie, der Halle I/II des ehem. Ausbesserungswerks, am Emslandstadion und in den Parkgaragen im Stadtzentrum ungenutzt bereit, wenn Abends Veranstaltungen stattfinden. Und mit polizeilicher Hilfe kann jeder Veranstaltungsverkehr vom Kirmesplatz binnen 20 Minuten abfließen.
Worum geht es also wirklich? Nun es geht erst einmal um die Unfähigkeit der Verwaltungsspitze, den denkbaren Einspruch des direkten Nachbarn und Kaufmanns Bernhard van Lengerich auszuräumen. Der hat nicht vergessen, welche Schwierigkeiten ihm die Stadt Lingen (Ems) in den 80er und 90er Jahren gemacht hat und wehrt sich jetzt. Zweitens muss aber mit dem Arena-Projekt in diesem Jahr begonnen werden, sonst stehen die 5 Mio Euro aus dem Konjunkturprogramm nicht zur Verfügung, das Geld ist futsch und die Vertreter der Stadt Lingen (Ems) haben sich richtig schön blamiert. Wegen van Lengerich ist dies nach Ansicht der Rathausspitze nicht möglich. Also muss irgendeine Alternative her. Deshalb ist übrigens inzwischen auch die FDP für Laxten, schließlich hat sich FDP-Mann Jens Beeck für die 5 Mio aus dem Konjunkturtopf engagiert.
Ein zweiter Kritikpunkt kommt hinzu:
Die Planungen gründeten sich bisher auf eine Machbarkeitsstudie der Fa Wenzel Consulting GmbH aus dem Mai 2008 „zur Ertüchtigung der Emslandhallen“ und deren Zahlen. Die Herren empfahlen seinerzeit eine Variante mit 5000 Sitzplätzen (Kürzel „Variante B – Ausbaustufe 3″) mit 5000 Sitzplätzen. Die Wenzel-Experten setzten dafür Kosten von 19 Mio Euro an. Bei der Arena in Laxten sind es für 3500 Sitzplätze inzwischen 25 Mio Euro plus 4,5 Mio Euro Steuern plus Grundstück. Das sind nicht mehr 3500 Euro pro Sitzplatz sondern 8500 Euro pro Sitzplatz. Ein wesentlicher Grund sind die enormen Aufwendungen für Parkplätze.
Hinzu kommen laufende Bewirtschaftungskosten von rund 1,1 Mio Euro pro Jahr, das sind 20 Euro pro Einwohner im Jahr; die Einnahmen aus dem Betrieb der Arena kann man dabei nicht gegenrechnen. Sie werden allemal für die Kreditkosten verbraucht. Zum Vergleich: Für ihre gesamte kommunale Kulturarbeit wendet die Stadt zurzeit rund 25 Euro pro Einwohner und Jahr auf. Zudem ist die Rechnung nicht ganz klar: Denn Wenzel-Consulting rechnete vor Jahresfrist mit Bewirtschaftungskostenvon 3,50 Euro pro Besucher und kalkulierte angesichts der Synergieeffekte in den Emslandhallen mit 300.000 Besuchern pro Jahr. OB Pott hat auf der Bürgerversammlung im Gauerbach von 50-60 Veranstaltungen pro Jahr in der 3500-Plätze-Emslandarena in Laxten gesprochen. Bei ehrlicher Betrachung dürften die Besucherzahlen also deutlich unter 300.000 pro Jahr liegen. Selbst bei voller Auslastung des Arenalein in Laxten käme man nämlich nicht auf 300.000 Besucher. 60 x 3500 sind nicht 300.000 . Rechnen Sie mal nach. Es geht nicht ganz auf … ![]()
Meine Schlussfolgerung: Das Konzept am falschen Platz ist schlicht zu teuer und nicht finanzierbar. Und wenn in der 150.000-Einwohner-Großstadt Osnabrück zeitgleich der Plan für eine Veranstaltungsarena scheitert, weil das Geld eben nicht reicht, sollte Lingen genau nachrechnen und nachdenken, bevor es wegen je 5 Mio Euro Zuschuss von Onkel Hermann aus Meppen und Onkel Christian aus Hannover ein finanzpolitisches Wagnis eingeht.
Mein Vorschlag bleibt die „Ertüchtigung der Emslandhallen“ am bisherigen Standort mit dem bisherigen Veranstaltungsmix und hin auf neue Veranstaltungsformen – so wie es die Experten von Wenzel Consulting erarbeitet haben und so wie es der Stadtrat am 3. Juli 2008 beschlossen hat. Allerdings muss dazu unser Heiner Pott auf’s Sofa von Nachbar Bernhard van Lengerich, Käffchen trinken und verhandeln, und das will oder kann er nicht.
Leute, sonst wird es zu teuer! Zu den dann drohenden Folgen habe ich im Internet jetzt schon dies gefunden:
Domain erwerben
Sie können die Domain emslandhallen-lingen.de kaufen!
…
Hurra
23. Mai 2009
Zur HSG Nordhorn-Lingen (und damit zum leider auch andernorts aktuellen, längst nicht nur sportlichen Lingener Abstiegs-Thema) informiert die Süddeutsche Zeitung heute ihre Leserinnen und Leser. Die Betonung liegt bei „informiert“. Hier der Artikel im Wortlaut:
Ein letztes Hurra
Nordhorn/Kiel – Diese Woche haben die HSG Nordhorn-Lingen und der THW Kiel ein Testspiel gegeneinander bestritten. Offiziell handelte es sich dabei um eine Partie des drittletzten Bundesligaspieltags, aber Kiels 38:27-Sieg war nicht mehr von Bedeutung. Die Kieler sind längst Meister, während die insolventen Nordhorner in die zweite Liga zwangsabsteigen müssen. Insofern waren alle gedanklich schon beim Wochenende, an dem für beide Teams der finale Höhepunkt einer aufregenden Saison ansteht. Kiel empfängt am Sonntag zum Hinspiel des Champions-League-Finals den Titelverteidiger Ciudad Real aus Spanien. Nordhorn spielt im Europapokal der Pokalsieger am Samstag zunächst daheim gegen Pevafersa Valladolid, ebenfalls aus Spanien. Außerdem gastiert der VfL Gummersbach in seinem ersten Europacup-Finale seit 26 Jahren im EHF-Pokal am Samstag bei Gorenje Velenje in Slowenien. Wie im Vorjahr sind deutsche Mannschaften in drei Europapokal-Endspielen vertreten. Doch die Erfolgsbilanz wird getrübt. Während Kiel weiter mit Korruptionsvorwürfen kämpft, endet in Nordhorn eine zehnjährige Ära.
1999 sind die Emsländer in die Bundesliga aufgestiegen, ein Jahrzehnt später müssen sie wieder hinunter in die zweite Liga. „Das bitterste daran ist“, sagt Kapitän Maik Machulla, „dass hier eine Mannschaft absteigt, die intakt ist und hervorragend spielt.“ Der Grund für die guten Leistungen freilich ist, dass eine Mannschaft zusammengestellt wurde, die schon im Herbst nicht mehr bezahlt werden konnte. Zunächst bedurfte es dazu der Hilfe des Nachbarorts Lingen, der als Gegenleistung ein Teil des Namens wurde. Trotzdem musste am 9. März über die mit 1,9 Millionen Euro verschuldete Spielbetriebsgesellschaft das Insolvenzverfahren eröffnet werden. Damit stand der Zwangsabstieg fest. „Die Endspiele gegen Valladolid sind unsere letzten großen Spiele für lange Zeit“, prophezeit Machulla, 32, der in der kommenden Saison Spielertrainer wird. Er hat bis jetzt erst einen Mitspieler sicher. Nicky Verjans hat ebenfalls unterschrieben. Mehr steht noch nicht fest, nicht einmal die Zweitliga-Lizenz. Für sie muss die neue Gesellschaft bis Juni Sponsorenzusagen bestätigen. „Ich weiß überhaupt nicht, wo unser Weg hingeht“, sagt Machulla.
Die Sorgen der Nordhorner Handballer ziehen sich durch die vergangenen Jahre. Es heißt, so pünktlich wie jetzt vom Insolvenzverwalter hätten die Spieler ihr Geld noch nie erhalten. Machulla aber lässt nichts kommen auf den Strippenzieher und ehemaligen Manager Bernd Rigterink. „Er hat hier alles aufgebaut“, sagt der Handballer über den Spediteur, „da hat jetzt keiner das Recht, ihn auszubooten.“ Lingens Oberbürgermeister Heiner Pott hatte allerdings unmissverständlich einen „Neubeginn im sportlichen Management“ gefordert. Um die Rolle von Rigterink, gegen den die Staatsanwaltschaft Osnabrück unter anderem wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt, hat sich ein Streit entfacht. Machulla sagt, Rigterink sei in die Planungen für die kommende Saison in beratender Funktion bereits einbezogen.
Am 1. Juli beginnt die neue Saison, aber gewiss ist bislang nur die Auflösung des alten Teams. In Holger Glandorf (Lemgo), Peter Kuckucka (Schaffhausen) und Erlend Mamelund (Flensburg-Handewitt) sind drei Spieler bereits fort. Nach der Saison wird wohl auch nahezu der komplette Rest verschwinden. Steffen Weinhold wechselt zum TV Großwallstadt, Tobias Karlsson zur SG Flensburg-Handewitt und der Trainer Ola Lindgren als Coach zu den Rhein-Neckar-Löwen nach Mannheim. „Das ist keine einfache Situation“, sagt Lindgren über Höchstleistungen im Niedergang. Trotzdem hat er es zuletzt geschafft, die Mannschaft zu starken Vorstellungen zu animieren. „Ohne das Europacup-Finale“, sagt er, „wäre das schwer geworden.“ Von den jüngsten sechs Spielen hat Nordhorn nur jenes gegen Kiel verloren. „Wir wollen die unschöne Saison mit einem Pokalsieg beenden“, sagt Torwart Peter Gentzel, der nach acht Jahren zum THW Kiel wechselt. Länger als er war in Nordhorn nur der Trainer. Lindgren war zwischen 1998 und 2003 Spieler und ist seitdem Trainer.
Immerhin sieben Jahre hält es nun auch schon Kapitän Machulla aus. Er wertet die Langzeit-Engagements als Indiz für gute Arbeit und für gute Atmosphäre. Auch die Fans haben ihren Klub nicht verstoßen. Das Euregium ist stets voll, auch am Samstag, wenn die Nordhorner nach dem EHF-Cup 2008 ihren zweiten Europapokal gewinnen wollen. Aber was kommt danach? „Unser Ziel ist, in die Bundesliga zurückzukehren“, sagt Machulla, „bloß wann, das ist die Frage.“ Ulrich Hartmann
Die SZ-Überschrift passt gut zur aktuellen Lingener Kommunalpolitik. Das finanzielle Wagnis für eine Arena kann in einer Zeit wegbrechender Stadteinnahmen nur verantwortet werden, wenn Konzeption und Umsetzung stimmig und über jeden Zweifel erhaben sind.
Schon konzeptionell ist aber mit dem Abstieg der HSG erst einmal Potts „Emslandarena“ erledigt. Sie hätte die HSG als „Hometeam“ benötigt, um wirklich das Leuchtturm-Projekt zu sein, dass sie sein sollte.
Städtebaulich ist sie mit der von OB Pott durchgesetzten Verlagerung aus dem Stadtzentrum an den Stadtrand ebenfalls gescheitert. Um einen positiven Effekt auf Lingen zu haben, muss sie ins Stadtezntrum. Auch die Emslandhallen entstanden hier, weil der damalige Oberstadtdirektor Vehring immer und immer wieder die positive Wirkung einer so großen Veranstaltungshalle auf die Innenstadt unterstrich.
Nicht nur sportlich ist das Projekt abgestiegen. Auch inhaltlich ist es vom Leuchtturm zu einem schiefen, leuchtmittelfreien Bauwerk geworden.
Also: Wer rafft sich also jetzt auf, Potts Projekt mit einem Bürgerbegehren zu stoppen?
(Foto: Leuchtturmprojekt – Ernst Rose pixelio)
Er schwächelt
19. Mai 2009
Dann will ich Sie mal eben „appdäten“:
Am Montagabend hat die CDU-Fraktion mehrheitlich beschlossen, das Emsland-Arenalein gegenüber der Hedon-Klinik an der B 214 bauen zu lassen. Allerdings soll noch einmal nachgerechnet werden. Am 28. Mai tagt der Stadtrat. Da wird dann die überstimmte CDU-Minderheit ihre ganze Flexibilität zeigen und sich dem Mehrheitswillen der eigenen Mannen unterordnen und pro B214/Hedon-Klinik votieren. Ach ja, die SPD ist portioniert; denn es gibt Ja-Sager, Nein-Sager und solche, die sich „noch nicht festgelegt“ haben. Die FDP übrigens auch nicht, obwohl ihr Vorturner Jens Beeck schon mal öffentlich gegen den Laxtener-Standort war. Allerdings hat Heiner Pott ihn zwischenzeitlich in Einzelbehandlung genommen.
Die Grünen, die mich in ihre gestrige Sitzung eingeladen hatten (ein Dankeschön dafür) lehnen die Arena in Laxten ab.
Was tun? Immerhin werden gerade 30 Mio Euro in einem sinnfreien Projekt versenkt: Lingen baut mit dem Arenalein mit 3500 Plätzen nicht einmal ein Euregium, wie es Nordhorn schon hat; dessen Kapazität beträgt nämlich 4200 Zuschauer.
Zunächst einmal empfehle ich angesichts der unprofessionellen Hektik im Rathaus eine Bildungsreise ins gar nicht so ferne Halle in Westfalen. Gerry-Weber-Stadion (im baurechtlichen Mischgebiet (!) übrigens). Abendveranstaltungen ab 19 Uhr. Schluss um 22 Uhr. Polizisten sorgen für einen reibungslosen Verkehrs(ab)fluss.
Und wie schon einmal geschrieben: OB Heiner Pott soll mit Kaufmann Bernhard van Lengerich sprechen und ihn mit einem fairen Angebot überzeugen, seine Lärmbedenken fallen zu lassen. Denn die Arena kann allemal so gebaut werden, dass kein Lärm nach draußen dringt. Der errechnete Lärm betrifft also nur den abfließenden Verkehr. 650 Pkw vom Kirmesparkplatz nach Süden, Westen und Osten, also in drei Richtungen. Mit polizeilicher Verkehrslenkung ist das wirklich kein Problem und dauert keine 20 Minuten. Auch kein Problem sind die notwendigen 1500 Parkplätze. Denn in maximal 10 Minuten Fußweg stehen 2000 Parkplätze zur Verfügung.
Weil das Projekt wenn überhaupt nur Sinn im Stadtzentrum macht, gehört es sicherlich nicht auf Laxtener Ackerflächen. Aber ich nehme an, es wird die vierte, fünfte Totaldaneben-Entscheidung unseres OB in den letzten drei Jahren. Heiner schwächelt.
Gerücht
17. Mai 2009
Trifft es zu, dass der Kaufmann Bernhard van Lengerich den Neubau der Emslandarena im Bereich der Emslandhallen verhindert?
Informationen, die mich erreichen, sagen das: Die Stadt habe noch zu Karl-Heinz Vehrings Zeiten -nach dem Ende des legendären Jugendtreffs Rockfabrik- die Eröffnung einer Diskothek durch van Lengerich untersagt. Diesen Jugendtreff hätte Bernhard van Lengerich in einer ehemaligen Verkaufshalle neben dem zuckerhütigen Betonbunker südlich der Kurt-Schumacher-Brücke fertig gestellt. Das anschließende städtische Nein habe der Kaufmann bis heute nicht vergessen. Jetzt halte er dagegen. Die Ausweisung seines ganzen Grundstücks als profitables Sondergebiet im Sinne der Baunutzungsverordnung reiche ihm ebenso wenig wie die Bereitschaft der Stadt, die vorhandenen 150 Jahre alten Linden auf dem sog. Eiskeller und den auch wegräumen zu lassen. Weshalb er die Arenapläne verhindern könne? In erster Linie van Lengerich betreffe die Überschreitung von Lärmgrenzwerten, weshalb er die Emsland-Arena stoppen könne und dies bisher auch wolle.
Tatsache ist: Van Lengerichs Diskothekpläne hat es vor 20 Jahren gegeben. Und das Nein der Stadt ebenso. Und das Verhältnis van Lengerichs zur lokalen Obrigkeit ist -sagen wir mal- traditionell belastet…
Anstatt nun aber den Kopf unter den Arm zu nehmen, lieber Heiner Pott, und mit dem Kaufmann über eine Lösung des Problems zu sprechen, wird eine typisch Lingener Lösung voran getrieben: Losspringen als Tiger und landen als Bettvorleger. Oder anders: Der Bau eines Arenaleins an der B 214 in Laxten. Für 3500 Besucher, also nur unwesentlich mehr als in die Emslandhallen passen. Weil -nu’ kommt’s- eine Arena mit 5000 Plätzen sich nur lohne, falls man ein „Hometeam“ habe, soll die Kleinlösung kommen, eben das Laxtener Arenalein für flockige 25 Mio. Denn -so Heiner Pott im LT-Interview- „Der Gutachter hat uns eine Sitzplatzkapazität von 3500 empfohlen und nur dann 5000, wenn wir ein sogenanntes Hometeam hätten. Das haben wir zurzeit nicht.“
Gab es da nicht diesen vorfinanzierten Handballplan mit der HSG Nordhorn-…?
Egal, Leute lasst es sein. Für das jetzige Vorhaben sind die aufzuwendenden 25, 30 oder 35 Millionen Euro rausgeschmissenes Geld. Lieber solltet ihr jedem Lingener 500 Euro in die Hand drücken und das Vorhaben abwracken.
Übrigens zeigt das pixelio-Foto von Hans-Peter.Haege (@-online.de) die Arena in Pula (Istrien). Als ich das Bild sah, fand ich, es passt bestens zu dem Lingener Vorhaben in seiner aktuellen Ausgestaltung…
Schilda
17. Mai 2009
Zu den autofahrerunfreundlichsten Autobahnauf- und Autobahnabfahrten im Westen zählt diejenige mit dem Namen „Rheine-Nord“ an der A 30. Aus allen Richtungen Staus und stinkend-tuckernde Pkw vor drei hintereinander gepflanzten Ampeln, die durch zwei Kreisverkehre und eine andere Nordzufahrt überflüssig würden, falls man an zuständiger Stelle nachdächte. Das zeigt bereits, dass die Intelligenz der verantwortlichen Beamten deutlich ausbaufähig ist.
Jetzt gibt es dies:
Man nähert sich als A30-Autofahrer aus dem Osten und erreicht die Abfahrt Rheine-Kanalhafen, dann die Abfahrt Rheine und dann als dritte Abfahrt Rheinebindestrichnord. Drei Mal Rheine, also man kann es wirklich nicht übersehen und nicht daran vorbeifahren.
Allerdings haben nun unverhofft die beamteten Herrschaften den einzigen Schilda-Hinweis auf Lingen verschwinden lassen. Schon beim Aufstellen der Abfahrtschilder hatten die Experten einst „Lingen“ vergessen und mussten es später nachkleben. Und jetzt ist Lingen wieder weg. Die Folge: Menschen ohne Navi bzw. Ortsfremde, die nicht wissen, dass man nur von hier aus Lingen direkt über die Bundesstraße 70 erreicht, finden sich orientierungslos irgendwo westlich der Ems wieder. Um dies zu unterstützen, ist das einst Hinzugeklebte blau überklebt. Es darf gerätselt werden, warum.
Immerhin erfahren alle, dass es hier neben Rheinebindestrichnord ab nach Steinfurt und Spelle und Holsterfeld geht. Auf Lingen wird erst wieder am Ende der Autobahnausfahrt an der Straßenampel hingewiesen, weil ja nun doch die Schilder an der Bundesstraße 70 den Knotenpunkt Lingen nicht weglassen können.
Das ist noch ignoranter als die peinliche Ausschilderung durch die A31-Verantwortlichen. Dort gibt es bekanntlich für Nord-Süd-Fahrer die Autobahnabfahrt Wietmarschen, die in Schwartenpohl liegt. An ihr fehlt -nur 10km vor der Lingener Stadtgrenze- jeder Hinweis auf unsere Emsmetropole, weil ja, so einst der besorgte Altenlingener Ortsrat, aufgrund eines solchen Schildes immer mehr Autofahrer über den malträtierten Altenlingener Forstweg fahren würden – so die Begründung. Autofahrer, die sich nicht auskennen, werden deshalb doppelt soweit über die A31-Abfahrt Lingen, die in Lohne liegt, geleitet. Die anderen und die mit Navi fahren trotzdem ab und -geschätzt- zwei bis vier am Tag anschließend auch über den Altenlingener Forstweg. Dort können sie dann bekanntlich weitere Beiträge umweltgerechter Lokalpolitik in Augenschein nehmen.
Debatte
17. Mai 2009
Diese Debatte gab es jüngst auf der Internetseite Kaffee-Netz, der Internetgemeinschaft der Kaffeefreunde (dazu hier mehr):
„Frage: Espresso in Lingen
Ich muss demnächst nach Lingen. Weiß jemand, ob man da irgendwo einen anständigen Espresso bekommt?
Taddel
Antwort: Espresso in Lingen
Hallo, ich bin Lingener und muss dir sagen: Vergiss es. Schöne Cafes jede Menge, beispielsweise rund um den Marktplatz, aber alles mit dem typischen Vollautomaten-Einheitsgebräu. Persönlich mag ich gern das Maxim (am Marktplatz), direkt rechts daneben ein weiteres schönes Café (im Geburtshaus vom alten Komiker Theo Lingen). Wenn du allerdings etwas Neues und Gutes entdeckst: Lass es mich wissen.
Gruß Carauli
Antwort: Espresso in Lingen
Lingen, Meppen und Umgebung ist ein Espressoloch! Die Hölle für uns…. Meine Freundin kommt daher und deshalb kenn’ ich auch eigentlich jede Bude….
Maxoon
Antwort: Espresso in Lingen
Oje, dann muss ich wohl meine kleine Turmix mitnehmen, die ist ja gottseidank reisetauglich.
Taddel“
Kurzes Fazit und kleine Korrektur:
1.) Bestätigte Erkenntnis: Schwarz ist noch kein Zeichen von Qualität!
2.) Das Café am Markt ist im Haus des Papas von Theo Lingen! Theo ist bloß Hannoveraner.
(Foto: © tyskistockholm pixelio)
