Verschiebungen
21. März 2009
Ich habe mich gerade geärgert!
Denn heute meldet sich die „Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd“ zu Wort und teilt diese „Informationen“ mit:
Neubau des zentralen Omnibusbahnhofes (ZOB) in Lingen
Aufgrund des Neubaus wird der zentrale Omnibusbahnhof in Lingen mit Beginn der Osterferien zum „Alten Hafen“ verlegt. Alle Stadt- und Regionallinien treffen sich hier zum Umstieg
Statt der Haltestellen „Lingen, Bahnhof“ und „Lingen, Burgstraße“ benutzen Fahrgäste der Linien 101, 111, 121, 131, 132, 133 die Haltestelle „Kaiserstraße“ (in Höhe Halle 1/2). Durchgang in die Innenstadt durch die Unterführung
Die Linien 171 und 174 benutzen die Haltestelle „Konrad-Adenauer-Ring“
Die Linien 141, 151, 160, 161, 162, 165 benutzen den Ausweich – ZOB am „Alten Hafen“. Die Haltestelle „Kurt-Schumacher-Brücke“ wird nicht mehr bedient
Die Linien der NachtEulen treffen sich am „Alten Hafen“ zu den gewohnten Zeiten um den Umstieg sicher zu stellen. Die Fahrgäste der Linien N2, N3, N7 haben die Möglichkeit an der Haltestelle „Kaiserstraße“ ein- bzw. auszusteigen.
Durch diese Maßnahmen kann es zu zeitlichen Verschiebungen im gesamten Busverkehr kommen
Wir sind für Sie da!VGE – Süd
Alles klar?!
Zur Erinnerung: Erst wird auf Kosten der Allgemeinheit der Lingener Busbahnhof nur deshalb völlig überdimensioniert gebaut, weil eine zeitgemäße Informationstechnik in den Bussen den Busunternehmen zu teuer ist. Und dann nimmt sich der quasi-öffentliche Dienst VGE des dadurch hervorgerufenen Problems an, verteilt munter den Busbahnhof an vier entgegen gesetzt gelegene Ausweichplätze und krönt seine völlig unverständliche (Des-)Information mit diesem klebrig-abgedroschenen „Wir sind für Sie da!“-Hinweis.
Seid Ihr nicht! Sonst würdet Ihr nämlich merken, was Ihr an Chaos anrichtet, lesen, was Ihr an Kauderwelsch schreibt, und erkennen, dass nur ein kompletter VHS-Kurs geeignet ist, Eure Technokraten-Meldung zu verstehen.
Fahrschüler und andere Fahrgäste werden viel Vergnügen beim bevor stehenden Durcheinander haben.
Bäume
19. März 2009
Aufgefallen ist mir, dass bei allen wundersamen Bauwerken, die unter der Ägide von Stadtbaurat Georg Lisiecki im Lingener Planungs- und Bauausschuss den Blicken und Fragen der Ratsmitglieder vorgestellt werden, stets grüne Bäume die Architektenzeichnungen zieren und vor den Neubauvorhaben platziert sind – Bäume, die in der Realität nicht da sind oder da sein werden. Das Ärztezentrum ist so ein Beispiel, bei dem man sich an der Straße abstandsmäßig kräftig vermessen hat. Aufmerksame Lingener haben davon gehört und wissen: „Ein Meter mehr oder weniger kann ja schon mal passieren.“ Inzwischen gibt es ganz aktuell diese neue Trickserei:
Vielleicht haben Sie davon gehört, dass am Ende der Großen Straße der tatkräftige Lingener Einzelhändler Andreas Huesmann ein neues Bekleidungskaufhaus bauen will. Der „Kopf “ dieser Straße wird also neu gestaltet. Wie er künftig aussieht, entscheidet Herr Huesmann. Denn am Stadtbild ausgerichtete Vorgaben für die Gestaltung des Neubaus enthält der eigens im Aufstellungsverfahren befindliche Bebauungsplan für diesen Bereich nicht.
Keine Frage: Eine Investition an dieser Stelle tut gut. Die Große Straße braucht Initiative. Aber wenn Sie ein paar Minuten Zeit finden, stellen Sie sich einfach einmal auf den Marktplatz. So erkennen Sie schnell, wie problematisch der jetzt vorgesehene Neubau ist, liegt er doch genau in ihrem Blick, wenn Sie auf das Ensemble von historischem Rathaus und historischer Posthalterei sehen. Sozusagen genau zwischen beiden Baudenkmalen, da wo jetzt am Ende der Großen Straße der wohltuend unspektakuläre Fachwerkgiebel des ehem. Stoffgeschäftes Johannigmann zu sehen ist, entsteht der neue Hausblock. Machen Sie sich eine Vorstellung über die Dimension des Neubaus und drehen Sie sich einfach um 180°. Sie sehen platanenfrei auf das Eckhaus Marienstraße/Lookenstraße („Douglas“). So hoch und und massig wie dieses Gebäude wird mit drei Vollgeschossen plus Dachgeschoss der neue Baukörper am Ende der Großen Straße, allein das Dachgeschoss des Neubaus ist etwas versetzt. Er wird also die historische Maßstäblichkeit erdrücken. Sie sind skeptisch? Nun, dann gehen Sie einfach direkt zur geplanten Baustelle und sehen auf das Nachbarhaus zur Linken, in dem jetzt ein Bekleidungsgeschäft ist und früher ein Aldi war. Genauso hoch wie dieses Gebäude wird der Neubau – nur ohne Spitzgiebel, aber mit Flachdach und mit einem mehrstöckigen Glaskasten hin zur Großen Straße. Georgs Lampenladen.
Die Mehrheit im Ausschuss hat das Projekt unlängst begeistert durchgewunken. Sie jubelt über die Investition und weigert sich, irgendwelche Gestaltungselemente und -vorschriften zu diskutieren, zu entwickeln und im Bebauungsplan vorzuschreiben. Damit macht sie deutlich, dass ihr die Gestaltung des Stadtzentrums letztlich selbst da total egal ist, wo Lingens Schokoladenblick auf das historische Rathaus und auf die historische Posthalterei darunter leidet.
Bei ihrer Verweigerung lässt die Mehrheit sich nach meinem Eindruck geradezu lustvoll-gern täuschen. Denn die vom Stadtbaurat dem Ausschuss präsentierten Fotomontagen (aus etwa der Mitte der Großen Straße auf den Neubau gesehen) boten die Sicht auf großkronig wirkende Bäume im Sommer, die fast die Hälfte der neuen Fassade verdeckten und die Massigkeit des Neubaus nur erahnen lassen. Nun gut, die auf den Montagen dargestellten Bäume sind vor sechs Wochen gefällt worden, um die Große Straße neu zu gestalten. Aber für die Ausschussmehrheit reicht die lügende Fotomontage immer noch. Sie fragt auch nicht danach, wie denn die Neon-Werbung für das neue Geschäft aussehen wird. Oder welche Materialien und welche Farben verwendet werden sollen. Sie lässt nur zu und winkt claqueurhaft durch. Dabei, sollte man meinen, tragen doch Ausschuss und Verwaltung die Verantwortung für das Lingener Stadtbild.
Für’s Lingener Stadtbild aber reicht ihnen eine schlechte Fotomontage, in der vor einer Glasklotz-Fassade, die den historischen Blick auf das alte Rathaus dauerhaft belastet, nur bildhaft grüne Bäume eingeklebt werden. Da werden Bäume in Lingen auch von denen gebraucht, die sonst die Säge schwingen – bezeichnenderweise aber nur für ein täuschendes Foto.
Vermessen
1. März 2009
Beim heutigen Spaziergang durch den in den letzten Tagen vernichteten Teil des Altenlingener Forstes haben die engagierten und bestürzten Männer und Frauen der Bürgerinitiative pro-Altenlingenerforst die Größe der abgeholzten und zerstörten Waldfläche vermessen. Sie kamen auf geschätzte 11 Hektar Wald, die gerodet wurden und wohl unwiederbringlich zerstört sind. Wieder waren mehrere Hundert betroffene Lingener dabei. Sie hatten bisher diesen Wald gesehen:
Und jetzt sahen sie dies:
Angeblich sollten nur 6 Hektar Wald abgeholzt werden, tatsächlich sind es wohl mindestens 10, vielleicht mehr. Es habe „schnell, schnell, schnell“ gehen müssen, wurde aus Gesprächen mit Waldarbeitern berichtet, deren Gerätschaften heiß liefen und deshalb zeitweise ausfielen. Täglich hätten sie neue Anweisungen erhalten, was „schnell, schnell, schnell“ abzuholzen sei. Jedenfalls liegt der Wald jetzt fertig zum Abtransport am Wegesrand:
Die CDU-Spitze im Rathaus hofft offenbar darauf, dass alles bald in Vergessenheit gerät. Ich bin gespannt, ob Freie Bürger und Wähler wirklich nur ein kurzes Gedächtnis haben…





