Authentisch

28. Februar 2009

Cool! Entwickelt sich LT-Redakteur Pertz etwa zum investigativen Journalisten? Heute kommentiert der Nestor der unkritischen Berichterstattung die letzte Ratssitzung u.a. so: 

 “Als Robert Koop, fraktionslos und damit letzter Redner auf der Liste, vorgetragen hatte, wurde abgestimmt… Und die CDU? Schweigen. Da wird „höchste Rücksichtslosigkeit gegenüber natürlichen Ressourcen“ angeprangert, wie es Robert Koop tat. Doch diese Steilvorlage ließ die CDU ebenfalls ungenutzt verstreichen. Warum sagte sie nicht, dass auch Koop Ende 2007 zu den 39 von 40 Ratsmitgliedern gehörte, die dem Erwerb von 85 Hektar Wald vom Forstamt zustimmten? Und das zu einem Preis, der glasklar deutlich machte, dass ein Teil des Waldes für die Nordtangente und das Logistikzentrum verwendet würde?“

Die LT berichtet über einen kommunalen Grundstückskaufvertrag! Und den Preis! Und auch noch falsch!  

Fakt ist: Natürlich habe ich dem Kauf der Waldflächen zugestimmt. Das habe ich ja selbst in der Ratssitzung am Donnerstag und auch immer wieder in den Tagen und Wochen zuvor öffentlich erklärt und begründet: „Damals fürchtete ich den Verkauf dieser Flächen durch das Land Niedersachsen an die BP oder andere Investoren, und ich war mir sicher, dass kein Lingener jemals auf die Schnapsidee kommen werde, diesen ökologisch einzigartigen Wald zu vernichten. So etwas habe ich mir nicht vorstellen können. Diese Annahme war leider falsch.“ Der Preis war übrigens für Waldflächen normal. 

Übrigens habe ich exakt die Argumente und Argumentation, die Herr Pertz heute in seinem Kommentar verwurstet, schon mal gehört: Ein führender Mann aus dem Lingener Rathaus sprach sie nahezu wortgleich – am Donnerstagabend direkt nach der Ratssitzung.  Sie müssen nämlich wissen, dass man nach einer mehrstündigen Ratssitzung noch beisammen steht, vielleicht ein Bier trinkt oder auch eine Apfelschorle. Und da hörte ich den Kommentar das erste Mal. Womit für mich klar ist:  Nachgeplappert hat er bloß die Meinung der Verwaltungsspitze, der mit Halbwahrheiten angefütterte Herr Pertz. Rückgefragt hat er bei mir und anderen dann auch folgerichtig nicht. Das ist eben Investigationsjournalismus  á la Lingener Tagespost. So versteht der LT-Mann eben seine Tätigkeit. Dafür bekommt er auch keinen zusätzlichen Verkehr durch die Baccumer Brömmelkampstraße, weil demnächst nebenan 25 neue Einfamilienhäuser gebaut werden. Dagegen hatte Anlieger Pertz nämlich im Rathaus opponiert und die jüngst beschlossene Bebauungsplan gibt ihm recht…

ps Ebenfalls authentisch ist noch diese Information der Bürgerinitiaitive pro-Altenlingener Forst:

Am Sonntag den 01.03.2009 um 17:00 Uhr wollen wir gemeinsam unseren sterbenden Stadtwald vermessen! Wir erwarten Euch mit Bandmaß oder Zollstock am Hohenpfortenweg / Ecke Waldstrasse vor dem abgeholzten Bereich.

Sehen wir uns?

Ordnungswidrig

27. Februar 2009

Keine Frage, es sind Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten: Das Jugendschutzgesetz droht bei der Abgabe von Schnaps, Tabakwaren oder Gewaltvideos an Minderjährige Geld- und Freiheitsstrafe oder ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro an. Heute lese ich in der Lokalpresse und in einer Presseerklärung der Polizei, dass im Emsland und der Grafschaft Jugendämter und Polizei in einer gemeinsamen Aktion durch Minderjährige Alkohol-Testkäufer  die Einhaltung dieses Jugendschutzgesetzes kontrolliert haben. 

Es ist grundsätzlich falsch, wenn der Staat mit verdeckten Methoden die Einhaltung seiner Gesetze überprüft. Es ist falsch, wenn dabei auch noch minderjährige Schüler zu verdeckten Ermittlern gemacht werden, die andere dann zu einer Straftat oder Ordnungswidrigkeiten anstiften. Vor 15 Monaten hatte Ministerin von der Leyen (CDU) diese Idee und wurde von Kanzlerin Merkel (CDU) zurückgepfiffen. Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sagte  damals, er könne sich nicht vorstellen, »dass ein Rechtsstaat das Recht hat, Kinder und Jugendliche als ´Agent Provocateur´ einzusetzen». 

Auch die Kontrolleure in unserer Region wissen, dass sie rechtsstaatlich mehr als zweifelhaft handeln und ihre Tatprovokationen kaum gerichtsfest sind. Denn die ertappten „Täter“  wurden lediglich „mündlich und zum Teil auch schriftlich verwarnt“. Gleichwohl verkünden die Behörden in der Presseerklärung trotzig-selbstbewusst:  Es „sollen weitere Testkaufaktionen folgen“.

Jugendämter und Polizei sind zu ermahnen: Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Das ist das Grundprinzip unseres Zusammenlebens. Diese Grundlage unserer Gesellschaft unterscheidet unseren Staat vom Polizeistaat. Polizisten haben andere Maßstäbe zu wahren als TV-Journalisten mit versteckter Kamera. Wenn der Staat kontrolliert und  überprüft, dann offen, rechtsstaatlich und ohne Minderjährige als Objekte staatlicher Kontrollen zu missbrauchen.  

Gerade weil angesichts der Alkoholexzesse Handeln angesagt ist, sind die Behörden zu erinnern: Polizei und Ämter haben auch ohne minderjährige Testkäufer ausreichende Kompetenzen, um gegen den Verkauf von Zigaretten, Alkohol und Gewaltvideos vorzugehen. Sie müssen es nur wollen.

Rücksicht

22. Februar 2009

buergerAuf der Internetseite der Stadt Lingen (Ems) finde ich diese Aufforderung:

Boßeln mit Rücksicht auf die Natur

Boßelspaß ja – aber bitte mit Rücksicht auf Natur und Umwelt! Diesen Hinweis richtet die Stadt Lingen an alle, die in der aktuellen Boßelsaison zu dem geselligen Vergnügen durch die Landschaft ziehen. Ob Alt oder Jung, für alle sollte es selbstverständlich sein, auf den Strecken keinen Müll zu hinterlassen sowie Pflanzen und Tiere zu schonen.

Am Sonntagabend war ich zusammen mit mehr als 300 betroffenen Bürgerinnen und Bürger bei einem Waldspaziergang unterwegs im Abholzungsgebiet im Altenlingener Forst, und wir haben gesehen, wie es die Stadt Lingen selbst mit der Rücksicht auf Natur und Umwelt hält, ohne zu boßeln übrigens.

Der Spaziergang erinnerte mich trotz allen Mutes und Einsatzes der Frauen und Männer der Initiative an eine Trauerfeier. Wir gingen und nahmen Abschied von einem einzigartigen Stück Natur.altenlingenerforst1

Ich habe die Wette abgeschlossen, dass kein einziger der Ja-Sager zu diesem Bebauungsplan Nr. 20, der mehr als 30 Hektar hochwertigen Wald vernichtet, diesen Forst jemals gesehen hat. Die Wette kann ich nicht verlieren, weil niemand für diesen Frevel sein kann, der den Wald erlebt hat und an seine Kinder denkt.  Obwohl es bis heute keine Betriebe gibt, die vom Abholzen profitieren und sich im künftigen Gewerbe- und Industriebetrieb ansiedeln wollen, werden Montag früh ab 7 Uhr vollendete Tatsachen geschaffen. Rücksichtslos.

Wer mehr wissen möchte, kann sich auf der Internetseite der Altenlingener Bürgerinitiative pro-Altenlingener Forst informieren oder einfach vorbeischauen.

Tempo

22. Februar 2009

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Verwaltungstempo

Lingener Tagespost, Teil 1, 22.02.09:

„Ein Großbrand auf dem Campingplatz in Hanekenfähr am Abend des 14. April 2003 hat die Stadt Lingen veranlasst, verstärkt auf die Einhaltung der Brandschutzvorschriften zu drängen. 
Große Schäden richtete das Feuer auf dem … Bei dem Feuer waren seinerzeit zwei Wohnwagen mit Vorzelten sowie zwei größere Mobilheime mit Anbauten zerstört worden…“

Lingener Tagespost, Teil 2, 22.02.09 :

„Zu häuslich, meint das Bauordnungsamt der Stadt Lingen, weil das Objekt, das M… … liebevoll für rund 12000 Euro instandsetzte, gegen die Brandschutzbestimmungen verstoße. Ebenso wie alle anderen Camper (305 Plätze) wurde M… um die Jahreswende durch ein Schreiben des Platzbetreibers, der Hotel „Am Wasserfall GmbH“, davon in Kenntnis gesetzt, dass das Bauordnungsamt per Ordnungsverfügung die Camper aufforderte, bis zum 1. April dieses Jahres <2009> alle baurechtswidrigen Camping- und Wohnwagen nebst Anbauten zu beseitigen. Der Campingplatz wurde Ende der sechziger Jahre angelegt…“

2.178 Tage – das nenn’ ich Tempo!

Foto: ©  pgm PaulGeorg Meister, pixelio

Nahe liegend

22. Februar 2009

Filzstruktur     Filzstruktur

Gar nicht kleinlaut aber sehr wortreich versuchte Stadtbaurat Georg Lisiecki in der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschuses des Lingener Stadtrates eine von ihm persönlich zu verantwortende Schlamperei am neuen Ärztezentrum runter zu reden, das den Namen Medicus Wesken trägt. Die vereinbarten und in der Baugenehmigung festgesetzten Abstände der neuen Gebäude (Ärztezentrum und Parkhaus) zur Straße sind deutlich unterschritten. Dies bedeutet den Verzicht auf einen Grünstreifen und unsichere Verkehrsverhältnisse auf dem Schulweg zur Castell- und Paul-Gerhardt-Schule sowie zum Ärztezentrum selbst und rund 50 qm mehr an Nutzfläche.  Niemand hat im Rathaus aufgepasst, die Verantwortlichen haben weggesehen. Sogar die notorisch verwaltungsunkritische „Lingener Tagespost“ sprach tags darauf von „schlampig gearbeitet“.

Am Samstag meinte Leserbriefautor Günter Rudeloff  in der Lokalpresse dazu dies:

„Eigentlich war jedem mit gesundem Menschenverstand ausgestatteten Betrachter ohne Einblick in entsprechende Planungsunterlagen sofort klar, dass es beim Bau des neuen Ärztezentrums hinsichtlich der Grundstücksabstände nicht mit rechten Dingen zugehen konnte.
   Mit der Auswahl ihrer Stadtbauräte hat die Stadt Lingen selten eine glückliche Hand bewiesen, und der jetzige hat mehrfach überzeugende Beweise seiner mangelnden Qualifikation geliefet. Kann man aber mit so viel Blindheit gesegnet sein, diese augenfällige Missachtung von Minimalabtsänden zu übersehen. Nahe liegender ist da schon die Vermutung:
    Man setzt sich über bestimmte Vorgaben einfach hinweg, schafft fertige Tatsachen, zahlt anschließend ein minimales Ordnungsgeld (wenn überhaupt), hält sich einige Zeit bedeckt und erreicht letztlich genau das, was man ohnehin von Anfang an beabsichtigt hatte.
Günter Rudeloff, Frankfurter Str. 15, Lingen

Für die These Rudeloffs spricht, dass am Beginn der rechtswidrigen Bauarbeiten sogar ein Foto geschossen wurde, das bis heute auf der Internetseite der Stadt zu sehen ist.

Zur Erinnerung das planmäßige Vorgehen für dieses Projekt: 
Mit dem Satz: „Sonst gehen die nach Nordhorn oder Meppen!“  wurde der Stadtrat darüber getäuscht, dass rd. 20 Ärzte mit ihren Praxen gar nicht in die Nachbarstädte wechseln können, weil sie nur für Lingen ihre Krankenkassenzulassung besitzen. Dann wurde das innerstädtische Filetgrundstück von der Stadt  deutlich unter dem Einstandspreis an den Investor verscherbelt. Das innerstädtisch besser geeignete Areal am Pferdemarkt wurde in internen Entscheidungsrunden weggequatscht. Vor allem: Auf einen Bebauungsplan wurde verzichtet, auf eine Gestaltungsvorschrift ebenfalls. Eine Tiefgarage wurde eingespart, weil das 8 Wochen länger dauere und diese Zeitverzögerung dem Investor nicht zugemutet werden könne; er wolle am 1. Januar 2009 fertig sein. 

Noch ein Geschmäckle:
Der Investor hat mit der Grünplanung des Projektes, so Stadtbaurat Georg Lisiecki am Mittwoch, Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff beauftragt, ein seit Amtsantritt des jetzigen Stadtbaurats gern für städtische Planungen bemühter Grünplaner. Der, sagte Lisiecki, habe jetzt gemeint, dass die vorgesehenen Bäume im Grünstreifen, der entlang des Konrad-Adenauer-Rings geplant war, durch den zu geringen Abstand aber unmöglich geworden ist, auch sowieso nicht richtig hätten gedeihen können…

Naja, ich lass das mal unkommentiert. Allerdings fällt die Nähe von Prof. Dipl.-Ing. Christoph Schonhoff zu bestimmten Interessen schon auf. Beispielsweise wählte er als so genannter Fachpreisrichter im Rahmen des städtebaulichen Wettbewerbs zur Erneuerung der Lingener Fußgängerzone vor nicht ganz drei Jahren den Entwurf seines, mit ihm gut bekannten Dresdner Mitdozenten Jens-die-Platanen-müssen-weg-Rossa für die Endauswahl aus und kürte ihn dann mit den Gutachterkollegen zum Sieger des Wettbewerbs. Dass er seine lehrreich-wissenschaftlichen Beziehungen zum Preisträger während oder nach der Gutachtersitzung  offen gelegt hätte, ist nicht übermittelt. 
Honi soit qui mal y pense.

Foto: ©  geralt (pixelio)

Sand

15. Februar 2009

1Bereits vor vier Monaten war die damalige HSG Nordhorn praktisch pleite. Damals pumpte die Stadt Lingen eigenes Geld (80.000 Euro)  und  Geld von eilig gewonnenen Sponsoren aus der Energiewirtschaft  in den Handball-Bundesligisten. 120 Tage später  sieht es so aus, als ob auch die neugegründete Gesellschaft für den Profihandball pleite ist. Träfe dies zu, wäre das Projekt „Hometeam“ der neu geplanten Emslandarena wohl grandios in den Sand gesetzt. Die Financial Times Deutschland schreibt zur Situation der HSG Nordhorn-Lingen heute:

Nordhorn meldet Insolvenz an – Glandorf nach Lemgo

Der Handball-Bundesligaclub HSG Nordhorn-Lingen wird 16. Februar Insolvenz wegen drohender Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Nordhorn anmelden. Das kündigte die HSG Sport Marketing GmbH & Co. als wirtschaftlicher Träger des EHF-Pokalsiegers an.

Der Verein soll mit einer Million Euro verschuldet sein. Zuletzt konnten die Gehälter an das Team nicht mehr gezahlt werden. «Die derzeit fehlende Liquidität machte diese Entscheidung notwendig», erklärte HSG-Geschäftsführer Berend Greven die Insolvenzanmeldung.

Nationalspieler Holger Glandorf zog bereits Konsequenzen aus der misslichen Lage. Der Rückraumspieler wechselt mit sofortiger Wirkung zum Liga-Konkurrenten TBV Lemgo, wie die Lemgoer mitteilten. Glandorf soll für den TBV bereits am 21. Februar in der Partie gegen die Rhein-Neckar Löwen auflaufen.

Sollte der nach Antrag auf Insolvenz bestellte Insolvenzverwalter die Zahlungsunfähigkeit feststellen, würde die HSG Nordhorn nach dem TuSEM Essen als zweiter Absteiger aus finanziellen Gründen feststehen. Gegen Essen war Ende November das Insolvenzverfahren eröffnet worden. «Ich bin seit Donnerstag über die dramatische Situation informiert. Sollte es sich nur um eine drohende Insolvenz handeln, wäre Nordhorn noch kein Absteiger. Erst wenn es sich um eine Insolvenz handelt, wäre der Verein automatisch Absteiger», sagte Frank Bohmann, Geschäftsführer des Liga-Verbandes HBL.

Obwohl nach eigenen Angaben die Rückrunde finanziell nicht gesichert ist, will der Verein den Spiel- und Geschäftsbetrieb so weit wie möglich fortsetzen. Die im Herbst gegründete HSG Nordhorn- Lingen GmbH will dazu alle Möglichkeiten des Insolvenzrechts nutzen. «Wir hoffen, dass ein Insolvenzverfahren gegen die HSG Sport Marketing GmbH & Co. KG nicht eröffnet werden muss und wir dadurch die Lizenz für die Bundesliga erhalten können», erklärte Gerhard Blömers als Geschäftsführer der neuen GmbH die nächsten Schritte. «Andernfalls werden wir für die 2. Liga melden», fügte er hinzu.

Oberbürgermeister Heiner Pott wird auf der Internetseite des Noch-Handball-Bundesligisten am Samstag so zitiert: „Ich stehe nach wie vor zu dem Schulterschluss. Die Bündelung der Wirtschaftskraft der Regionen Nordhorn und Lingen ist richtig. Ich bin optimistisch, langfristig in der neuen Emslandarena Bundesligahandball mit der HSG Nordhorn-Lingen zu erleben“ bekräftigte er. Diese Durchhalteparole dürfte nicht reichen. Oberbürgermeister Heiner Pott ist uns eine Erklärung schuldig, warum er seinerzeit die wirtschaftliche Situation des Projekts so falsch eingeschätzt hat. Und die damals beauftragten Wirtschaftsprüfer auch.

Holzvollernter

12. Februar 2009

Holzvollernter vor dem Einsatz

Holzvollernter vor dem Einsatz

Die drei betroffenen CDU-Ratsherren Reinhold Diekamp (Betriebsrat auf der Erdölraffinerie), Michael Koop (Altenlingen) und Dr. Karl-Heinz Vehring (Heukamps-Tannen)  fehlten bei der heutigen Ratssitzung, in der die CDU-Mehrheit den Bebauungsplan Nr. 20 be- und den Internet-TV-Sender Emsland-eins von der Bildberichterstattung ausgeschlossen hat. Alle hatten guuuute Gründe: Reinhold Diekamp war (bis zum frühen Nachmittag als) Schöffe bei der 5. Strafkammer des Landgerichts Osnabrück, Michael Koop war in Familie unterwegs und Karl-Heinz Vehring arbeitete wohl in seiner Arztpraxis. Alle drei können also ihren Wählern mit Fug und Recht sagen, dass Sie nicht für die Baumfällaktion gestimmt haben. Die andere CDU-Truppe schwieg; wohl deshalb wollten sie Emsland-eins nicht aufnehmen lassen und lehnten meinen Antrag ab, das von OB Heiner Pott (CDU) hinausgeschickte Kamerateam hinein und damit die Berichterstattung über die Ratssitzung zu zulassen.

OB Heiner Pott (CDU) gab in einer spannenden „Einwohnerfragestunde“ mit engagierten, kritischen Bürgern den Alleinunterhalter, aber oft keine oder ausweichende Antworten auf harte Fragen. Später äußerte sich dann CDU-Fraktionsvorsitzender Werner Schlarmann als einziger von allen CDU-Ratsherren. Seine Rede sollte wohl staatstragende Verrantwortung zeigen; auf mich wirkte sie eher verkrampft-pathetisch. Sonst -wie gesagt- schwiegen die in ihrer Fraktionsdisziplin verstrickten und gefangenen Damen und Herren der Mehrheit. Sie wollten wohl nicht reden. Was sollten sie zu diesem einseitigen Projekt auch inhaltlich Sinnvolles sagen?

In einer besonderen Ausgabe des Amtsblatts des Landkreises Emsland wird der Beauungsplan wohl noch am Samstag (14.02.09) veröffentlicht, wenn man bei dieser Spezialpostille für emsländische Verwaltungen, die man an keinem Kiosk kaufen kann, von Veröffentlichen reden mag. Und spätestens am Montagmorgen dröhnen die  Holzvollernter (Foto) im Bereich östlich der Waldstraße.  

Heute schrieb in einer Leserzuschrift an die „Lingener Tagespost“ die im 9. Lebensjahrzehnt stehende Luise Sellin, der Protest der Anwohner sei „zu spät und unnütz“. Darin irrt die engagierte Rentnerin, die ich seit fast 40 Jahren aus der SPD kenne und schätze: Einmal wurde das gesamte engere Bebauungsplanverfahren in nur drei Monaten durchgezogen; sonst dauert derlei leicht ein Jahr. Und als die Betroffenen, denen man sogar eine Bürgerversammlung vorenthielt, merkten, was da vor ihrer Tür durchgepeitscht wird, haben sie sich engagiert. Früher ging kaum! Und keineswegs unnütz ist die Erfahrung engagierter Bürgerinnen und Bürger, wie man in Lingen mit ihren Bedenken umgeht. Luise, Deine Nachbarn merken sich das. Da bin ich mir sicher.

Ach ja – Wikipedia sagt: Als Holzvollernter, Waldvollernter oder Kranvollernter (engl. „harvester“) bezeichnet man spezielle Holzernte-Maschinen, welche halbautomatisch Fällung, Entastung und Sortimentsbildung durchführen. Werden gleichzeitig noch die Äste zu Hackschnitzel zerkleinert, spricht man von einem Hackschnitzelharvester. 

Heute Mittag war ein solcher Holzvollernter schon im Abholzgebiet aufgefahren, wurde aber Nachmittags umgehend wieder abgezogen, als die Bürger im Ratssitzungssaal protestierten. War wohl ein Regiefehler und das Gerät wurde schnell beiseite gefahren. Aber am Montag geht’s dann los, wie ich gehört hab’. Auf mehr als 10 Hektar alle Bäume weg, und das ist nur der Anfang von 110 Hektar. Schrecklich.

Wenn Sie als Freier Wähler persönlich sehen wollen, was derlei Gerätschaften, so man sie einsetzt, in Verbindung mit absoluten Mehrheiten anrichten, sollten Sie am Samstag um 13.30 Uhr den Waldspaziergang der Initiative pro-Altenlingener Forst (Start: Waldstraße, ehem. Hohenpfortensiedlung) mitgehen und eine Woche später wiederkommen. Sie werden sich grausen.

(Foto: Jörg Müller Fotografie,  Naunhof )

Brutperiode

10. Februar 2009

abholzungDen Verkauf der Waldflächen an der Waldstraße an die Chemiefirma Hagedorn hat Lingens Stadtrat längst beschlossen.  Jetzt wird in Eilmärschen der für Hagedorn notwendige Bebauungsplan durchgezogen.  Die Vorlage für die heutige Ausschusssitzung traf erst am 6. Februar ein, heute war die Sitzung, übermorgen berät der Verwaltungsausschuss und dann folgt sofort der Beschluss im Rat und nächste Woche die Veröffentlichung im Amtsblatt des Landkreises; dabei können noch Wetten abgeschlossen werden, ob nicht eigens eine Sonderausgabe des Amtsblattes gedruckt wird. Einen Tag später kommen die Leute mit den Kettensägen (apparatulus mechanicus Lingensis). Denn vor März und der Brutperiode muss abgeholzt sein. Ein Anlieger sagte mir, dass die ersten Bäume bereits gefällt worden sind.

Es gab heute eine durch lange Beiträge der Herren Lisiecki, Krämer und Höke (Stadtverwaltung) reichlich müde Sitzung mit erfreulich viel Publikum. Die drei beantworten übrigens gestellte Fragen  immer en bloc und erhalten vom Vorsitzenden Werner Schlarmann (CDU) stets das Wort, wenn sie es wollen, also außerhalb der Rednerordnung, was nun sozusagen Sprachtau über jede lebhafte Diskussion legt.

Ich habe meine Ablehnung des Projektes erklärt.  Der Wald mit seiner Flora und Fauna  ist wichtiger als die Hagedorn-Pläne. Dasss auch die umstrittene Nitrozelluloseverarbeitung der Firma im jetzigen Waldgebiet angesiedelt wird, ist übrigens nicht definitiv ausgeschlossen.  Aber vor allem leben in dem Waldgebiet eine Reihe höchst gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Tiere und Pflanzen. Eine ehrliche, offene Abwägung findet trotzdem nicht statt, weil die Stadt das Grundstück an Hagedorn schon verkauft hat; das übrigens bestritten die Herren der Verwaltung.  Nicht bestreiten können sie allerdings, dass alle Beschlüsse dazu bis in den Rat hinein gefasst sind und Hagedorn den umzug öffentlich erklärt.  Nur die Grünen und ich haben im Januar den Verkauf abgelehnt.

In meinem Beitrag  habe ich in der Sitzung auch ein paar Anmerkungen zum Flächennutzungsplan 2005 gemacht, der von der Verwaltung -zu Unrecht!- als quasi verbindliche Festlegung für das Abholzen der Wälder in Altenlingen und nördlich von Heukamps-Tannen bemüht wurde. Und was sich dann tat,  steckt in meiner abendlichen E-Mail an Dipl.-Ing. Peter Bohn, der im Ausschuss das Protokoll führt (*s. Kommentar) meist neben dem Protokollführer Andreas Witt sitzt:

Lieber Herr Bohn,
Sie schreiben ja das Protokoll in den Sitzungen des Planungs- und Bausschusses der Stadt und saßen in der heutigen Sitzung neben mir. Sie erinnern sich an meine rhetorische Frage, ob ich womöglich selbst dem für den Abholzungs-Bebauungsplan Nr. 20 arg bemühten Flächennutzungsplan vor vier Jahren zugestimmt hätte. Wegen dieses F-Planes soll ja jetzt der Altenlingener Wald dran glauben. Sie und Ihre Kollegen haben nach meiner Frage heftig zustimmend genickt. Sie haben so überzeugt genickt, dass mich das doch irritierte und ich Ihnen jetzt schreiben will, um sozusagen Ihr Nicken zu korrigieren.  

Am 14.04.2005 sagte der Kollege Wiedorn nämlich in der Ratssitzung:

„Laut Stadtbaurat besteht über die Aufstellung von Bebauungsplänen immer noch die Möglichkeit, Baugebiete nur in absolut notwendiger Größe auszuweisen. Und dieses Instrument wolle die Verwaltung auch nutzen.
Diese Aussage hat die Mehrheit meiner Fraktionsmitglieder letztlich überzeugt, und so werden wir der vorliegenden Fassung des Flächennutzungsplanes zustimmen. Diese Zustimmung ist ein hoher Vertrauensvorschuss für Sie, Herr Stadtbaurat, für Ihr Dezernat und für die gesamte Verwaltungsspitze. Enttäuschen Sie uns bitte nicht.“

War doch ganz nett, die zitierte Aussage des Stadtbaurats Christian Schowe: „Baugebiete nur in absolut notwendiger Größe“. Egal, denn der bis heute gültige Flächennutzungsplan wurde nach Aussprache an diesem 14.04.2005 im Rat der Stadt beschlossen. 4 Nein, 31 Ja – aber ohne mich. Ich war nämlich gar nicht da. Und, zu ihrer vertraulichen Information, hatte ich in der SPD-Fraktion in den Monaten zuvor wegen des immensen Flächenverbrauchs gegen den F-Plan votiert. Damals war ich noch in der SPD-Fraktion, wie Sie sich erinnern werden.  

Das nur so zur Klarstellung. Also: Das nächste Mal nicht so schnell und heftig nicken bitte.

Mit freundlichen Grüßen
Robert Koop

ps Ich stelle diese E-Mail in meinen Blog. Auch andere sollten die Informationen bekommen.

Es bleibt die traurige Erkenntnis, wie wenig Chancen Tiere und Pflanzen in dieser Stadt haben.

Emsland Eins

8. Februar 2009

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Emsland-Eins - Sportfernsehen aus der Region

Es gibt diesen engagierten Internet-Fernsehsender Emsland-Eins. Er war bei mir etwas in Vergessenheit geraten, bis ich auf diesen Sportbeitrag über das emsländische Fußballspiel des Jahres aufmerksam gemacht wurde. Ich dand einen mit den vorhandenen Bordmitteln und einer einzigen Kamera wirklich gut gemachten Sportbericht über das Fußballspiel TuS Lingen – SV Meppen, das im TuS mit 3:2 einen verdienten Sieger hatte.

Wenn die Lokalpresse gar die Interpretationshoheit über den SV Meppen verliert, dann tut sich endlich etwas in der regionalen Medienlandschaft. Und das ist gut so!

Sie sollten also nicht nur meinen improvisierten TuS-SV-Link anklicken, sondern regelmäßig Emsland-eins besuchen. Das Unternehmen finanziert sich nämlich durch Werbeeinnahmen.

Nachbarn

7. Februar 2009

 

Nicht blöd

Nicht blöd

In einem Gemeinwesen, in dem mit großem Aufwand („Master-Plan„) für Industriebetriebe Flächen ausgewiesen werden, um sie dann -entgegen der eigenen Werbung- doch entflochten an ganz anderer Stelle unterzubringen, weil’s gerade irgendwie, wenn auch nicht sonderlich gut passt, – in diesem Gemeinwesen gibt es bisweilen doch noch Last-minute-Protest. Andernorts  ist das deutlich konsequenter, und deshalb lohnt ein Blick zum Nachbarn im Norden, über dessen langen Atem ich diese Pressemitteilung  vom Bündnis Klima-Allianz gefunden habe:

 

Gerechte Schelte für Kohlekraftwerksplanung

Das Energieunternehmen Berner Kraftwerke (BKW) hält verbohrt an einem klimaschädlichen Kohlekraftwerksprojekt im Emsland fest – und schadet damit zunehmend dem eigenen Image.

Die Schweizer Organisationen Erklärung von Bern und Greenpeace haben heute in Davos auf einer Anti-Gala zum Weltwirtschaftsforum den Negativpreis „Public Eye Swiss Award“ an die Berner Kraftwerke (BKW) vergeben – wegen der Planung eines Kohlekraftwerks im deutschen Emsland. Denn der von dem Schweizer Unternehmen geplante Klimakiller würde jährlich mehr CO2 emittieren, als 10% der gesamten Schweizer Bevölkerung im selben Zeitraum. Die Klima-Allianz und die Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen, die sich gegen das Kohlekraftwerksprojekt zur Wehr setzt, begrüßen die Verleihung des Schmähpreises.

Daniela Setton, Kohleexpertin bei der Klima-Allianz: „Wer Klimaschutz hinten anstellt, wird von der Öffentlichkeit immer stärker abgestraft – nicht nur in Deutschland“. Dieser Preis komme zudem am Eröffnungstag des diesjährigen Krisen-Weltwirtschaftsforums zur richtigen Zeit. „Der Neubau von Kohlekraftwerken hilft weder bei der Bewältigung der Konjunkturkrise noch bei der Sicherstellung einer zukunftsorientierten Energieversorgung.“

Für Inge Stemmer, Sprecherin der Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen, haben die Berner Kraftwerke (BKW) mit diesem Schweizer Schmähpreis die gerechte Quittung für ihr rücksichtsloses Verhalten bekommen. „Das Schweizer Stromunternehmen setzt seine klimaschädlichen Kohlekraftwerksplanungen im Emsland fort ohne Rücksicht auf den breiten und nachhaltigen Protest der Menschen. Unsere Forderungen nach Investitionen in eine zukunftsweisende Energieversorgung werden einfach abgetan. Wir fordern unsere Politiker auf nun die Zusammenarbeit mit dieser Firma einzustellen.“ Inge Stemmer hielt heute auf der Davoser Gegen-Gala zum Weltwirtschaftsforum die Laudatio zur Preisvergabe an die BKW.

Zeitgleich zur Verleihung des Schmähpreises an die BKW protestieren Mitglieder der Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen auch in Berlin. Dort eröffnet das Oldenburger Energieunternehmen EWE heute sein neues Hauptstadtbüro. Das Unternehmen wurde jüngst als möglicher Partner der Berner Kraftwerke (BKW) für das geplante Steinkohlekraftwerk in Dörpen benannt. „Wir fordern die EWE auf, verantwortlich zu handeln und der Kohlekraftwerksplanung eine klare Absage zu erteilen.“ sagt Jan Deters-Meissner, Sprecher der Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen. Sollte die EWE bei dem Kohlekraftwerksprojekt einsteigen, so kündigt die Bürgerinitiative an, drohe ihr ein ähnlicher Imageschaden wie der BKW.

Hab ich’s überlesen, oder hat die lokale Lingener Presse tatsächlich weder über Davos noch über Berlin berichtet? 

Egal. Wer sehen will, was Techno- und Bürokraten in unserem Vorgarten anrichten wollen, für den noch dieser Tipp: Am Samstag, dem 14. Februar 2009 findet ein von den Waldrettern aus dem Stadtteil Heukamps-Tannen  organisierter „Waldspaziergang“ durch den Altenlingener Forst statt. Treffpunkt: 13.30 Uhr, Waldstraße in Höhe ehemals Hohenpfortenweg.

Wo ich dies schreibe, fällt mir auf: Waldstraße passt demnächst nicht mehr, weil ja kein Wald mehr da ist. Und jetzt sinniere ich darüber, wie die Straße künftig heißen soll. Vorschläge?