Vorbilder
19. November 2007
Die nordrhein-westfälischen Kommunen Bielefeld, Castrop-Rauxel, Düsseldorf, Hemer und Remscheid sind jetzt mit dem European Energy Award® ausgezeichnet worden. Sie setzen Zeichen in Sachen Klimaschutz. Für Bielefeld und Remscheid war es bereits die zweite Zertifizierung ihrer Aktivitäten. Das europäische Zertifikat erhalten Städte und Gemeinden, die überdurchschnittliches Engagement und eine Vielzahl von Maßnahmen zu Energieeffizienz und Klimaschutz verbuchen konnten. Die Auszeichnung erfolgte im Rahmen der Energieeffizienzoffensive „NRW spart Energie“. Das Ziel: die Energieeffizienz in Unternehmen, Kommunen und Privathaushalten sollen aktiviert werden, um den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent zu senken. Das kommunale Energiehandeln wird für die sparsame Haushaltsführung der Städte immer wichtiger. Höhere Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit erreichen Kommunen, indem sie zum Beispiel ihre Straßenbeleuchtung optimieren oder die Heizungsanlagen in öffentlichen Gebäuden dort an den Stand modernster Technik anpassen.
Bei der Zertifizierung wird aber nicht nur der finanzielle Effekt der Maßnahmen bewertet, sondern gleichzeitig auch der Modellcharakter der kommunalen Projekte zur Energieeinsparung. „Wichtig ist, dass die ausgezeichneten Kommunen Vorbilder für andere sein können“, so NRW-Staatssekretär Dr. Baganz. Bislang wurden landesweit 16 Kommunen ausgezeichnet (Bielefeld, Blomberg, Bocholt, Bochum, Bonn, Bottrop, Brakel, Münster, Nottuln, Oberhausen, Ostbevern, Recke, Remscheid, Senden, Solingen und Wuppertal, wobei Münster und Ostbevern sogar mit den „eea gold“ ausgezeichnet wurden). Insgesamt 42 Kommunen in NRW nehmen derzeit am effektiven Verfahren zur Minimierung kommunaler Energiekosten teil. Der European Energy Award ist dabei ein Preis, den der Preisträger auch wieder verlieren kann. Die teilnehmenden Kommunen verpflichten sich nicht nur einmalig, mit ihrem Energiehaushalt nachhaltig umzugehen, sondern langfristig.
Die Stadt Bielefeld untermauerte daher mit der zweiten Zertifizierung die Notwendigkeit, Energieeffizienz als feste Größe im kommunalen Handlungsrahmen zu installieren. Mit Gründung der Bielefelder Initiative für Zukunftsenergien und Energieeffizienz (BIZE) im März dieses Jahres entwickelt die Stadt ein Gesamtkonzept für die energetische Gebäudesanierung für private Haus-/Wohnungseigentümer unter Einbeziehung der Kammern, Banken, des Handwerks und der städtischen Tochtergesellschaften. Neben Beratungs- und Informationsangeboten werden Förderprogramme durch die Stadtwerke zu Solarthermieanlagen, Wärmepumpen, Biogas, Biomasse und Wärmedämmung und ein Sonderkreditprogramm der örtlichen Sparkasse bereitgestellt. Zusätzlich werden zur Zeit Konzepte erarbeitet zur Nutzung städtischer Dach- und Freiflächen für Fotovoltaikanlagen, zur energetischen Sanierung kommunaler Gebäude und zum Einsatz von KWK Anlagen in öffentlichen Gebäuden. Darüber hinaus soll das bisherige Heizkraftwerk der Stadtwerke nicht durch ein neues Kohlekraftwerk ersetzt werden, sondern die Stadtwerke Bielefeld GmbH erarbeiten ein zukunftsfähiges Energieversorgungskonzept, das sich insbesondere den Zielen der Bundesregierung (Reduktion der CO2-Emissionen; Nutzung erneuerbarer Energien), aber auch einer nachhaltigen Wirtschaftlichkeit sowie den Anforderungen an Versorgungssicherheit für Bielefeld verpflichtet sieht.
Die Stadt Remscheid wurde ebenfalls zum zweiten Mal erfolgreich zertifiziert. Zu dem Maßnahmenpaket gehörte u. a. die Sanierung eines Bürogebäudes der 60er-Jahre zum Niedrigenergiegebäude inkl. der ökologischen und ökonomischen Bewertung verschiedener Fassadenkonzepte und des anschließenden Energiemonitorings durch die Bergische Universität Wuppertal sowie die bereits seit 1997 die in Zusammenarbeit von Gebäudemanagement und Umweltamt durchgeführten Energiesparprogramme an Schulen und Kindertageseinrichtungen.
Dadurch wurden bis heute mehr als 14.000.000 kWh Heizenergie, 1.400.000 kWh Strom und 35.000 m³ Wasser weniger verbraucht. Die Umwelt wurde um 5.500 t CO2 entlastet. Die Einsparungen von 688.500 € kamen zu über 60% den Einrichtungen zu Gute.
Die Stadt Castrop-Rauxel im nördlichen Ruhrgebiet hat u. a. durch einen extra eingerichteten Energiefonds Förderungen von Energieprojekten bzw. Energiesparmaßnahmen angestoßen, wie etwa die Sanierung der Europaschule mit 4.200 m² Bruttogeschossfläche und die Ausstattung von insgesamt 5 städt. Schulen mit Fotovoltaikanlagen, die insgesamt eine Leistung von 18 kW Pik erbringen. Vor allem mit der ortsansässigen Verbraucherzentrale NRW wurden viele Veranstaltungen und Aktionen durchgeführt wie Thermographieaktionen das Projekt „Runder Tisch Schimmel“ und die Suche nach „Energiesparfamilien“: Mehr als 30 Mehrpersonenhaushalte haben sich gemeldet, die an mehreren Veranstaltungsabenden umfangreiche Informationen über den bewussten Umgang mit Wasser und Energie im Haushalt erhielten. Mit dem neuen Wissen können sie selbst einen kleinen Beitrag zur Umwelt leisten und etwas für die Entlastung der Haushaltskasse tun.
Die Stadt Düsseldorf hat in den vergangenen Jahren viele Maßnahmen durchgeführt, die zu einer Reduzierung des Energieverbrauchs geführt haben: die Einführung eines Energiecontrollings, die Festschreibung von Baustandards für die städtischen Gebäude, die Schulung der Hausmeister, der breite Einsatz erneuerbarer Energien, die Ausweitung des Energiesparprojektes an Schulen und Kindergärten auf Sportvereine und Verwaltungsgebäude, eine sparsamere Ampelsteuerung und Straßenbeleuchtung, die Einführung und der Ausbau des Parkleitsystems. Auch die Wohnumfeldverbesserung im Stadtteil Flingern gehört zu den energierelevanten Aktivitäten, da der Fuß- und Radverkehr durch verkehrsberuhigende Maßnahmen sicherer und somit attraktiver werden. Hinzu kommen noch die Verbesserung des Fuß- und Radwegenetzes und die Steigerung der Qualität des ÖPNV. So konnte beispielsweise laut CO2- Bilanz für 2005 der Ausstoß von CO2 seit 1987 von 8,1 Millionen Tonnen auf 6,1 Millionen Tonnen reduziert werden. Eingebettet in den eea® wird ganz aktuell ein „Maßnahmenprogramm zum Klimaschutz in Düsseldorf“, das die Aktivitäten in Sachen Klimaschutz fortschreibt.
Die Stadt Hemer im Norden des Märkischen Kreises hat bereits 1984 mit der konsequenten Energiebewirtschaftung ihrer öffentlichen Gebäude begonnen. Viele energetische Projekte haben Eingang in den eea gefunden: Die Erneuerung von Heizungs- und Regelanlagen in städtischen Gebäuden, die Einrichtung einer Gebäudeleittechnik sowie die Gründung des Zentralen Immobilienmanagements – ZIM. Aber Hemer denkt auch schon an die Zukunft: Wenn die Stadt im Jahre 2010 die Landesgartenschau ausrichten wird, hat das auch mit Klimaschutz zu tun – auf dem Gelände sollen möglichst viele Solar- und Passivhäuser entstehen und durch die Einrichtung von Park&Ride-Parkplätzen sollen die Besucher möglichst „CO2-neutral“ anreisen.
Weitere Informationen zum European Energy Award und zum Thema „Energiesparen in Kommunen“ gibt es auf den Internetseiten www.nrw-spart-energie.de und www.energieagentur.nrw.de.
Meine Meinung:
Land und Kommunen in NRW sind Vorbilder. Was machen wir also in Sachen Klimaschutz in Lingen vor unserer eigenen Haustür, und was kann die Kommune leisten – über den eigenen Bereich hinaus? Welche Aufgaben übernehmen die kommunalen Stadtwerke? Diese Fragen stehen auf der Tagesordnung.
ps In Niedersachsen gibt es nichts, was an die Aktion in NRW heranreicht. Die (Klima-)Zeichen der Zeit hat die amtierende Landesregierung eben nicht erkannt, oder wie anders kann man das „Wort zum Sonntag“ von Ministerpräsident Wulf auf dem CDU-Regionalparteitag in Meppen für ein Kohlekraftwerk in Dörpen verstehen?
100. Geburtstag
17. November 2007
aus den Grafschafter Nachrichten vom 16.11.2007:
Stadt Lingen will berühmten Rennfahrer ehren
SS-Mitgliedschaft von Bernd Rosemeyer bereitet Planern aber noch Kopfzerbrechen
Lingen. Soll Lingen den immer noch weltberühmten Sohn der Stadt, den Automobil-Weltmeister Bernd Rosemeyer (1909 bis 1938), besonders ehren – oder verbietet sich dies wegen der damaligen SS-Mitgliedschaft Rosemeyers? Vor dieser zeitgeschichtlich schwierigen Frage stand der Kulturausschuss des Rates auf seiner letzten Sitzung.
Anlass der aktuellen Diskussion sind Planungen zur Feier des 100. Geburtstages Bernd Rosemeyers im Jahr 2009. Die Stadtverwaltung hatte eine Beschlussvorlage erarbeitet, in der vier mögliche Aktivitäten für 2009 aufgeführt sind. So wird an eine Oldtimerveranstaltung „Bernd Rosemeyer Classic“ gedacht. Weiterhin könnte der Studiengang Theaterpädagogik der FH Lingen ein Theaterstück erarbeiten, welches die Person Rosemeyers und die Geschichte der NS-Zeit verbindet. Gleiches soll im Rahmen einer Vortragsveranstaltung durch Historiker geschehen. Als vierte Option zum Stichwort „lebendige Geschichte“ wird die Errichtung eines künstlerisch gestalteten Objekts, eventuell mit einer Skulptur des Automobilrennfahrers, erwähnt.
Eine „Skulptur“ erschien den Mitgliedern des Kulturausschusses denn doch zu viel der Problematik, so dass dieser Part zunächst aus dem Beschluss gestrichen wurde. Dezernentin Dr. Claudia Haarmann erläuterte allerdings, dass keinesfalls an eine „Heroisierung“ gedacht sei. Das Kunstobjekt solle nicht nur die Person Bernd Rosemeyer, sondern eben auch die geschichtlichen Ereignisse und die Problematik seiner Zeit widerspiegeln. Das Jahr des einhundertsten Geburtstags von Rosemeyer kommt der Stadt Lingen deshalb für eine Erinnerung passend, weil das Unternehmen „Auto Union AG“, in dessen „Silberpfeilen“ der Rennfahrer seine großen Erfolge errang, ebenfalls 2009 sein hundertjähriges Bestehen feiert.
Bernd Rosemeyer war laut seiner im Archiv überlieferten SS-Stammkarte spätestens im November 1933 in die SS eingetreten. Das ergaben die Nachforschungen des Lingener Stadtarchivars Dr. Ludwig Remling, die dem Kulturausschuss ausführlich vorlagen. Die Mitgliedschaft in einer Motorsport betreibenden NS-Organisation war ab Sommer 1933 zwingende Voraussetzung für die Erteilung einer Rennfahrer-Lizenz in Deutschland. Die SS galt dabei in den frühen Jahren der Naziherrschaft als angesehen und „elitär“, vor allem im Vergleich mit der NS-Massenorganisation SA. So sind in den SS-Motorstürmen jener Zeit auffällig viele adelige „Sportsmänner“ anzutreffen.
Ein „Individualist reinsten Wassers“, war Bernd Rosemeyer laut Erkenntnissen von Dr. Remling. Rennfahrer zu sein war sein oberstes Ziel. Nach heutigen Maßstäben könnte man Rosemeyer als „Michael Schumacher der Jahre 1936/37″ bezeichnen. Die Nazis nutzten den „blonden Bernd“ zur internationalen Propaganda „ihrer“ deutschen Technik- und Automobilerfolge. Sensationell volkstümlich wurde der Rennfahrer aus Lingen erst recht nach seiner Hochzeit mit der populären Fliegerin Elly Beinhorn, die noch im Mai 2007 ihren 100. Geburtstag erlebte. „Neben Max Schmeling und Anni Ondra war das Ehepaar Rosemeyer-Beinhorn das Glamourpaar jener Jahre (ab 1936). Sie genossen die Gunst des Regimes, das ihnen ihre Erfolge ermöglichte, das sie zur Verbesserung seiner Reputation als Stars aber auch brauchte“, schreibt Dr. Ludwig Remling.
Bernd Rosemeyer verunglückte am 28. Januar 1938 tödlich bei einem Weltrekordversuch auf der Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt. Ein Denkmal an dieser Stelle erinnert an ihn. Der Rennfahrer erhielt ein NS-Ehrenbegräbnis. Die internationale Rennwelt ehrt ihren Meister und Helden bis heute mit unzähligen Erwähnungen zur Geschichte des Automobilsports. Die Tatsache der SS-Mitgliedschaft wird ab und zu angesprochen, spielt aber auch z. B. in den USA keine entscheidende Rolle. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass Rosemeyers Tod Anfang 1938 noch nicht in Zusammenhang mit SS-Verbrechen der Jahre bis 1945 gebracht wurde.
Auf jeden Fall dürfte die Stadt Lingen bei offiziellen Veranstaltungen zum Jahr des 100. Geburtstags von Bernd Rosemeyer nicht um ein Erwähnen der historisch unbequemen Fakten herumkommen. Dr. Remling verwies auf das Beispiel des ADAC, der nach 1945 unter maßgeblicher Beteiligung von NS-Funktionären wieder aufgebaut worden sei. Erst in den letzten Jahren habe sich der ADAC nach heftiger öffentlicher Kritik zu dieser NS-Vergangenheit bekannt. Es sei ein warnendes Beispiel, das Lingen vermeiden sollte, so Remling.
Soweit der GN-Artikel. Ich bin für ein Denkmal, das an Bernd Rosemeyer erinnert. Für dieses Denkmal kann die Stadt einen künstlerischen Wettbewerb ausschreiben oder einen namhaften Künstler beauftragen. Selbstverständlich müssen bei der Gestaltung die von Rosemeyer selbst zu verantwortende Vereinnahmung durch das NS-Regime und seine SS-Mitgliedschaft ein wesentliches Thema sein. Dies macht die Bedeutung des Denkmals aus.
(Foto: Bernd Rosemeyer, Elli Beinhorn, Ferdinand Porsche; Bundesarchiv, wikicommons)
Ideenwettbewerb
16. November 2007
Bei der flott organisierten Bürgerversammlung am Mittwochabend in der Bundeswehrkantine auf dem Areal der ehemaligen Scharnhorst-Kaserne sind kaum zukunftweisende, moderne Ideen formuliert worden. Innovativ waren nur wenige Ankündigungen wie zum Beispiel, das funktionierende Heizkraftwerk künftig als Blockheizkraftwerk zu betreiben (OB Pott, Stadtbaurat Lisiecki), sowie die Idee eines Reuschbergers, einen Mittelpunkt in dem langgezogenen Stadtteil zu schaffen und die „Panzer“-Brücke über die Ems auch für die Erschließung zu nutzen, nicht nur für Fußgänger und Radfahrer. Mir fiel auch auf, dass von Gewerbenutzung und neuen Arbeitsplätzen überhaupt nicht gesprochen wurde – von einer künftigen Gaststätte im ehemaligen Offiziersheim an der Ems einmal abgesehen.
Enttäuscht war ich von den vielen sehr traditionellen Vorschlägen für die künftige Nutzung der 35 ha Kasernengelände, die die Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft der Stadt im Sommer erworben hat. Sind die innenstadtnahen Flächen nicht zu wertvoll, um sie in 500qm große Einfamilienhausgrundstücke zu parzellieren? Ist die Emsbrücke für die Erschließung Reuschberges nicht zu vorteilhaft, als sie nur von Radfahrern und Fußgängern nutzen zu lassen? Müssen wirklich erst einmal die Bagger vieles abreißen, im Zweifel auch intakte Gebäude? Reicht es, gut zwei Dutzend ausgewählte Stadtplaner zu beauftragen, Wettbewerbsarbeiten beizubringen?
Gut gemeint ist eben nicht schon gut gemacht: Wer für die kostbaren Flächen so Herkömmliches vorschlägt wie etwa die Verantwortlichen des Bürgervereins wird –trotz allen Einsatzes für Reuschberge- sicherlich keinen Nahversorgermarkt nach Reuschberge bekommen und auch keinen guten Busdienst; denn dann gibt es allenfalls 500 neue Bewohner in Reuschberge und die reichen dafür nicht aus. Wer die Emsbrücke nicht für Radfahrer, Fußgänger und Kraftfahrzeuge nutzt, verschenkt ihren Nutzen zu einem wesentlichen Teil. Wer erst mal abreißt, ohne zu wissen, was kommt, vernichtet nicht nur Werte sondern verschenkt Chancen. Wer keinen offenen städtebaulichen Wettbewerb durchführt, nutzt die Vielfalt, Schaffenskraft, Anregungen und Vorstellungen der Planer und Architekten nicht im möglichen Maße.
Meine jetzigen Vorstellungen betreffen vier Punkte:
1. Bitte nicht allein auf das Kasernengelände sehen! Es kann nämlich darüber hinaus eine städtebauliche Ost-West-Achse entstehen, die vom alten Truppenübungsplatz über die Emsbrücke, das Kasernengelände mit einem Stadtteilmittelpunkt und das östliche Reuschberge in den Bereich das Hafengeländes, des Bögen-Gebietes in die Innenstadt reicht. Zwischen Gelgöskenstiege und dem Dortmund-Ems-Kanal wäre diese Achse zurzeit unterbrochen, und es sind Ideen gefragt, wie sie hier umgesetzt werden kann. Eine neue Brückenverbindung über den Kanal sollte ein Unikat und ein weit über die Stadt hinaus strahlender stadtgestalterischer Höhepunkt sein.
2. Bitte nicht holterdipolter abreißen! Denn eine Gemeinbedarfsnutzung (schreckliches Wort für eine gute Sache) muss Platz finden, zusammen mit individueller Wohnbebauung (nachhaltiger als z.B. im Gauerbach). Dazu können die Turnhallen, die Kantine, das Heizwerk und weitere Gebäude dienen – etwa solche, die erst vor kurzem nach dem Konzept „Kaserne 2000“ modernisiert worden sind und geradezu nach einer Wohnnutzung zB durch Studenten der FH und der Berufsakademie schreien. Daneben können sicherlich auch Senioreneinrichtungen entstehen im „Ems-Auen-Park“ (O-Ton OB Pott).
3. Bitte Arbeitsplätze schaffen und nicht ausgrenzen! Es ist doch greifbar: Gewerbe und damit Arbeitsplätze müssen auf dem ehem. Kasernengelände entstehen. Denn eine ganze Reihe der leer stehenden Immobilien sind solide und bieten Platz für expandierende Unternehmen und Existenzgründer, ohne dass dies Millionen kosten muss wie etwa beim (sinnvollen) IT-EL, und es bleibt trotzdem noch genügend Raum für Grün und Natur.
4. Bitte viele Profis fragen! Die künftige Nutzung und Gestaltung kann nur nach einem großen, europaweit ausgeschriebenen städtebaulichen Wettbewerb entschieden werden. Dabei gehören (Ost-West-Achse !) das Areal der Scharnhorst-Kaserne und der Bereich Alter Hafen gemeinsam in diesen offenen Wettbewerb. Die Arbeiten von nur 30 Büros (hier schon ein Vorschlag aus dem Internet), die Stadtbaurat Lisiecki jetzt fragen will und von denen dann vielleicht nicht einmal alle mitwirken, sind zwar für die Bauverwaltung leichter zu bearbeiten aber doch zu wenig, um eine auf Jahrhunderte einmalige Entwicklungschance wirklich zu ergründen und zu nutzen. Macht einen offenen Ideenwettbewerb!
Tiefer legen
7. November 2007
Keine Frage: Die Unterführung zwischen dem Nordende des Lingener Bahnhofs und dem Campus an der Kaiserstraße, scheint gelungen. Zwischen ihr und der engen, nicht ungefährlichen Durchfahrt unter der Ludwig-Erhard-Brücke oder dem Fitness-Programm Fußgänger-Brücke zwischen Schwedenschanze und Kokenmühle liegen städtebaulich und gestalterisch Welten. Und das ist gut so!
Trotzdem hätte ich mir in der publizierten Jubelarie mehr Wahrheit, weniger Klitterung und etwas mehr Augenmaß gewünscht: OB Pott übertreibt natürlich „um ein Vielfaches“ mit dem gestern bei der offiziellen Eröffnung gesprochenen Satz: „Was hier entstanden ist, übersteigt das normale Maß architektonischer Gestaltung um ein Vielfaches“. Zu einer solchen Einschätzung kann wirklich nur gelangen, wer die Entwicklung der Architektur in der Region und -vor allem – darüber hinaus ausblendet.
Auch der, die Lokalgeschichte klitternde Kommentar von LT-Chef Thomas Pertz, überzeugt nicht. Da macht er tatsächlich den seit 2000 amtierenden OB zum Vater der Unterführung, die seit knapp 20 Jahren auf der Tagesordnung stand, und verschweigt wenig elegant, dass Heiner Pott im Wahlkampf 1999/2000 keine Radfahrer- und Fußgängerverbindung forderte sondern einen normalen Straßentunnel, durch den vor allem der Kraftfahrzeugverkehr fließen sollte. Das habe nicht nur ich damals in der Tat belächelt; die Idee ist ja auch schnell in der Mottenkiste verschwunden. Denn: Hätte Pott seinen Autoplan durchgesetzt, wäre keine attraktive Verbindung sondern ein reiner Straßentunnel entstanden. Der Autoplan war ebenso wenig durchdacht wie die Brücke, die Potts Vorgänger Karl-Heinz Vehring aus Kostengründen an dieser Stelle wollte und die mehrheitlich schon im Rat beschlossen war – einschließlich Fahrstuhl für jeweils zwei Räder gleichzeitig.
Ehrlich wäre es auch gewesen, die Fehler in der Bauleitung zu erwähnen, die zu einer Verzögerung der Eröffnung um mehrere Monate geführt haben. Ob es daran lag, dass die Verantwortlichen offenbar lange Zeit tatsächlich nur „Dauergäste“ (O-Ton Pertz) auf der Baustelle waren?
Ob schließlich die Unterführung auch teurer geworden ist als der Kostenvoranschlag von 7 Mio Euro – man darf es vermuten. Zahlen liegen bisher nicht auf dem Tisch. Lieber Thomas Pertz, wie wäre es mit einer Nachfrage?
Freuen wir uns trotzdem über ein gelungenes Projekt am „Theo-Lingen-Platz„. Legen wir aber die Bewertung etwas tiefer, damit wir nicht an uns selbst besoffen werden, was für tolle Super-Kerle und -Mädels hier agieren…