EAW
23. September 2007
Kivelinge
2. September 2007
Alle drei Jahre feiern die Kivelinge zu Pfingsten das traditionsreiche Fest. Zu den Eigenheiten dieses Festes gehört, dass die Kivelinge der Stadt „ein Geschenk“ machen. In den langen Jahren hat es viele schöne Geschenkideen gegeben wie das Glockenspiel im Rathaus, das übrigens eine ganz eigene deutsche Geschichte hat, die Lampen am Rathaus, die Bürgermeisteramtskette, den Pulverturm, den barocken Gartenzaun am Museum oder den Spielplatz an der Strootstraße. Daneben gab es aber auch eine Reihe von Missgriffen – wie eine von der „Größe“ her eher an Manneken Pis erinnernde Pontanus-Figur, einen seltsamen und völlig unbrauchbaren Wegweiser am Rand des Marktes oder einen gepflasterten historischen Stadtgrundriss, den man kaum als solchen erkennt. Andere Geschenke sind längst wieder weg -wie eine kleine Grünanlage am Alten- und Pflegeheim Haus Simeon und auch der von Friedel Kunst vor 40 Jahren am Rathaus aufgestellte Machurius soll inzwischen wieder auf dem Weg zurück in die Lohner Berge sein, wo er ja seit Jahrhunderten sein Unwesen treibt. In schwierigen Kivelingsjahren durfte die Stadt das Geschenk auch zu einem erklecklichen Teil selbst bezahlen… aber das ist ein anderes Thema.
2008 soll offenbar wieder ein Kinderspielplatz her, wie zu hören ist. Keine schlechte Idee, wenn nicht dafür ein Bolzplatz verschwinden sollte, wie auch zu hören ist. Daher habe ich diesen Brief an Oberbürgermeister Heiner Pott geschrieben, der mit Kivelingsaktivist Björn Roth einen Gesprächspartner findet, der sogar der richtigen politischen Stadtratsfraktion angehört…
„Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
es wird geplant, den Bolzplatz nahe der AOK „Am Pulverturm“ in einen Kinderspielplatz umzubauen. Das Vorhaben sollte überdacht und aufgegeben werden. Der einzige öffentliche Bolzplatz im Stadtkern wird von Kindern aus dem Stadtzentrum und den Messdienern bzw. Jugendgruppen der Bonifatius-Kirchengemeinde regelmäßig genutzt und das sollte auch so bleiben. Es erscheint mir jedenfalls schon grundsätzlich nicht überzeugend, einen Bolzplatz in einen Spielplatz umzubauen.
Es ist natürlich richtig, im Stadtzentrum Spielmöglichkeiten für Kinder vorzuhalten, weniger für Kinder aus dem Stadtzentrum, die es kaum mehr gibt, als vielmehr für Besucher. Die geäußerte Annahme allerdings, die Attraktivität der Innenstadt als Einkaufszentrum steige, weil Eltern dann dort ihre Kinder spielen ließen, derweil sie einkauften, erweist sich bereits bei kurzem Nachdenken als nicht richtig. Eltern lassen ihre Kinder nämlich nicht außerhalb des Wohnbereichs unbeaufsichtigt spielen; sie wollen sie im Blick haben. Deshalb sind zB Spielmöglichkeiten im Bereich von gastronomischen Einrichtungen so begehrt, in denen die Eltern nach dem Einkaufen einkehren und ihre spielenden Kinder sehen, und deshalb war zB der Umbau des Spielbereichs vor der Deutschen Bank in einen nach dem Gusto von Erwachsenen gestalteten, für Kinder aber langweiligen Drehsteinbereich falsch.
Jedenfalls würde ein großer öffentlicher Spielplatz „Am Pulverturm“ mit dem Ziel „Spielen für Kinder einkaufender Eltern“ nur funktionieren, wenn er ganztags unter sicherer Aufsicht stünde. Damit entstünde ein erheblicher Kostenaufwand -sowohl für die Einrichtung des Platzes als auch an Folgekosten. Zweckmäßigerweise und ohne annähernd gleichen zusätzlichen Aufwand wie für den Umbau des Bolzplatzes könnte das im Bereich des Bonifatius-Kindergartens geschehen. Dazu müsste mit der Kirchengemeinde als Träger des Kindergartens gesprochen und ggf. eine Vereinbarung getroffen werden, den Kindergarten-Spielbereich (drinnen wie draußen) für „Besucherkinder“ zu öffnen.
Der Bolzplatz sollte jedenfalls Bolzplatz bleiben. Wenn übrigens die Kivelinge zum bevor stehenden Fest tatsächlich eine Spielplatzeinrichtung schenken wollen, dann können sie dies gern tun. Allerdings gilt auch da nichts anderes als das Gesagte. Kindgerechte, vielfältige Spielmöglichkeiten im Bereich der gastronomischen Einrichtungen rund um den Markt kann man schenken, ohne dass man einen Bolzplatz schließen muss. Oder?
Mit freundlichen Grüßen
Robert Koop„
ps Was ich schon immer mal sagen wollte und mit Blick auf das Kivelingsfest 2008 und das Volksfest „Lingen im Mittelalter“ jetzt mal mache: Ich suche noch einen netten Zeitgenossen, der den Kivelingen und einzelnen mitfeiernden Bürgerschützen ganz sanftmütig erklärt, dass Rokoko-Kostüme auf einem mittelalterlichen Markt nichts zu suchen haben…
