Nave

24. Januar 2007

Das Hotel Nave war Jahrzehnte das erste Haus am Platze. Seine letzte Besitzerin, Hilde Nave, ist legendär. Zum Hotel gehörte stets ein kleiner parkähnlicher Garten. Als das „Hotel Nave“ Ende der 70er Jahre mühsam und nach einer Insolvenz des Inevstors zum Parkhotel wurde, wurde ein Großteil des kleinen Parks zum Parkplatz. Der Rest blieb. Im Rahmen des „Skulpturenprojekts Lingen“ wurde eine Skulptur aufgestellt, die SPD pflanzte zum Gedenken an ihre Gründungsstätte einen Baum. Der Garten litt, als plötzlich ein Lingener Geschäftsmann dort einen Supermarkt bauen wollte. Die CDU-Mehrheit änderte gegen heftigen Widerstand der Ratsminderheit die Planungen, und schon am nächsten Morgen fielen zwei große Laubbäume, jeder mehr als 100 Jahre alt, der Säge zum Opfer. Der Supermarkt kam dann doch nicht, weil sich der Kaufmann auf Supermärkte an der Rheiner Straße konzentrierte.
Jetzt gibt es eine neue Bedrohung für den Garten: Am Montag erreichte mich eine so genannte Mitteilungsvorlage für die Sitzung des kommunalen Planungs- und Bauausschuss am Dienstag. Der halbe Garten Nave soll weg. In den Bereich Ecke Marien-/Poststraße wird -nein, kein Baum, sondern- eine Fahrradeinstellplatzanlage gepflanzt und darin wiederum eine so genannte „Gasdruckregelstation“ . Mit waagerecht gelattetem Holzzaun und auf einem Ständerwerk, weil der Garten rund 1 m unter dem Straßenniveau der Poststraße liegt. Die Stadtwerke sind auf der Suche nach einem Standort, um damit die Gasversorgung der Lookentorpassage sichern zu können. Aber seit dem Frühsommer 2006 (!) konnten die Planer im Rathaus verbindlich keinen Standort vorschlagen. Jetzt kommen sie, hopplahopp binnen 24 Stunden, mit der Mitteilung, Naves Garten dafür zu nutzen.
Die Minderheit im Ausschuss war not amused. Die Kollegen der Mehrheitsfraktion schwiegen und wirkten betreten, jedenfalls nicht überzeugt.
Tatsächlich gab es im Rahmen eines „Freiraumkonzepts“ für die Lookentorpassage die vage Idee einer Fahrradabstellanlage in diesem Bereich. Sie wurde nie hinterfragt, nie diskutiert, festgelegt oder verbindlich geplant. Im Mittelpunkt der Debatte stand stattdessen die „uralte“ Idee, den historischen, heute verrohrten Stadtgraben entlang der Poststraße wieder „erlebbar“ zu machen. Das Nichtlingener Planer bei ihrem Freiraumkonzept den einzigen freien Raum mit einer Fahrradanlage bebauen wollten, fiel im Ausschuss nicht auf. Dabei ist der Standort der Fahrradanlage mitten in Naves Garten falsch: Er liegt abseits der künftigen Fahrradstraße, die im Anschluss an den Bahntunnel zum Markt führt, abseits vom Bahnhof, wo eine Fahrradanlage fehlt, abseits von den Eingängen der Lookentorpassage, wo die Radfahrer absteigen. Ein Bretterverschlag am Eingang der Fußgängerzone ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Technisch gilt: Die Gasanlage muss ebenfalls nicht an dieser Stelle entstehen. Dafür reicht ein Platz in einem Radius von 200m. Naves Garten hat also noch eine letzte Chance.
Heute Nachmittag will der Verwaltungsausschuss sich an Ort und Stelle ein Bild machen und dann entscheiden.
Wenn Sie die Sitzungsvorlage anklicken (Über die Menupunkte Sitzung, Tagesordnung, Planungs- und Bauausschuss 2007), lassen Sie sich nicht durch die Skizze täuschen, die den Eingriff verharmlost. Nehmen Sie als Anhaltspunkt die Straßenbreite der Poststraße. Heute schließt sich nach einem 1,50m breiten Fußweg direkt Naves Garten an. Künftig ist die Terrasse des Hotels sozusagen in Griffweite des Fahrradschuppens…