Licht

21. Januar 2007

Um es gleich vorweg zu sagen: Mir gefällt die neue Beleuchtung der markanten Marktplatzhäuser nicht. Das von Ulrike Brandi, Hamburg, entwickelte Konzept pflanzt in seinem ersten Schritt Lichtelemente an Rathaus und Kivelinghaus, die den Charakter der schlichten Gebäude stören. Brandi ist sicherlich eine prominente Lichtdesignerin. Sie sagt von sich: „Wir haben sehr viel Erfahrung im sensiblen Umgang mit historischer Substanz sowie mit den Verpflichtungen des Denkmalschutzes.“ Genau dies aber zeigt das neue „Beleuchtungskonzept“ des Lingener Marktes nicht. Das Rathaus von 1663 sieht nach dem Umsetzen der Brandi’schen Lichtgestaltung mit seinem Neonröhrenlicht eher aus wie ein Bauwerk am Oceandrive in Miami-Beach. Abgesehen davon, dass man das farblich missglückte Ziffernblatt der Rathausuhr (ein Geschenk der Kivelinge) bei Dunkelheit nun gar nicht mehr erkennen kann, sieht die klare, weiße Fassade des Rathauses heute aus wie eine weiße Levisjeans mit frischen Nieten. Denn die pickelartigen Starter der Neonleuchten, allesamt sichtbar, zerstören die klaren vertikalen Gebäudelinien, genauso wie das klimbimhafte Puppenspiel (ein Geschenk der Kivelinge) die historische Bescheidenheit des Bauwerks zugunsten eines klamaukhaften Tourismuseffektes konterkariert.
Die ästhetischen Probleme des historischen Rathauses werden nicht geringer, wenn sie 50m entfernt am Kivelinghaus wiederholt werden. Und wenn ich schon einmal dabei bin: Wer hielt es eigentlich für eine Bereicherung des Baudenkmals Kivelinghaus, ein kitschiges blau-weißes Straßenschild direkt an die Fassade zu schrauben?
Dass die Fassade des Extrablatt-Gebäudes nach der Beduinenzelt-Posse aus den 90er Jahren inzwischen durch kubistische Lichterketten entstellt wird, soll nicht verschwiegen werden.
Mein Fazit: Nicht alles, was prominente Designer vorschlagen, ist überzeugt als Verbesserung. Weniger ist auch hier mehr. Klarheit und Raum sind Strukturmerkmale des Lingener Marktes, die es zu betonen gilt.

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