Posthalterei

17. Januar 2007

Gebetsmühlenartig und bisweilen sogar eloquent trägt FDP-Ratsvertreter Jens Beeck seit Jahren vor, dass sich die Stadt doch, bitteschön, möglichst all ihrer vermieteten Immobilien entledigen möge, weil „Private das besser können“. Nicht das Entledigen sondern die Bewirtschaftung natürlich. Keine Frage, dass Private mehr Profit für sich erreichen können. Die Frage ist allerdings, was die Betroffenen davon haben. Mietern dürfte die Privatisierung der städtischen Miet- und Altenwohnungen an Gesellschaften, die damit Gewinn machen wollen, erst einmal nur Nachteile haben – höhere Mieten zum Beispiel, mit denen die Mieter dann den Kaufpreis finanzieren dürfen. Jens Beeck sollte dazu am besten einmal mit den Mietern in den Häusern an der Friedrich- und Heinrichstraße sprechen, deren Wohnungen Anfang der 90er Jahre von der Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft an „Private“ veräußert wurden und wo exakt dies sich zugetragen hat. Es kommt also wohl tatsächlich auf das gesellschaftliche Sein an, dass das Bewusstsein prägt.
Beeck fordert auch, die Stadt solle sich sofort ihrer Gaststätten entledigen. Auch da lohnt aber ein genauer Blick – beispielsweise bei der Alten Posthalterei. Direkt am historischen Rathaus gelegen ist sie ein Postkartenmotiv, eines der auffälligsten Bauwerke der Stadt. Soll dies tatsächlich privaten Profiteuren überlassen werden? Nach leidvollen Erfahrungen mit der Vermietung Anfang der 80er Jahre, ist die Stadt einen andern weg gegangen. Sie hat mit einem privaten Bierverleger einen Pachtvertrag geschlossen und erhält eine relativ geringe Pacht. Der Bierverleger hat das Objekt auf westfälisch-rustikale Art eingerichtet und verpachtet es weiter. Das war nach Anlaufschwierigkeiten in den letzten Jahren erfolgreich. Doch seit dem 1. Januar ist „die Posthalterei“ geschlossen. Sieben Jahren hatte eine Gruppe um Wirtin Heidi Jürgens das Lokal erfolgreich bewirtschaftet, mit dem Jahresende 2006 aber die Segel gestrichen. Ein ganz wesentlicher Grund: Die Nebenkosten. Insbesondere die Heizkosten waren extrem hoch, „fast eine zweite Miete“ sagt Heidi Jürgens. Der Bierverleger war nicht bereit, etwas für die Heizkostenersparnis zu investieren, weil das Sache des Eigentümers sei. Die Stadt als Hauseigentümer auch nicht. Ob diese negative Haltung eine Folge der Polemiken a la Jens Beeck ist, weiß ich nicht. Es ist jedenfalls ein Fehler, wenn der zuständige städtische Eigenbetrieb mit dem markanten Namen „Zentrale Gebäudewirtschaft“ selbstverständliche Investitionen unterlässt und dadurch ein derart prominenter Leerstand die Folge ist. Eigentum verpflichtet zum Handeln, auch wenn Jens Beeck gegen das städtische Gebäudeeigentum polemisiert und man als städtischer Bediensteter vielleicht eher seine Ruhe haben will, anstatt Beecks ideologische Positionen aktiv zu widerlegen.
Heute soll nun doch der neue Pachtvertrag unterschrieben werden. Bernhard ButenDer Gastwirt Kanne-Hunfeld aus Heede wird ab Mitte Februar die Posthalterei bewirtschaften. Ein „Nicht-Lingener“, der bisher gastronomisch im nördlichen Emsland tätig war. Wünschen wir ihm Erfolg und eine glückliche Hand in unserer Stadt.
Heidi Jürgens, die Anfang Februar das „Litfaß“ in der Clubstraße wiedereröffnet, hat sieben Jahre in der Posthalterei bewiesen, wie richtig gut das geht.