Nave

24. Januar 2007

Das Hotel Nave war Jahrzehnte das erste Haus am Platze. Seine letzte Besitzerin, Hilde Nave, ist legendär. Zum Hotel gehörte stets ein kleiner parkähnlicher Garten. Als das „Hotel Nave“ Ende der 70er Jahre mühsam und nach einer Insolvenz des Inevstors zum Parkhotel wurde, wurde ein Großteil des kleinen Parks zum Parkplatz. Der Rest blieb. Im Rahmen des „Skulpturenprojekts Lingen“ wurde eine Skulptur aufgestellt, die SPD pflanzte zum Gedenken an ihre Gründungsstätte einen Baum. Der Garten litt, als plötzlich ein Lingener Geschäftsmann dort einen Supermarkt bauen wollte. Die CDU-Mehrheit änderte gegen heftigen Widerstand der Ratsminderheit die Planungen, und schon am nächsten Morgen fielen zwei große Laubbäume, jeder mehr als 100 Jahre alt, der Säge zum Opfer. Der Supermarkt kam dann doch nicht, weil sich der Kaufmann auf Supermärkte an der Rheiner Straße konzentrierte.
Jetzt gibt es eine neue Bedrohung für den Garten: Am Montag erreichte mich eine so genannte Mitteilungsvorlage für die Sitzung des kommunalen Planungs- und Bauausschuss am Dienstag. Der halbe Garten Nave soll weg. In den Bereich Ecke Marien-/Poststraße wird -nein, kein Baum, sondern- eine Fahrradeinstellplatzanlage gepflanzt und darin wiederum eine so genannte „Gasdruckregelstation“ . Mit waagerecht gelattetem Holzzaun und auf einem Ständerwerk, weil der Garten rund 1 m unter dem Straßenniveau der Poststraße liegt. Die Stadtwerke sind auf der Suche nach einem Standort, um damit die Gasversorgung der Lookentorpassage sichern zu können. Aber seit dem Frühsommer 2006 (!) konnten die Planer im Rathaus verbindlich keinen Standort vorschlagen. Jetzt kommen sie, hopplahopp binnen 24 Stunden, mit der Mitteilung, Naves Garten dafür zu nutzen.
Die Minderheit im Ausschuss war not amused. Die Kollegen der Mehrheitsfraktion schwiegen und wirkten betreten, jedenfalls nicht überzeugt.
Tatsächlich gab es im Rahmen eines „Freiraumkonzepts“ für die Lookentorpassage die vage Idee einer Fahrradabstellanlage in diesem Bereich. Sie wurde nie hinterfragt, nie diskutiert, festgelegt oder verbindlich geplant. Im Mittelpunkt der Debatte stand stattdessen die „uralte“ Idee, den historischen, heute verrohrten Stadtgraben entlang der Poststraße wieder „erlebbar“ zu machen. Das Nichtlingener Planer bei ihrem Freiraumkonzept den einzigen freien Raum mit einer Fahrradanlage bebauen wollten, fiel im Ausschuss nicht auf. Dabei ist der Standort der Fahrradanlage mitten in Naves Garten falsch: Er liegt abseits der künftigen Fahrradstraße, die im Anschluss an den Bahntunnel zum Markt führt, abseits vom Bahnhof, wo eine Fahrradanlage fehlt, abseits von den Eingängen der Lookentorpassage, wo die Radfahrer absteigen. Ein Bretterverschlag am Eingang der Fußgängerzone ist auch nicht das Gelbe vom Ei. Technisch gilt: Die Gasanlage muss ebenfalls nicht an dieser Stelle entstehen. Dafür reicht ein Platz in einem Radius von 200m. Naves Garten hat also noch eine letzte Chance.
Heute Nachmittag will der Verwaltungsausschuss sich an Ort und Stelle ein Bild machen und dann entscheiden.
Wenn Sie die Sitzungsvorlage anklicken (Über die Menupunkte Sitzung, Tagesordnung, Planungs- und Bauausschuss 2007), lassen Sie sich nicht durch die Skizze täuschen, die den Eingriff verharmlost. Nehmen Sie als Anhaltspunkt die Straßenbreite der Poststraße. Heute schließt sich nach einem 1,50m breiten Fußweg direkt Naves Garten an. Künftig ist die Terrasse des Hotels sozusagen in Griffweite des Fahrradschuppens…

Strom II

22. Januar 2007

346421_R_K_by_Bernd-Boscolo_pixelio.dePrivathaushalte müssen im neuen Jahr fünf Prozent mehr für Strom zahlen, in Lingen bisher 2,62%. Das belegt eine neue Studie. Dabei könnten viele Kunden sparen, wenn sie den Anbieter wechseln. Lingener sollten allerdings das Für und Wider wirklich gut abwägen.
SPIEGEL-ONLINE veröffentlichte jetzt, wer aktuell die günstigsten Versorger sind. Die Stadtwerke Lingen sind ganz vorn dabei! Berechnungen des Verbraucherportals Verivox ergaben, dass ein Vier-Personen-Haushalt in der Grundversorgung für seinen Stromverbrauch derzeit durchschnittlich 806 Euro bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahlt. Das sind knapp 41 Euro mehr als noch im Dezember 2006 und liegt nicht nur an der gestiegenen Mehrwertsteuer.
Im Vergleich zum Januar 2006 erhöhten sich die Strompreise dem Strompreis-Vergleich zufolge um sechs Prozent, verglichen mit dem Jahresbeginn 2005 im Schnitt gar um zehn Prozent. Verivox hat die Preise aller 821 Stromversorger in Deutschland verglichen. Die Auswertung ergab erfreuliches in Lingen: Tatsächlich finden sich die Stadtwerke Lingen in diesem bundesweiten Preisvergleich auf einem exzellenten 25.ten Rang (von 821!) - trotz der Preissteigerung von 2,62% (=18,20 Euro) zum Jahresbeginn.
Wichtigste Preistreiber sind einem Gutachten(pdf) von Prof. Dr. Hirschhausen (TU Dresden) zufolge die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE , EnBW und Vattenfall, die ihre Marktmacht missbrauchen und für überhöhte Großhandelspreise an der Leipziger Strombörse sorgen würden. Zwischen 2005 und Juni 2006 hätten die Preise demnach rechnerisch zwischen 20 und 30 Prozent über dem Niveau gelegen, das bei vollem Wettbewerb herrschen würde, ermittelte das in der letzten Woche veröffentlichte Gutachten im Auftrag des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK).
Die günstigen Stadtwerke Lingen sind dabei insbesondere EnBW wohl ein Dorn im Auge. Sie hat einen Preiskampf begonnen. Eigens und nur hier präsentiert sich die bundesweit werbende EnBW-Tochter Yello mit einem Kampftarif: Grundpreis 6,04 Euro, Verbrauchspreis 15,86 Cent/kwh. In der ganzen übrigen Ems-Vechte-Region beträgt der Yello-Grundpreis hingegen 7,69 € und der Verbrauchspreis 17,51 Cent/kwh. Klicken Sie auf den Tarifrechner auf der Yelloseite. Die wenigen Euro, die bei einem Wechsel gespart werden, wird Yello bestimmt wieder draufschlagen, wenn nur erst genügend viele Stromkunden gewechselt sind. Das rechnet sich für mitdenkende Lingener Stromkunden nicht.
Auch nicht nach der anstehenden, bereits beantragten Strompreiserhöhung, durch die die Stadtwerke dann wieder ins Mittelfeld der deutschen Stromanbieter rutschen werden…

© Bernd Boscolo, pixelio.de

Licht

21. Januar 2007

Um es gleich vorweg zu sagen: Mir gefällt die neue Beleuchtung der markanten Marktplatzhäuser nicht. Das von Ulrike Brandi, Hamburg, entwickelte Konzept pflanzt in seinem ersten Schritt Lichtelemente an Rathaus und Kivelinghaus, die den Charakter der schlichten Gebäude stören. Brandi ist sicherlich eine prominente Lichtdesignerin. Sie sagt von sich: „Wir haben sehr viel Erfahrung im sensiblen Umgang mit historischer Substanz sowie mit den Verpflichtungen des Denkmalschutzes.“ Genau dies aber zeigt das neue „Beleuchtungskonzept“ des Lingener Marktes nicht. Das Rathaus von 1663 sieht nach dem Umsetzen der Brandi’schen Lichtgestaltung mit seinem Neonröhrenlicht eher aus wie ein Bauwerk am Oceandrive in Miami-Beach. Abgesehen davon, dass man das farblich missglückte Ziffernblatt der Rathausuhr (ein Geschenk der Kivelinge) bei Dunkelheit nun gar nicht mehr erkennen kann, sieht die klare, weiße Fassade des Rathauses heute aus wie eine weiße Levisjeans mit frischen Nieten. Denn die pickelartigen Starter der Neonleuchten, allesamt sichtbar, zerstören die klaren vertikalen Gebäudelinien, genauso wie das klimbimhafte Puppenspiel (ein Geschenk der Kivelinge) die historische Bescheidenheit des Bauwerks zugunsten eines klamaukhaften Tourismuseffektes konterkariert.
Die ästhetischen Probleme des historischen Rathauses werden nicht geringer, wenn sie 50m entfernt am Kivelinghaus wiederholt werden. Und wenn ich schon einmal dabei bin: Wer hielt es eigentlich für eine Bereicherung des Baudenkmals Kivelinghaus, ein kitschiges blau-weißes Straßenschild direkt an die Fassade zu schrauben?
Dass die Fassade des Extrablatt-Gebäudes nach der Beduinenzelt-Posse aus den 90er Jahren inzwischen durch kubistische Lichterketten entstellt wird, soll nicht verschwiegen werden.
Mein Fazit: Nicht alles, was prominente Designer vorschlagen, ist überzeugt als Verbesserung. Weniger ist auch hier mehr. Klarheit und Raum sind Strukturmerkmale des Lingener Marktes, die es zu betonen gilt.

Posthalterei

17. Januar 2007

Gebetsmühlenartig und bisweilen sogar eloquent trägt FDP-Ratsvertreter Jens Beeck seit Jahren vor, dass sich die Stadt doch, bitteschön, möglichst all ihrer vermieteten Immobilien entledigen möge, weil „Private das besser können“. Nicht das Entledigen sondern die Bewirtschaftung natürlich. Keine Frage, dass Private mehr Profit für sich erreichen können. Die Frage ist allerdings, was die Betroffenen davon haben. Mietern dürfte die Privatisierung der städtischen Miet- und Altenwohnungen an Gesellschaften, die damit Gewinn machen wollen, erst einmal nur Nachteile haben – höhere Mieten zum Beispiel, mit denen die Mieter dann den Kaufpreis finanzieren dürfen. Jens Beeck sollte dazu am besten einmal mit den Mietern in den Häusern an der Friedrich- und Heinrichstraße sprechen, deren Wohnungen Anfang der 90er Jahre von der Osnabrücker Wohnungsbaugesellschaft an „Private“ veräußert wurden und wo exakt dies sich zugetragen hat. Es kommt also wohl tatsächlich auf das gesellschaftliche Sein an, dass das Bewusstsein prägt.
Beeck fordert auch, die Stadt solle sich sofort ihrer Gaststätten entledigen. Auch da lohnt aber ein genauer Blick – beispielsweise bei der Alten Posthalterei. Direkt am historischen Rathaus gelegen ist sie ein Postkartenmotiv, eines der auffälligsten Bauwerke der Stadt. Soll dies tatsächlich privaten Profiteuren überlassen werden? Nach leidvollen Erfahrungen mit der Vermietung Anfang der 80er Jahre, ist die Stadt einen andern weg gegangen. Sie hat mit einem privaten Bierverleger einen Pachtvertrag geschlossen und erhält eine relativ geringe Pacht. Der Bierverleger hat das Objekt auf westfälisch-rustikale Art eingerichtet und verpachtet es weiter. Das war nach Anlaufschwierigkeiten in den letzten Jahren erfolgreich. Doch seit dem 1. Januar ist „die Posthalterei“ geschlossen. Sieben Jahren hatte eine Gruppe um Wirtin Heidi Jürgens das Lokal erfolgreich bewirtschaftet, mit dem Jahresende 2006 aber die Segel gestrichen. Ein ganz wesentlicher Grund: Die Nebenkosten. Insbesondere die Heizkosten waren extrem hoch, „fast eine zweite Miete“ sagt Heidi Jürgens. Der Bierverleger war nicht bereit, etwas für die Heizkostenersparnis zu investieren, weil das Sache des Eigentümers sei. Die Stadt als Hauseigentümer auch nicht. Ob diese negative Haltung eine Folge der Polemiken a la Jens Beeck ist, weiß ich nicht. Es ist jedenfalls ein Fehler, wenn der zuständige städtische Eigenbetrieb mit dem markanten Namen „Zentrale Gebäudewirtschaft“ selbstverständliche Investitionen unterlässt und dadurch ein derart prominenter Leerstand die Folge ist. Eigentum verpflichtet zum Handeln, auch wenn Jens Beeck gegen das städtische Gebäudeeigentum polemisiert und man als städtischer Bediensteter vielleicht eher seine Ruhe haben will, anstatt Beecks ideologische Positionen aktiv zu widerlegen.
Heute soll nun doch der neue Pachtvertrag unterschrieben werden. Bernhard ButenDer Gastwirt Kanne-Hunfeld aus Heede wird ab Mitte Februar die Posthalterei bewirtschaften. Ein „Nicht-Lingener“, der bisher gastronomisch im nördlichen Emsland tätig war. Wünschen wir ihm Erfolg und eine glückliche Hand in unserer Stadt.
Heidi Jürgens, die Anfang Februar das „Litfaß“ in der Clubstraße wiedereröffnet, hat sieben Jahre in der Posthalterei bewiesen, wie richtig gut das geht.

off topic: Klage

8. Januar 2007

Der Verein Netzwerk Recherche eV veröffentlicht diesen Aufruf:

Mitmachen! Verfassungsklage gegen Vorratsdatenspeicherung.
Die Regierung plant, ab Mitte 2007 zur „verbesserten Strafverfolgung“ die Einfuehrung der Vorratsdatenspeicherung. Dann wird nachvollziehbar werden, wer mit wem in den letzten sechs Monaten kommuniziert hat. Per Telefon, Mobil oder via E-Mail. Bei Mobiltelefonaten und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten werden. Anonyme Emailkonten und Anonymisierungsdienste sollen verboten werden.
Zugriff auf die Daten werden Polizei und Staatsanwaltschaft, aber auch auslaendische Staaten erhalten. Mit Hilfe der gespeicherten Daten koennen Bewegungsprofile und Kontaktnetze erstellt werden. Auch Rueckschluesse auf den Inhalt der Kommunikation werden moeglich. Ausnahmen fuer Journalisten wird es nicht geben.
Ob die Vorratsdatenspeicherung gestoppt werden kann, haengt wesentlich vom oeffentlichen Druck ab!
Nachdem die politische Intervention erfolglos blieb, ruft die Inititative „Stoppt die Vorratsdatenspeicherung“ jetzt zu einer Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz auf. Bislang haben sich ueber 6.000 Personen daran beteiligt. Die Beteiligung ist weiterhin moeglich, und Journalisten als Berufsgeheimnistraeger sollten dies tun.
Wer teilnehmen will, muss dazu ein Online-Formular ausfuellen und eine Prozessvollmacht (Ausdruck) erteilen. Mit der Beteiligung sind keine Kosten verbunden. Sollte das Gesetz ueber die Vorratsdatenspeicherung in Kraft treten, wird dann umgehend Klage eingereicht.

Weiterführende Links:
Mitmachen: Sammelklage gegen Vorratsdatenspeicherung

Intitative „Stoppt die Vorratsdatenspeicherung“

Linksammlung inkl. der Gesetzentwürfe

Fragen und Fakten zur Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten
Heise.de . – 23.02.2006

Vorratsspeicherung von Verbindungsdaten in der Telekommunikation
Heise.de . – 01.12.2005

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Zum Verein Netzwerk Recherche:
Der Verein Netzwerk Recherche soll eine Lobby für den in Deutschland vernachlässigten investigativen Journalismus sein. Er vertritt die Interessen jener Kollegen, die oft gegen Widerstände in Verlagen und Sendern intensive Recherche durchsetzen wollen. Der Verein sieht sich in der Pflicht, wenn Funktionsträger den freien Fluss von Informationen behindern, wenn kein Geld für Recherchen zur Verfügung gestellt wird, wenn Kollegen für korrekte, kritische Arbeit angegriffen oder zum Teil sogar juristisch verfolgt werden. Zu den zentralen Zielen des Netzwerks gehört es zudem, die Aus- und Fortbildung im Bereich Recherche zu verbessern. Hierzu erarbeitet der Verein selbst Konzepte, organisiert Seminare mit und kümmert sich um die Vergabe von Recherche-Stipendien.

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Foto: Datenspeicher © Bernd Sterzl, pixelio.de

Premiere

4. Januar 2007

Heute gehen zwei Wochen seit der Ratssitzung vom 21. Dezember zu Ende, und es gilt eine Premiere zu feiern. Über die Ratssitzung hat die „Lingener Tagespost„, einzige lokale Tageszeitung, nämlich bisher nicht berichtet. Das ist neu. Bisher hatte die „LT„, seitdem sie in Lingen erscheint, über jede Zusammenkunft der gewählten Vertreter der Lingener Bevölkerung einen, zwei, drei Tage später berichtet. Diesmal, rund 60 Jahre nach dem ersten Erscheinen ihres Vorgängers „Neue Tagespost“ in Osnabrück -übrigens einer CDU-Lizenzzeitung- nicht. Während sie ihre Leserschaft, wie es scheint, über jedes weihnachtliche Vereinstreffen, jeden neuen gesponserten Trikotsatz und alle Spendensammlungen (heute ganz bedeutsam: Gesellschaftsspiele für Grundschulklassen in Bawinkel) ausführlich und vor allem mit Farbfoto in Kenntnis gesetzt hat, ist die politische Diskussion und Entscheidungsfindung in der Stadt unter den Redaktionstisch gefallen und für die lokale Zeitung offenbar nicht mehr interessant.
Da fällt es dann kaum mehr auf, dass auch der traditionelle Sportrückblick des Jahres (es gibt, was allzu oft in der Lokalpresse verschwiegen wird, tatsächlich Emsland-Sport jenseits des SV Meppen) und die Jahresbilanz der einzelnen Gemeinden im südlichen Emsland zugunsten der neuen, vorgeblich flotten Präsentation von Regenbogen-Belanglosigkeiten gestrichen sind.
Aufgrund ihres großen Einflusses in modernen Demokratien werden die Medien oft als vierte Gewalt bezeichnet. Sie können die „Staatsgewalt“ kontrollieren und unterliegen keiner staatlicher Kontrolle, vor allem keiner Zensur. Aber sie sind den wirtschaftlichen und politischen Interessen der Verleger und intern ihren Vorgaben unterworfen. Die im 18. und 19. Jahrhundert errungene Pressefreiheit ist ein wichtiger Baustein unserer Gesellschaft. Sie endet, wie es bei Wikipedia heißt, mit der Selbstzerstörung durch fortschreitende Pressekonzentration, um sich greifenden Renditedruck in den Medienhäusern und Druck in den Redaktionen.
Wer wie die LT informierende Berichte zugunsten bunter Bilder und flachbrüstiger Geschichtchen hintanstellt, höhlt die Pressefreiheit aus. Wer über wesentliche Dinge im öffentlichen Leben in Lingen erst gar nicht mehr berichtet, kann es auch nicht kontrollieren. Er erweist damit der Demokratie und sich selbst keinen Dienst.
Ach ja: Die Sitzung des Rates am 21. Dezember war übrigens eine lebhafte, diskussionsfreudige Zusammenkunft – wie seit langem nicht mehr. Vielleicht kommt ja doch noch ein Artikelchen…

Gaspreis VIII

3. Januar 2007

Weiterhin beschäftige ich mich mit der Gaspreis-Diskussion. Zum Thema schreibt heute die Süddeutsche Zeitung:

    Drastische Unterschiede bei den Gaspreisen
    Das Bundeskartellamt hat erstmals einen bundesweiten Gaspreisvergleich für Haushaltskunden veröffentlicht – mit verblüffenden Zahlen.
    Drastische Unterschiede bei den Gaspreisen in Deutschland hat das Bundeskartellamt bei seinem ersten bundesweiten Tarifvergleich festgestellt. Die Preisdifferenzen für die gleiche Gasmenge betrugen danach bis zu 59 Prozent, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Kartellamtspräsident Ulf Böge rügte deshalb: „Im Gasbereich kommt der Wettbewerb trotz der Liberalisierung nur schleppend in Gang.“
    Angesichts hoher Preise komme der Kontrolle der Anbieter durch die Wettbewerbsbehörde besondere Bedeutung zu.
    Der von der Kartellbehörde veröffentlichte Gaspreisvergleich (hier geht es zur – derzeit stark überlasteten – pdf-Seite des Kartellamts für 20.000 kwh und für 7.000 kwh) umfasst die Angebote von 739 Gasversorgern im ganzen Land und macht verblüffende Preisunterschiede sichtbar.
    So verlangen die Stadtwerke Soltau in Niedersachsen derzeit als billigster Anbieter für die Versorgung einer Wohnung mit 7.000 Kilowattstunden Gas im Jahr lediglich 381 Euro. Die baden-württembergische Gasversorgung Blaubeuren berechnet dagegen für die gleiche Gasmenge laut Bundeskartellamt 605,86 Euro und damit 59 Prozent mehr.
    Nur wenig kleiner fallen die Preisunterschiede bei der Abnahme größerer Gasmengen aus. So schwankt der Preis für die Versorgung eines Einfamilienhauses mit 20.000 Kilowattstunden im Jahr laut Bundeskartellamt zwischen 972 Euro bei den Städtischen Werken Magdeburg in Sachsen-Anhalt und 1.392,80 Euro bei der bayerischen Inngas.
    Der Preisunterschied beträgt damit auch hier mehr als 43 Prozent. Auch bei der Abnahme noch größerer Gasmengen etwa für ein freistehendes Einfamilienhaus oder ein Sechsfamilienhaus lagen die Preisunterschiede über 40 Prozent. Der vollständige Preisvergleich kann auf der Internetseite der Wettbewerbsbehörde eingesehen werden.
    Böge betonte, angesichts der hohen Preise sei es für Wirtschaft und Verbraucher wichtig, dass die Kartellbehörden prüften, ob die Gasversorger die marktbeherrschende Stellung in ihrem Versorgungsgebiet bei der Preissetzung missbräuchlich ausnutzten.
    Die Veröffentlichung der Gaspreise für Haushaltskunden solle hier mehr Transparenz schaffen. Die nun vorhandene Datenbasis will die Wettbewerbsbehörde nutzen, um ihre Missbrauchsaufsicht noch effektiver zu machen.
    Dabei sollen die Preise der einzelnen Anbieter an besonders effizienten und strukturell vergleichbaren Gasversorgern gemessen werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Kartellamt eine Reihe von Gaspreismissbrauchsverfahren durchgeführt.“

Die Stadtwerke Lingen liegen nach der Kartellamt-Auswertung nicht ungünstig. Sie haben zum 1. Januar den bisherigen Kubikmeter-Gaspreis auf Kilowattstunden („thermische Abrechnung„) umgestellt. 20.000 Kilowattstunden, der Durchschnittsverbrauch eines Einfamilienhauses, kosten im Stadtwerke-Haushaltstarif G2 1132,80 Euro. Damit landet das Unternehmen auf Rang 257 von insgesamt 711 Gaslieferanten.
Deutlich weiter vorn landen die Stadtwerke Lingen beim 7.000-Kilowattstunden-Vergleich, also der Menge, die in etwa für die Beheizung einer Wohnung benötigt wird. Hier liegen die Stadtwerke mit einer Jahresrechnung von 443,23 Euro (Tarif G1) auf Rang 95 von 608 gewerteten Gaslieferanten; 103 Gaslieferbetriebe hatten keine Angaben gemacht.

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Nachtrag vom 8.1.:
Axel Hingst hat zu diesem Blogbeitrag mehrere lange Kommentare („comments“)  eingestellt, die ich (rein äußerlich) für schwer lesbar halte. Ich habe ihm daher diese E-Mail geschrieben:

Guten Morgen, Herr Hingst,

es ist ja sehr spannend, Ihre Auseinandersetzung mit den Stadtwerken zu verfolgen, bloß sprengt die 1:1 Wiedergabe Ihrer Briefe meines Erachtens meinen Blog. Ihre „comments“ sind einfach nicht mehr lesbar.Es wäre besser, wenn Sie künftig Ihre Thesen und Auffassungen inhaltlich zusammenfassen und dann einstellen. OK?

Mit freundlichen Grüßen

Robert Koop